Roosevelt Stalin
Der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt im Gepräch mit dem sowjetischen Diktator Josef Stalin in Jalta / picture-alliance / dpa | -

Weißes Haus und Kreml - Wiederholt sich die Geschichte der fundamentalen Fehleinschätzungen?

Donald Trumps Ukraine-Politik weckt historische Erinnerungen an fatale Fehleinschätzungen im Weißen Haus. Ein Blick zurück auf Roosevelt und Stalin zeigt, wie gefährlich Illusionen über den Kreml werden können.

Thomas Urban

Autoreninfo

Thomas Urban ist Journalist und Sachbuchautor. Er war Korrespondent in Warschau, Moskau und Kiew. Zuletzt von ihm erschienen: „Lexikon für Putin-Versteher“.

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Ein US-Präsident, der darauf setzt, mit dem Kremlherrn als Verbündetem nicht nur eine neue Weltordnung aufbauen, sondern auch gewaltige Handelsverträge abschließen zu können. Er will überdies Staatsgrenzen in Europa über die Köpfe der betroffenen Länder hinweg neu ziehen und missachtet jegliche moralischen Grundsätze, wenn er den Aggressor in einem Krieg belohnen, das Opfer aber einseitig zu Gebietsabtretungen zwingen will, ihm außerdem keine Garantien für die Zukunft anbietet, gar mangelnden Friedenswillen vorwirft und es obendrein verhöhnt.

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Walter Buehler | Mo., 15. Dezember 2025 - 12:13

Ich sehe andere Ähnlichkeiten zwischen 1945 und 2025 als Sie, Herr Urban.

Deutschland hat sich bis 2025 ohne jede Not in die politische Bedeutungslosigkeit hineinmanövriert, die faktisch eine Kapitulation auf eine Kapitulation hinausläuft.

Der absurde Verzicht auf eine aktive Politik im eigenen Interesse und die totale Unterwerfung unter die Regierung Selenski hat uns in das Lager der Verlierer katapultiert, auch wenn (noch) kein deutscher Soldat durch eine russische Kugel getötet worden ist.

Deutschland muss trotzdem für die Folgekosten von Selenskis und Putins Krieg zahlen, ohne dass uns dies die Ukrainer (und schon gar nicht die Russen) das danken werden.

Die Ukraine wird uns zum Dank die Schuld an der Niederlage zuschieben. Und glauben Sie ernsthaft, dass Polen auf seine Reparationsforderungen verzichtet?

Für unsere Aufrüstung werden wir weitere Milliarden Euro an die USA und an europäische "Partrner" zahlen müssen.

Unsere politische Klasse treibt unser Volk in den Ruin.

Markus Michaelis | Mo., 15. Dezember 2025 - 12:23

Wo ich erstmal zustimme: ich würde Putin auch nicht über den Weg trauen. Er kann Menschen wohl sehr für sich einnehmen - dafür gibt es viele Beispiele. Er kann aber wohl auch sehr kalt und Macht-orientiert auftreten. Darüber hinaus, sind weite Kreise in Russland anscheinend durch die frühere Dominanz des Westens so getroffen, dass sie bei Gelegenheit wenig Zurückhaltung hätten.

Dennoch finde ich die Darstellung von Trump und auch Russland zu einseitig. Wenn Trump Selensky sagt "You don't have the cards", ist das erstmal eine zutreffende Beschreibung der Weltsituation. Der Westen, auch nicht die USA, hat nicht mehr die uneingeschränkte Macht gegen China, Indien, Indonesien, Brasilien usw. Wer von Frieden redet, muss immer auch an der Realität orientiert sein, nicht nur an Werten (was immer erstmal eigene Werte sind). Der Artikel betont zu sehr eine Sicht, in der das Böse nur böse (bzw. dumm) ist. Krieg und Frieden sollte immer alle Aspekte abwägen.

