Ursula von der Leyen
Betrachtet den informierten Bürger als Bedrohung: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen / picture alliance/dpa | Helena Dolderer

Social Media erst ab 16? - Die EU auf dem bürokratisch-repressiven Irrweg

Vom Digital Services Act bis zur Chat-Kontrolle: Die EU sieht die Freiheit des Internets als Bedrohung, nicht als Chance. Jetzt fordert sie auch noch ein Mindestalter von 16 Jahren für den Zugang zu Social Media. Das ist ein tiefer Eingriff in Meinungsfreiheit und Elternrecht.

Volker Boehme-Neßler

Autoreninfo

Volker Boehme-Neßler ist Professor für Öffentliches Recht, Medien- und Telekommunikations- recht an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Davor war er Rechtsanwalt und Professor für Europarecht, öffentliches Wirtschaftsrecht und Medienrecht an der Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTW) in Berlin.

So erreichen Sie Volker Boehme-Neßler:

Internet und Social Media lassen sich aus dem Leben von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegdenken. Kein Wunder: Social Media sind verführerisch. Sie eröffnen Zugänge zu ganz anderen, fremden und aufregenden Welten. Und sie schaffen ungeahnte Kommunikationsmöglichkeiten. Gleichzeitig sind sie aber – so ist die Welt, auch die digitale – nicht ungefährlich. Kinder werden mit Inhalten konfrontiert, die ihnen schaden können – physisch und psychisch. 

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Dirk Bangert | Di., 2. Dezember 2025 - 07:35

Es spricht viel dafür, dass der Umgang mit dem Smartphone zu einer stoffungebundenen Sucht führen kann. Mal eben schnell ein Stündchen TicToc-Videos anreißen, um sich zu beruhigen, die Glücksgefühle spüren, wenn ein Insta-Post positiv aufgenommen wurde, Porno-Bildchen mit sexueller Erfahrung gleichsetzen, sich in einer künstlichen Welt der Reichen, Schlanken und Schönen verlieren, in Kontakt sein mit anderen Jugendlichen mit gleichen Interessen, ok...manchmal ist auch ein Pädophiler dabei, der sein "Glück" versucht... also ich finde Jugendschutz wichtig. Und ich glaube wir alle unterschätzen die Gefahren ständig "online" zu sein, nicht nur für Kinder und Jugendliche. Es ist nicht alles schlecht, nur weil es von der EU-Kommission kommt.

Thomas Veit | Di., 2. Dezember 2025 - 07:39

sicher. George Orwell hat sich nur etwas im Datum vertan... ..., und 'das optimale Werkzeug' dazu natürlich noch nicht gekannt, seinerzeit: die volldigitalisierte Gesellschaft.

E. Mielke wäre wohl neidisch ob dieser tollen Möglichkeiten... 🤔

Lisa W. | Di., 2. Dezember 2025 - 08:02

Vulnerabel würde ich das nicht nennen wollen. Paranoia und repressiver Irrsinn trifft es schon eher. VdL hockt da in Brüssel in einem hochgesicherten Tower und führt sich auf, als sei sie die Königin des Kontinents - mit ihrem Hofstaat, den sie sich geschaffen hat. Die von niemandem gewünschte und gewählte Herrscherin gehört entmachtet, und zwar rasch, bevor sie Europa endgültig zerstört hat.

Helmut W. Hoffmann | Di., 2. Dezember 2025 - 12:00

Antwort auf von Lisa W.

Mit Ihrem Kommentar, liebe Frau Lisa W., sprechen Sie mir aus der Seele. Ergänzen möchte ich nur noch, daß mit Flinten-Uschi eine Frau an der Kommissionsspitze steht, die in ihrem politischen Leben nichts, aber auch garnichts zustande gebracht hat. Außerdem gehört sie hinsichtlich der Machenschaften in der Coronazeit in den Knast, möglichst zeitnah.

Rainer Mrochen | Di., 2. Dezember 2025 - 08:08

"Die Freiheiten des Internets werden als Problem gesehen – und als Gefahr, die bekämpft werden muss. Das ist kein freiheitlich demokratischer Ansatz, sondern eine zutiefst autoritäre und illiberale Sicht. Ein Zufall ist das nicht."
Stimmt, daß ist kein Zufall, daß ist abkupfern, der so oft gescholtenen, totalitären Systeme.
Darüber hinaus, geht es ja wohl um die Rückgewinnung einer vertikalen Informationspyramide, die im wesentlichen, dem heutigen, sogenannten -Mainstream- entspricht. Letztlich ist es so, daß digitale Möglichkeiten einen ganz erheblichen Horizont an Informationsbeschaffung ermöglicht haben. Das ist den Regierenden schon lange ein Dorn im Auge. Eine aufgeklärte Bürgergesellschaft wird daher als Bedrohung empfunden. (J.D.Vance). Haben sie es dann mit Entschieden zu tun, die ein eher fragwürdiges Verständnis von Demokratie haben, dann erdrückt die Restriktion die Freiheit. Europa wird hier bereits als Bundesstaat gedacht. Nein, ein Staatenbund souveräner Einzelglieder.

