Sudan im Aufruhr - „ Die Geduld der Leute ist am Ende “

Vor zwei Jahren fegte eine Revolution im Sudan die Regierung des islamistischen Präsidenten Omar al Baschir hinweg. Doch jetzt haben die Militärs das Land fest im Griff und kontrollieren praktisch die gesamte Wirtschaft. Die Bevölkerung hungert und ist wütend.

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Junge Demonstranten in Sudans Hauptstadt Khartum, Dezember 2020 / Johanna-Maria Fritz

Autoreninfo

Andrzej Rybak, geboren 1958 in Warschau, ist Journalist und lebt in Hamburg. Er arbeitete mehrere Jahre als Redakteur und Reporter für Die Woche, den Spiegel und die Financial Times Deutschland, berichtete als Korrespondent aus Moskau und Warschau. Seit vier Jahren schreibt er als Autor vor allem über Lateinamerika und Afrika u. a. für Die Zeit, Focus und Capital.

So erreichen Sie Andrzej Rybak:

Über den Häusern des Khartumer Stadtteils Burri steigt schwarzer Rauch empor. In der Al-Maarad-Straße brennen Reifen, Steinbrocken und Metallschrott blockieren die Fahrbahn. Zwei Dutzend Jugendliche, darunter auch Frauen, haben sich hinter der Barrikade versammelt und passen auf, dass kein Auto durchfahren kann. Sie schreien sich gegenseitig Mut zu: „Nieder mit den Generälen“ und „Wir wollen Brot“. 

Manche Passanten bleiben stehen und schauen den Demonstranten verständnisvoll zu. Von den Dachterrassen der benachbarten Häuser stimmen Frauen und Kinder in die Protestgesänge ein. Die Stimmung ist fröhlich, wie bei einer Schulübung in zivilem Ungehorsam. Die Polizei und Staatssicherheit lassen sich nicht blicken. Nur vor den Armeeeinrichtungen und Regierungsgebäuden wird die Militärpräsenz verstärkt. 

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Christa Wallau | So, 23. Mai 2021 - 01:53

scheint es nur zwei Möglichkeiten zu geben, eine Regierung zustande zu bringen: Entweder die Islamisten regieren im Land oder das Militär (siehe Ägypten).
Beide Optionen sind nicht gut für Menschen, die sich nach Freiheit, Selbstbestimmung und Chancengleichheit sehnen. Immerhin gesteht ihnen eine Militärregierung meistens etwas mehr Freiheiten zu als die Islamisten. Wenn die Generäle und ihre Leute allerdings - was oft der Fall ist - korrupt und egoistisch sind, dann kann sich auch kein wirklicher Fortschritt im Hinblick auf das allgemeine Wohlergehen der Bevölkerung entwickeln.

Leider ist skrupellose Selbstbedienung der Herrschenden in Afrika fast die Regel und nicht etwa eine Ausnahme. Dies hat sicher viel zu tun mit der alten Stammeskultur, die in erster Linie immer den eigenen Stamm bediente und wenig Empathie für andere Menschen aufkommen ließ.

Keine Entsorgung der Jugend durch westliche Gutmenschen und Seenotretter, bei deren Dienst für die örtlichen Oligarchien, korrupten Eliten und Rohstoffkonzerne.

Die asiatische, arabische und afrikanische Welt braucht den sozialrevolutionären Jugendwiderstand für die wirtschaftliche und sozial-ökologische und gesellschaftspolitische Umwälzung in ihren Ländern und Regionen.

►Dazu gehört auch die Beseitigung der Golfmonarchien: Saudi-Arabien, Katar, VAE und Kuwait.

►Der ererbte Reichtum der feudalen Monarchien und persönlich leistungslosen Kleptokratien muss allen arabisch-afrikanischen Völkern für ihre vom Westen und Fernost unabhängige wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung zur Verfügung stehen.

●, an diesem sozialrevolutionären Jugendwiderstand müssen sich auch alle asiatischen, arabischen und afrikanischen Migranten und Asylanten, Sozialflüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlinge in Deutschland und Europa vor Ort persönlich und aktiv beteiligen.

Christoph Kuhlmann | So, 23. Mai 2021 - 09:16

an Rechtsunsicherheit sind ein Teufelskreis dem nur schwer zu entkommen ist. Zumal mögliche Geberkonferenzen mit Staaten besetzt sind, die gerade erhebliche Schulden aufnehmen. Die Frage ist dann auch wo die Hilfen versickern. Investitionen setzen Investoren vor Ort voraus. Wer will da leben. Man könnte sicher die Schulden streichen, aber auch nach solchen Programmen wird die Nachfrage nach Corona weltweit sehr hoch sein. Ich hoffe es gibt keine Hungerkrise, wenn die Region weiter austrocknet.

Bernd Muhlack | So, 23. Mai 2021 - 16:02

Wie sagte Peter Scholl-Latour so trefflich?
"Afrika, der verlorene Kontinent!"
Im Gegensatz zu vielen anderen Journalisten war er immer selbst vor Ort, berichtete über das Gesehene, Erlebte.
Nein, solche Experten gibt es nicht mehr!

In der Tat war Afrika Opfer des Kolonialismus, jedoch brachte dieser auch so manch Positives hervor; q.e.d.

"WIR haben uns an Afrika versündigt!" sagt unsere Kanzlerin gerne.
Wer zur Hölle ist dieses "Merkel-WIR?"
ICH NICHT!
Ist es nicht die EU welche den afrikanischen Küstenländern die Fischereirechte "abkauft" oder Afrika mit "Schlachtabfall" zuschüttet?
Welche Heuchelei!
Hauptsache HALTUNG!
"Black lives matter - PoC!"
=> Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht den Politikern! - Unglaublich!

Ob man Autoreifen im Sudan CO2-neutral verbrennen kann (Bild), bezweifle ich sehr stark!
Ach, die Wahlen sollen verschoben werden?
Na sowas!
Die letzten Wahlen in "Palästina" fanden in 2005/2006 statt!

NEIN!
Unsere "Wortkosmetik" hilft Afrika nicht!

John Luebbe | Mo, 24. Mai 2021 - 15:36

Und doch wird beobachtet, nichts mehr verziehen...