- Was Orbán Merz voraus hat – und warum seine EU-Kritik oft ins Schwarze trifft
Während Friedrich Merz im Modus des Kompromisses regiert, tritt Viktor Orbán als Machtstratege mit klaren Erzählungen auf. Wer Orbáns Erfolg verstehen will, muss über politisches Handwerk sprechen – und unbequeme Fragen zur EU, zu Souveränität und demokratischer Legitimation stellen.
Seit dem 6. Mai 2025 regiert Friedrich Merz als Bundeskanzler. Das macht den Vergleich mit Viktor Orbán nicht unfair, sondern erst richtig lehrreich. Denn Merz ist nun gezwungen, aus Oppositionsdiagnosen Regierungshandeln zu machen – in einem deutschen System, das Macht bewusst verteilt, Konflikte einhegt und Kompromisse erzwingt. Orbán dagegen regiert in einer politischen Architektur, die auf Durchgriff, Dauer und strategische Formbarkeit ausgelegt ist. Wer wissen will, warum Orbán international häufig „wirksamer“ erscheint, muss zuerst über politisches Handwerk sprechen – und erst danach über Sympathie.
Orbáns entscheidender Vorsprung ist seine Fähigkeit, Politik als zusammenhängende Erzählung zu organisieren. Bei ihm ist fast alles an eine übergeordnete Klammer gekoppelt: Souveränität, Schutz, nationale Selbstbehauptung, kulturelle Kontinuität. Das ist kommunikativ brutal effizient. Es macht sein Handeln berechenbar, schafft Bindung und reduziert die Komplexität, die westliche Demokratien oft lähmt. Man kann dieses Narrativ kritisieren, aber man kann nicht behaupten, es sei unklar. Viele Regierungen in Westeuropa wirken im Vergleich wie Krisenmanager ohne Weltbild: Sie reagieren, sie reparieren, sie moderieren – und verlieren dabei den Eindruck von Richtung. Orbán liefert Richtung. In einer Zeit, in der Menschen nach Orientierung suchen, ist das politisches Kapital.
Merz hat es da strukturell schwerer. Seine Regierung ist an Koalitionslogik gebunden, an föderale Vetomöglichkeiten, an Verbände, Gerichte, europäische Abstimmungen und eine Öffentlichkeit, die gleichzeitig schnelle Ergebnisse fordert und jeden Konflikt moralisch auflädt. Selbst wenn Merz die richtige Entscheidung trifft, wird sie in Deutschland häufig als Verhandlungsergebnis wahrgenommen – und Verhandlung klingt selten nach Führung. Orbán kann Entscheidungen eher als Setzung präsentieren. Das verändert nicht nur Tempo, sondern auch Wahrnehmung: Wer setzt, gilt als stark; wer vermittelt, gilt als vorsichtig – selbst wenn der Vermittler im Ergebnis ebenso viel bewegt.
Orbán hat verstanden, wie sehr Legitimität in Europa auch über persönliche Achsen und historische Symbolik läuft
Dazu kommt Orbáns Sinn für Taktung. Er denkt in Sequenzen: Thema definieren, Begriffe besetzen, Gegner in die Defensive zwingen, dann erst die Maßnahme normalisieren. In Berlin wird Politik dagegen vom Tageszyklus gefressen: Debattenwellen, Koalitionskrach, Talkshow-Dramatik, Korrekturen, Nachjustierungen. Orbán nutzt Zeit wie ein Werkzeug; deutsche Politik wird von Zeit oft benutzt. Merz muss dabei nicht nur gegen Opposition, sondern auch gegen die Zentrifugalkräfte des eigenen Betriebs regieren. Orbán regiert gegen Widerstände – aber nicht im selben Maß gegen die inneren Bremsen eines Systems, das das Bremsen zur Tugend erklärt hat.
