Wahlplakate von Marine Le Pen und Emmanuel Macron
Die Politik von Marine Le Pen und Emmanuel Macron unterscheidet sich genauso radikal wie ihre Persönlichkeit / picture alliance

TV-Duell in Frankreich - „Hohepriesterin der Niederlage“ gegen „Kandidat der Unterwerfung“

Die Fernsehdebatte der französischen Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron vor der entscheidenden Stichwahl am Sonntag wurde mit beispielloser Aggressivität geführt. Vor allem Le Pen setzte auf Angriff – und traf öfter daneben

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Als es dann vorbei war, wirkten Nathalie Saint-Cricq und Christophe Jakubyszyn so erleichtert wie ein Ryanair-Passagier, der es vom obskuren Flughafen Beauvais ins Zentrum von Paris geschafft hat. Eigentlich sollten die beiden das Fernsehduell zwischen den Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron vor der entscheidenden Stichwahl am kommenden Sonntag moderieren. Aber die Journalisten kamen nicht dazu. Zweieinhalb Stunden lang schauten sie in einer erkennbaren Mischung aus Faszination und Abschreckung beinahe erstarrt zu, wie beide Kandidaten eine Verbalattacke nach der anderen gegen den Gegner abfeuerten, in einer Aggressivität, die beispiellos war in der Geschichte der französischen Fernsehdebatten.

Die Themen waren breit gestreut und reichten bis weit in die Vergangenheit zurück, zur französischen Rolle in der Judenverfolgung während des Zweiten Weltkriegs. Im Vordergrund standen die Wirtschaftsprobleme des Landes, der Kampf gegen den Terrorismus und die Zukunft der Europäischen Union. Eigentlich aber ging es vor allem darum, den Gegner zu diskreditieren und bloßzustellen. Kein einziges freundliches Wort verloren Le Pen und Macron übereinander. Dem Zuschauer wurde schnell klar: Zwischen beiden Kandidaten gab und gibt es keine Gemeinsamkeiten. Ihre Politik unterscheidet sich genauso radikal wie ihre Persönlichkeit. Hier die emotionale Provokateurin, dort der rationale Technokrat. Und beide hassen sich.

„Geist der Niederlage“ gegen „Geist des Sieges“

Marine Le Pen wurde zuerst das Wort erteilt, und sie verhehlte keine Sekunde, mit welcher Strategie sie in das Duell gegangen war: Attacke, Attacke, Attacke. „Macron ist der Kandidat der wilden Globalisierung“, sagte sie grinsend und in ironischem Tonfall, ein Günstling der großen Industriekonzerne, der immer noch unter dem Joch des zutiefst unpopulären amtierenden Präsidenten François Hollande stehe und einen kapitalistischen „Krieg jeder gegen jeden“ in Frankreich propagiere. Macron konterte mit dem nicht besonders originellen Vorwurf, Marine Le Pen würde trotz aller „Säuberungen“ im Front National das hässliche rechtsextreme Werk ihres Vaters Jean-Marie fortführen. Die Franzosen müssten sich entscheiden, ob sie den „Geist der Niederlage“ wählen wollten. Er hingegen trage den „Geist des Sieges“, der für ein weiter erfolgreiches Frankreich in der Welt stehe.

Das erste große Thema war die Wirtschaft, vor allem die Arbeitslosigkeit, die unter Jugendlichen besonders hoch ist. „Wir müssen unseren kleinen und mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit gegen, mehr Jobs zu kreieren“, sagte Macron, dafür würde er die strengen Regularien vereinfachen. Le Pen antwortete, es sei wenig verwunderlich, dass Macron für die Privatunternehmen einstehe. „Das sind schließlich Ihre Freunde, mit denen sie gern im La Rotonde essen gehen.“ In dem Pariser Nobelrestaurant hatte Macron nach dem Sieg im ersten Wahlgang gefeiert.

Vieles unter der Gürtellinie

Macron sah seine Möglichkeit für eine Attacke ad hominem wenig später, als Le Pen den Verkauf des Telekomunternehmens SFR mit dem Verkauf des Turbinenherstellers Alstom verwechselte. Es sollte nicht der erste Fehler bleiben, Faktenchecker wiesen nach der Debatte einige Falschaussagen oder Lügen Le Pens nach. „Sie verwechseln die Dossiers. Das ist traurig. Es zeigt, wie wenig Sie vorbereitet sind“, sagte Macron.

