Martin Sonneborn - „Ich hatte nicht den Anspruch, in Brüssel politisch etwas zu erreichen“

Seit 2014 sitzt der Satiriker Martin Sonneborn als Vorsitzender der Spaßpartei Die Partei im EU-Parlament. Jetzt kämpft er um seinen Wiedereinzug, um weitere Mandate und gegen Kritik, er mache bloß Quatsch auf Kosten der Steuerzahler. Aber unterscheidet ihn das von anderen Abgeordneten?

Martin Sonneborn bei einer Veranstaltung seiner Partei Die Partei
Rächer der Politikverdrossenen mit Abitur: Martin Sonneborn kandidiert im Mai ein 2. Mal für das EU-Parlament / picture alliance

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

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Stimmengewirr, klirrende Gläser hört man am Telefon. Es ist früher Nachmittag, und man erreicht Martin Sonneborn in der MEP-Bar in Brüssel, der Bar für Mitglieder des Europäischen Parlaments. Er sagt, er komme oft hierher, um zu arbeiten. Einige Kollegen hätten schon Sekt im Glas. Er aber müsse das Parteiprogramm für den EU-Wahlkampf schreiben. Deshalb: Nur Kaffee. 

Herr Sonneborn, Sie sind vor fünf Jahren mit den Zielen ins Europa-Parlament eingezogen, einen Amazon-freien Mittwoch und eine Faulenquote einzuführen, sowie die abgeschaffte Gurkenkrümmungsverordnung wieder einzuführen. Konnten Sie eines der Ziele verwirklichen?
Nein, absolut nicht. Als fraktionsloser Abgeordneter bin ich Abschaum im Parlament. Als solcher konnte ich nichts erreichen. Nicht mal kleine Parteien können hier etwas durchsetzen – Linke oder Grüne. Wir haben hier eine Groko haram aus Konservativen und noch Konservativeren. Aber eines habe ich doch geschafft. 

Was denn?
Mit einem schmutzigen Geschäftsordnungstrick habe ich die wichtigste Datenschutz-Verordnung für Europa, die E-Privacy, über die parlamentarische Hürde gebracht. Dem Ausschuss, in dem darüber abgestimmt wurde, gehöre ich gar nicht an. Aber als Udo Voigt von der NDP gefehlt hat, habe ich einfach an seiner Stelle abgestimmt – und die eine, fehlende Stimme zur Mehrheit beigesteuert. 

Und das war ihr größter politischer Erfolg?
Ja, ein Glücksfall. Ich hatte allerdings auch nicht den Anspruch, in Brüssel politisch etwas zu erreichen. 

Falls irgendwer Sie noch nicht kennt: Ihre Partei heißt zwar Die Partei, sie macht aber keine Politik, sondern Satire. War es ein Betriebsunfall, dass Sie im Parlament gelandet sind? 
Ja, aber ich würde nicht unterschreiben, dass wir keine Politik machen. Wir betreiben Politik mit satirischen Mitteln – und eigentlich auch relativ erfolgreich. Die SPD liegt in Umfragen nur noch 12 oder 13 Prozent vor uns. 

Ist das EU-Parlament eine dankbare Fundgrube für Satire? 
Ja, es ist unfassbar, was für skurrile Gestalten man hier trifft. Von polnischen Monarchisten, die das Frauenwahlrecht abschaffen wollen, bis zu ungarischen Antisemiten. Rechts von mir saß ein unrasierter Immobilienhändler von der AfD, links Marine Le Pe, ebenfalls unrasiert. Das ist natürlich interessant: Dass mal als Titanic-Redakteur ohne falschen Schnurrbart so nahe an solche Leute herankommt. Ich hab es mir zur Aufgabe gemacht, Öffentlichkeit zu schaffen für die unseriösen Seiten der EU. Wir können aber auch anders. 

Seriös? 
Mein Büro hat  vor kurzem eine Statistik erstellt, wie deutsche Abgeordnete seit dem Sommer 2018 über den umstrittenen Paragraphen 13 im Urheberrechtsgesetz abgestimmt haben, der den Einsatz von Upload-Filtern vorsieht. In Deutschland haben sich viele gefragt: Wer ist dafür eigentlich verantwortlich? Normalerweise veröffentlichen die Grünen diese Abstimmungsergebnisse, aber da vier ihrer Mitglieder mit Ja gestimmt haben, haben sie in diesem Fall verzichtet. Unsere Statistik ist im Internet auf großes Interesse gestoßen. Und als Reaktion darauf haben sich viele SPDler und einige Grüne umentschieden, denn auf einmal haben sie Anrufe von wütenden Wählern aus Deutschland erhalten. 

