Für uns ein Albtraum, für die Ukrainer schreckliche Realität: Feuerwehreinsatz nach russischen Angriffen auf Odessa / AP Photo

Lehren aus dem Ukraine-Krieg - Unser Wunschdenken verstellt den Blick auf die Realität

Syrien, Krim, Donbass: In Deutschland wollten wir lange nicht wahrhaben, welche Gefahr von Putins Russland ausgeht. Auch jetzt noch, während russische Soldaten die Ukraine verwüsten und deren Bürger töten, dominiert der Wunsch nach schneller Rückkehr zur Normalität. Wir wollen unsere Ruhe. Und das ist fatal.

Autoreninfo

Moritz Gathmann ist Chefreporter bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland.

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Es ist wohl etwas allgemein Menschliches: der Wunsch, Gedanken an das Unvorstellbare zu vertreiben. Ukrainer erzählen mir von Spaziergängen am Vorabend des Kriegsbeginns, auf denen sie einander versicherten: Es wird schon nicht passieren.

Aber womöglich haben wir Deutschen es damit in den letzten Jahrzehnten übertrieben. Warum? Weil uns der innere Frieden, der Wohlstand, die Ruhe wichtiger sind als alles andere. Selbst wenn dort draußen in der Welt etwas passiert, das die Harmonie stört: Am liebsten haben wir es, wenn wieder Ruhe einkehrt. Oder wenn wir uns zumindest in Ruhe mit uns selbst beschäftigen können.

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Enka Hein | So, 3. April 2022 - 16:44

....werter Herr Gathmann.
Aber nennen Sie doch mal Roß und Reiter. WIR haben haben gar nichts.
Dieses WIR oder DIE DEUTSCHEN sind Worthülsen von denen, die dann beim WIR nicht dabei sind.
Angefangen von den heute in den Parlamenten sitzenden Alt68ern, über eine nicht aufgearbeitete SED die im BT sitzt und fleißig von Grünen und SPD hofiert und geduldet wird.
Eine SED die bestens verknüpft ist mit Putins Russland.
Ein Steinmeier der ein inniges Verhältnis zu Lawrow hat. Ein Lindner der der vorschlüge Ukraine solle aufgeben. Eine SPD Geronto Ministerin die verhindert das Waffen geliefert werde.
Grüne die sich mit ideologischer Borniertheit dem CO2 freien Strom aus AKW verweigern und stattdessen von Wind und Sonne träumen.
Grüne und SPD die uns immer mehr Weltenrettung zumuten, aber den D Bürger schon lange nicht mehr vertreten.
Unsere Sozialsyssteme sprengen mit inkompatiblen Wirtschaftsflüchtlingen.
Ukrainer sind echte Flüchtlinge!
Also Herr Gathmann, ran an die Namen!

Urban Will | So, 3. April 2022 - 17:23

Menschheit, seit es sie gibt.
Aber beim Lesen dieses Artikels fragte ich mich, wessen Wunschdenken denn nun den Blick auf die Realität verstellt. Gerade unter dem Aspekt der oben erwähnten Erkenntnis. Aber dazu weiter unten.
Was sehr gut beschrieben wurde, ist die Wolkenkuckucksheim – Politik D's während der letzten Jahrzehnte.
Die martialischen Reden der Links – Grünen erwecken zwar den Eindruck, dass man in der Realität angekommen ist, aber das ist nur der Schein. Einen Tag nach diesem Krieg wird man alles unternehmen, die Aufrüstung wieder zu verzögern.
Zur Realität gehören Atomwaffen und unterschiedliche Denkweisen unterschiedlicher Kulturen.
Die unsrige verbietet, einen für den Aggressor positiven Ausgang auch nur zu denken.. Der Aggressor wiederum sieht sich seit Jahrzehnten gedemütigt.
Der ukr. Sieg ist unser Wunschdenken.
Die Realtät ist d russische Feuerkraft, die sich v Sanktionen nicht wird beeindrucken lassen.
Kapitulation wäre e i n e realist. Option. Kein Scheitern.

auch wenn Sie das hinter vorgeschobenen humanitären Gründen verstecken!

Zu sehr, zu oft, haben Sie den Kreml-Tyrannen hochleben lassen, ihm jüngst noch "hehre Motive" bescheinigt, als er vor mehr als 20 Jahren mal eine freundliche Rede vor dem Bundestag hielt. Seit Tagen bemühen Sie sich, sowohl die angebliche Mitschuld des Westens herauszustellen - eben wie ein guter AfD-Vasall - als auch die Ukraine zur bedingungslosen Kapitulation aufzufordern.