Orbán hat außerdem etwas, das in Deutschland schnell als anrüchig gilt, aber real existiert: einen ausgeprägten Machtinstinkt. Er weiß, dass Politik nicht nur aus Argumenten besteht, sondern aus Loyalitäten, Ressourcen, Institutionen und Kommunikationswegen. Viele westliche Parteien sprechen lieber über „Haltung“, Orbán organisiert Macht. Er baut Stabilität nicht nur über Programme, sondern über Struktur. Das kann in illiberale Räume kippen – keine Frage. Aber als politische Technik ist es effektiv. Merz kann und will so etwas im deutschen Rahmen nicht nachbilden. Dadurch braucht er eine andere Form von Macht: kulturelle Autorität, narrative Kohärenz, gesellschaftliche Mehrheiten, die nicht jeden Dienstag neu verhandelt werden müssen. Und genau diese Autorität entsteht nicht automatisch, nur weil man Kanzler ist.
Ein unterschätzter Punkt ist Orbáns Beziehungspolitik. Er hat früh verstanden, wie sehr Legitimität in Europa auch über persönliche Achsen und historische Symbolik läuft. Seine lange, öffentlich betonte Nähe zu Helmut Kohl ist dafür das beste Beispiel. Kohl hat Orbán ausdrücklich als Freund bezeichnet. Für Orbán war das nicht bloß Folklore, sondern politisches Kapital: eine Brücke ins deutsche konservative Milieu, ein Siegel der Anschlussfähigkeit, eine Erzählung von Kontinuität zwischen dem antikommunistischen Freiheitskämpfer von 1989 und dem Staatsmann, der angeblich nur „schützt“, was Europa ausmache. Ob man diese Selbstinszenierung teilt oder nicht – Orbán weiß, wie man Symbolik in Stabilität übersetzt. Das ist eine Fähigkeit, die in der technokratischen Nüchternheit Berlins oft unterschätzt wird.
All das erklärt, warum Orbán Merz im politischen Handwerk häufig voraus erscheint. Doch der eigentliche Streit entzündet sich an Orbáns EU-Kritik. Und hier gilt: Man kann Orbáns Schlussfolgerungen ablehnen und ihm trotzdem in Teilen recht geben – gerade, wenn man die EU als Projekt retten will, statt sie schönzureden.
Eine Ordnung, die ihre Außengrenzen nicht schützt, verliert innenpolitisch Vertrauen
Orbáns Kernargument lautet, übersetzt in eine nüchterne Sprache: Die EU hat sich von einer Gemeinschaft zur Ermöglichung nationaler Stärke zu einer Institution entwickelt, die nationale Politik zunehmend ersetzt. Sie trifft Entscheidungen mit enormer Wirkungstiefe, ohne dass die demokratische Rückkopplung mithält. Wer in nationalen Wahlen Regierungen wählt oder abwählt, erlebt immer häufiger, dass zentrale Weichenstellungen längst europäisch vorentschieden sind – durch Kommission, Gerichtshof, Regulierungspakete, Mehrheitsmechanismen. Das schafft ein Legitimationsproblem, das man nicht wegmoderieren kann. Orbán benennt es, während viele westliche Regierungen so tun, als sei jede Kritik daran automatisch „antieuropäisch“.
Hinzu kommt die Schieflage zwischen Gleichheit der Mitgliedstaaten auf dem Papier und realer Hierarchie in der Praxis. Kleine und mittlere Staaten fühlen sich regelmäßig als Regelnehmer, nicht als Regelmacher. Orbán macht daraus eine Souveränitätserzählung: Ungarn lasse sich nicht „belehren“, Ungarn verteidige seine Entscheidungshoheit. Das ist überspitzt, aber nicht aus der Luft gegriffen. Die EU hat ein strukturelles Problem, wenn sie in immer mehr Politikfeldern in die Tiefe reguliert, aber die politische Verantwortung für die Folgen diffus bleibt. Dann wächst der Eindruck einer „Herrschaft ohne Gesicht“ – und genau davon leben Populisten. Orbán hat erkannt: Wer die EU als Projekt stabilisieren will, muss den Konflikt um Zuständigkeiten ehrlich führen. Er führt ihn – aus eigenem Interesse, aber mit einem Punkt, den die EU zu lange verdrängt hat.