Olaf Klepel | Mo., 15. Dezember 2025 - 12:24

Mich erstaunt, dass im Artikel der Name George Kennan nicht erscheint. Wenn ich mich recht entsinne, war George Kennan der Begründer der Containment-Politik und auch Architekt des Marshall-Plans. Nach Kennan war aber die von der Sowjetunion ausgehende Gefahr politischer Natur, z.B. im Hinblick auf die damals große Popularität des Kommunismus in Frankreich. Militärisch sah er kein größeres Bedrohungspotential (die Sowjetunion hatte nach dem WK andere Probleme) und war daher auch sehr skeptisch gegenüber dem Projekt Nato. Es war auch Kennan, der in den 90igerJahren vor einer Nato-Expansion in die Ukraine warnte, nicht zu unrecht wie man sieht. Aber das passte wahrscheinlich nicht zur These dieses Artikels.

wenn sie die Texte des Autors aus der Vergangenheit, zu diesem Themenkomplex, aufmerksam lesen, werden sie eine völlig einseitige Fixierungung auf Nato-und Westnarrative feststellen. Weil das so ist, haben sie mit dem Schlusssatz, ihres Kommentars, völlig recht.

Bernd Windisch | Mo., 15. Dezember 2025 - 13:38

hat nicht verstanden, dass Verlierer keine Bedingungen stellen können. Die USA sehen (mit Recht) die Ukraine als Fass ohne Boden. Man möchte in den USA wieder Geschäfte mit Russland machen. Verbünden muss man sich deshalb nicht.

Die Deutschen stehen eindeutig auf der Verliererseite. Dieses Engagement wird uns noch teuer zu stehen kommen.

Toníček - CZ | Mo., 15. Dezember 2025 - 13:51

. . . für diesen Artikel. Habe viel gelernt, und erst jetzt weiß ich, was ich vor dem Lesen alles nicht wußte.- Vor ca 35 Jahren war ich selber auf der Krim, auch in Yalta und habe ehrfürchtig das Zimmer betrachtet, in dem die 4 Staatsherren saßen, und, ja, damals habe ich vieles davon nicht gewußt.-
Vergessen kann ich aber auch nicht, daß alle besuches dieses Zimmers die Schuhe ausziehen mußten . . .

Karl-Heinz Weiß | Mo., 15. Dezember 2025 - 15:11

Beim interessanten Rückblick bleiben die Fehleinschätzungen eines Präsidenten unerwähnt: Barack Obama. Seine Einstufung der Russischen Föderation als "Regionalmacht" und seine Untätigkeit beim Bruch des "Budapester Memorandums " hatten fatale Folgen (wie auch in Syrien, Libyen……..). Biden setzte dies im kleineren Maßstab mit der gut dotierten Installierung seines Sohns in der ukrainischen Gaswirtschaft fort.
Die Bewunderung Trumps für die Russische Föderation (rund 150 Millionen Einwohner) ist allerdings schwer zu erklären. Dafür 500 Millionen Europäer (mit UK) vor den Kopf zu stoßen noch mehr. "Teile und herrsche" ist in der Geschichte schon mehrfach gründlich misslungen.

Klaus Funke | Mo., 15. Dezember 2025 - 15:55

Es sind andere Akteure, Putin ist nicht Stalin, und Trump nicht Roosevelt. Die Umgebungsbedingungen sind vollkommen andere. Freilich, man kann immer alles mit allem vergleichen - erweist sich dabei aber als Dummkopf und wenig bewandert in der Geschichte. Fakt ist, Verlierer haben keine Bedingungen zu stellen, außer sie werden künstlich aufgepumpt wie Selensky von den schwächlichen Drei, Merz, Macron und Starmer. All diese Bemühungen, dem Selensky den Arsch zu retten und die Russen zu demütigen, führen zu nichts, außer, dass Putin alle Vorschläge ablehnt und die Ukraine dafür vollkommen plattmacht. Die Verhandlungspositionen f. d. Ukraine und d. Westen werden tägl. schlechter. Trump hat das erkannt. Die Westmächte erweisen ihrem (noch) Verbündeten USA einen Bärendienst. Das geht solange, bis der den Krempel hinhaut und komplett aussteigt, seine Soldaten aus Deutschland zurückholt. Dann haben sie den Salat. So dumm wie die drei Willigen kann man gar nicht sein. Putin gibt niemals auf!

