Reza Pahlavi in Berlin
Reza Pahlavi in Berlin / picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Markus Schreiber

Schah-Sohn Reza Pahlavi in Berlin - Auf großer Mission

In Berlin setzt Schah-Sohn Reza Pahlavi auf internationale Aufmerksamkeit und klare Worte gegen das iranische Regime. Für seine Unterstützer ist er der große Hoffnungsträger für den Iran. Wie groß sein Rückhalt in der iranischen Bevölkerung wirklich ist, bleibt allerdings offen.

Clemens Traub

Autoreninfo

Clemens Traub ist Cicero-Redakteur. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Future For Fridays?“ im Quadriga-Verlag (Bastei Lübbe).

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Berlin-Mitte, kurz nach 12 Uhr: Ein Mann nähert sich Reza Pahlavi von hinten und spritzt ihm plötzlich eine rote Flüssigkeit auf den Rücken – mutmaßlich Tomatensoße. Bodyguards reagieren sofort, drängen den Angreifer ab, kurz darauf nimmt die Polizei ihn fest. Pahlavi bleibt unverletzt. 

Der Sohn des letzten Schahs wählte kurz zuvor bei einer Pressekonferenz klare Worte. In der deutschen Hauptstadt, fern der Straßen Teherans, aber nah an den politischen Schaltstellen Europas, fordert Pahlavi ein Ende dessen, was er als beschwichtigende Politik gegenüber der iranischen Führung betrachtet. Es gehe nicht um Nuancen, nicht um Dialogformate oder diplomatische Zwischentöne – sondern um einen Bruch. „Es darf nichts legitimiert werden, was den Staatsapparat an der Macht hält“, sagt er vor der Bundespressekonferenz.

Für den 65-Jährigen steht fest: Der Westen müsse sich entscheiden, ob er Stabilität um jeden Preis wolle – oder Veränderung ermögliche. Nach den Worten von Pahlavi geht es um eine klare Veränderung. Die Menschen wollten, dass „die Monster“, die Blut an den Händen haben, nicht länger an der Macht bleiben. Es gebe innerhalb des iranischen Machtapparates keine Pragmatiker oder Reformer, sie seien nur „unterschiedliche Gesichter eines Regimes“.

Strategie der internationalen Sichtbarkeit

Sein Besuch in Berlin ist Teil einer Strategie, die auf internationale Sichtbarkeit setzt. Pahlavi reist als Privatperson, führt Gespräche, sucht Nähe zu politischen Entscheidungsträgern – auch wenn Treffen mit Regierungsmitgliedern diesmal ausbleiben. „Beschämend“ nennt er, dass ihn kein Regierungsvertreter empfängt. Unterstützung erhält er dennoch: Der CDU-Außenpolitiker Armin Laschet sieht in ihm einen möglichen Wegbereiter eines demokratischen Übergangs im Iran. Pahlavi betont stets, er wolle einen demokratischen Übergangsprozess im Falle eines Systemsturzes lediglich begleiten – nicht jedoch eine Rückkehr zur Monarchie vorantreiben.

Der Auftritt in Berlin ist typisch für ihn. Seit der „Frauen, Freiheit, Leben“-Bewegung sucht Pahlavi gezielt die mediale Bühne, inszeniert sich als Staatsmann, der zum Sturz des Mullah-Regimes aufruft – ein Staatsmann jedoch ohne Land. Nachdem seine Familie 1979 vor Ajatollah Khomeini geflohen war, lebt der Kronprinz im Exil, gefangen zwischen der Last einer gestürzten Monarchie und einer Heimat, die er seit Jahrzehnten nicht betreten hat.

Rückhalt in der Diaspora

In den zurückliegenden Jahren hat der in Maryland lebende Pahlavi eine wachsende Anhängerschaft aufgebaut, besonders unter Exiliranern in Nordamerika und Europa. Auf Instagram folgen ihm 9,9 Millionen, auf Twitter 2,1 Millionen. In exiliranischen Sendern wie Manoto TV und Iran International ist er regelmäßiger Gast. In den USA tritt er häufig bei Fox News auf und erreicht dort ein Millionenpublikum. 

Für viele in der Diaspora gilt Pahlavi als integre Kraft – im Kontrast zum als korrupt und unmenschlich empfundenen Mullah-Regime. Zugleich weckt sein Name Nostalgie an eine Zeit vor der Islamischen Revolution, in der Frauen der höheren Teheraner Gesellschaft unverschleiert am Strand des Kaspischen Meeres baden konnten und der Iran international hohes Ansehen genoss.