Besonders sichtbar wird das bei Migration. Orbán hat früh darauf gesetzt, Grenzen als Symbol politischer Kontrolle zu inszenieren. Man mag die Rhetorik problematisch finden, doch die zugrunde liegende Beobachtung teilen inzwischen viele Regierungen: Eine Ordnung, die ihre Außengrenzen nicht glaubwürdig schützt, verliert innenpolitisch Vertrauen, selbst wenn sie moralisch gute Gründe anführt. Orbáns Provokation bestand darin, das Thema nicht als humanitäre Verwaltungsaufgabe zu behandeln, sondern als Souveränitätsfrage. Damit hat er einen Nerv getroffen, den Westeuropa erst viel später offen anerkannt hat. Merz kämpft heute in Deutschland mit genau diesem Spannungsfeld: Ordnung versprechen, ohne zu spalten; Humanität wahren, ohne Kontrollverlust zu signalisieren. Orbán hat dieses Dilemma politisch für sich gelöst, indem er es zur Identitätsfrage erklärt – und dadurch die Deutungshoheit gewonnen.
Europa der Nationen, nicht der immer engeren Zentralisierung
Auch in der Wirtschafts- und Regulierungspolitik hat Orbáns EU-Kritik einen rationalen Kern. Die EU neigt zu einer Regelungsdichte, die in Brüssel logisch wirkt, in nationalen Realitäten aber als Wachstumsbremse ankommt. Wenn man überall Standards harmonisiert, entsteht zwar Einheitlichkeit, aber auch Trägheit. Orbán übersetzt das in den Satz: „Brüssel versteht unsere Lebenswirklichkeit nicht.“ Wieder: zugespitzt, aber anschlussfähig. Und Anschlussfähigkeit ist in der Politik oft wichtiger als perfekte Differenzierung.
Man kann Orbáns EU-Kritik daher so lesen: nicht als Plädoyer gegen Europa, sondern als Kampf um ein anderes Europa – eines, das stärker auf Subsidiarität, nationale Verantwortung und politische Rechenschaft setzt. Sein Modell ist das Europa der Nationen, nicht das Europa der immer engeren Zentralisierung. Ob das die bessere Zukunft ist, ist strittig. Aber die Frage, die er stellt, ist berechtigt: Wie viel Integration verträgt ein Kontinent, dessen Demokratien emotional und kulturell weiterhin national verankert sind? Wenn die EU das ignoriert, produziert sie Gegenreaktionen – und Orbán ist die erfolgreichste Gegenreaktion Europas.
Der Clou ist: Orbán wirkt nicht nur deshalb stärker als Merz, weil er mehr durchgreifen kann, sondern weil er die Grundkonflikte der Zeit – Souveränität, Kontrolle, Identität, Ordnung – in eine klare Geschichte gießt. Merz regiert in einem System, das Geschichten misstraut und auf Verfahren setzt. Verfahren sind wichtig, aber sie erzeugen selten Begeisterung. Orbán erzeugt Begeisterung – oder Empörung, beides mobilisiert. Merz muss Mehrheiten zusammenhalten, Orbán muss sein Lager verdichten. Verdichten ist einfacher.
Wenn man „noch mehr pro Orbán“ sein will, ohne in blinde Apologie zu kippen, bleibt eine ehrliche Feststellung: Orbán hat eine politische Mechanik perfektioniert, die in Berlin oft nur angekündigt wird. Er liefert Richtung, Priorität, Wiederholung, Konfliktfähigkeit und symbolische Anschlussstellen – bis hin zur bewusst gepflegten Freundschafts-Legende mit Helmut Kohl. Merz kann diese Mechanik nicht kopieren, ohne deutsche Prinzipien zu beschädigen. Aber er muss sie übertreffen, wenn er langfristig gewinnen will: mit einer demokratischen Variante von Entschlossenheit, die nicht verwaltet, sondern ordnet; die nicht spaltet, aber klar ist; die nicht nur reagiert, sondern den Takt vorgibt. Bis das gelingt, bleibt Orbán – bei allen Schattenseiten – der Politiker, der vielen Europäern zeigt, wie Macht in Politik übersetzt wird. Und genau deshalb hat er Merz etwas voraus.