Was ist mit der berüchtigten Ordnungs- und Regelungswut der EU?
Sie meinen das Schild auf den Toiletten, das Parlamentariern erklärt, wie sie sich in 40 Sekunden korrekt die Hände waschen? Das ist natürlich skurril. Aber wenn ich mich hier in dieser Bar so umgucke, ist doch einiges lockerer geworden. 

In einem gerade erschienenen Buch über ihr Leben als EU-Abgeordneter schreiben Sie, der Umfang der Abstimmungen sei gewaltig. Es komme vor, dass Sie in 40 Minuten 240 mal abstimmen müssten. Wie schaffen Sie es, sich in jedes Thema einzuarbeiten? 
Gar nicht. Gemäß unseres Wahlversprechens  „Ja zu Europa, Nein zu Europa“ stimme ich abwechselnd mit Ja und Nein. 

Damit erwecken Sie den Eindruck, es sei egal, was ein einzelner Politiker tue.
Nö, gar nicht. Ich würde sogar noch weiter gehen. Die CDU mokiert sich oft darüber, dass ich das Parlament damit lächerlich mache. Ich pflege dann zu antworten, dass es für Europa besser wäre, wenn auch die komplette CDU  abwechselnd mit Ja und Nein stimmen würde. 

Warum?
Weil wir dann zumindest eine fünfzigprozentige Chance auf eine Abstimmung hätten, die sich zur Abwechslung mal am Wohl von Bürgern und Umwelt orientiert – und nicht ausschließlich an den Interessen von Wirtschaft, Finanzindustrie und Großspendern. 

Aber wenn es angeblich keinen Unterschied macht, ob Abgeordnete mit Ja oder Nein stimmt, warum werden sie dann von Lobbyisten umgarnt?
Wenn Sie genug einzelne Abgeordnete auf ihre Seite ziehen, gibt es eine Mehrheit. Für die EU ist das ein bequemes Lobbyieren. Normalerweise ist es so, dass man die CDU auf seiner Seite haben muss. Dann kann man in Europa alles durchsetzen. Wir Deutschen geben hier den Takt an. Wir besetzen drei der höchsten Verwaltungsstellen in der EU, und fast alle großen Fraktionen werden von Deutschen geführt. 

Man sagt, Brüssel sei wie Bonn mit Nachtleben.
Das stimmt. Alle hängen hier zusammen in einer deutschen Blase. Es gibt ein eingespieltes Team aus Politik, EU-Beamtentum und Journalismus. 

Wer Ihr Buch liest, hat den Eindruck: Das Parlament ist eine kafkaeske Behörde, die ganz weit von den Bedürfnissen der Bürger ist, aber in ihr Leben eingreift. Nähren Sie damit nicht genau die Politikverdrossenheit, die jetzt den Rechtspopulisten in die Hände spielt? 
Aber soll ich eine berechtigte Kritik nur deshalb nicht formulieren, weil sie irgendein Schwachkopf aus der AfD teilt? Natürlich muss man Kritik an der EU üben. Ich habe bei der Titanic und in der heute-show gelernt, hinter die Kulissen zu schauen und Kritik an Dingen zu üben, die falsch laufen. Das tue ich jetzt auch. 

Kritisieren um des Kritisierens wegen?
Nein, diese Kritik erfüllt keinen Selbstzweck. Sie ist Notwehr. Ich möchte, dass sich Dinge verbessern. Ich stehe nicht auf dem Standpunkt der AfD, dass die Europäische Union abgeschafft werden muss. Mein Résumé nach diesen viereinhalb Jahren ist, dass das Konstrukt EU sehr wohl funktioniert – dass es aber mit den falschen Leuten besetzt ist. Wir haben einen konservativen Rat, eine konservativ besetzte EU-Kommission und ein konservativ dominiertes Parlament. Wenn die EU linker, grüner und sozialdemokratischer wäre, könnten wir ein ganz anderes Europa haben. 

