- Und wir schauen erneut weg
Elf Jahre nach dem Völkermord an den Jesiden wiederholt sich die Geschichte – diesmal an den Drusen. Islamistischer Terror, weltweites Schweigen und die Verurteilung der Helfer: Haben wir wirklich nichts gelernt?
Es ist der 3. August 2014. Der Schauplatz: die Region Shingal im Irak, das Kernsiedlungsgebiet der Jesiden. Ein Volk, das die meisten bis zu diesem Datum gar nicht kannten und das wie kein zweites dem Terror des sogenannten Islamischen Staates (Da’ish) zum Opfer fiel. Hilflos waren zehntausende Jesiden bei sengender Hitze (bis zu 50 Grad im Schatten) in die Berge des Shingal-Gebirges geflohen. Auf dem Weg waren vor allem Kinder gestorben; viele verdursteten. In der Stadt machte der IS Jagd auf die, die nicht rechtzeitig fliehen konnten. Arabische Nachbarn hatten ihre jesidischen Nachbarn verraten und bereicherten sich nun gemeinsam mit den IS-Eroberern an ihrem Eigentum.
Wie Tiere stürzten sich Männer, die bisher scheinbar friedfertige Nachbarn waren, auf junge Jesidinnen und vergingen sich an ihnen. Terroristen des IS selektierten die Zurückgebliebenen: Männer und alte Frauen wurden sofort erschossen, kleine Mädchen und Frauen wurden als Sexsklavinnen in LKWs verladen und zu den Sklavenmärkten des IS deportiert. Kleine Jungen wurden gefoltert, zum Islam gezwungen und zu IS-Terroristen umerzogen.
Es war der Beginn eines nicht enden wollenden Terrors: tägliche Vergewaltigungen der jesidischen Frauen und kleinen Mädchen, Folter bis zum Tod. IS-Terroristen schlachteten die Babys jesidischer Frauen und zwangen ihre Mütter, ihre eigenen Kinder zu essen.
Internationale Untätigkeit und späte Rettung
Die Welt hat damals zugesehen. Es gab keine militärische Intervention für das Volk der Jesiden. Erst als die Kurden ihre Kräfte gesammelt hatten und ihre Streitkräfte – allen voran Kämpferinnen und Kämpfer der PKK aus dem Kandil-Gebirge und ihre ideologischen Geschwister der YPG/YPJ aus Syrien – sich eine sichere Route zu den geflohenen Jesiden im Shingal-Gebirge freikämpften, um anschließend gemeinsam mit den kurdisch-irakischen Peschmerga den Kampf gegen den IS aufzunehmen, wachte die Welt auf. Unzählige Jesiden hatten zu diesem Zeitpunkt die mörderische IS-Invasion bereits mit ihrem Leben bezahlt.
Der Völkermord an den Jesiden gilt heute als einer der schlimmsten Völkermorde dieses Jahrhunderts. Es handelte sich um einen realen Genozid, der alle juristischen Kriterien für diese Definition erfüllte.
Neue Gräueltaten: Der Genozid an den Drusen
Heute, elf Jahre nach dem Beginn dieses Völkermords, sehen wir uns erneut mit einem echten Genozid konfrontiert, der sich aktuell, vor den Augen der Weltöffentlichkeit, ungehindert abspielt: Der Genozid an den Drusen weist fatale Parallelen zum Schicksal der Jesiden auf – und wieder schaut die Staatengemeinschaft weg. Die Drusen sind, ähnlich wie die Jesiden, ein sehr friedliebendes Volk. Ebenso wie die Jesiden missionieren die Drusen nicht. Sie sind sehr spirituelle, mystische und philosophische Menschen, die sich auch an christlichen Werten orientieren. Man könnte sie als religiöse „Geschwister“ der Jesiden oder auch der Aleviten bezeichnen. Auch das Drusentum ist eine monotheistische, synkretistische Religion, die für sich lebt und andere respektiert.
Viele Drusen leben auf den mittlerweile de facto zu Israel gehörenden Golanhöhen. Sie passen gut zu Israel und fühlen sich in Israel wohl, denn hier sind sie keiner Verfolgung durch islamistische Fanatiker ausgesetzt. Anders jedoch sieht es für ihre Glaubensbrüder in Syrien aus: Die aktuellen Bilder, die aus der Region Suweida in Südsyrien durchdringen, künden von purem Grauen und wecken frappierende Erinnerungen an den damaligen IS-Terror gegen die Jesiden: Islamistische Terroristen, teils mit Logo des IS an der Uniform, durchkämmen Haus für Haus, zerren drusische Jungen und Männer ins Freie, misshandeln und ermorden sie. Drusische Frauen und Mädchen werden verschleppt, um als Sexsklavinnen und für Zwangsheiraten gehandelt zu werden. Unter denselben frenetischen „Allahu akbar!“-Rufen, die auch auf Deutschlands Straßen immer öfter erschallen, werden dieselben Verbrechen und Gräueltaten verübt, die so vor über zehn Jahren im Irak und Zentralsyrien begangen wurden.