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Der Artikel beschreibt wichtige Punkte. Den für mich wichtigsten Aspekt würde ich aber schärfer formulieren. Orban steht (neben vielen anderen Dingen, die man gut oder schlecht finden kann) für eine Weltsicht mit "Wir und Die". Er spricht für ein (immer auch teilweise imaginiertes oder erst dadurch entstehendes) Wir, gesteht damit anderen auch ihr anderes Wir zu. Merz und die EU sprechen für kein Wir sondern für die Menschheit. Letztlich soll jeder dazugehören, wenn nicht kann er nur Menschenfeind sein, denn dieses umfassende Wir ist als Abbildung des einen, richtigen Menschseins gedacht. Beweise sind, wie nett alle Menschen sind, wenn man sie mal kennen lernt, bzw. wie klar böse Dinge man für alle aufzählen kann, die nicht zu diesem Welt-Wir gehören.
Merz wirkt nicht nur schwach, weil er in eine letztlich gute Kompromissmaschine eingebunden ist, sondern weil er für ein Welt-Wir antritt, das ein wenig einseitig von uns erklärt ist.
Sie verwechseln meiner Ansicht nach das "Wir" des Welt - Kommunismus, Gleichheitsprinzip und das "Wir" der souveränen Staaten.
Da brauchts ja auch keine Grenzen mehr, wenn ich ihr kuscheliges "Wir" weiterführe.
Merz ist nämlich keine Führungspersönlichkeit und das noch nicht einmal im europäischen "Wir" geschweige denn in Deutschland. Orban dagegen ist das, was das ungarische Volk auch von ihm als Präsident erwartet, nämlich der Anführer einer Nation der seine Leute in die Zukunft transferiert.
Nimmt man Orban das Zepter aus der Hand, bekommen die Ungarn wahrscheinlich Verhältnisse wie in GB, Frankreich oder Deutschland.
Und dann werter Herr Michaelis hat es sich bekanntlich schnell "ausge-WIR t" und das hauen und stechen beginnt dann auch in Ungarn.
Ich sage nur Brandmauern und andere Unverschämtheiten ...
Nicht nur ! Die Union und die Grüne Sekte samt den SED- Erben dürften ebenfalls zu den Illusionisten des „wir“ zählen.
Beispiel gefällig: „wir“ schaffen das ….. unbestimmt und schwammig wie alles was seit 2015 von der Union & der vereinten Linken zu hören war ….. vor dem „Ich“ mehr Angst als Vaterlandsliebe 🙈
Mit besten Grüßen aus der Erfurter Erpublik
... ich würde sagen "total einseitig"! Diese mir seit Jahren - auch durch Cicero- und Foristen-Lektüre - deutlich gewordene Hybris, die hierzulande auf allen Ebenen geradezu kindisch gepflegt wird, brummt für meinen Geschmack manchmal vor Blödheit.
Dazu ein Beispiel, das gerade wegen seiner völligen Irrelevanz "für die Welt" von hoch!alimentierten EU-Parlamentariern durchgesetzt wurde: Hafermilch und Hirseschnitzel dürfen nicht mehr so heißen, weil erstere nicht aus einer Zitze und daher keine Milch ist, während Hirse klar macht, dass es kein Fleisch ist und somit (und den zig anderen "Fällen") der Verbraucher (natürlich m/w/d!) getäuscht wird! Haben die´s noch alle?
Ist da die EU nicht unter demokratischen Gesichtspunkten selbst eine "Verbrauchertäuschung"? Und was ist denn dann mit Bärendreck und Liebesperlen(!)?
Das Problem bei "Negerküssen" wurde mit bewußt, als im Freundeskreis auf einmal ein nettes schwarzes Paar war und ich merkte, dass mir da dieses Wort selbst ungut erschien.
