Kiew
Zerstörte russische Panzer werden in Kiew ausgestellt, Juni 2025 / picture alliance/dpa | Matthias Balk

Putins fataler strategischer Fehler - Russland hat sich durch den Ukrainekrieg selbst beschädigt

Nach vier Jahren Ukrainekrieg wird immer deutlicher, dass Russland mit dem Angriff sich selbst den größten strategischen Schaden zugefügt hat. Von den menschlichen und materiellen Opfern ganz abgesehen.

Ulrich vom Hagen

Autoreninfo

Ulrich vom Hagen ist Militärsoziologe und lebt in Nova Scotia, Kanada. Er war Offizier der Bundeswehr und arbeitete für deutsche und kanadische Regierungsbehörden. 

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Seit Beginn des Ukrainekrieges wurde nahezu jede Facette des Konflikts analysiert: die Nato-Osterweiterung, ukrainischer Nationalismus, westliche Sanktionen, Waffenlieferungen und verpasste diplomatische Chancen. Doch eine Frage wird erstaunlich selten gestellt: Ist Russland nicht selbst der größte Verursacher seiner gegenwärtigen strategischen Probleme?

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Thomas Veit | Mi., 10. Juni 2026 - 15:16

Nur - Problem: der Ukraine-Konflikt ist weder gewonnen oder verloren..., noch ist er zu Ende... - aktuell. Ende offen... ...

Thomas Hechinger | Mi., 10. Juni 2026 - 15:25

Bevor König Kroisos (Krösus) von Lydien, der als der reichste Herrscher der damals bekannten Welt galt, die Auseinandersetzung mit seinem Rivalen Kyros von Persien begann, fragte er beim Orakel in Delphi nach, wie es denn um sein Kriegsglück bestellt sein würde. Das Orakel antwortete Kroisos: „Wenn er gegen die Perser ziehe, werde er ein großes Reich zerstören.“ Blind vor Eifer überhörte Kroisos die Doppelbödigkeit dieser Aussage und begab sich in den Krieg mit Kyros. Am Ende des Krieges gab es kein Königreich Lydien mehr. Fortan war Lydien nur noch eine persische Satrapie.

Diese Anekdote sollten sich alle, die mal so schnell einen Krieg führen wollen, vorher zu Gemüte führen. Denn schon mancher begann übermütig einen Krieg und stand am Ende ohne alles da. Das gilt für den hochnäsigen Putin, der sich mit der Ukraine völlig verschätzt hat. Es gilt aber auch für Trump. Wenn er den Krieg mit dem Iran nicht baldigst beendet, könnte das für die USA zu einem zweiten Vietnam werden.

Klaus Funke | Do., 11. Juni 2026 - 13:49

Antwort auf von Thomas Hechinger

Das Zitat lautet vollständig: "Wenn du den Halys überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören.“ Gemeint ist der Grenzfluss zw. Persien und dem Lyderreich. Krösos deutete das Orakel falsch, er verlor den Krieg und damit sein Reich. Ich habe das seinerzeit bei Herodot im altgriechischen Original im Griechischunterricht gelesen (lesen müssen). Unser alter Griechischlehrer ließ sich das nicht nehmen, uns damit zu traktieren. Ich besuchte damals auf der Penne den altsprachlichen Kursus mit Latein und (Alt)Griechisch. Manches, wie die Anfangszeilen der Homerschen Ilias und der Odyssei kann ich heute noch nach über 60 Jahren hersagen. Weil uns unser Griechisch- und Lateinlehrer, Spitzname Mucius Linkshand (er hatte durch eine Kriegsverletzung eine verkrüppelte Hand) so geschunden und gequält hat. Dennoch bin ich ihm dankbar, dem alten Knaster. Dies nur am Rande, weil von Anekdoten die Rede war.

Thomas Hechinger | Do., 11. Juni 2026 - 14:22

Antwort auf von Klaus Funke

ἢν στρατεύηται ἐπὶ Πέρσας, μεγάλην ἀρχὴν μιν καταλύσειν.
(Herodot, „Historien“, Buch I, Kapitel 53)

Klaus Funke | Do., 11. Juni 2026 - 16:08

Antwort auf von Thomas Hechinger

So reagieren bildungsbürgerliche Angeber! Mich beeindruckt das nicht. Vielleicht bewundert Sie dafür ein Unterprimaner.

