Ukraine: Das Geschäft mit den Leihmüttern - Lieferstopp in der Babyfabrik

Die Ukraine ist eines der wenigen Länder, das eine Leihmutterschaft erlaubt. Wie lukrativ die Reproduktionsmedizin in dem Land wurde, zeigt das Schicksal von 46 Säuglingen. Wegen der momentan geschlossenen Grenzen warten diese in einem Kiewer Hotel auf ihre ausländischen Eltern.

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Bis zu 15.000 Euro für ein Baby: Für viele Frauen in der Ukraine ist das ein lohnendes Geschäft / dpa

Autoreninfo

Thomas Dudek kam 1975 im polnischen Zabrze zur Welt, wuchs jedoch in Duisburg auf. Seit seinem Studium der Geschichts­­wissen­schaft, Politik und Slawistik und einer kurzen Tätigkeit am Deutschen Polen-Institut arbei­tet er als Journalist.

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Es ist ein verstörendes YouTube-Video, das seit der vergangenen Woche in der Ukraine für Schlagzeilen sorgt. „Ich grüße Sie, werte Eltern. Ich heiße Marina. Ich bin Geschäftsführerin des Hotel Venice. 24 Stunden lang befinden sich Ihre Kinder in guter Obhut unserer Kinderpflegerinnen“, sagt da eine junge Dame, während immer wieder 46 Neugeborene gezeigt werden, die von Kinderpflegerinnen versorgt werden. „Täglich werden mit den Babys Spaziergänge gemacht. Die Babys werden gebadet“, erzählt eine der Pflegerinnen in dem Video über den Alltag der Babys, die zurzeit in einem Kiewer Hotel weilen. Der einzige Kontakt der Eltern zu ihren Kindern besteht aus „Zuschaltungen per Internet“, wie eine der Pflegerinnen erklärt. 

Online gestellt wurde das Video am 7. Mai von dem Unternehmen BioTexCom. Es ist eine in der ukrainischen Hauptstadt ansässige Klinik für Reproduktionsmedizin, die sich auf Leihmütterschaften für ausländische Paare spezialisiert hat. Seit Wochen aber bereitet ihr nun die Covid-19-Pandemie Probleme. Da auch die Ukraine ihre Grenzen geschlossen hat, können die aus dem Ausland stammenden Eltern die in der Ukraine geborenen Säuglinge nicht mehr abholen. Diese werden nun in dem zu BioTexCom gehörendem Hotel „Venice“ betreut, zu einem den Umständen entsprechend angepassten Preis, wie sich die Klinik auf ihrer Internetseite rühmt. Statt wie üblich 50 Euro täglich müssen die unter anderem auch aus Deutschland stammenden Eltern pro Kind nur noch die Hälfte für deren Unterbringung und Versorgung zahlen.

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Christa Wallau | Fr, 22. Mai 2020 - 19:35

Wer keine Kinder bekommen kann, der hat die
Möglichkeit, ein Kind zu adoptieren, das als
Waisenkind oder ungewollt geboren wurde.

Frauen dürfen nicht zu Gebärmaschinen degradiert und Kinder nicht zu einer Ware werden.
Kein Mensch hat ein Recht auf ein eigenes Kind,
wie künstlich es auch immer erzeugt und ausgetragen wurde.

Es ist wie beim Organhandel: Er verletzt die
Menschenwürde.
Wenn es uns nicht gelingt, die
Armut in der Welt auf eine anständige und vernünftige Weise zu bekämpfen, dann kommen wir der kalten Unmenschlichkeit jeden Tag ein Stückchen näher.

I ngrid GAthmann | Fr, 22. Mai 2020 - 21:13

Angesichts dieser Horrormelung fehlen mir die Worte zu einem Kommentar. Kinder als Ware auf Bestellung.
Können wir noch tiefer sinken? Deutsche gehören zu den Auftraggebern, obwohl diese Kinderproduktion bei uns verboten ist. Arme Kinder!!!

Ernst-Günther Konrad | Sa, 23. Mai 2020 - 05:47

Was wird man den Kindern später sagen, wo und wie sie entstanden sind? Die Natur hat ihren Grund, warum es Eltern nicht gegeben sein soll, selbst Kinder auf natürlichem Weg zu zeugen. Nur, weil es technischen möglich ist, muss es nicht tatsächlich stattfinden. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Einfach widerlich. Ich frage mich nur, welcher Egoismus bei den Eltern vorherrschen muss, wenn sie "ihre" Nachkommenschaft auf diese Weise sichern wollen. Was wird aus den Kindern werden, wenn sich später herausstellt, dass die biologische Mutter eine andere ist, der Vater nicht der leibliche Erzeuger. Dieses Problem kann man offiziell nur über die Gesetzgebung der Ukraine regeln. Was geht in Frauen vor, die ein Kind austragen und es nach der Geburt weggeben. Wirtschaftliche Not hin oder her. Das ist für mich als Menschenhandel in jeder Weise abzulehnen. In DE suchen Kinder Eltern, weil deren eigene Tod sind oder ihnen behördliche die Kinder weggenommen wurden. Was ist mit denen?