Migranten in Libyen - Big Business im Bürgerkrieg

In Libyen macht die EU gemeinsame Sache mit den Milizen. Für viel Geld sollen sie dabei helfen, Migranten von Europa fernzuhalten. Aus ehemaligen Schleusern werden auf diese Weise angesehene Geschäftspartner – und vielleicht bald auch offizielle Herrscher

Der Milizenführer Al Bidscha reitet auf einem Pferd
Der Milizenführer Al Bidscha hat einst gegen Gaddafi gekämpft und verdient jetzt an „Sicherheit“ / Moises Saman

Autoreninfo

Susanne Kaiser ist als Journalistin spezialisiert auf die arabische Welt und hat über Nordafrika promoviert. Sie ist auch als politische Beraterin tätig. Foto: privat

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Vergangenes Jahr im August, an einem Strand im Süden Spaniens. Deutsche Urlauber mit Sonnenbrand tummeln sich im lauen Wasser oder liegen im warmen Sand. Plötzlich landet ein Schlauchboot an ihrem Strand, an Bord 30 vollbekleidete Männer, dicht an dicht auf drei Metern aufblasbarem Gummi. Sie sehen aus wie Flüchtlinge aus Ländern südlich der Sahara und scheinen gerade von Marokko aus nach Europa übergesetzt zu sein.

Einige Zeit zuvor, viel weiter östlich, vor der libyschen Küste. Rettungsschiffe von NGOs und anderen Helfern liegen im Mittelmeer bereit, um die erwartete Rekordzahl an Menschen aus überfüllten und kenternden Flüchtlingsbooten herauszuholen. Doch die kommen nicht. Selbst an klaren Tagen finden sich erstaunte Helfer des Öfteren ganz allein auf der ruhigen See. Doppelt so viele Flüchtlinge wie im Vorjahr waren vorausgesagt, doch kommen werden gerade mal die Hälfte. Im August sogar fast niemand mehr, gemessen an den Monaten und Jahren davor. Die Retter sind ratlos.

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Bernd Fischer | Do, 5. April 2018 - 20:04

"Ihr werdet von einer Immigrationswelle aus Afrika überschwemmt werden"

Diese Worte äußerte der libysche Diktator Muaamar al-Gaddafi, in einem Interview mit dem französischen Journal du Dimanche im Februar 2011.
Er scheint damit im nachhinein Recht zu haben.
Die Europäer, hier die EU gemeint, in trauriger und fast schon peinlicher Ermangelung eigener geopolitischer Zielsetzungen in Afrika
( hier Nordafrika ) hat wie immer in ihrer Kopflosigkeit immer auf das falsche Pferd gestzt.
Wie wurde doch Gaddafi hoffiert, und dann bombadiert von selbigen.
( Schröder,Blair,Sarkozy)

Kopflose politische "Klasse" in der EU.

Bernd Fischer | Do, 5. April 2018 - 20:09

In Libyen machte die EU auch gemeinsame Sache mit dem Despoten Gaddafi der die afrikanischen "Flüchtlinge" für sehr...sehr viel Geld aus der EU von Europa fernhielt.

Werte Frau Susanne Kaiser, erkennen Sie den Unterschied?

Tomas Poth | Fr, 6. April 2018 - 10:34

Geht es noch perverser? Durch militärisches Eingreifen Libyen destabilisieren, seiner bis dahin funktionierenden Strukturen berauben, Chaos im Lande durch Unterstützung der Warlords produzieren. Nun sollen diese uns das selbstgeschaffene Problem vom Halse halten. Diese Art "Westen" braucht die Welt nicht.