Doppelte Standards
Unterstützt werden die Dschihadisten von den Machthabern Syriens, dem Milizenbündnis Haiʾat Tahrir asch-Scham (HTS) und ihrem Warlord Ahmed al-Scharaa, der aktuell „Präsident“ genannt wird – ein Präsident, der vordergründig eine diplomatischere Version von Abu Bakr al-Bagdadi, dem ehemaligen Anführer des IS, zu sein scheint, doch nicht minder blutrünstig und skrupellos ist. Er und seine Schergen waren es, die die Massaker an den Alawiten in Westsyrien zu verantworten hatten – jetzt machen er und seine Schergen Jagd auf Drusen und Christen, vor allem in Südsyrien.
Nur eine Macht der Region hat es gewagt, gegen diesen neuen Genozid aufzustehen: Israel. Das Land sieht sich als Schutzmacht der Drusen. Obwohl es wahrlich genug eigene Sorgen hat und am 7. Oktober 2023 in einen existenziellen militärischen Konflikt gezwungen wurde, hat es mutig interveniert und so noch Schlimmeres verhindert.
Doch weil alles, was Israel tut, verwerflich und von unlauteren Motiven getrieben sein muss, waren sogleich wieder die üblichen Verdächtigen zur Stelle, um es für seine Unterstützung der Drusen zu kritisieren. Wieder einmal wird das diffuse „Völkerrecht“ bemüht, um den jüdischen Staat zu diffamieren. Man ist sich mittlerweile nicht einmal mehr zu schade, Israel dafür zu verurteilen, dass es die universellen Menschenrechte verteidigt; schlimmer noch: man macht den Drusen Vorhaltungen, dass Israel auf ihrer Seite steht. So will man sie in eine Täterrolle zwingen, die angesichts ihrer Verfolgung durch mörderische islamistische Terroristen grotesk anmutet.
Stellen Sie sich, werte Leser, vereinfacht folgendes Szenario vor: Sie werden Zeuge, wie auf Ihrem Nachbargrundstück eine junge Frau vergewaltigt wird. Sie wissen, dass Sie es körperlich mit dem Täter aufnehmen können; also springen Sie über den Gartenzaun, zerren den Vergewaltiger von der jungen Frau weg und schlagen ihn in die Flucht. Die Frau ist gerettet und ist Ihnen unendlich dankbar. Doch statt Sie für Ihre Courage und Ihr Engagement zu loben, feinden Sie Nachbarn und Schaulustige aus anderen Straßen, die den Vorfall mitbekommen haben, lautstark an, beschimpfen Sie und spucken Sie an, weil Sie ja Hausfriedensbruch auf dem Grundstück begangen haben. Schlimmer noch: Man droht Ihnen mit einem Strafverfahren wegen Körperverletzung, weil Sie den Vergewaltiger geschlagen haben.
Jeder würde einwenden und sich fragen: Solche Reaktionen würde es in Wirklichkeit doch niemals geben, in welchem Paralleluniversum bitte passiert so etwas? Nun – es passiert hier und jetzt, in unserem Universum. Sie sind Israel, und Sie werden gerade beschimpft für Ihr mutiges Verhalten. Denn wenn Israel etwas tut, ist es prinzipiell etwas anderes, als wenn es andere tun. So funktioniert der alltägliche, immer weniger camouflierte Antisemitismus auf höchster diplomatischer Ebene.
Wir haben nichts gelernt
Und noch eine Parallele gibt es zwischen dem Genozid an den Jesiden ab 2014 und jenem an den Drusen 2025. Wir haben wieder ähnliche Konflikte auf deutschen Straßen: Auf der einen Seite friedliche Drusen, Kurden, Exil-Iraner, Jesiden und Juden, die für Menschenrechte und gegen Genozid demonstrieren – und auf der anderen Seite Islamisten, IS- und HTS-Anhänger sowie Hamas-Supporter, die den Tod aller Drusen und die Herrschaft des Islams über die Welt fordern und das Kalifat herbeisehnen, mit einer menschenverachtenden Scharia als einzigem Gesetz. 2014 sahen wir solche Bilder in Oldenburg, Herford, Wuppertal, Düsseldorf, Bremen und anderen Städten, wo Islamisten Jagd auf Jesiden in Deutschland machten, die auf das Schicksal ihrer bedrohten Landsleute aufmerksam machten.
Und damals wie auch heute schlief die Politik. Schlimmer noch: Sie gab den Jesiden und Kurden eine Mitschuld an ihrer Lage. Heute sind es Israel und die Drusen, die schuldig sind: schuldig, die bequeme Weltgemeinschaft in ihrer genozidalen Ignoranz gestört zu haben. Wir haben nichts gelernt. Nichts aus dem 7. Oktober 2023. Nichts aus dem 3. August 2014. Und offenbar auch nichts aus den Jahren 1933–45. Wir schauen zu, während es wieder geschieht.