Von da an standen Ton und Art der Debatte fest: Um konkrete Inhalte ging es selten, immer aber gegen den Gegner. Ein typischer Dialog:

Macron: „Sie erzählen Quatsch.“

Le Pen: „Spielen Sie nicht mit mir.“

Macron: „Ich spiele nicht, es ist traurig.“

Le Pen: „Ich sehe, dass Sie mit mir Lehrer und Schülerin spielen wollen, aber das ist nicht mein Ding.“

Letzteres war eine nicht sehr subtile Anspielung auf Macrons Ehefrau, die in der Schule seine Lehrerin gewesen war. Es sollte nicht die einzige Attacke unter der Gürtellinie bleiben. Macron sei „ein kaltherzige Banker“, ein „Handlanger der Eliten“ und ein „Kandidat der Unterwerfung“, sagte Le Pen. Macron hingegen bezichtigte sie immer wieder offen der Lüge, hielt ihr vor, Hass zu schüren, denn sie sei die „Hohepriesterin der Niederlage“ und ein „Parasit“ des Systems.

„In jedem Fall regiert eine Frau“

Auch Deutschland und die EU mussten als Unterlage für die Schlammschlacht herhalten. Originell war zumindest der Einwurf Le Pens, Frankreich werde auf jeden Fall von einer Frau regiert werden: „Entweder von mir oder von Angela Merkel.“ Bei der deutschen Bundeskanzlerin würde sich Macron seinen Segen abholen und Frankreich einer ultraliberalen EU schutzlos ausliefern. Sie als Präsidentin hingegen würde „Deutschland leiden“ lassen. Denn Frankreich würde zum Franc zurückkehren, damit automatisch eine Erhöhung der Deutschen Mark nach sich ziehen und die deutsche Wirtschaft in die Knie zwingen.

Genau das Gegenteil werde er tun, entgegnete Macron. Was Le Pen vorschlage, sei ein gefährlicher „Krieg der Währungen“. Ein starkes und vereintes Europa wäre das beste Mittel, um gegen die USA, Russland und China bestehen zu können.

Alte Schemata passen nicht mehr

Es war einer der wenigen Momente, in denen Macron wirklich so staatsmännisch auftrat, wie er sich selbst gern sieht. Sein oft eingeworfenes „Madame Le Pen“ wirkte eher aufgesetzt als souverän. Er muss sich nach der Debatte vorwerfen lassen, sich auf diese Schlammschlacht überhaupt eingelassen zu haben. Aber auch Le Pen, die fahrig wirkte und immer wieder in ihren Notizzetteln herumkramte, dürfte außer bei ihren Anhängern kaum gepunktet haben. Als sie am Ende der Debatte ein Thema ihrer Wahl aussuchen durfte, gab sie freimütig zu, keins zu haben. Zu ihrem Programm gab sie wenig bis gar nichts bekannt. So wirkte ihr Auftritt weniger wie eine Bewerbung um das Amt des Präsidenten, sondern mehr wie ein Testlauf für ihre zukünftige Rolle als mächtigste Stimme der Opposition in Frankreich.

Was bleibt also von dem Duell, außer den Beleidigungen? Vielleicht nach dem Sieg von Donald Trump in den USA eine weitere Bestätigung der Erkenntnis, dass alte Schemata von links und rechts tatsächlich überholt sind, wie Macron selbst immer wieder betont. Viele der wirtschaftsfeindlichen Attacken Le Pens auf Macron hätten ebenso von einem Gewerkschaftsführer stammen können, Macron klang manchmal wie François Mitterand, manchmal wie Jacques Chirac. Die Debatte zeigte wieder auf: Der große gesellschaftliche Spalt unserer Zeit liegt nicht zwischen links und rechts, sondern zwischen offen und geschlossen, zwischen Nation und Welt.

Holger Stockinger | Do, 4. Mai 2017 - 11:06

Das "Hochkochen" von Emotionen (mit Abstand betrachtet) ist kaum etwas anderes als: Das Denkvermögen außer Kraft zu setzen.

