Moritz Gathmann Nico Lange
Moritz Gathmann und Nico Lange

Nico Lange im Gespräch mit Moritz Gathmann - Cicero Politik Podcast: „Der Krieg läuft für die Russen nicht nach Plan“

Nico Lange war einer der engsten Vertrauten von Annegret Kramp-Karrenbauer und bis Ende 2021 Leiter des Planungsstabs im Verteidigungsministerium. Aber Lange verfügt auch über Ukraine-Expertise aus erster Hand: Von 2006 bis 2012 leitete er das Kiewer Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung. Im Podcast zieht der 47-Jährige Lehren aus sechs Monaten Krieg gegen die Ukraine – und erklärt, was nötig ist, um dem Land zum Sieg gegen Russland zu verhelfen.

Autoreninfo

Moritz Gathmann ist Chefreporter bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland.

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Nico Lange ist einer, der sich einmischt. Das stellte er eindrucksvoll in seiner Zeit als Leiter des Kiewer Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung zwischen 2006 und 2012 unter Beweis: Lange bezog so deutlich Stellung zur politischen Elite des Landes, das er 2010 am Flughafen Kiew zunächst festgenommen wurde – und nur nach Interventionen aus Berlin und Brüssel wieder einreisen durfte.

Bis zum Amtsantritt von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) war Lange zudem in hoher Position im Verteidigungsministerium tätig: Als Leiter des Planungsstabs (seit 2019) hat Lange tiefe Einblicke in den Zustand der Bundeswehr bekommen. Von innen kennt er die Bundeswehr zudem aus seinen sieben Jahren als Zeitsoldat (1993–2000). Wer sich also die Frage stellt, ob Deutschland an die Ukraine wirklich liefert, was es kann, bekommt von Lange eine kompetente Antwort: Deutschland müsse sich bei den Waffenlieferungen mehr an der militärischen Lage in der Ukraine ausrichten, sagt Lange im Podcast. „Und nicht nach der Frage gehen: Was ist bei uns gerade übrig?“

Um die Ukrainer nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Rückeroberung besetzter Gebiete zu befähigen, müssen auch Panzer und gepanzerte Fahrzeuge westlicher Bauart geliefert werden, ist Lange überzeugt. Die Hypothese, dass die Lieferung moderner westlicher Militärtechnik dazu führen werde, dass Russland den Krieg weiter eskalieren lasse, habe sich als falsch erwiesen.

Optimistisch ist Lange, was das Durchhaltevermögen der deutschen Gesellschaft betrifft – auch wenn Putin die Gaslieferungen weiter drosseln sollte und die Menschen deutlich höhere Gas- und Stromrechnungen bekommen werden: „Ich habe den Eindruck, dass es eine ganz kleine Minderheit von Menschen ist, die sagt: Jetzt sollen die Ukrainer mal aufgeben, uns ist es egal, was mit der Ukraine passiert, Hauptsache wir haben russisches Gas.“

Das Gespräch wurde am 22. August 2022 aufgezeichnet.

 

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Uwe Schröder | Fr, 26. August 2022 - 18:18

Sehr optimistisches Interview. Konsequent zu Ende gedacht, müssten wir die Ukraine auch militärisch unterstützen und uns am Kampf gegen Russland beteiligen. Das wäre zumindest ehrlich. Ich ringe mit mir und hadere, weil ich die Ukraine nie als Hort der Freiheit gesehen habe und ich mir die Frage, wer hier für wen den Allerwertesten riskiert, noch nicht schlüssig beantworten kann. Vielleicht werde ich es irgendwann doch noch erfahren. Das Sterben dort sollte bald beendet werden und wäre ich jünger, würde ich nicht für die Rückeroberung der Krim in den Krieg ziehen wollen.

Tomas Poth | Fr, 26. August 2022 - 20:17

Es läuft für Russland bestimmt nicht so wie es gehofft sein mag.
Dies bedeutet aber auch einen höheren Blutzoll und Zerstörung für die Ukraine. Wenn die Ukrainer es so wollen, es ist ihre Entscheidung, wenn auch durch den russischen Angriff aufgezwungen, und der rechtsnationalistischen Regierung in der Ukraine den Rücken stärkt.
Eine Rückeroberung der verlorenen Gebiete halte ich für illusorisch, das sind Durchhalteparolen eines Präsidenten, der am Ende sein Amt verlieren wird.

Gabriele Bondzio | Sa, 27. August 2022 - 08:59

sondern auch zur Rückeroberung besetzter Gebiete zu befähigen, müssen auch Panzer und gepanzerte Fahrzeuge westlicher Bauart geliefert werden,..."...

Werter Herr Gathmann, es hat sich schon in der Vergangenheit gezeigt, dass die Zustimmung zu einem Krieg, mit welchen menschenrechtlich Argumenten sie auch immer drapiert werden.
Seinen Frieden mit dem Staat (wo er lebt und der sich in irgendeiner Form beteiligt) und seinen ideologischen Staatsapparaten gemacht hat.

Die massive Militarisierungspläne, die bereits lange in der Schubladen lagen und im Windschatten des Ukraine-Krieg umgesetzt werden sollen, sind aber bei vielen (auch mir) Bürgern auf Granit gestoßen.

Und es wird Zeit nach Friedenslieferung, statt Waffenlieferung zu schauen.

Wo ein Wille, da ein Weg!

Belgiens Premier Alexander De Croo warnt aber lieber "Europa drohen fünf bis zehn schwierige Winter".
(www.businessinsider.de)

Daraus könnte frau auch die Dauer des Krieges in der Ukraine ableiten und das Kacke!

Han Hube | Sa, 27. August 2022 - 11:39

„ Die Hypothese, dass die Lieferung moderner westlicher Militärtechnik dazu führen werde, dass Russland den Krieg weiter eskalieren lasse, habe sich als falsch erwiesen.“

Die Hypothese, dass sich die Patrone in der dritten Kammer befindet, hat sich als falsch erwiesen.

Aber: Who cares …

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