Das begründen Sie mit Sätzen wie "Die Realtät ist d russische Feuerkraft(!), die sich v Sanktionen nicht wird beeindrucken lassen."

Aha, so ist das alles. Frage: Wenn Putins Truppen weiter nach Westen marschieren, Moldawien und danach die Balten ins Visier nehmen, wie ist das dann mit Putins Feuerkraft?

Wenn der Kriegstreiber in seinem Wahn NATO-Territorium angreift, sollte die NATO dann gleichfalls sozusagen präventiv kapitulieren?

Wahrscheinlich. Ich nehme an, Sie haben gegen Putins militärische Erfolge nichts einzuwenden.

Sehr geehrter Herr Will, nein, Kapitulation ist gar keine Alternative, das zeigen die ermordeten Zivilisten, die jetzt nach dem Rückzug der Russen gefunden worden. Sie können sich das offenbar nicht vorstellen, die Ukrainer wussten das vorher. Aus diesem Grunde verteidigen Sie gegen alle Wahrscheinlichkeiten ihr Land mit Zähnen und Klauen. Dieser hartnäckige Widerstand ist die einzige Chance, den die Ukraine hat, wenn der Westen den Verteidigern das notwendige Gerät stellt, ist die Chance sehr gut, dass die Russen sich zurückziehen und mit einem Schein-Erfolg zufrieden geben.

Armin Latell | So, 3. April 2022 - 17:52

wie jeder andere, und wie immer, ganz besonders für die Betroffenen. Er fängt nicht unerwartet oder im Affekt an, sondern kündigt sich an. Wenn aber die Augen und Ohren verschlossen werden, das Wunschdenken, die Träume, die Realitäten verdrängt, darf man sich hinterher nicht beklagen. Buntland leistet sich nach China das teuerste Parlament, gefüllt mit Ahnungslosen, Abzockern, Versagern, Egomanen und Ideologen jeglicher Couleur. Niemanden dort hat die sich abzeichnende Gefahr interessiert, Gendern, Klimarettung, "no borders", wokeness, Kampf regen "räächts" waren wichtiger. Ich jedenfalls bin nicht bereit, für die U. zu hungern oder zu frieren, wie es die Versager von uns wohlfeil fordern. Warum gibt es keine Maßnahmen gegen China (Uiguren, Tibet...) oder die USA (Syrien, Irak, Libyen, Afghanistan...)? Statt dessen soll der Bürger hier zu "seinem" Glück rechtswidrig "geimpft" werden. Ja, unvorstellbare Dinge passieren, aber wir leisten uns einen Tunnelblick, weil das bequemer ist.

Herr Latell, Auch ich schließe mich Ihrem Kommentar an.
Kriege sind grausam, ALLE!
1944 geb., ist mein Leben vom 2. WK geprägt.
Das Leid für Betroffene ist dauerhaft unermesslich.
Allerdings, grenzt in "meinen Augen", die tgl. Berichterstattung darüber,
an populistische Heuchelei.
Tgl. sterben, "OHNE KRIEG", 1000ende Kinder an Hunger, damit andere auf dem Mond fliegen & sich goldene Toilettenpapierhalter leisten. Viele von ihnen verdienen jetzt noch am am Krieg.
Meine Frau u. ich spenden in diesem Bereich u.a. Hilfsorg. seit Jahren mtl., ohne tgl. Brennpunkt. Ich brauche nicht, von denen, aufgefordert werden zu spenden, die für diese Missstände „MITVERANTWORTLICH" sind.
Wenn sie nicht in der Lage sind, eine dauerhafte Lösung herbeizuführen, Sperrt sie, Jedem, mit einem Knüppel bewaffnet, in eine Arena, da können sie sich austoben, ohne, dass das Volk, dass diese, oftmals korrupten Traumtänzer unterhalten, zusätzlich darunter leiden muss.
Wenn es ernst wird, setzen die sich ab.

Journalisten hervorbringen müssten :

"Ja, unvorstellbare Dinge passieren, aber wir leisten uns einen Tunnelblick, weil das bequemer ist."