Dass ein Nachdenken im voraus nicht möglich ist, wußte bereits Goethe.

Das "Schauspiel" zweier Kontrahenten im Fernsehen ist eine Schmierenkomödie "erster Klasse".

Dass die GEZ-Gebühr erhöht wird, bedarf keiner Prophetie!

Bernhard Jasper | Do, 4. Mai 2017 - 11:15

Ja, Herr Wißmann, man könnte jetzt behaupten, dass ein politisches „Links-Rechts-Schemata“ für eine Analyse nicht mehr greift, ebenso die Begriffe „konservativ“ und „progressiv“ nicht, denn Entscheidungen die uns betreffen, werden heute nicht mehr national, sondern oft global getroffen. Da gibt es auch keine staatliche Autorität, die das (zunächst) steuern könnte.

Und Alexander von Humboldt war ein Vordenker. „Die Horizonte seines Denkens waren offen – so offen wie nur selten in der Geschichte des abendländischen Denkens. Wissenschaft und Bildung sollten keine Bildungsbrocken aufhäufen: Wirkliche Bildung zielte für Alexander von Humboldt vielmehr auf eine Kernkompetenz: die Fähigkeit zum Zusammendenken. Sie bildet die entscheidende Grundlage eines Zusammenlebens in wechselseitiger Achtung der Differenz. Nicht nur in der Natur ist für Humboldt alles Wechselwirkung.“

Heiner Hannappel | Do, 4. Mai 2017 - 11:20

Die Politiker der Vergangenheit, besonders Hollande, haben es geschafft, dass die Unzufriedenheit in Frankreich mit dem politischen System nun die ehemals etablierten Parteien hinwegfegte und nur noch zwei Kandidaten übrig lies, die gegensätzlicher nicht sein können, aber die Stimmung und Zustände in Frankreich widerspiegeln.Macron wird in Kanzlerin Merkel die Ideale Partnerin haben und umgekehrt, was aber die Hälfte der Franzosen nicht begeistern kann, die sich benachteiligt und abgehängt fühlen.Wenn Marine le Penn in der Opposition ist, wird sie die größte und einflussreichste Opposition sein die Frankreich seit langem hatte.Mit Macron wird europa nicht weiter schaden nehmen, mit Le Penn schon und das macht mir Macron als überzeugter Europäer sympathisch. Wie unzufrieden die Franzosen letztlich sind, wird das Wahlergebnis am kommenden Sonntag zeigen.Dieses respektieren und damit zurechtkommen müssen wir allemal, auch wenn es Le Penn ist die obsiegt. Quo vadis Europa?

Michael Ludwig | Do, 4. Mai 2017 - 21:04

In reply to by Heiner Hannappel

Sorry, Herr Hannappl, die Damen und Herren in Brüssel haben eine eigentlich
tolle Idee, so was von gegen die Wand gefahren, dass man nur noch fassungslos
sein kann. Sie können den Kopf in den Sand stecken und von einem Retter Macron
träumen. Dann fliegen uns die Trümmer einige Jahre später um die Ohren. Mit
Marine le Penn wäre es wenigstes ein Ende mit Schrecken und uns bleibt etwas
Restvermögen. Nach 4 Jahren Macron wird wohl von uns als Zahlmeister wohl
kaum noch ein Cent übrig sein.

Christoph Hänsch | Do, 4. Mai 2017 - 11:28

hat nichts gegen "kaltherzige Banker". Zumindest wenn sie aus Russland kommen und ihren Wahlkampf teilweise finanzieren. Und da Russland nach wie vor die Hoheit über Osteuropa beansprucht, ist das natürlich ein Spiel mit dem Feuer.

Bei allem Bedauern über die Art des Wahlkampfes, so kann man doch immerhin feststellen, dass sich hier immerhin ein Kampf bietet, der den Namen zu recht trägt. Denn wenigstens werden wirkliche Alternativen angeboten. Dieses mal geht es wenigstens um etwas. Manche nennen das Demokratie.