Gesellschaften sind immer schwierige Kompromissfindungen, weil Menschen eben nicht vorgegeben die eine richtige Art zu denken und zu leben haben. Diese Kompromissfindung und überhaupt soetwas wie einen Zusammenhalt zu definieren, ist nicht nur schwierig, sondern auch nicht statisch, d.h. es ist mehr ein gemeinsamer Weg, ein gemeinsamer Erzählraum, zu dem man sich immer wieder neu aufrafft und den man zusammen beschreitet und durch dieses gemeinsame Beschreiten auch zusammenwächst.
Westliche europäische Länder und die EU standen aber zunehmend für einen anderen Ansatz: man arbeitete auf das Ziel einer gemeinsamen Menschheit hin. Dass es soetwas wie die eine gemeinsame Menschheit und damit soetwas wie "das eine richtige Menschsein" gibt (alle anderen sind falsch), das wurde vorausgesetzt. Europa sah man auch als historisch verantwortlich und führend (wenn nicht wir, wer dann?). Das ist alles nett gedacht, es gibt auch tolle Impulse, ist aber doch zu welt- und menschenfremd.
Wenn ich unter Orban leben müsste, gäbe es auch Schattenseiten, keine Frage, für viele Gruppen auch krasser. Bei freier Entscheidung lebe ich wahrscheinlich lieber unter Merz, insbesondere wenn es abhängig wäre, ich also nicht einfach gehen könnte. Aber das ist nicht die einzige Frage.
In Orbans Ansatz gibt es ja all die anderen "Die"s, d.h. andere Weltteile, in denen ich leben kann. Im Ansatz der ganz am Menschen orientierten Kräfte sind dagegen schon Merz und Dobrindt untragbar und die Idee ist nicht, dass es andere "Die"s gibt, sondern dass schon Leute wie Merz und Dobrindt nirgendwo auf der Welt sollten wirken können. Andere schon gar nicht.
Müsste ich daher, als Gedankenexperiment, zwischen Orbans Ansatz und dem Ansatz der ganz am Menschen orientierten Kräfte entscheiden, fände ich die Entscheidung schon deutlich schwieriger.
Oder knapper formuliert: ich finde viele am Menschen orientierte Ansätze zu übergriffig, selbsterklärt. Menschen sind offener als diese Schablonen.
Diese beiden verzweifeln allerdings an ihrer eigenen Agenda und der Koalitionspartner schüttet stets weiter fleißig Sand ins Getriebe.
So sieht's leider aus.
Sorry, das ist ein Witz ! Wer ist am Menschen orientiert ? Z.B. in der deutschen Politik? Merz und Kompanie?deren Haltbarkeitsdatum der Wahlversprechen noch nicht einmal von der amtlichen Wahl- Ergebnisanzeige bis zur Wahl des BL dauerte ? Ehrlich, durch welche rosarote Brille sehen Sie ?
I.ü. Waren Sie schon mal in Ungarn ? Vor oder nach dem Zusammenbruchs des Ostblocks ? Die Ungarn mit ihrem Gulasch- Sozialismus war das erreichbare Traumziel eines jeden DDR Urlaubers vor 89. Und danach, hat sich dieses stolze und wunderbare Land sich seine,in großen Teilen, Eigenständigkeit bewahrt.
Mit besten Grüßen aus der Erfurter Republik
sich selbst. Er hat das, was hier ständig beschworen wird: Haltung. Keine gefällige Gefolgschaft für eine zentralistische Bürokratie.