Der Vater dreier Töchter sucht gezielt die Nähe zu westlichen Politikern – und trifft dabei auf offene Türen. 2023 reiste er nach Israel, traf Premierminister Benjamin Netanjahu und besuchte die Klagemauer in Jerusalem. Im Juni führte ihn sein Weg nach London, wo er mit den ehemaligen Premierministern Boris Johnson und David Cameron sprach. Sein Ziel ist klar: sich als Garant für Stabilität zu präsentieren, als politische Kraft, die einen Regimewechsel in Teheran ohne Chaos ermöglichen könnte.

Zweifel an seiner Popularität im Iran

Wie populär er im Iran tatsächlich ist, lässt sich kaum verlässlich messen; in einer Diktatur existieren keine freien Umfragen. Während der Protestwelle 2022 war jedoch immer wieder der Slogan zu hören: „Nieder mit dem Unterdrücker, ob Schah oder Oberster Führer.“ Denn auch das prägt das Bild der Herrschaft seines Vaters: der gefürchtete und von Israel unterstützte Geheimdienst Savak, der protzige Prunk der Pahlavis und die große Abhängigkeit von den USA.

In eben jenem Land lebt Pahlavi seit 1984, nach Zwischenstationen in Marokko und Ägypten. In Texas absolvierte er eine Ausbildung zum Kampfjetpiloten, später studierte er Politikwissenschaft an der University of Southern California. Kritiker werfen ihm vor, der Lebenswirklichkeit im Iran entfremdet zu sein – den Gepflogenheiten der amerikanischen Ostküsten-Elite näher als dem Alltag in Teheran oder Isfahan, geprägt von Hyperinflation und Sittenpolizei.

Historische Belastungen und geopolitische Skepsis

Seine enge Bindung an die USA und Israel ist zugleich Stärke und Achillesferse. In der iranischen Erinnerung wirken ausländische Interventionen bis heute nach. 1953 stürzten CIA und MI6 in der berüchtigten „Operation Ajax“ den populären Premierminister Mohammed Mossadegh. Bereits 1941 entmachteten Briten und Sowjets seinen Großvater Reza Schah und teilten das Land unter sich auf, um die Kontrolle über das Öl zu sichern. 

Insbesondere linke und postkolonial geprägte Iraner in der Diaspora sehen in Reza Pahlavi ein Instrument amerikanischer und israelischer Interessen – längst ist darüber ein Streit um die Deutungshoheit entbrannt. Anhänger von Reza Pahlavi werfen linken Iranern dieser Tage vor, erneut – wie schon 1979 – auf der Seite des Regimes zu stehen und dessen antiamerikanische und antizionistische Narrative zu übernehmen. 

Doch eines können selbst linke Iraner nicht leugnen: Reza Pahlavi hat in den vergangenen Monaten im eigenen Land sichtbar an Zuspruch gewonnen. Während der Massenproteste im Januar 2026 kursierten täglich Videos aus Teheran, Isfahan, Schiras, Maschhad, Yazd und zahlreichen kleineren Städten. Parolen wie „Das ist die letzte Schlacht, Pahlavi wird zurückkehren“ oder „Javid Schah“ waren längst keine Randerscheinung mehr. Berichte aus dem Land deuten darauf hin, dass die Sympathie für ihn geografisch weit verbreitet und sozial breit getragen ist. Für Millionen Iraner im In- und Ausland ist Pahlavi längst zur Hoffnungsfigur einer demokratischen Zukunft geworden.

Fehlende Strukturen als zentrales Problem

Das hat Gründe, sagt der Iran-Experte Hans-Jakob Schindler, der sechs Jahre lang in Teheran lebte: „Im Moment ist ein großer Teil der iranischen Bevölkerung von diesem Regime müde.“ Vielmehr suche die Bevölkerung nach einer Alternative. „Da das Regime sämtliche internen Alternativen – von Reformern bis hin zu Menschenrechtsanwälten – über Jahre und Jahrzehnte systematisch ausgeschaltet hat, fehlt im Moment eine vergleichbare Identifikationsfigur, die sichtbar wäre und sowohl innerhalb als auch außerhalb des Iran politische Wirkung entfalten könnte – mit Ausnahme seiner Person.“