Die Behauptung, "das alte Schemata von links und rechts tatsächlich ist überholt", halte ich für falsch. Man muss nur die Sache kulturell betrachten und vor allem Innen- und Außenpolitik trennen. Theoretisch haben Konservative gute moralische Gründe, keine eigenen Landsleute zu opfern, um Fremden in ihren Ländern zu helfen. Allerdings verwirken sie damit unter Umständen die Möglichkeit, der Welt zu Stabilität zu verhelfen. ...Nicht unbedingt eine unkonservative Haltung.

bevor Sie solche Behauptungen bezgl. der Finzanzierung des FN durch Rußland hier verbreiten, sollten Sie sich besser informieren. Der FN ist deshalb auf Putin zugegangen, weil die französischen Banken dem FN keine Kredite mehr genehmigten. So wurde versucht, eine legitime Partei als Konkurrenz loszuwerden.

Christoph Hänsch | Do, 4. Mai 2017 - 13:47

In reply to by Reinhold Wechsel

Der Vater von Marine Le Pen nahm in den 90ern von Saddam Hussein Millionen an. Auch hier wäre mir ziemlich egal, ob nicht Le Pen auf den Diktator sondern der Diktator auf Le Pen zuging. Le Pen hätte das Geld nicht annehmen sollen, denn so machte er sich einerseits moralisch schuldig und andererseits wahrscheinlich erpressbar.

Die Verweigerung von Krediten an FN mögen zwar politische Einflussnahme sein. Aber immerhin ist es eine legale Methode und dann muss sich der FN eben entradikalisieren oder Geduld haben. Dies entschuldigt keine Geschäfte mit dem Putin-Regime.

Vielleicht hatte das französische Establishment übrigens gute Gründe. Einer der bedeutendsten Vordenker der amerikafeindlichen “Achse Paris-Berlin-Moskau” ist Henri De Groussouvre. Dessen Vater war Verantwortlicher für nationale Sicherheit unter dem naziokupierten Vichy-Regime. Groussouvre hält heute Verbindungen zum russischen Rechtsextremen Alexander Dugin sowie europäischen Gladio-Netzwerken.

Vorsicht!

(Zitat)Allerdings verwirken sie damit unter Umständen die Möglichkeit, der Welt zu Stabilität zu verhelfen. ...Nicht unbedingt eine unkonservative Haltung: Sie vergessen,dass der Westen Afghanistan ,Irak ,Libyen und zuletzt Syrien in ein Chaos gestürzt haben welches Täglich viele Opfer kostet. Dies hat auch zu vielen Religiösen und Gesellschaftlichen Problemen in Westeuropa geführt .

Heidemarie Heim | Do, 4. Mai 2017 - 11:35

Ich sah und hörte es mir an und dachte fortwährend, das es schade ist,das ich diese wunderbar klingende französische Sprache nicht beherrsche.Die recht mühsam anzuhörende Simultanübersetzung hinterließ,so sich beide nicht gerade in persönlichen Angriffen ergingen,einen Eindruck mangelnder politischer Kompetenz bei
beiden.Ich wüsste als Franzose wirklich nicht wem
ich die Geschicke meines Landes und meiner Gesellschaft anvertrauen sollte.Einer Person,die
behauptet eine wahre Patriotin zu sein,was aber
noch keine Qualifikation zum höchsten Staatsamt
an sich ist.Oder einem geschulten,schon politisch
(zu)glatt geschliffenen Vertreter aus der französischen Elite,der ja eigentlich auch eine
Madame Le Pen ursprünglich angehört.Also eigentlich die gleiche Konstellation wie bei den
US-Wahlen.Wem also Vertrauen schenken?Fazit:
TV-Duelle sind nicht das richtige Format.Sei denn
man liebt Brot&Spiele-Auseinandersetzungen auf
niederem Niveau.MfG

Robert Flag | Do, 4. Mai 2017 - 12:49

Man sollte die Verbalattacken der Kandidaten nicht überbewerten. Im Wahlkampf 1980 ging es ähnlich zur Sache. Auch Adenauer ging mit seinem Kontrahenden Brandt nicht gerade zimperlich um.
Bemerkenswert ist vielmehr, daß es Le Pen trotz des Medien-Trommelfeuers überhaupt so weit geschafft hat.