Grüße vom Rand der Erfurter Republik
Inhaltlich ganz auf meiner Linie. Die Ungarn wissen aus leidvoller Vergangenheit was es bedeutet Spielball unterschiedlicher Machtkonstellationen zu sein. Wer wollte es ihnen daher verdenken, widerrum zum Spielball EU-Brüsseler Allmachtsphantasien zu werden. Die "vereinigten Staaten von Europa" sind die Vision derer, die besser einen Arzt aufsuchten. Auf institutioneller Ebene und nur dort soll eine Zwangsgemeinschaft geschaffen werden, die auf kultureller und individueller Ebene niemals funktionieren wird. Europäer sind nun mal kulturhistorisch sehr, sehr weit voneinander entfernt; das ist gut so, weil Wesenskern europäischer Identitäten, Aufklärung und Erfahrungen, Europa zu dem gemacht haben, was es heute ausmacht: Kontinent der Nationen unterschiedlichster Ansprüche. Orban`s Ungarn ist hier prägend. Diese Geschichte ist noch lange nicht auserzählt.
Das wollte schon De Gaulle. Ein Europa der vielen Völker, nicht von Brüssel diktiert und von Luxemburg (EuGH) zementiert.
also wirtschaftlich ist Polen im Moment m.E. der wahre Aufsteiger in der EU. Es hat viele Jahre lang die selbstzerstörerische Energie- und Migrationspolitik eben dieser erfolgreich abgelehnt. Hat jedoch wie praktisch alle Länder Osteuropas oder der industrialisierten Welt ein Nachwuchsproblem.
Eine Landmasse so divers in den Nationalitäten, Bräuchen, Einstellungen, geographischen und klimatischen Verhältnissen von Brüssel aus regieren zu wollen, so wie es jetzt versucht wird, auf Biegen und Brechen, in zu kurzer Zeit, übereilt, unüberlegt und praktisch ohne Kurskorrekturen wird das Ende der EU nur beschleunigt einsetzen lassen!
Erschafft mehr, nicht weniger Regeln in Brüssel, das wird die Staaten an euch binden, GARANTIERT!!
Und ganz wichtig, der Kampf gegen Rechts!
Was ein toller, gerechter Artikel, werter Herr Dr. Hartleb! Ich kann mich nicht erinnern, in einem deutschen Medium mal einen solchen positiven Artikel über Orban und Ungarn gelesen zu haben. Mit voller Wucht dreschen alle (deutsche Medien) auf ihn ein. Wie gesagt, dieser Artikel ist eine Ausnahme. Wenn Cicero bekannter wäre, würden jetzt die links/grünen, und natürlich auch Teile der Union, über ihn (Dr. Hartleb) herfallen. Denn Orban ist in fast allen deutschen Medien ein Paria, der die EU nur ausnimmt. Der nur Mitglied ist, um abzukassieren. Für die Linken und Grünen ist er ein rotes Tuch, weil es in Ungarn fast keine Flüchtlinge oder Migranten gibt. Orban ist für mich ein mutiger Mann, der sich aus den genannten Gründen gegen das Moloch EU stellt. Uschi, die ihn hasst, beißt sich an ihm die Zähne aus. Positiv für ihn, dass andere Ostländer, wie Tschechien und die Slowakei, ihm sehr oft beistehen. Ich bin sehr gespannt, wie die bevorstehenden Wahlen ausgehen.
Mit der Betonung der nationalen Souveränität hat Orbán sicher einen Punkt, genau wie mit seiner Kritik an der EU. Wobei hier das Konstruktive völlig ausfällt. Er stößt ja keine Reformen an, er ist einfach gegen den Brüssler Apparat und nutzt dessen konstruktive Unzulänglichkeit , meist zum finanziellen Vorteil seines Landes. Innenpolitisch ist er übrigens höchst fragwürdig, Vorwürfe von Korruption und Vetternwirtschaft sind nicht aus der Luft gegriffen.
Aber er ist sicher ein begabter Politiker mit einem ausgeprägtem Machtinstinkt, Durchsetzungsvermögen und klarem Profil. Profil ist Merz mittlerweile abhanden gekommen, Durchsetzungsvermögen musste er ja nie wirklich unter Beweis stellen. Machtinstinkt scheint sich mit der Wahl erschöpft zu haben. Ein Machtanspruch als stärkste (der schwachen) Parteien spiegelt sich im Koalitionsvertrag jedenfalls nicht. Da hat man überwiegend klein beigegeben, wie im Tagesgeschäft jetzt ständig.