Was für eins?
Eines, das nicht seit 20 Jahren in den Eurostat-Berichten eine konstante Armutsquote von über 20 Prozent aufweist. Eines, in der Parlamentspräsident Jean-Claude Juncker nicht vorschlägt, die Armutsquote zu senken, indem man einfach die Berechnungsgrundlage ändert. Eine EU, die nicht wie derzeit wie bekloppt aufrüstet, obwohl der Vertrag von Lissabon das untersagt. 

Ein Parteienforscher hat über Sie geschrieben, Sonneborn verweigere im Grunde jede Mitarbeit und bringe seine Geringschätzung des Parlament zum Ausdruck. Außerdem koste er den Steuerzahler jedes Jahr 160.000 Euro. Lässt Sie die Kritik kalt? 
Ja, ich weiß. Dieses Gutachten stammt von der Konrad-Adenauer-Stiftung und wurde im Auftrag der CDU geschrieben. Diese Stiftungen sind ja auch unfassbare Geldmaschinen. 600 Millionen Euro im Jahr verleiben sich die Parteien über diese Stiftungen ein.

Aber was sagen Sie zu der Kritik? Lässt Sie das kalt? 
Ich habe damals darauf geantwortet, die EU kostet 135 Milliarden Euro im Jahr – und die eine Milliarde, die ich mir einstecke, fällt da nicht ins Gewicht. 

Aber die eigene Überflüssigkeit mit der Ineffektivität der EU zu vergleichen, macht es doch auch nicht besser.  
Warum Überflüssigkeit? Die CDU hat sich einfach geärgert, dass die großen Parteien in Zeiten sinkender Wahlergebnisse sieben Mandate an kleine Parteien verloren haben. Aber ich bekomme sehr viel Feedback von Leuten, die sagen, sie hätten in den vergangenen viereinhalb Jahren durch mich mehr über die EU gesehen und gelesen als in den 12 Jahren davor. Ich glaube, dass viele Leute sehr daran interessiert sind, was hier passiert. 

Aber Sie nehmen jemanden den Sitz weg, der vielleicht ein echtes politisches Anliegen hat. Ist das nicht un-demokratisch? 
Im Gegenteil. Erstens habe ich natürlich politische Botschaften. Ich versehe sie nur mit einem Witz, damit sie besser viral gehen. Die Zeiten sind zu ernst, um keine Satire zu machen. Und zweitens ist das sehr demokratisch. Es haben 184.709 Wähler dafür gestimmt, dass ich nach Brüssel gehe. Der Zuspruch wächst. 2014 haben wir 0,6 Prozent der Stimmen erreicht, jetzt liegen wir nach einer Umfrage von Insa bei zwei Prozent.

Sie treten bei der Europawahl im Mai noch einmal an?
Ja, und ich hoffe, dass wir zwei Mandate erzielen und mein Kollege Nico Semsrott mit ins Parlament kommt. 

Nährt sich der Zuspruch aus Protest gegen die Altparteien?
Bestimmt. Wir gelten als intelligente Protestmöglichkeit, und den besten Wahlkampf für uns machen auch jetzt wieder CDU, SPD, FDP und andere Parteien. 

Aber Ihre Wähler erwarten doch nur Klamauk. 
Nein, den Eindruck habe ich nicht. Ich glaube, dass sich die jüngeren Wähler politisieren über unsere lustigen Plakate oder unsere lustigen Reden im Parlament. 

Wie viele Menschen erreichen Sie mit Ihren YouTube-Clips?
Die einminütige Gegenrede zu Erdogan in der Türkei-Debatte, die ich im EU-Parlament gehalten habe, hat 2016 über fünf Millionen Abrufe auf verschiedenen Portalen gehabt. Wenn man das vergleicht mit Reden meines Freundes Elmar Brok (CDU) oder Herbert Reul (CDU), die haben auch gerne mal 35 Abrufe, wenn es gut läuft. Oder nehmen Sie meine Rede mit meiner Forderung, Irland aus der EU zu schmeißen, weil die Firma Apple dort einen Spitzensteuersatz von 0,005 Prozent hat. Das hat sich summiert auf 12 Millionen Euro, aber Irland wollte diese Summe nicht eintreiben, um Apple nicht zu verdrießen. 