Dr. Lothar Sukstorf | Do, 4. Mai 2017 - 12:57

Mein Befinden: wenn es darum ginge, Merkel zu "beschleunigen", ihr auf die Sprünge zu helfen; ihr und Junckers und Co. gehörig auf die Füsse zu treten, damit sich endlich Entscheidendes tut - dann müsste man Le Pen wählen. Ich erinnnere an die Reaktion auf das Brexit-Referendum; dazu hat man in Europa auch "geplärrt", es sei jetzt eine Cäsur, man müsse sich und vieles ändern. Und was ist passiert? Nichts, außer eine "harte" Verhandlungsposition zu GB einzunehmen. Wer es glaubt, wird selig! Damit Merkel und Europa die Positionen zur Flüchtlingsfrage grundlegend ändern, wäre Marine Le Pen der richtige Stimulans. Wenn bei uns, die links-grünen Meinungsdeutungshoheiten schwinden sollen, dann wäre MLP die richtige Wahl. Ich habe die Debatte verfolgt; lieber harte Bandagen als seichtes, politisch korrektes, nichtssagendes Geschwafel. Wenn man sich wünscht, daß sich in D. vieles in eine andere Richtung drehen möge, dann wäre MLP die richtige Wahl.

Front National und AFD sind ein Produkt der bisherigen Politk,beide Parteien sind Entwicklungsfähig.Alle anderen Parteien sehen sich nur gezwungen die Folgen ihrer eigenen Politik durch gelegentliche Schwenks nach rechts zu entschärfen.Sie Entwickeln sich nicht nach den Bedürfnissen sondern nach ihren Fehlern.

Danke für die angeregte Diskussion.Vom "Gefühl" her gehe ich mit vielem in ihrer Aussage konform.Insbesondere was den Brexit und die nicht daraus erfolgten Lehren betrifft.Habe zum "Holzwegartikel" von Prof.Jäger entsprechenden Kommentar verfasst,der es aber scheinbar nicht durch die Administration schaffte.Das Ansinnen mit MLP der EU und anderen Akteuren das Fürchten zu lehren ist ja schon eingetreten. Aber ich fürchte, bzw.kann es nicht beurteilen,inwieweit ein Frexit mit Währungswechsel uns ein "französisches Griechenlandszenario" bescheren würde.Da wird einfach zuviel unter der Decke gehalten.Wieviel Sprengkraft steckt da wirklich hinter?Wann und wie geht der Deckel hoch? Sehr schwierig,zumal wir auch bald zu wählen haben und ich eigentlich mit dem eigenen Schicksal hadere bei der Qual der Wahl. MfG

@Dr. Sukstorf: Ich gebe ja zu, mir ging es ähnlich. Nach Brexit und Trump-Wahl wünschte ich mir eine Zeitlang Marine Le Pen als französische Präsidentin; als eine Art finalen Schock gegen das linke Meinungskartell und den anhaltenden Crashkurs der EU. Nur: Die erklärte Antikapitalistin und Bankenhasserin Le Pen ist leider vollständig inkompetent in Wirtschaftsfragen, hat sich mit Putin den falschen Verbündeten im Ausland ausgesucht und ist in vielen anderen Fragen kaum von dem ultralinken Melenchon zu unterscheiden. Nein: Marine Le Pen wird es weder sein, die Frankreich aus der Krise führen noch der EU die notwendigen Impulse geben wird.

Wolfgang Lang | Do, 4. Mai 2017 - 13:18

die da Oben gegen die da unten. Die Wenigen gegen die Vielen. Die Wenigen haben inzwischen fast alles gekauft. Die Politiker, die Medien, die Filmindustrie, die Geheimdienste, die Firmen, die Banken, die Versicherungen... Wer kann da noch was ändern? Nur eine Revolution, die das Oberste zu Unterst kehrt. Freiwillig werden die Rockefellers, Morgans, Schiffs, Rothschilds, Lazards, der schwarze Adel, Kuhn/Loebs etc. die Fleischtröge nicht räumen. Ihr System des verzinsten Schuldgeldes schaufelt ihnen automatisch über das Mittel des Zinses die Milliarden und Billionen ohne Polizeigewalt auf die Konten. Es bezahlen die Armen, die Fleißigen, die Natur. Irgendwann kracht es. Dann wird Blut fließen. Nicht umsonst übt die Bundeswehr Häuserkampf. Nicht umsonst will Schäuble seit Jahren die Bundeswehr im Innern einsetzen. Nicht umsonst hat die EU eine eigene Truppe aufgestellt. Wenn auf die Bevölkerung geschossen werden muss, ist es besser, dass es keine Leute aus der eigenen Bevölkerung sind.