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Danke für diesen Beitrag im Cicero, dem ist nichts hinzuzufügen. Nichts, aber auch gar nichts haben wir aus der Geschichte gelernt, die immer wieder beschworenen Äußerungen unserer politmedialen Elite sind nur Sprechblasen, wie wir Tag für Tag erleben "dürfen".
Wer hier auf den Straßen den islamistischen Terror gegen die Drusen verherrlicht, kann sofort nach Syrien ausgewiesen werden. Ihm droht offensichtlich dort unter Gesinnungsgenossen keine Gefahr. Die Verfolgung von Christen, Drusen und Jesiden durch den militanten Islam wird verschämt zur Kenntnis genommen, da nach unserer linksgrünen Logik Muslime ja die Opfer von antimuslimischem Rassismus sind. So müssen Christen, Drusen und Jesiden für den Selbsthass der Europäer leiden.
Wir müssen die Herausforderung durch diese mörderische Religion annehmen. Der Fehdehandschuh des militanten Islam liegt vor uns, und wir bemühen uns nach Kräften, ihn zu übersehen. Und wir importieren das Problem in großer Zahl nach Deutschland, achselzuckend, so als sei der Untergang der christlich-jüdischen und aufklärerischen europäischen Zivilisation durch den Islam unser Schicksal unabänderliches Schicksal. Wir wissen nicht mehr, wofür es sich lohnt zu kämpfen.
Deutschland schafft sich ab.
sondern wir tragen sogar freiwillig dazu bei, daß sich Gewalt-Konflikte, wie sie jetzt in Syrien ausgetragen werden, auch bei uns
zunehmend entwickeln!
Deutschland hat derart viele Syrer aufgenommen und sogar eingebürgert (!), daß deren Schwierigkeiten miteinander inzwischen auch u n s e r e Probleme sind.
Ähnlich war es ja auch mit den Konflikten zwischen Türken und Kurden.
Wie abgrundtief muß die Verantwortungslosigkeit von Politikern sein, die so etwas dem eigenen Volk zumuten?
Und wie dumm müssen Bürger sein, die solche Politiker wählen?
Vielleicht beantwortet dies (in Teilen) Ihre Frage. "Je mehr Angst wir Wähler haben, desto größere Feiglinge wählen wir. Und diese Angstverwalter opfern dann alles, um an der Macht zu bleiben: uns, unser Land, unseren Kontinent Europa. Und wir gehen feige in Deckung.
Andrzej Stasiuk
Zustimmung zu diesem Text. Ich verstehe es nicht.
Perfideste Täter-Opfer-Umkehr auch gänzlich ohne Gott oder in diesem Fall Allah quer durchs globale und von aller Menschlichkeit befreiten Gefechtsfeld. Wie das Einstein zugeordnete Zitat sagt: " Die (unsere) Welt wird nicht bedroht von Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen".
Und angesichts grausamer Wiederholungen bzw. fanatischer Zurschaustellung tiefster menschlicher Abgründe seitens dieser Unmenschen und ihrer Unterstützer werde ich persönlich auch jedes Mal fuchsteufelswild wenn irgendwelche liebe Mitmenschen in Politik und Medien von sogenannter "Menschenfeindlichkeit" sei es wenn es darum geht die AfD zu verunglimpfen oder sei es um die eigene Moral zu stärken bzw. die eigene Macht zu verteidigen dummschwafeln! So wie es einigen bei uns schutzsuchenden Jesidinnen passierte, die plötzlich auf deutschen Straßen ihren Peinigern begegneten weil unsere true democrats u. world saver diesen unkontrolliert Aufnahme gewährten und weiterhin gewähren! Zum ko...!
Im Grundgesetz steht nichts von Bewahrung oder Verteidigung des Christentums. Deutschland hat sich religiös-weltanschauliche Neutralität auferlegt. Wird nur eine Silbe zu christlichen Syrern veröffentlicht, hat man sofort tausende (christliche und angeblich christliche) Syrer an der deutschen Grenze stehen.
Danke für diesen Beitrag, Herr Huch. Wieder und wieder ist es islamistischer Terror, verantwortlich für immer wieder die gleichen Gräueltaten, die gleichen unmenschlichen Verbrechen - jetzt, hier und heute. Der 7. Oktober wird wiederholt, ein ums andere Mal. Und in diesem Deutschland plärren genau solche Islamisten auf Demos herum - und niemand schreitet ein. Im Gegenteil, die Linke skandiert mit gegen Israel. Und Merz überlegt, ob er nicht wie der elende Macron einen nicht vorhandenen und nicht wünschenswerten Palästinenserstaat anerkennt als Belohnung für all die islamistischen Hamas-Verbrechen. 'Unsere' Regierung ist ein feiger Totalausfall der Menschlichkeit.