Thomas Hechinger | Do., 11. Juni 2026 - 18:11

Antwort auf von Klaus Funke

Klaus Funke

Nicht ganz richtig
Das Zitat lautet vollständig: "Wenn du den Halys überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören."

Thomas Hechinger

das Original
ἢν στρατεύηται ἐπὶ Πέρσας, μεγάλην ἀρχὴν μιν καταλύσειν.
(Herodot, „Historien“, Buch I, Kapitel 53)

Ergänzung

Transliteration
en strateuetai epi Persas, megalen archen min katalysein.

Übersetzung
Wenn er gegen die Perser ziehe, werde er ein großes Reich zerstören.

Klaus Funke

Na und?
So reagieren bildungsbürgerliche Angeber! Mich beeindruckt das nicht. Vielleicht bewundert Sie dafür ein Unterprimaner.

Thomas Hechinger

Von uns beiden bildungsbürgerlichen Angebern habe halt nur ich immer recht. Auch dieses Mal. Machen Sie sich nichts draus. Auch ein fader Funke zündet mal den Docht. Wir harren.

„Es lohnt nicht, mein Zitat war richtig. Punkt.“

Übersetzung des Funke-Satzes:
Ich esse meine Suppe nicht! Nein, meine Suppe ess' ich nicht!

Für Interessierte (falls noch nicht Hände über dem Kopf zusammenschlagend kehrtgemacht): Den Orakelspruch gibt es auch in einer späteren Variante als „Wenn du den Halys überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören.“ Es geht hier also nicht um richtig oder falsch, sondern für welche Variante man sich entscheidet. Meine Variante ist die älteste nach Herodot.

Klaus Funke | Do., 11. Juni 2026 - 20:37

Antwort auf von Thomas Hechinger

Das sind nicht meine Kategorien. Ich bin um Einiges älter als Sie. Da ähneln Sie eher dem Klassenprimus oder Schlauberger, der durch Intoleranz und Rechthaberei auffällt. Aber egal, ich sagte Ihnen schon, Sie sind nicht meine Preisklasse. Bleiben Sie in Ihrer Sphäre, imponieren Sie, wem Sie wollen. Ich messe mich nicht mit Ihnen. Sowas ist mir zu billig. Aber es muss auch solche geben, damit der Unterschied deutlich wird. Ich gehe lachend beiseite. Und Tschüß!

Klaus Funke | Do., 11. Juni 2026 - 19:13

Antwort auf von Thomas Hechinger

Lydien unter Kroisos
Dies war das lydische Reich mit der Hauptstadt Sardes unter Kroisos bis zum Jahr 541 v. Chr., als er es durch die Überschreitung des Halys und den Angriff gegen die Perser unter Kyros II selbst zugrunde richtete. Berühmt ist das hiermit verbundene Orakel aus Delphi, das so lautete: „Wenn du den Halys überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören.“ Bekanntlich hat Kroisos den Spruch so gedeutet, dass er das Reich der Perser zerstören werde – ein Irrtum, denn er zerstörte sein eigenes Reich.

Was haben Sie gewonnen? Einen Wettstreit? Von mir aus. Und, was wollen Sie beweisen? Dass Sie der Besserwessi sind? Und ich der halbgebildete Ossi? Zeigen Sie unseren "Dialog" am Küchentisch Ihrer Frau, beweisen Sie, was für ein toller Typ Sie sind. Meinen Glückwunsch. Nur, darauf kommt es gar nicht an. Und zwar nirgends, selbst hier bei CICERO nicht. Mein Selbstwertgefühl beschädigen Sie nicht, auch wenn Sie es darauf angelegt haben, wie ich vermute. Denn wozu dient der ganze Mumpitz? Zu rein gar nichts. Hochtourigen Leerlauf haben Sie hingelegt, mehr nicht.

Nur bei dieser Spezies gibt es solche Typen. Glückwunsch. Und? Schon pensionsberechtigt?