Die Globalisierung hat den Großen immens gesteigerte Gewinne auf weltweit ausgeweiteten Märkten ohne Zollschranken, den Kleinen Konkurrenz von Billiganbietern der eigenen Leistung beschert. Die Renationalisierung ist nichts anderes als der Widerstand dagegen, ständig zu Verlierern gemacht werden. Fragen Sie die nordfranzösischen Milchbauern nach LePen.

Noch können die Großen diesen Furor managen, noch können sie die neuen "populistischen" Bewegungen desavouieren und klein halten. Aber das wird nicht ewig klappen. Jeder Krug geht solange zu Wasser, bis er bricht.

werner offergeld | Do, 4. Mai 2017 - 14:06

Also, wenn schon solche obskuren Begriffe wie "Hohepriesterin" dann doch eher zutreffend für Merkel. Das zu dem.
Als Saarländer mit französischen Wurzeln und regelmäßigem Konsum französischer Fernseh- und Rundfunkbeiträge (die deutschen sind diesbezüglich, auch was die Fernsehwerbung betrifft, noch in der tiefsten Steinzeit) habe ich diese Sendung natürlich gesehen. Es ist so, wie Ulrich Wickert am Sonntag in der Sendung "Presseclub" versuchte zu erklären. Wir Deutsche versuchen ständig unseren Maßstab den Amerikanern, Franzosen und allen weiteren Ländern dieser Erde auf Kongruenz zu bringen. Nur, das klappt nicht und wird nie klappen. Dazu sind die Franzosen viel zu demokratisch und selbstbewusst. Sie werden sich entscheiden müssen. Übrigens, ganz so martialisch wie Herr Wißmann die Sendung beschreibt, war es nicht. Er ist es wohl eher von den deutschen Moderatoren gewohnt die vorher den Kontrahenten vorgelegten Fragen gebetsmühlenartig runterzuleiern.

Sepp Kneip | Do, 4. Mai 2017 - 14:40

"Der große gesellschaftliche Spalt unserer Zeit liegt nicht zwischen links und rechts, sondern zwischen offen und geschlossen, zwischen Nation und Welt."

Zwischen Nation und Welt muss kein Spalt sein. Dieser Spalt wird von den Globalisierern durch Einschlagen von Keilen erzeugt. Ein solcher Keil ist die Massenimigration, die Identitäten, Kulturen und Nationen vernichtet. Nein, die Welt braucht Identitäten und Nationen. Der Franzose will Franzose bleiben und der Deutsche Deutscher. Das heißt doch nicht, dass man deshalb nicht in einem refomierten Europa gut zusammen leben könnte. In Vorwahl-Debatten wird geklotzt. Das ist nun mal so. Die ganzen Erscheinungen, wie das Erstarken europakritischer Parteien und der Brexit, haben es bisher nicht fertig gebracht, dass sich die EU auch nur einen Schritt bewegt hätte. Es bedarf vielleicht tastsächlich auch noch eines Sieges von Le Pen, um die EU wachzurütteln und aus den Fängen der strippenziehenden Multikulturalisten zu befreien.

Dimitri Gales | Do, 4. Mai 2017 - 14:40

der Aggressivität, die auch in der Gesellschaft herrscht; oft ist eine maskierte, sogar lächelnde Aggressiviät und Feindseligkeit. Insbesondere im Konkurrenz-und Rivalitätskampf.
In der Debatte ging es nicht so sehr um künftige Regierungsprogramme, sondern um Sieg oder Neiderlage von zwei Personen; das ist charakteristisch für das französische System. Eine Präsidentschaftskampagne wird vorbereitet und erkämpft wie ein Vorbereitung zur Aufnahmeprüfung der Elitehochschule ENA. Alles dreht sich also eher um Personen und Karrierepläne. Das war auch in der Debatte deutlich zu sehen. Eine solche aggressionsbetonte Debatte zwischen Präsidentschaftskandidaten hatte es bisher in Frankreich nicht gegeben.
Ich nehme an, dass deshalb viele Franzosen am Sonntag nicht zur Wahl gehen werden.

helmut armbruster | Do, 4. Mai 2017 - 14:43

zwei perfekte Beispiele wie es nicht gemacht werden sollte. Die Kandidaten glauben offenbar, dass das Publikum eine solche Schlammschlacht ohne Inhalte gut findet und sie damit punkten können. Es könnte auch sein,dass sie sich da ziemlich irren. Zu viel Dreck und Gosse ist nämlich abstoßend. Das Publikum könnte solcher Peinlichkeiten überdrüssig werden. Was dann passieren kann ist offen, vor allem in Frankreich.