Was sind die Vorzüge Ihres Jobs als EU-Abgeordneter – außer dem Bruttogehalt von 8.400 Euro?
Ich habe gerade eine Klasse von Abiturienten zu Besuch gehabt, denen habe ich erklärt: Ich teste das bedingungslose Grundeinkommen in erheblicher Höhe – und das seit viereinhalb Jahren. Ich habe bisher absolut keinen Nachteil entdecken können. Der Job ist gut. Man ist nur seinem Gewissen verpflichtet. 

Man kann kommen und gehen, wie man will?
Selbstverständlich. Es gibt übrigens gerade unter den kleinen Parteien viele Abgeordnete, die sehr engagiert haben, gerade auch unter den kleinen Parteien. Nehmen Sie Julia Reda von den Piraten. Das ist eine besten Abgeordneten, die wir jemals im Parlament hatten. Aber sie läuft hier gegen eine Wand aus dicken, alten, konservativen, weißen Männern ...  

... die gelegentlich mitten in der Sitzung einschlafen – wie Ihr Erzfeind, der CDU-Abgeordnete Elmar Brok. Sie haben ihn dabei fotografiert und das Bild ins Internet gestellt. Welche Botschaft wollten Sie damit senden? 
Dass Elmar Brok auf der Bühne eingeschlafen ist. Der Mann ist mir extrem unangenehm. Er hält sich für den wichtigsten deutschen Parlamentarier – und viele glauben ihm das. Er sitzt seit fast 40 Jahren im Europa-Parlament und hat viel verbockt. Er hat die Ukraine-Krise von der europäischen Seite her zu verantworten. Was mich aber am meisten ärgert, ist, dass er über zehn Jahre lang hochbezahlter Manager des Bertelsmann-Konzerns war – während er hier hier im Parlament saß. Das ist absolut irre. Der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim bezeichnet das als „legale Korruption“. 

Neulich musste er sich den Vorwurf gefallen lassen, er hätte seine Parlamentsbesucher abgezockt und sich zusätzlich die Pauschale in die eigene Tasche gesteckt, die das Parlament eigentlich für Besucher zahlt. 
Ich glaube nicht, dass er sich persönlich bereichert hat. Es wäre aber nicht schwierig. Ich habe mich gestern in eine seiner Besuchergruppen gemogelt. Das ist relativ scheintotes Publikum, das ihn besucht. Dem kann man bestimmt auch mehr als 150 Euro abknöpfen oder Heizdecken verkaufen. 

Martin Sonneborn, Herr Sonneborn geht nach Brüssel. Abenteuer im Europaparlament. Kiepenheuer & Witsch, 18 Euro 

 

Nur Hamanda | Mi, 3. April 2019 - 13:43

Wenn Herr Sonneborn sagt:
"natürlich habe ich politische Botschaften. Ich versehe sie nur mit einem Witz, damit sie besser viral gehen." Dann ist das legal und findet Nachahmer auch in Italien, wo die Sterne stehen.
Weshalb aber jemand, der wie er, eine berechtigte Kritik formuliert und mit ihm teilt, nur weil er AfD-Mitglied ist, schon als "irgendein Schwachkopf" tituliert wird von Sonneborn, läßt darauf schließen, dass auch er nur eine selbstverliebter Selbstdarsteller ist, was er natürlich nicht verneinen wird. Was an Schwachkopf "witzig" sein soll, erschliesst mir nicht.
So vieles, was Sonneborn anprangert (Elmar Brok, Besteuerung Irlands, Regelwut, Lobbyarbeit, Korruption usw.) ist so richtig und so bekannt. Wundert mich, weshalb diese EU dann so toll und wünschenswert ist. Und eine Partei, die genau das auch im Visier hat, von Schwachköpfen durchsetzt sein soll?
Sonneborn ist nur eine Linke mit Uploadfilter - er versucht witzig zu scheinen. Gefangene der Filterblase

...ist natürlich schon ein gesundes. "Die Partei" hat die AfD ja schon wiederholt auf die berühmte Schippe genommen - wobei der bierernste "Widerstandsgeist" der Rechtspopulisten es einem Satiriker natürlich auch leicht macht.

Und so schmunzelt der AfD-kritische Leser, wenn Sonneborn, quasi im Vorbeigehen, mal wieder gegen die Rechtspopulisten austeilt - während beim AfD-Wähler natürlich die Seele weint... schliesslich kritisiert er ja gerne andere, ist aber selbst für Kritisches nicht so empfänglich..