Klaus Funke | Mi., 10. Juni 2026 - 15:32

Ja, das stimmt. Aber dennoch ein aufgezwungener Krieg. Hätte Russland den Krieg nicht begonnen, hätte man es seitens der Ukraine und der NATO solange mit Nadelstrichen gereizt und provoziert, bis ein Krieg unvermeidlich geworden wäre, man wollte diesen Krieg seitens des Westens und der NATO und auch seitens der USA unter Biden. Dazu wurde die Ukraine aufgerüstet und als "Rammbock" benutzt. Es ging und geht immer um dasselbe: Die Reichtümer Sibiriens und Russlands wollte der Westen in die Hand bekommen so wie er das schon seit über 200 Jahren betreibt. Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion hatte dasselbe Ziel. Der riesige Fehler Russlands bzw. der Sowjetunion war die Zersplitterung und Aufteilung in einzelne selbstständige Staaten. Wäre die Sowjetunion einheitlich geblieben, gäbe es diesen und andere Kriege nicht. Russland kämpft auch jetzt um nichts anderes als um seine Existenz. Die Verlockungen Sibiriens + der russischen Rohstoffe sind auch künftig ein Antrieb für Kriege mit Russl.

Das Verbot der russischen Sprache war ein schwerer Fehler Kiews.
Man überlege einmal, was passieren würde, wenn die kanadische Regierung
das Französisch in Quebec verbieten würde.
Putin allerdings hat die militärischen Fähigkeiten seiner Kleptokratie weit überschätzt. Ein Embargo wäre wahrscheinlich erfolgversprechender gewesen.

Russisch wurde in der Ukraine nie verboten. Seit der Verfassung von 1996 ist Ukrainisch die einzige Staatssprache, Russisch und andere Minderheitensprachen wurden aber als schützenswerte Sprachen anerkannt. Ein Gesetz von 2012 unter Janukowitsch gab dem Russischen dann eine besondere Stellung. Das Parlament hob 2014 dieses Gesetz wieder auf. Das trat aber niemals in Kraft, weil der Interimspräsident die Unterschrift verweigerte. Erst 2018 wurde das Gesetz von 2012 durch das Verfassungsgericht wegen Verfahrensfehlern für ungültig erklärt. Aber auch das bedeutete nicht das Verbot der russischen Sprache.
Der Parlamentsbeschluß von 2014 war ein schwerer Fehler. Er erlaubte Rußland, unter dem Vorwand, die russische Gemeinschaft schützen zu müssen, die Infiltration der Ostukraine, als Aufstand von Separatisten getarnt.

(Transparenzhinweis: Ich heiße nicht Mario Voigt, daher erkläre ich, daß ich diese Fakten mit KI ermittelt und überprüft habe. Die Formulierungen sind meine eigenen.)

Ingbert Jüdt | Do., 11. Juni 2026 - 14:23

Antwort auf von Thomas Hechinger

Ihre Einwände verfehlen die Pointe, Herr Hechinger! Es stimmt zwar, dass Russisch nicht per se verboten wurde (wer wollte das auch bis in die Privatwohnungen hinein überprüfen), aber 2017 wurde der Schulunterricht auf Russisch (nicht dagegen auf Rumänisch oder Ungarisch) untersagt, 2019 dann Ukrainisch als öffentliche Verkehrssprache monopolisiert (2022 erfolgten weitere Verschärfungen für Printmedien und Webauftritte). Wenn also in Charkow der Kunde mit seinem Friseur Russisch spricht, kann der Friseurbetrieb mit empfindlichen Geldstrafen belegt werden.

Stellen Sie sich das analog in Spanien zwischen Kastilisch und Katalanisch vor. Solche Sprachengesetze treffen das zivile Leben an empfindlichster Stelle: sie definieren auf der Ebene des Alltagslebens einen großen Teil der Bevölkerung buchstäblich aus der Nation hinaus. Die ukrainische Sprachpolitik ist kulturpolitisch in höchstem Maße aggressiv und war vor der Einflussnahme der Bandera-Nazis ab 2014 auch nicht durchsetzbar.

