Peter Magyar
Wahlsieger Peter Magyar / picture alliance / ZUMAPRESS.com | Attila Husejnow

Ungarn - Magyars Partei bekommt Zweidrittelmehrheit

Machtwechsel in Ungarn: Mit der Zweidrittelmehrheit kann Peter Magyar nicht nur Gesetze, sondern auch die Verfassung ändern. Was das für Orbán, die EU und die Ukraine bedeutet.

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Die Tisza-Partei des ungarischen Oppositionsführers Peter Magyar hat nach Berechnungen der Wahlkommission eine Zweidrittelmehrheit im neuen Parlament erreicht. Nach Auszählung der Stimmzettel in 98,13 Prozent der Wahllokale kommt Tisza auf 138 von 199 Mandaten im Parlament.

Wahlsieger Magyar ließ sich von zehntausenden Anhängern am Budapester Donauufer feiern. „Gemeinsam haben wir das Orban-System abgewählt, gemeinsam haben wir Ungarn befreit“, rief er in die begeisterte Menge. Nach Jahren der Misswirtschaft und Korruption unter dem abgewählten Ministerpräsidenten Viktor Orbán kündigte er einen Neuanfang an.

Orban gestand indes seine Niederlage ein. „Was auch immer kommt, wir werden auch in der Opposition der Heimat dienen“, sagte er vor Anhängern in Budapest. „Die Aufgabe ist klar: Nachdem die Last der Regierungsarbeit nicht mehr auf unseren Schultern liegt, müssen wir unsere eigene Gemeinschaft stärken“, fügte er mit Blick auf seine Anhängerschaft hinzu. Dem Wahlsieger gratulierte er telefonisch.  

Zweidrittelmehrheit gibt Macht für Reformen

Mit der parlamentarischen Zweidrittelmehrheit kann Magyar Reformen durchführen, die Verfassungsänderungen erfordern, sowie Amtsträger austauschen, die Orbán eingesetzt hat. Ohne diese Möglichkeit könnte etwa das Verfassungsgericht Reformvorhaben der künftigen Tisza-Regierung blockieren.

Magyar ging in seiner Wahlnacht-Rede ausdrücklich darauf ein. „Ich fordere alle Marionetten, die uns die (Orbán-)Regierung in den Nacken gesetzt hat, zum Rücktritt auf“, betonte er. Konkret erwähnte er unter anderem den Staatspräsidenten Tamas Sulyok, den Obersten Staatsanwalt Gabor Balint Nagy und die Spitzen des Verfassungsgerichts und der Medienaufsichtsanstalt.

Die Wahl galt als wichtigste Wählerentscheidung seit der demokratischen Wende 1989/90. Orbán hat in seiner Regierungszeit seit 2010 sein Land auf einen Konfrontationskurs zur EU gesteuert und sich mit Russland und der US-Regierung von Präsident Donald Trump verbündet.  

Für die Europäische Union ist diese Wahl richtungsweisend

In der EU blockierte Orbán mit seinen Vetos wichtige Hilfen für die von Russland angegriffene Ukraine. Die Union brachte er damit an den Rand der Handlungsunfähigkeit. Wegen der Verstöße gegen das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit legte die EU Milliardenhilfen auf Eis, die Ungarn zustehen würden. Hingegen will Magyar das Verhältnis seiner Landes zur EU und zu den westlichen Partnern verbessern.  

Die Wahlbeteiligung erreichte einen Rekordwert. Sie betrug eine halbe Stunde vor Schließung der Wahllokale 77,8 Prozent.

Quelle: dpa

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Hans Jürgen Wienroth | Mo., 13. April 2026 - 07:15

„Magyar ging in seiner Wahlnacht-Rede ausdrücklich darauf ein. „Ich fordere alle Marionetten, die uns die (Orbán-)Regierung in den Nacken gesetzt hat, zum Rücktritt auf“, betonte er. Konkret erwähnte er unter anderem den Staatspräsidenten Tamas Sulyok, den Obersten Staatsanwalt Gabor Balint Nagy und die Spitzen des Verfassungsgerichts und der Medienaufsichtsanstalt.“

Was Magyar hier fordert wird gemeinhin, wenn es „Populisten“ machen, als Abschaffung der demokratischen Institutionen bezeichnet. Aber auch hier gilt: Wenn Zwei das Gleiche machen ist es noch lange nicht dasselbe. Zumindest für viele Medien und die „volldemokratische EU“.

was er sich im Wahlkampf verkniffen hatte, da wollte er nur einige innenpolitische Themen herausstellen, um einen großen Unterschied zum Orban zu plakatieren, um diese Wahl zu gewinnen.
Die Stimmen noch nicht vollends ausgezählt, aber seine 2/3 Mehrheit in Parlament bereits sicher, da kamen aus dem Stehgreif einige außenpolitische Themen und Verfassungsänderungsvorhaben zu Sprache, ergo der Unterschied zum Orban wird nicht diametral anders ausfallen, schließlich beherbergt Magyar im seinen Reihen viele Randgruppen, darunter auch Faschisten.
Beispielsweise, hat Magyar nun verlauten lassen, dass nicht Ukraine und Russland vom Interesse sind, sondern nur Ungarn und die NATO.
Tja, die Ungarn sind vom Haus aus Patrioten, und das wird sich weiterhin in der EU stark bemerkbar machen. Beispielsweise wird auch eine Zustimmung für den Ukraine-Kredit sicher nicht umsonst zu bekommen sein.
Also, die bereits gefeierte EU- Ausrichtung Ungarns, die wird baldigst Dämpfer erfahren.

