Streamingdienste - Popcorn für die Couch

Streamingdienste wie Netflix, Maxdome oder Amazon Prime Video werden als Gefahr für die Kinokultur dämonisiert. Dabei könnten sie dazu beitragen, den Film zu retten

Illustration Mensch sitzt mit Popcorn vor einem Leinwandgroßen Laptop und sieht den Film "Casablanca"
Weil Hollywood keine Risiken mit kleinen Filmen mehr eingehen will, wandern diese nunmehr ins TV-Netz / Jan Robert Dünnweller

Autoreninfo

Rüdiger Sturm ist Filmkritiker und lebt in München. Er recherchiert als Filmjournalist die Branche im In- und Ausland

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Vor drei Jahren konnte Graham King so viel Geld verdienen wie selten zuvor. Dabei hatte der Produzent, der für Filme wie „Departed – Unter Feinden“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, schon eine ansehnliche Erfolgssträhne hinter sich. Doch dann erhielt er für sein Projekt über den Queen-Sänger Freddie Mercury das Angebot eines Streamingdiensts. „Es war einer der besten Deals meines Lebens. Mein Anwalt hat schon gejubelt.“

Der Jubel war verfrüht. Nach langem Überlegen entschied sich Graham King gegen das Angebot. Denn „der Film brauchte das Kino, um die gewünschte Wirkung zu entfalten“. Solche Offerten zeigen: Die Streamingunternehmen scheinen nichts unversucht zu lassen, um dem Kino seine Geschichten wegzunehmen. Was insbesondere für den Branchenriesen Netflix gilt, der 2018 über acht Milliarden Dollar für Filme und Serien ausgeben will, um seine 125 Millionen Abonnenten – Stand: erstes Quartal 2018 – bei der Stange zu halten und neue Kunden zu ködern. Anders als etwa bei Amazon, das eine Kinoauswertung zulässt, werden die Netflix-Eigenproduktionen in der Regel nicht mehr im Großformat auf der Leinwand präsentiert. Ihr Schicksal bleibt die Mattscheibe. Für 2018 sind 80 Filme exklusiv bei Netflix angesetzt. Zum Vergleich: Disney, das Studio von Marvel und „Star Wars“, brachte letztes Jahr gerade einmal sieben Produktionen in die Kinos.

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