Thomas Hechinger | Do., 11. Juni 2026 - 14:58

Antwort auf von Ingbert Jüdt

2017 war aber nach 2014. Das ist die Pointe! Der russische Angriff begann also zuerst, erst danach wurde Russisch in den Schulen zurückgedrängt. Diese Fehlentscheidung der Ukraine will ich gar nicht rechtfertigen, nur zeitlich einordnen. Es mag eine Überreaktion im Krieg gegen Rußland gewesen sein, die gegen den Feind nicht hilft, aber dem Feind hilft, seine Propaganda darauf zu stützen. Durchaus sehr erfolgreich, wenn man das Forum hier verfolgt.

Was ist Propaganda, und was Tatsache, was ist Ursache und was Wirkung? Der Propagandavorwurf ist ja regelmäßig bloß ein Filter, der die Verdrängung von Tatsachen aus der Wahrnehmung legitimiert. Und kann obendrein an die in den westlichen Medien etablierten Darstellungen retourniert werden. Aber das werden wir im Rahmen von Tausend-Zeichen-Kommentaren wohl nicht zur beiderseitigen Zufriedenheit klären.

Ingbert Jüdt | Mi., 10. Juni 2026 - 15:57

Aber der Satz des Autors »Doch statt eine klare strategische Entscheidung zu treffen, entschied sich Moskau für einen halbherzigen Mittelweg« hat ein paar für den Westen hässliche Implikationen: legt er doch nahe, dass die andere Hälfte dieses russischen Herzes damals noch Europa und insbesondere Deutschland als einem ehrlichen Makler vertraut hat. Dass die Minsker Vereinbarung bloß als Zeitgewinn zur Aufrüstung der Ukraine gedacht waren, hätte westlichen Medien vor 2022 in entrüstetem Gleichklang zurückgewiesen, während sie sich nach 2022 auf die sich selbst erfüllende Prophezeiung berufen konnten, zu der sie zuvor propagandistisch beigetragen haben.

Auch verschleiert die Wortwahl, dass die Aufrüstung der Ukraine von Anfang an die NATO-Faust im ukrainischen Boxhandschuh war. Die Schwächung von Russlands geopolitischer Stellung war das strategische Ziel der USA, und sie haben es durch die Kooptation ukrainischer Rechtsextremisten erreicht. Herr vom Hagen bleibt auf einem Auge blind.

... aktiv an der Verwirklichung der bisherigen Bündnispolitik mitgearbeitet, die die EU und die meisten Staaten der NATO in schwere wirtschaftliche, militärische und geopolitische Probleme gestürzt hat.

Wie die meisten, die an dieser fatalen Strategie der "westlichen" Demokratien mitgearbeitet haben, stellt auch Herr vom Hagen nicht die naheliegende Frage: "Sind die EU und die NATO nicht selbst die größten Verursacher ihrer gegenwärtigen geostrategischen und wirtschaftlichen Probleme?"

"Seit Beginn des Ukrainekrieges wurde nahezu jede Facette des Konflikts analysiert: die Nato-Osterweiterung, ukrainischer Nationalismus, westliche Sanktionen, Waffenlieferungen und verpasste diplomatische Chancen."

Das ist richtig, wird aber von den leidenschaftlichen Verehrern Selenskis NICHT so gesehen, die bei uns leider das Oberwasser in den Medien und in der Politik haben.
--
Es ist "ein Lehrbeispiel, wie politische Ambitionen, die die Realität ignorieren, am Ende genau das Gegenteil bewirken."

... und wieder einmal danke für Ihren sehr deutlichen und klaren Beitrag.
Aber ist nicht immer noch der Einäugige ein König unter den Blinden? Jedenfalls habe ich den Artikel von Herrn vom Hagen so objektiv wie bisher noch keinen - SO auch noch nicht im Cicero - empfunden.
Zu den Anmerkungen von Herrn Buehler ebenfalls 100% Zustimmung.
Wie ich früher schon mal geschrieben habe: die Leute in Generalstab und Geheimdienst, die vermutlich Putin in der Meinung bestärkt haben, er rollt mit ein paar hundert Panzern auf Kiew zu und dann stehen, wie weiland beim Größten Feldherrn aller Zeiten, die Massen jubelnd an den Straßen und rufen auf Russisch (natürlich NICHT auf Ukrainisch!) irgendwas mit Heil ..., DIE hätte ich an seiner Stelle irgendwohin zum Arbeiten geschickt.
Alternativ dazu war er aber vielleicht auch selber so verblendet. Es ist SO schade um die hunderttausende Toten, militärisch wie zivil, auf beiden Seiten, einfach gruselig.