Klaus Funke | Mo., 15. Dezember 2025 - 15:56

Es sind andere Akteure, Putin ist nicht Stalin, und Trump nicht Roosevelt. Die Umgebungsbedingungen sind vollkommen andere. Freilich, man kann immer alles mit allem vergleichen - erweist sich dabei aber als Dummkopf und wenig bewandert in der Geschichte. Fakt ist, Verlierer haben keine Bedingungen zu stellen, außer sie werden künstlich aufgepumpt wie Selensky von den schwächlichen Drei, Merz, Macron und Starmer. All diese Bemühungen, dem Selensky den Arsch zu retten und die Russen zu demütigen, führen zu nichts, außer, dass Putin alle Vorschläge ablehnt und die Ukraine dafür vollkommen plattmacht. Die Verhandlungspositionen f. d. Ukraine und d. Westen werden tägl. schlechter. Trump hat das erkannt. Die Westmächte erweisen ihrem (noch) Verbündeten USA einen Bärendienst. Das geht solange, bis der den Krempel hinhaut und komplett aussteigt, seine Soldaten aus Deutschland zurückholt. Dann haben sie den Salat. So dumm wie die drei Willigen kann man gar nicht sein. Putin gibt niemals auf!

Eckhard Lüth | Mo., 15. Dezember 2025 - 21:23

sagt man auf Französisch. Sicher hat Russland die besseren Karten, aber die Ukrainer haben auch einen Trumpf, was grundlegend anders ist als 1945: Sie können in den Westen migrieren, was ja schon über 6 Mio. gemacht haben. Russisch annektierte Gebiete werden zum Großteil aus alten Leuten bestehen. Zurückkehren in total zerstörte Gebiete ohne wirtschaftliche Perspektive wird fast keiner. Wegen Überangebot werden die Russen auch keine einzige Kohlemine im Donbass wieder instandsetzen und betreiben. Wer Russlands Sieg beflügelt wird mit den Flüchtlingen leben müssen und den Konsequenzen daraus für das Binnenklima.

Urban Will | Mo., 15. Dezember 2025 - 22:19

unterlief: Sie werden, Herr Urban, doch nicht so naiv sein, zu glauben, Trump sehe in Putin einen Vorzeigedemokraten oder was auch immer. Es ist ihm schlicht egal, denke ich, er möchte Deals und v.a. Frieden. Der Vergleich Trump-Roosevelt ist daher ebenso Quatsch wie der zw. Putin und Stalin.
Und Trump ist gewiss nicht so naiv wie die Europäer oder wohl auch Sie, zu glauben, man könne die Russen wieder aus der Ukraine jagen.
Ähnliches stand '45 gar nicht mehr auf der Agenda. Der Feind, die Deutschen, war vernichtet, es ging um eine Neuaufteilung Osteuropas, inkl. Deutschlands. Und dass Stalin sich die rund 20 Mio toten Russen und die Tatsache, dass die Rote Armee den Löwenanteil an der Vernichtung der Wehrmacht getragen hatte irgendwie „bezahlen“ lassen würde mit Einfluss, war irgendwie sogar nachvollziehbar.
Vergessen Sie also Ihre Gedankenspielchen. Heute wurde in Berlin ein wenig Show gemacht. Und am Ende kommt der Deal zw. Trump u Putin. Und Selenskyj wird nicken (müssen).

