Kamala Harris
Kamala Harris während einer Wahlkampfversanstaltung im Rennen ums Weiße Haus im November 2024 / picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Jacquelyn Martin

Nicht-Aufarbeitung bei den Demokraten - Obduktion ohne Befund

Anderthalb Jahre nach der Wahlniederlage hat das Democratic National Committee seinen Aufarbeitungsbericht veröffentlicht – versehen mit einem roten Disclaimer auf jeder Seite. Es ist ein Dokument, das mehr über den Zustand der Partei verrät als über die Wahl selbst.

Lisa Davidson

Autoreninfo

Lisa Davidson ist Journalistin, freie Autorin und Podcast-Host. Sie lebt in der Nähe von Austin, Texas. 

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Kamala Harris hielt ihre Wahlnacht-Rede in einem strahlend weißen Hosenanzug – gekleidet für einen historischen Moment, der nicht kam. Auf dem Campus der Howard University, ihrer Alma Mater, stand sie vor einer Menge, die nicht jubelte, sondern trauerte. Hinter ihr: eine Partei, die noch nicht wusste, warum sie verloren hatte. Anderthalb Jahre später ist das kaum anders.

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Theodor Lanck | Mi., 27. Mai 2026 - 17:15

Dass Leute, die die fundamentalistischen Hamas-Terroristen unterstützen, sich ohne Protest als "Progressive" bezeichnen können, könnte ein weiterer Fingerzeig auf ein Kernproblem der US-Demokraten (sowie der woken Linken andernorts) sein.

Karl-Heinz Weiß | Mi., 27. Mai 2026 - 17:16

Ausnahmsweise hätten die US-Demokraten von den Fehlern ihres deutschen „Pendants" lernen können: deren Gegner setzten zweimal erfolgreich auf "er oder ich". Gegen diese Zuspitzung fanden Laschet und Hagel keine Strategie. Die Clintons und Obamas waren zu schwach, um Mrs. Biden einzuhegen, als sie auf eine erneute Kandidatur pochte und nach einem desaströsen Auftritt ihren Gatten geradezu frenetisch feierte. Und auch derzeit ist kein aussichtsreicher Gegenkandidat in Sicht. Die Autorin bringt das Hauptproblem der US-Demokraten auf den Punkt : Zwei Drittel der Wähler lehnen die Iranpolitik Trumps strikt ab, und der Demokratischen Partei fällt nichts Besseres ein, als Trump ein Dokument der Zerstrittenheit frei Haus zu liefern.

Markus Michaelis | Mi., 27. Mai 2026 - 17:33

Ja, die sind zu schwierig. Die politischen Kunst besteht nicht darin, diese aufzuarbeiten, sondern um sie drumherum zu schiffen.

Grundsätzlich würde ich es so sehen: menschliches Zusammenleben ist so schwierig, voll sovieler innerer Gegensätze, dass es eher ein Wunder ist, dass Gesellschaften überhaupt funktionieren. Statt Fehler und Bruchlinien aufzuarbeiten (was eher endlos ist) ist es möglicherweise besser, irgendeine Gemeinsamkeit zu finden und mal zu schauen, ob die trägt.

Wenn man Bruchlinien zwischen den Parteien aufarbeiten will, ist eines der Grundprobleme, dass die Rechten von verschiedenen Gruppen in der Welt mit eigenen Sichtweisen träumen, wo doch offensichtlich ist, wie vernetzt alles ist und wieviele gemeinsame Wahrheiten es gibt. Das Problem der Linken ist, dass sie von Einer Menschheit träumen, wo doch offensichtlich ist, dass schon zwei Menschen sich kaum ohne Erschütterung auf eine Sichtweise einigen können.

Herr Michaelis, eine Partei ist keine Form des Zusammenlebens, in der man halt "nur" das zusammen leben können irgendwie akzeptabel hinbekommen muss. Wäre das so, hätten Sie ja möglicherweise recht.
Eine Partei ist aber dazu da, Wähler zu überzeugen, um in der politischen Landschaft ggf. regieren zu können.
Das wird - gelinde gesagt - sehr schwierig, wenn mann alle möglichen unterschiedlichen Positionen, Überzeugungen und Interessen innerhalb ebendieser Partei um eines freundlichen Partei-Zusammenlebens willen "zukeistert" und die Wähler danach keine Ahnung haben (haben können), warum aller Welt sie diese Partei denn nun eigentlich wählen sollten.
Und genau das haben die Demokraten mit dieser Nicht-Aufarbeitung ihrer Bruchlinien und Fraktionierungen bewirkt.
Da fällt mir nur die sprichwörtliche Gewitter-Reingung ein, die manchmal sein muss.
Wenn und solange die Demokraten das nicht zulassen, hört das "Herumgeeiere" doch nie auf.
Ihre Sicht halte ich daher mit Verlaub für unsinnig.