... darum möchte ich anmerken, dass ich Herrn vom Hagens Artikel im Vergleich zu den »urban legends« ähnlich wie Sie als angenehm unideologisch empfunden habe. Auch meinem Eindruck nach erstmalig im »Cicero« bietet der Text so etwas wie ein Vexierbild, das die Möglichkeit unterschiedlicher Perspektiven nicht mehr rundheraus verleugnet, weil die Sachverhalte nicht sogleich in betreutes Denken eingeordnet werden.

Karl-Heinz Weiß | Mi., 10. Juni 2026 - 16:40

Im Geschichtsbild Putins ist die Ukraine ("Kiewer Rus") kein souveräner Staat, sondern Teil Russlands. Dies ist in den russischen Medien die Erklärung für diesen Krieg, und deshalb wäre selbst ein Waffenstillstand für Putin in seinem Land allenfalls als "Zwischenlösung" vermittelbar. Eine ganz andere Frage ist, ob die Russische Föderation längerfristig noch Bestand hat. Für die asiatischen Teile, die den "Blutzoll" hauptsächlich zahlen, ist das Geschichtsverständnis Putins wenig nachvollziehbar. Eine Annäherung an China wäre naheliegender.

Ihre Analyse ist nicht stichhaltig und deshalb auch Ihre Prognose nicht. Russland besteht schon fast 1000 Jahre und es wird noch lange bestehen, länger als unser Land, das von Merz & Co sehenden Auges in einen neuen Krieg, den finalen dritten nämlich, getrieben wird. Der Nationalstolz hält die Russen zusammen, während er uns beinahe ausgetrieben wurde. Freilich hat uns daher AH einen Bärendienst erwiesen, auf dem immer wieder verwiesen wird. Zu Unrecht mMn. Bei uns heißt Nationalstolz gleich Faschismus. Was kompletter Unfug ist. Im Übrigen sind Russland und die Ukraine auch rein menschlich sehr nahe verbunden. Viele Russen haben Ukrainerinnen geheiratet und umgekehrt ebenfalls. Die beiden Völker gehören neben den Weißrussen absolut zusammen. Das ist wie bei uns im kleineren Maßstab Preußen und Bayern, selbst Schlesier und Pommersche gehören zu Deutschland. Die Geschichte wird nicht von Politikern und Ideologen gemacht, sondern von Völkern gelebt.

Russland eroberte die Gebiete östlich des Ural im wesentlichen erst zwischen 1580 und 1690. Ob die Russische Föderation mit rund 35 Amtssprachen das von Ihnen vermutete extreme Nationalgefühl hat, möchte ich hinterfragen. Unbestritten leisten die aus den Gebieten östlich des Ural den höchsten Blutzoll. Die Jugend in Moskau und St. Petersburg ist vom Krieg wesentlich weniger tangiert.

„Russland besteht schon fast 1000 Jahre...“
Deutschland besteht schon fast 1000 Jahre.

Beide Sätze sind falsch. Wenn wir heute „Rußland“ oder „Deutschland“ sagen, denken wir an ein staatsrechtliches Gebilde fortwährender Kontinuität, mögen auch Namen oder Grenzen im Lauf der Zeit Änderungen erfahren haben. Einverstanden wäre ich mit dem Satz „Die russische Geschichte ist über 1000 Jahre alt.“ Entsprechend für die deutsche Geschichte. Ich bin kein intimer Kenner der russischen Geschichte, weiß aber wegen meines Interesses für byzantinische Geschichte, daß es schon vor 1000 Kontakte zwischen Konstantinopel und slawischen Fürstentümern der Kiewer Rus gab. Die Führungsschicht dieser Fürstentümer waren Wikinger, die bald in der slawischen Mehrheitsgesellschaft aufgingen. Diese Fürstentümer sind Teil der russischen Geschichte, aber nicht Teil eines Staates Rußland, der erst ein wenig später mit dem Moskauer Großfürstentum entstand.