Seit der Generalsekretär der CDU, Herr Dr. Peter Tauber vor Parteifreunden (?) den Satz aussprach "Wer nicht für Merkel ist, ist ein A....loch (voll ausgesprochen)!" sind auch hier im Land "Dreck und Gosse" angekommen - und das "ganz oben". Dass die Wählerinnen, die nicht alles abnicken (wollen), was Frau M. so veranstaltet, sich davon nicht geschmeichelt fühlen könnten, ist wohl außerhalb vom Verständnis des Herrn. Ich für meine Person werde die Partei jedenfalls nicht mit der Wählerstimme eines solchen A....lochs belästigen. Das erstaunlichste aber: Der Spitzenkandidat der CDU in Schleswig-Holstein sieht darin eine "gute innerparteiliche Kommunikation, die er sogar verbessert habe." Wie muss es wohl vor dieser "Verbesserung" zugegangen sein in der Partei und im Umgang mit dem Wähler als kritischer Bürger?

Thorsten Rosché | Do, 4. Mai 2017 - 15:54

Es war ein ganz normaler Schlagabtausch, wie in der Politik üblich und kein Waffengang wie uns die deutsche Presse weis machen will. In Deutschland gibt es seit Merkel keine Streitkultur mehr. Ich habe die Sendung gesehen und brauche keinen Simultanübersetzer. Über den Sieger könnte man streiten, der Gockel Macron war es jedenfalls nicht eindeutig.

Frank Linnhoff | Do, 4. Mai 2017 - 19:12

Wenn Eines nicht beim französischen Wähler ankommt, dann ist es eine vulgäre Präsidentschaftskandidaten. Frau Le Pen hat sich gestern Abend selbst demontiert. Diese Wahl ist für sie verloren. Ob sie es in 5 Jahren wieder in die Stichwahl schafft steht in den Sternen.

ingrid Dietz | Fr, 5. Mai 2017 - 10:43

In reply to by Frank Linnhoff

Nein, Macron hat sich mit seinem Wunsch nach noch mehr EU demontiert !
Klar, er ist Merkels und Junckers Wunschkandidat -
aber sicherlich nicht meiner und der vielen Franzosen auch nicht !

Robert Müller | Fr, 5. Mai 2017 - 07:16

Erinnert mich an das TV-Gespräch in Österreich vor der Bundespräsidentenwahl dort.

"Der große gesellschaftliche Spalt unserer Zeit liegt nicht zwischen links und rechts, sondern zwischen offen und geschlossen, zwischen Nation und Welt." Ich glaube das trifft es nicht ganz. Der Punkt ist wohl eher, dass bei einer falschen Politik die Interessen von Nation und Welt gegeneinander stehen und nicht zusammen gehen. Wenn Regionen über Jahrzehnte abgehängt sind, dann kommt es halt zur Revolution. Siehe Beispiel DDR. Die Politik muss das begreifen und ernsthafte Schritte unternehmen. Ansonsten wird bsw. Süditalien auch anderswo zum Dauerzustand, denn erst kommt der Aufstand, dann die Verzweiflung und Apathie. In Süditalien ist letztere der Normalfall. Also Macron muss den Regionen neues Leben einhauchen, wo jetzt LePen stark ist oder es kommt zur Katastrophe. LePen ist nur ein Symptom der Probleme, das übersehen leider viele Leute.

Günter Maybach | Fr, 5. Mai 2017 - 13:48

als Merkel's "Schoßhündchen" wird Macron wunderbar ausfüllen. Ältere Frauen sind ihm angenehm. Damit ist nichts gegen die Bundrskanzlerin gesagt; aber es dürfte eine harmonische deutsch-französische politische Liaison werden.

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