Also, wer gegenüber der AFD immer nur Zeichen setzt und Haltung zeigt, hat erstens bald alle Wände vollgemalt, es wird langweilig, und lebt zweitens nicht gesund. Immer so haltungssteif durchs politische Leben zu laufen, hat Rückenschmerzen zur Folge. Ja, Demokratie ist so eine Sache, wenn man davon überzeugt ist, dass man der Gute ist, der nicht kritisiert werden darf. Bei mir weint keine Seele, ich habe Mitleid mit solchen "Edeldemokraten".

Nach Ihrer Logik, Herr Keil, düfte dann beispielsweise in der AfD-Bundestagsfraktion kaum noch jemand des aufrechten Ganges fähig sein..

Schliesslich lässt sich Ihr Vorwurf wunderbar umdrehen: Wer ständig gegen das "System" wettert und sich als einzig echte Stimme des Volkes "zur Schau stellt", wird genauso langweilig.
Schuld sind immer die anderen, nur "AfD wirkt"?

Gerade ein solch überdrehter Anspruch, der den meisten Menschen in Deutschland im freundlichsten Fall ein Kopfschütteln entlockt, macht den Satirikern der "Partei" das Spotten über die AfD sehr leicht.

aber Eurokraten und -kraten-kritisch sowieso. Insofern eine Sonneborn aber mehr introvertiert als er. Könnte den Sonneborn sogar wählen - mal sehen. Obwohl wählen gehen so ähnlich ist, als würde man in den Rhein pinkeln, um einer Holländerin, die einen auf der Autobahn rechts überholt hat, eins auszuwischen.
Insofern.... wäre Sonneborn eine echte Alternative

vor der Merkel-Demokratie war die Satire dafür da die Regierung aufs Korn zu nehmen. Heute arbeitet man sich an der Opposition ab, die den "Guten" in der Regierung immer in den Arm fallen,was den humorlosen "Guten" missfällt. Das
hat man bereits im Karneval gesehen, wo selbst kritische Satire an dem Gender-Unsinn, landweite Empörung der "Guten" auslöste.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 3. April 2019 - 14:13

ist als politischer Mensch ein begnadeter Satiriker.
Aber er ist kein begnadeter Politiker.
Damit aber immer noch besser als schlechte Politiker.
Freundlichst

Tomas Poth | Mi, 3. April 2019 - 14:20

und Großunternehmen gehen fast steuerfrei durch. Geld aus den Taschen von Otto Normalverbraucher dass zwar auch über Jobs irgendwo wieder rezirkuliert, aber vielen auch ein "bedingungsloses Einkommen" sichert.
Lesenswerter Beitrag.

hm. Es sind gerade um die 79 Billionen US Dollar im Umlauf (Rechnung 2017 im IWF).
Mag man Wikipedia vertrauen, die auf das Handelsblatt referieren, so besitzt die Summe aller Menschen mit dem Einkommen über 1 Million US Dollar, 70,2 Billionen US Dollar.
Bei mehr als 190 Ländern weltweit, ergibt die Summe aus den Ländern bis zur TOP 20 (170 Länder) 18,5 Billionen. Die EU 17,5 Billionen, als Äquivalent.
Deutschland mit 3,6 Billionen.(Soviel wie weniger als 140 Länder zusammen).
Was man mit den Daten anfangen will, bleibt einem selbst überlassen.

Historisch hat die EU mit seiner Struktur als korregierende Größe zur Wirtschaft, einen deutlich wichtigen Beitrag geleistet.
Hat man in der 70er Jahren als souveräne Staaten sich über die Hoheit der Gewässer debattiert, debattiert man heute nach 30 Jahre Mauerfall und 30 Jahre TCP Protokoll, vernetzter und moralischer.
Große demokratische Konstrukte sind auch schwerer zu kontrollieren, als Großkonzerne.
Aber es funktioniert! :)

Jürgen Keil | Mi, 3. April 2019 - 15:26

Drei Anmerkungen: 1. Die AFD, so steht es im Wahlprogramm, will die EU nur dann geordnet auflösen, wenn sie nicht reformierbar ist, aber sie will die Gründung einer neuen "EU". 2. Die Meinung von Herrn Sonneborn, dass die Sozialdemokraten und die Grünen zu wenig Einfluss im EU- Parlament haben, ist für mich, betrachte ich die Entscheidungen, die bei mir ankommen, nicht nachvollziehbar. 3. Kleiner Schmunzler: Mein Geflügelhändler verkauft keinen selbstgemachten Eierlikör mehr. Warum? Kein Witz! Gemäß einer neuen EU- Richtlinie müsste er sich einen separaten Eiaufschlagraum einrichten. Vielleicht hat Herr Sonneborn da ja gerade mal mit Ja gestimmt.