Es ist alles ein bißchen komplizierter...

... sind Sie derjenige, der es verstehen und erklären kann. Stimmts? So ist doch Ihre Denke. Wissen Sie was, Sie sind ein hoffnungsloser Angeber. Einer, der bei anderen mit seinem "Wissen" protzen will. Warum tun Sie das? Hat Sie einer danach gefragt? Es bleibt ein Geschmäckle, und zwar von einem, der seinen Mitmenschen beweisen will, wie haushoch er ihnen überlegen ist, wohl wissend, dass keiner Lust und Zeit hat, sich mit dem ganzen Kram zu belasten. Typisch Lehrer! Der muss seinen Schülern immer wenigstens eine Stunde voraus sein. Ist es nicht so? Und nun, gehabt Euch wohl, ich verlasse Ihre Schulstunde.

Jürgen Goldack | Mi., 10. Juni 2026 - 22:41

Was, Herr v. Hagen, hätte Putin Anfang 2022 tun sollen? Weiter die Bevölkerung der Ostoblaste Luhansk und Donezk, bewohnt zu 80% russischstämmiger Einwohner, die von ukrainischen Milizen und dem nationalsozialistisch orientierten Asow Bataillon (Regiment) seit der Maidan Revolution 2014 in Kiew übelst mit schlimmen Methoden quälen und ermorden lassen? Er ist nach Vorwarnung - wie es Putins Art zu sein scheint - in die Ostukraine ein marschiert. Er hat versucht entgegen der Darstellung Kiews und auch westlicher Medien, die Bevölkerung mit für einen Krieg humanen Methoden gegen Kiew zu verteidigen, zu befreien. Der Krieg hätte im April 2022 (Verhandlungen in Istanbul) beendet werden können. Selenskyj, motiviert bzw. veranlasst durch Boris Johnson i. A. Bidens lehnte Friedensgespräch ab! Was hat Putin falsch gemacht? Nichts. Er reagiert selbst bis heut auf bösartigste Provokationen Selenskyjs relativ gelassen. m. E. ein besonnener d. Frieden vorziehender intelligenter Stratege!

Ich danke Ihnen für Ihre klaren Worte. Es kann nicht oft genug wiederholt werden. Russland und Putin sind in diesem Krieg nicht der Aggressor. Russland wurde hineingezogen und kämpft um seine Existenz, die seitens des Westens (Kiew ist nur eine Marionette) und leider auch seitens der USA, zumindest unter Biden aktiv, akut gefährdet ist. Man will Russland niederringen, geopolitisch und wegen seines Rohstoffreichtums, und versucht das, wenn man Napoleon und Hitler dazuzählt, schon seit 200 Jahren. Und es wird auch zum dritten Mal, aber dann wahrscheinlich final (weil es in einen Atomkrieg mündet), scheitern. West- und Mitteleuropa werden als eine Trümmerwüste enden und für lange Zeit als Konkurrent ausscheiden, während die USA sich mit leichten Blessuren zurückziehen werden. Es braucht nicht viel Phantasie, sich dies vorzustellen.

Sie stellen die Situation faktenwidrig dar und übernehmen gedankenlos russische Propaganda. Sie verwehren einem Staat, sich gegen eine Invasion zu wehren. 2014 intervenierte Rußland in der Ostukraine. Von Rußland gelenkte Separatisten und russische Truppen, als Separatisten getarnt, begannen damals einen hybriden Krieg gegen die Ukraine. Nun ist es jedem souveränen Staat erlaubt, sich gegen eine Invasion zu wehren. Und wenn fremde Truppen auf eigenem Gebiet stehen, geht das nicht anders, als daß man eigenes Gebiet beschießt. Auch die Franzosen haben 1914 bis 1918 französisches Gebiet beschossen, um die deutschen Truppen zu bekämpfen. Niemand käme auf die Idee, Frankreich deswegen vorzuwerfen, die eigene Bevölkerung zu quälen und ermorden zu lassen. Ihr Argument ist, wenn Sie mal darüber nachdenken, statt nachzuplappern, was sich Ihren Vorurteilen so wunderbar fügt, sinnfrei und gedankenleer.