Inana | Mo., 15. Dezember 2025 - 22:55

Der wirkliche Grund für Roosevelts Politik war wohl eher, dass die Amerikaner die Polen und die Ukraine nicht als primäres Interesse eingestuft haben. Was sie auch nicht waren. Was sich heute eben in gewisser Weise wiederholt. Die USA gucken sehr viel mehr auf Interessen als Deutschland, das das nun inzwischen gar nicht mehr kann.

Lisa W. | Mo., 15. Dezember 2025 - 23:20

Ich mag sie nicht mehr hören und lesen, diese ständigen Vergleiche aus der Vergangenheit mit der Situation heute - und deren Interpretation gerade so, dass es ins eigene Denkmodell passt. Was soll das bringen für das Bearbeiten derzeitiger Situation und den Umgang mit aktuell Beteiligten? Die Vergangenheit begünstigt Vor-Urteile und verhindert evtl sogar neue, frische Ideen.

hanno Woitek | Di., 16. Dezember 2025 - 10:00

.... widersprechen. Diese vereinbarte Nachkriegsordnung hat uns 75 Jahre, mit allen Spannungen, Frieden in Europa beschert.
Das scheint bei Ihnen in Vergessenheit geraten zu sein. Bewusst?

Hans Süßenguth-Großmann | Di., 16. Dezember 2025 - 10:04

gibt nicht auf. Die jetzige Lage ist der Politik Europas zu zuschreiben, die UA in den Krieg zu treiben und sich mit "manpower" zurück zu halten.
Ich persönlich bin konsequent gegen jede Kriegsbeteiligung Europas.
Es gibt keinen Ausweg, außer dem, den Krieg zu beenden. Dazu hat die UA leider nicht die Position große Forderungen zu stellen. Das wird in der Trump Administration klar erkannt und es braucht auch keinen langgedienten Staatsbeamten um diese Situation zu erkennen, das kann auch klein Fritzchen ( der große Fritz leider nicht)

G. Fischer | Di., 16. Dezember 2025 - 10:35

Man kann immer Ähnlichkeiten finden, insbesondere wenn man eine Sichtweise bedienen will und widersprechendes ignoriert. Kriege und Konflikte sind jedoch sehr komplexe Gebilde, wo unterschiedlichste strategische Machtinteressen von Personen mit ganz verschiedenen Lebensläufen verhandelt werden. Insofern gibt es keine historische Blaupause. Letztendlich hatten die USA im 2.WK eigene Interessen (siehe Artikel von GEORGE FRIEDMAN vom 15.12.2025 im Cicero). Und eine Kooperation mit einem großen Hauptakteur, der mit 20 Mio. Toten die Hauptlast des Krieges gegen Hitlerdeutschland getragen hat, hat sich für die USA als dringend notwendig und richtig erwiesen.

Armin Latell | Di., 16. Dezember 2025 - 10:42

Voraussetzungen für einen nächsten Krieg, weil die Falschen ihn aus den falschen Gründen beenden werden, dabei ist der aktuelle noch nicht einmal zu Ende, noch nicht einmal alle Gefallenen sind beerdigt. Interessen? Joe und Hunter Biden hatte keine in der ukr? Herr Urban ist und bleibt eben bis unter die Haarwurzeln russophob, da ist er ja auch in bester Gesellschaft bei Starmer, Macron und Merz. Abstrus sein Vergleich Putins mit Stalin, unterhalb jeglicher Gürtellinien. Das kann man nicht einmal mit der polnischen Volkspsychose von Katyn entschuldigen. Ganz davon abgesehen ist es Geschichtsklitterung, WKII mit dem „Spezialeinsatz“ in der ukr zu vergleichen. Auch wenn es den Autoren noch so schmerzt: Polen gehört eben nicht zu den milit. Siegern des 2. Weltkrieges. Das Ende des Ukrainekrieges, das Ende des Blutvergießens, Friede kann nur jemand als Tragödie bezeichnen, der die wahre Tragödie nicht erkennt, dem die Toten auf beiden Seiten einfach nur egal sind.