Gleichzeitig bleibt die Frage nach seiner tatsächlichen Durchsetzungskraft offen. Schindler sieht die Chancen begrenzt: „Was ihm fehlt, sind feste interne Strukturen.“ Selbst wenn er diese hätte, stelle sich ein praktisches Problem: „Wie würde er kommunizieren, wenn das Internet abgeschaltet ist?“ Der entscheidende Unterschied zur Revolution von 1979 liege in der Organisation. „Khomeini konnte sich als Kleriker auf ein bereits vorhandenes engmaschiges Netz aus Moscheen und religiösen Strukturen stützen, das im gesamten Land tief verankert war und ihm als funktionierende organisatorische Basis diente.“

Szenarien für einen möglichen Umbruch

Zwar mehren sich die Anzeichen für erhebliche Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Regimes – insbesondere mit Blick auf mögliche Verhandlungen mit den USA. Dass vor zwei Wochen gleich 80 Mitglieder Teil der Delegation waren, um sämtliche Strömungen einzubinden, wirkt weniger als Ausdruck von Geschlossenheit, sondern vielmehr als Versuch, eine fragile Balance zu sichern, in einem Klima tiefsitzenden Misstrauens.

Sollte sich daraus ein offener Machtkampf entwickeln, könnte sich das Kräfteverhältnis tatsächlich verschieben. Ein zerrüttetes Regime und ein Sicherheitsapparat, in dem erste Loyalitäten bröckeln, würden neue Dynamiken freisetzen. Wenn Teile der Armee oder der Polizei zur Opposition überliefen, entstünde erstmals eine reale Chance auf tiefgreifende Veränderung. Noch aber sind solche fundamentalen, regimegefährdenden Brüche nicht erkennbar.

Die Rolle externer Faktoren

Als Alternative bliebe allenfalls ein äußerer Schock – etwa in Form einer amerikanischen Militärintervention. Doch auch dieses Szenario erscheint angesichts der politischen Kosten in den USA und der bevorstehenden Midterm-Wahlen wenig wahrscheinlich. Klar ist vielmehr: Ein Umbruch im Iran würde kaum friedlich verlaufen. Es ginge letztlich um bewaffneten Widerstand, denn ein harter Kern des Regimes, insbesondere innerhalb der Revolutionsgarden, dürfte die Macht nicht kampflos abgeben. Anders als einst der Schah, der sich schließlich zum Rückzug entschloss, versteht sich diese Führung als Träger einer religiösen Mission.

Pahlavi selbst versucht, diese Lücke zu schließen. Bei einem Auftritt im Juni 2025 in Paris berichtete er, dass immer mehr Iraner – von Mitgliedern des Sicherheitsapparats bis zu Fabrikarbeitern – den Kontakt zu ihm suchen. Er wertet dies als Zeichen wachsenden Rückhalts und kündigte die Einrichtung einer „sicheren Plattform“ an, über die Überläufer des Militärs mit oppositionellen Gruppen in Verbindung treten können.

Dabei betont er stets, keine dauerhafte Macht anzustreben. Sein Ziel sei eine Übergangsregierung, die den Weg für einen neuen Iran ebnet – gegründet auf territorialer Integrität, Freiheit, Gleichheit und der strikten Trennung von Religion und Staat. Ob Reza Pahlavi mehr ist als eine Projektionsfläche westlicher Hoffnungen, bleibt offen. Er selbst formuliert es zurückhaltend: „Ich bin ein Diener des iranischen Volkes.“

Geschrieben mit dpa-Inhalten.

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Walter Buehler | Do., 23. April 2026 - 17:35

... Herrschergestalten, die von ausländischen Mächten installiert worden sind. Einige wenige davon haben sich das Vertrauen der inländischen Bevölkerung erwerben können und tatsächlich zur Verbesserung der politischen und wirtschaftlichen Lage im Lande beigetragen.

Aber die Regel ist das nicht.
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Im Morgenland haben aber Monarchien zur Zeit einen erstaunlichen Erfolg, nicht zuletzt durch die Politik der USA und der alten Kolonialmächte Türkei, England und Frankreich.

Vielleicht ereignet sich ja auch im Iran unter Schah Reza Pahlavi II. ebenfalls einmal ein Märchen aus 1001 Nacht, wer weiß das schon. Aber mir scheint es wahrscheinlicher, dass der Iran so etwas wird wie der Irak.