Auch dem Rest Ihres Kommentares stimme ich zu.
Auch wenn Populisten und "Tunnel-Blicker" Ihre guten Argumente und berechtigten Vergleiche hilflos als "Whataboutism" bezeichnen werden.

Hanno Woitek | So, 3. April 2022 - 17:55

es ist, gelinde gesagt, schon eine Unverschämtheit uns, und damit auch mir, zu unterstellen, wir wünschten uns nichts mehr als die Wiederkehr unserer Ruhe. Damit unterstellen Sie uns Allen Gleichgültigkeit gegen über den Schandtaten und Verbrechen der Russen und Putin. Damit begeben Sie sich in die gleiche schmutzige Demagogie Ecke wie der ukrainische Botschafter und der Springerchef, Döpfner.
Richtig ist, wir wünschen uns so schnell wie möglich wieder einen Frieden und die Einweisung Putins in eine geschlossene Irrenanstalt oder lebenslang in ein Gefängnis. Und die russischen Erdgas und Opel Erträge für den Wiederaufbau der Ukraine. Alle anderen wünsche, z. B. Kriegsbeteiligung durch die Nato wären der pure Überirrsinn. Vielleicht zollen Sie Herrn Scholz und seiner Regierung für ihr handeln einfach nur mal Respekt.Oder bekennen sich zur Klugscheißerei.

Markus Michaelis | So, 3. April 2022 - 19:55

Der Artikel spricht wichtige Punkte an.

Ich denke aber auch, dass wer das Gute, das Wahre, die Gerechtigkeit weltweit und überall durchsetzen will, sehr viel wird kämpfen müssen, und diesen Kampf am Ende auch verlieren wird. Das liegt daran, dass es in der Welt ziemlich verschiedene Meinungen darüber gibt, was das Gute, Wahre, Gerechte ist. Das ist kein Relativismus und kein Appeasement - ich würde das "menschlich" nennen. Menschlichkeit in dem Sinne, dass nichts den Menschen so motoviert, wie der höhere Sinn hinter den Dingen und Gerechtigkeit - aber alle eben verschiedene Vorstellungen haben.

Wovor wir uns Jahrzente gedrückt haben ist darauf zu blicken, dass die Welt so vielfältig ist, darüber zu debattieren, Entscheidungen zu treffen. Vieles wird aber am Ende eher Abgrenzung sein, als die globale Durchsetzung unserer Sicht. Das wäre zwei Nummern zu groß. Aber zu mehr Abgrenzung sollten wir an vielen Stellen kommen - auch das geht im Dialog.

Bernd Windisch | So, 3. April 2022 - 20:57

Was möchte uns der Autor sagen? Jeglichen Handel mit der bösen Welt einstellen? Nicht mehr gut schlafen? Heldenhaft Krieg führen? Deutschland entindustrialisieren?

Bernhard Homa | So, 3. April 2022 - 22:08

So sehr ich Herrn Gathmanns kenntnisreiche Vor-Ort-Berichte schätze: Worauf genau will er hier hinaus? Was konkret sollte man seiner M.n. denn in D oder sonstwo anders machen? Sitzt nicht eher der Autor einem "Wunschdenken" auf: dass es irgendwelche offensichtlich besseren Alternativen gab oder noch gäbe? Davon abgesehen: was "wir" wünschen, tun oder lassen, dürfte für die weitere Entwicklung in der Ukraine ohnehin kaum maßgeblich sein.
NB: die Themen Israel, Iran, Syrien und Nuklearwaffen sind vielleicht auch etwas komplizierter als von Herr Gathmann dargestellt (Stichworte: Irak-Invasion und - Obacht! – völkerrechtswidrig besetzte Gebiete)

Heinrich Dompfaff | So, 3. April 2022 - 22:41

Richtig analysiert, aber auch die Unfähigkeit, die Bedeutung einer massenhaften Invasion von Wirtschaftsmigranten seit! 2015 für unser Gemeinwesen zu erkennen, ist Ausdruck dieser Realitätsverleugung, deren Gallionsfigur die göttliche Kanzlerin war.

Brigitte Simon | Mo, 4. April 2022 - 03:58

"Unser Wunschdenken verstellt den Blick auf die Realität" schreiben Sie werter Herr Gathmann.
Das sehe ich anders. Gerade mein Wunschdenken gibt mir die Kraft, dieses Realität werden zu lassen.
Das steckte auch im Kopf Einsteins, wie er es gerne auf seine Art und Weise erzählte. Und diese Kraft wünsche ich den ukrainischen
Menschen.