Klaus Funke | Do., 11. Juni 2026 - 14:01

Antwort auf von Thomas Hechinger

Sie verschweigen Ursachen und die echte Faktenlage. Befragen Sie mal die Bevölkerung im Donbas oder auf der Krim. Ich habe das getan. Noch vor dem Krieg bzw. kurz nach seinem Beginn. Da hören Sie wie echte Betroffenen denken. Tut mir leid, verehrter Herr Hechinger. Ich falle auf teutsche und westliche (NATO)Propaganda nicht mehr herein. Ich tue das schon lange nicht mehr, besonders seit meine Familie im 3. Reich fast vollständig ausgerottet worden ist. Glauben Sie, was Sie glauben wollen und heben Sie sich Ihre Argumente auf, wenn der "Iwan" an Ihre Türe klopft. Ich nehme es Ihnen nicht übel. Deutsche sind nun mal das "dümmste" Volk auf Erden wie auch das eingebildetste.

Mit persönlichen Erfahrungen kann ich leider nicht dienen. Ich kenne aber die Umfragen in der Ostukraine zur möglichen Separation unmittelbar vor Beginn des russischen Einsickerns im Donbass vom April 2014. Nie gab es eine Mehrheit für eine Separation:

Region Dafür Dagegen
Donezk 27,5 % 52,2 %
Luhansk 30,3 % 51,9 %

Das sind schon beachtliche Zahlen für eine Loslösung von der Ukraine. Aber 27,5 % oder 30,3 % sind eben nicht die Mehrheit. Und die Umfrage erfolgte in einer maximal aufgeheizten Stimmung gegen Kiew nach dem Sturz von Janukowitsch.

Klaus Funke | Do., 11. Juni 2026 - 16:20

Antwort auf von Thomas Hechinger

Wenn diese Angaben westlichen Quellen entstammt oder ukrainischen, brauchen wir das Thema nicht weiter vertiefen. Ich weiß nicht, wessen Brücke Sie vertreten, verehrter Herr Hechinger. Offenbar sind Sie hier im Forum auf der falschen Seite, wechseln Sie doch zu SPON, das wäre ehrlicher. Ihre übrigen kalten und zynischen Entgegnungen bitte ich höflichst zu unterlassen. Es gibt nun mal verschiedene Standpunkte und Meinungen. Ich respektiere die Ihrige, auch wenn ich nicht zustimme. Dasselbe erbitte ich mir von Ihnen. Außerdem bitte ich jede oberlehrerhafte Belehrung zu unterlassen. Wir sind hier nicht in der Schule. Hier hat niemals nur der eine recht. Objektivität gibt es in der Politik nicht. Und ich beuge mich keiner Zahl oder Feststellung, solange ich die Quelle nicht kenne. Weil, Manipulationsgefahr! Auch wenn es noch so neutral und objektiv klingt. Capice?

Natürlich entstammt diese Umfrage westlichen und ukrainischen Quellen. Sie sind nicht bereit, solche Quellen anzuerkennen. Da kann ich nichts machen. Ihre persönlichen Erfahrungen haben einen eigenen Wert, der durch keine Theoriediskussion ersetzt werden kann. Es ist ein direkter emotionaler Zugang zu der Sache. Das gestehe ich zu. Ich glaube, daß solche persönlichen Erfahrungen aber nicht das ganze Bild geben.
Ein Beispiel. Wenn ich mit Freunden und Bekannten über Politik rede und die Stimmung abschätze, müßte die AfD bei mindestens 60 Prozent liegen. In Umfragen ist die AfD aber nicht einmal halb so stark. Meine persönliche Erfahrung gibt nicht das ganze Bild. Offenbar gibt es viele Menschen in Deutschland, weit hinter meinem Horizont, die alles offenbar ganz anders sehen. Das muß ich akzeptieren, ob es mir gefällt oder nicht.