Smilla Heller | Di., 2. Dezember 2025 - 08:19

Kinder sind unsere Zukunft. Mit dem, was Bildschirme, Social Media und Computerspiele mit den Hirnen und Seelen junger kleiner Menschen jedoch nachweislich anstellen, wird man zukünftig keine gesunde Gesellschaft mit freiheitlicher Demokratie mehr sicherstellen können. Im Grunde läuft seit Jahren das größte Experiment der Menschheit - mit ungewissem Ausgang. Auf die Vernunft der Eltern kann man leider nicht zählen. Die Altersbeschränkung für Social Media ist die logische Konsequenz aus bereits eindeutig vorliegenden wissenschaftliches Erkenntnissen. Sie ist ein richtiges und wichtiges Signal!

@Smilla Heller."Auf die Vernunft der Eltern kann man leider nicht zählen" - das ist aber der einzige Ausweg. Wenn der überwiegende Teil der Eltern kapitulieren würde, wäre das verheerend. Aber ich sehe durchaus Hoffnung. Bisher haben staatliche Institutionen vorgegaukelt, alles sei durch Verbote zu lösen. Frau vdL und die GRÜNEN haben sich hier (sehr zweifelhafte). Verdienste erworben. Aber es geht langsam in die andere Richtung.

Ernst-Günther Konrad | Di., 2. Dezember 2025 - 09:49

Ich verstehe es nicht. Eine nicht von den Bürgern gewählt Person, in einem ill. Konstrukt von Bürokratie und Korruption schwimmend, bestimmt inzwischen alle in Europa, dessen Bürger noch immer glauben, weil man ohne Schlagbaum von A nach B reisen kann, die totale Freiheit zu haben. Und wieder wird, wie das immer so ist, unter dem vorgespiegelten Grund, Kinder zu schützen, tatsächlich immer weiter an der Stellschraube der Meinungsfreiheit und der Informationsfreiheit gedreht. Ich könnte mich aufregen, tue es aber nicht. Ich sage nur eines. EU auflösen und neu, kleiner und demokratischer mit freien Nationen gründen.

Lars Freudenberg | Di., 2. Dezember 2025 - 10:04

Ich teile die im Text dargelegte hohe Wertschätzung für das elterliche Erziehungsrecht. Es ist ein Fundament unserer freien Gesellschaft. Mein Einwand betrifft jedoch die praktische Umsetzbarkeit im digitalen Zeitalter. Der Artikel überträgt den Eltern die Pflicht, ihre Kinder zu schützen – aber haben sie auch die realistische Möglichkeit dazu? Im Alltag fehlt es oft an den Mitteln, den Zugang zu Online-Inhalten wirksam zu kontrollieren, da Kinder technische Hürden oft mühelos umgehen. Das Postulat des Elternrechts bleibt daher eine wichtige, aber oft theoretische Forderung. Ohne wirksame Werkzeuge zur Durchsetzung sind Eltern in der digitalen Welt schnell überfordert.

Maria Arenz | Di., 2. Dezember 2025 - 10:10

Wer alt und informiert genug ist um sich daran zu erinnern, wozu die EWG einmal gegründet wurde und dieses Projekt vor dem Hintergrund der gerade überstandenen Schreckenszeit für eine wunderbare Sache hielt, kann nur noch tiefe Trauer tempfinden -oder je nach Temperament einen heiligen Zorn bekommen- wenn man sich anschaut, was im Zuge einer blindwütigen geographischen Erweiterung und einer von keinem Volk gewollten inhaltlichen Vertiefung (ever closer union) daraus geworden ist. Und ganz schlimm hat sich die unter v.d.Leyen besonders forcierte Feminisierung dieses Ladens ausgewirkt. Die Besetzung von immer mehr Top-Funktionen mit der Sorte Frauen, die offenbar garnicht in staatlichen, funktionalen Kategorien denken kann und deshalb mit ihrem Furor im Beschützen, Bewahren und Behüten besser im Kindergarten aufgehoben wäre, garantiert in Verbindung mit einem in's Monströse aufgeblähten Apparat und einem außer Rand und Band geratenen EUGH das Ende dieser einmal großartigen Idee.