Ingo Frank | Mo., 13. April 2026 - 08:01

auf dem rot grünen Flickenteppich Namens EU, ist nun verschwunden.
Endlich können nun Europas Steuergeldverschwender der EU und deren Mitgliedsstaaten ungehemmt die Taschen Selenskyj‘s füllen …..Bin gespannt wenn die ungarische Wirtschaft und die Bevölkerung auf billiges russisches Öl & Gas verzichten muss, wie dann die Stimmung ist.
Allerdings, und das sei angemerkt, die Wähler in Ungarn haben es so gewollt und es muss folgerichtig auch so akzeptiert werden.
Aber auch dort ist diese Wahl, nur eine vor der nächsten Wahl …….
Auch Trump kam wieder & niemand hätte das gedacht !
MfG a d Erfurter Republik

Hans v. Weissensand | Mo., 13. April 2026 - 08:02

Was viele vergessen, der Aufstieg eines Trump, Orban oder einer AFD hat Ursachen! Hoffe für Ungarn, dass Magyar es schafft diese für Ungarn zu beseitigen. Am mit einer 2/3 Mehrheit ausgestatteten Mandat sollte es nicht liegen!

Armin Latell | Mo., 13. April 2026 - 09:33

Antwort auf von Hans v. Weissensand

wurden demokratisch gewählt und sind dadurch in Regierungsverantwortung gekommen. Die AfD wird auch demokratisch gewählt, allerdings wird sie 100% undemokratisch von jeglicher offizielle Einflussnahme ausgeschlossen. Vielleicht wird das irgendwann einmal beseitigt. An den AfD Wählern soll es nicht liegen! Davon abgesehen: Kohl wurde auch nach 16 Jahre abgewählt, wie es nach ihm weiterging, das sehen und erkennen wir heute (ich habe es "schon" nach 2013 erkannt)

IH | Mo., 13. April 2026 - 08:31

Das Wahlergebnis ist wahrscheinlich manipuliert. Die EU Kommission hat ebenfalls ihren Beitrag geleistet

Urban Will | Mo., 13. April 2026 - 09:16

ihren Kurs der kompletten Vernichtung von Billionen Steuergeld für alles nur nicht das, was den Steuerzahlern nützen könnte.

Die Ungarn werden bald sehen, was sie sich eingebrockt haben, v.a., wenn auch das „Straßenbild“ in Budapest sich dem von Berlin, etc. anpassen wird.
Und die Preise für die Energie in die Höhe schießen, wenn Magyar auf Befehl von Brüssel nun den Hahn für billiges Öl und Gas aus Russland zudreht.

Und ob diese Wahl wirklich mit rechten Dingen zuging, weiß ich nicht. Aber das wird natürlich nie an die Öffentlichkeit kommen.

Aber egal. Gewählt ist gewählt und man muss es akzeptieren.

Wolfgang Borchardt | Mo., 13. April 2026 - 09:19

Demokratie gesprochen. Dieses Wahlergebnis ist kein Sieg der Demokratie, sondern Ausdruck einer Demokratie, in der Wahlergebnisse zu Veränderungen führen. Sonst wäre es eine Diktatur gewesen. Die Frage nach dem, was Orban falsch gemacht hat, wurde bisher nicht gestellt. Wird die neue ungarische Regierung brüsselfolgsamer? Wird sie die Grenzen öffnen? Wie groß wird das migrantische Interesse an Ungarn sein? Das sind wiederum Fragen, die gestellt werden, aber noch nicht beantwortet werden können

Wenn die Migranten nach Ungarn strömen, wenn Russland den Gashahn zudreht, werden die Ungarn bald merken, was sie an Victor Orban hatten. Und die Ungarn haben Paprika im Blut. Da wird es ganz schnell und plötzlich anders. Wer auf die EU hört und die für gut befindet, kann nichts für sein eigenes Land tun. Vielleicht kehrt Orban wie einst Napoleon nochmal zurück. Allerdings dann nicht für ein Waterloo, sondern um die EU zu beerdigen. Ich wünsche den Ungarn viel Verstand, sie werden sicher schnell kapieren, was ihnen Brüssel beschert. Dasselbe gilt auch für Deutschland, Polen und andere: Wer sich Russland zum Feind erklärt, kann nicht alle Tassen im Schrank haben. Derjenige bedient nur us-amerikanische Interessen, Russland als Energielieferant zu diskreditieren und zu verhindern. Denn dies ist der Zweck der us-amerikanischen Politik. Und nichts anderes. Die Ungarn werden das jetzt lernen müssen.