Hans Süßenguth-Großmann | Fr., 12. Juni 2026 - 09:16

Antwort auf von Klaus Funke

gibt es keine richtige Seite oder Meinung, jeder hat seine Sicht und kann sie vortragen.

dass kennen wir aus der Vergangenheit all zu gut, zuerst wird die Stimmung aus dem Mutterland aufgeheizt, um im Nachbarland die Minderheiten aufzuwiegeln, um einen Grund vorzuschieben, um danach zuzuschlagen. Tja, das ist das erprobte Rezept für die beiden europäischen Größen, die sich vor lauter Machtbessenheit für keine Lüge zu schade sind.
Tja, man fetzt sich, aber am Ende versteht man sich doch.

ich teile Ihre Auffassung zu 100%, zur Untermauerung dessen, was Sie schreiben, poste ich noch einmal den Link zum Kommentar des Systemreporters G. Restle aus dem Jahr 2014.

https://www.youtube.com/watch?v=yrfwe5lp6Ps

„..........Deshalb braucht es jetzt eine klare Botschaft an die Machthaber in Kiew: Der Terror gegen die Zivilbevölkerung muß beendet, der Artilleriebeschuß von Wohngebieten sofort eingestellt werden. Wenn nicht macht sich Europa mitschuldig, dann sind die getöteten Zivilisten im Häuserkampf in Donezk oder Lugansk auch unsere Toten“

Johannes | Do., 11. Juni 2026 - 07:27

versucht, durch gezielte Attacken die Führung Kiews zu zerstören. Jeder weiß, was kommt, wenn die Mittel das nicht mehr zulassen.

Die Motivation ist vielleicht noch größer geworden. Die Antwort auf die Motivation Putins auch.

Deutschland und die EU wollen diesen Krieg. Und sie haben ihn schon.

Nur die Frage ist, kommt es tatsächlich dazu und zweitens, wer wird diesen Krieg gewinnen? Man schaue sich den realen Zustand unserer Bundeswehr und den der europäischen Armeen an. Kann man da Vertrauen haben, dass man wirklich geschützt wird?? Ich sage dazu ein klares Nein. Die Krux seit langer Zeit ist, Russland wurde immer unterschätzt. Und auch heute ist das wieder so. Da werden Pseudogutachten veröffentlicht, Russland sei verrottet, veraltet und defizitär. Alles Quatsch. Es entscheiden nicht nur die Waffen - da hat Russland einiges mehr zu bieten als Westeuropa, schließlich ist Russland nebenbei auch die stärkste Atommacht - sondern auch der Kampfeswille. Und in diesem Punkt hat Deutschland und Westeuropa ganz schlechte Karten. Mal ehrlich: trauen Sie "unseren Jungs" in diesem Punkt irgendwas zu? Ich nicht. Das Gequatsche unseres Kanzlers von wegen stärkste konventionelle Armee in Europa kann man getrost "in den Skat drücken". Ich würde es wirklich nicht darauf ankommen lassen.

so brüstet sich auch Merz mit siegesgewissem Pokerface. Der Bogen ist m. E. schon längst überspannt, weil oben genannte Konsorten sich zu sehr ins Blöffen reingespielt haben. Sie kommen (alle Parteien außer Sarah Wagenknecht und AfD) aus der Nummer nicht mehr raus. Putin wird das Spiel nicht freundlich beenden sondern "angemessen" und "verhältnismäßig" und konsequent beantworten.

Unsere Delegierten haben sich nicht an ihren Schwur gehalten und ziehen uns tagtäglich AKTIV tiefer in den kommenden Krieg mit Russland.

Es schaut so aus als wären sie richtig geil drauf. Woher kommt das? Wie kann nach WE1,2 Fenstersturz, 30j BK, Reformationskriege... sowas immer wieder passieren??

Hans Süßenguth-Großmann | Fr., 12. Juni 2026 - 09:12

ist man immer schlauer und ich erinnere mich noch wie Putin einen Mitarbeiter vor "zusammen gefaltet hat", der ihm schätzungsweise genau das erzählt hat. Dann muss man in Rechnung stellen, dass die UA, als de facto NATO und EU Mitglied, Krieg mit unseren Ressourcen führt, alleine wäre schon längst Schluss gewesen.
In dieser Hinsicht bin mit dem Oberst Reisner einig, das unserer Rezept "Euer Blut für unser Geld" höchst unmoralisch ist. Wir können nur hoffen, dass wir nicht das ganze russische Arsenal noch kennenlernen, sicher bin ich mir nicht.