Wie sieht die Realität in Putins wahnsinnigem Kopf aus?. Wie ich hörte, gewinnt er an Popu-larität seiner Anhänger. Nur ich, ich Putin, schütze euch vor dem kriegslüsternden, mordernden
ukrainischem Volk. Die orthodoxe Kirche in Person des Bischofs und Patriarchs Kyrill I. spendet Segen in der Kirche.

Am neunten Mai begeht Rußland pompös den
gesetzlichen Feiertag des "S i e g e s". Den Sieg
am neunten Mai 1945, das Inkrafttreten der be-dingungslosen Kapitulation der Wehrmacht Deutschlands im 2. Weltkrieg.

Was hat er vor, um sich als Sieger der Kapitu-lation des Staates Ukraine feiern lassen zu
können? Putin, ein gefährlicher Wahnsinniger.

Christoph Kuhlmann | Mo, 4. April 2022 - 07:32

1.) Mitrüsten

Putin hat zumindest bei der konventionellen Rüstung nicht sehr effizient investiert. Er verbrennt Milliarden ohne viel zu erreichen. Eine schlagkräftige Bundeswehr hätte ihn vielleicht zögern lassen und könnte die Ukraine mit Lieferung von hochwertigen Waffen, unterstützen.

b.) Energiemix
Es ist sicher fatal sich so sehr auf einen Lieferanten zu verlassen. Andererseits AKW sind Hochwertziele, die mit Patriots geschützt werden. Es ist nicht ratsam sich in unruhigen Zeiten auf die Kernenergie zu verlassen. Ein Marschflugkörper reicht ... CO2 Verpressung. Deutschland hat noch Hochmoderne Kohlekraftwerke. Mit dieser Technologie lässt sich das CO2 Abscheiden und im Boden verpressen bzw. kann das CO2 in chemischen Prozessen eingesetzt werden.
Fracking: Deutschland sitzt auf einer Riesenblase von F-gas das kurzfristig gefördert werden kann,

Ja wo denn? Katar finanziert muslimische Guerilla, Saudi-Arabien führt im Jemen Krieg. Wir landen vom Regen in der Traufe.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 4. April 2022 - 08:41

Die von Ihnen benannten Konflikte wurden alle für den Moment scheinbar gelöst. Tatsächlich aber sollen die Kriegshandlungen beendet sein und was passiert dann? Wird tatsächlich alles daran gesetzt, diplomatisch die Ursachen zu analysieren und für eine komplette Entschärfung eines Konfliktes zwischen und mit den Streitparteien solange verhandelt, bis die "Bombe" entschärft ist? Überall wird nur oberflächlich gekratzt und keine wirkliche Ursachenforschung und eine offene Diskussion über Lösungen gefördert, weil sich am Ende jeder selbst der Nächste ist. Zusammenleben bedeutet Kompromisse schließen und ausloten, wie der andere denkt, was er will, was ich denke und was ich will und dann den gemeinsamen Nenner suchen. Ja, die Welt macht es sich einfach. Mich treibt schon lange die Frage um, wie soll es nach dem Krieg in der Ukraine weitergehen? Was sind die Optionen, künftig ein stabiles Auskommen zwischen Russland und der Welt zu initiieren? Will man weiter so machen, nur für den Moment?

Hans Süßenguth-Großmann | Mo, 4. April 2022 - 10:50

Der Wiener Kongress hat ein Jahr, unter Beteiligung Frankreichs, verhandelt und dann war für jedes für europäische Kaff klar und akzeptiert zu wem es gehört und das hat für ca. 50 Jahre Frieden in Europa gesichert. Das 20. Jhd. hatte keine Einsicht dafür, dass auch die Besiegten mit an den Tisch gehören, und die Friedensperioden lagen deshalb nur bei 20 (WK II und 30Jahren (wie aktuell) .
Ich will natürlich nach Kriegsende, in dem die Ukraine und Russland weiterhin Nachbarn sind, zu "bussines as usual" übergehen und die Mehrheit der Deutschen denke ich ebenfalls.
Es gibt ökonomische und ökologische Realitäten, die auch Marie Luise Beck nicht wegpredigen kann.
Krieg ist das größte Unglück, das die Menschen sich selbst zufügen können., da sind wir uns einig. Dass das Leben danach weitergeht ist auch klar.

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