..will die EU tatsächlich NICHT abschaffen, vorausgesetzt, sie dezimiert und verwandelt sich exakt so, wie sich die AfD dann eine (amputierte Rest-)EU vorstellt. Sollte die EU - oder, genauer - sollten dem die Staaten, die in der Summe die EU darstellen, allerdings nicht konsequent und bedingungslos zustimmen, wird der D-Exit angestrebt! Alles oder Nichts!

Ja, die AfD will etwas "Neues" - was man allerdings kaum noch als EU bezeichnen kann. Das neue Konstrukt soll ein "Europa der souveränen Staaten sein". Das bedeutet wohl, dass die EU fast komplett demontiert und zerstört wird, und an deren Stelle treten dann 100 delegierte Parlamentarier und die Regierungschefs, die sich halbjährlich zum gemeinsamen Kaffeekränzchen treffen, um sich dann anschließend wieder hinter ihren "nationalen" Mauern zu verschanzen.

Jürgen Keil | Mi, 3. April 2019 - 18:56

In reply to by Gerhard Lenz

"die Gründung einer neuen europäischen Wirtschafts- und Interessengemeinschaft", so steht es im AFD- Wahlprogramm. Und was ist denn an einem souveränen Nationalstaat so verwerflich. "... 100 delegierte Parlamentarier und die Regierungschefs, die sich halbjährlich zum gemeinsamen Kaffeekränzchen treffen, um sich dann anschließend wieder hinter ihren "nationalen" Mauern zu verschanzen." ? Relotius lässt grüßen!

Ist ein Nationalstaat nicht. Nur könnte man argumentieren, dass im Angesicht massiver globaler Konkurrenz auf allen Ebenen europäische Kleinstaaterei endgültig ein Relikt der Vergangenheit sein sollte. Oder dass Nationalismus viel mehr Konfliktstoff birgt, als das freiwillige Zusammenfinden von Staaten. Dass nationaler Egoismus gerade in Europa keine Erfolgsstory schrieb.
Es ist einfach lächerlich, sich ewig im angeblichen Glanz einer tausendjährigen Erfolgsgeschichte zu sonnen - eines Erfolgs, der zwei Weltkriege, einen Jahrhunderte währenden, oft zerstrittenen Fleckenteppich und jede Menge Leid und Auseinandersetzung beinhaltetet.
Alles das spricht ja wohl eher gegen den Nationalstaat und für ein gemeinsames Europa. Gleich was schöngeschrieben im Programm der AfD zu lesen ist: Man will eine Zerstörung der EU (ganz im Sinne Trumps und Putins,) um anschliessend diese durch einen losen Staatenbund zu ersetzen. Das wissen Sie doch genau.

Reinhard Seidel | Fr, 5. April 2019 - 09:26

In reply to by Gerhard Lenz

Das wollte auch der französische Staatspräsident DeGaulle nicht, er sprach von einem Europa der Vaterländer, einen europäischen Einheitsstaat lehnte er ab. Er wusste auch warum! Die einzelnen Staaten in Europa sind zu unterschiedlich in ihrem Staatsverständnis, Souveränitätsstolz und Mentalität, was nicht zu Zusammenhalt und Solidarität, wie die linken Einheitsstaats-Romantiker glauben führen wird, sondern zu ewigem Gezänk und Zerwürfnis. DeGaulle war ein weiser
Mann, der kannte seine Pappenheimer und hatte für Illusionen und Ideologie nichts übrig.

Konrad Paukner | Do, 4. April 2019 - 08:12

In reply to by Gerhard Lenz

dann soll die EU so bleiben wie sie ist, in all ihrer Vollkommenheit. Ich mag die AFD nicht sonderlich, aber Ihr Demokratieverständnis noch viel weniger.

Gerhard Lenz | Do, 4. April 2019 - 10:09

In reply to by Konrad Paukner

...besser, lieber Herr Paukner, indem man sie demontiert - das ist ist es nämlich, was die AfD wil. Nicht weil es ihr um Europa geht, sondern weil schon im Grundsatz die Idee eines vereinten Europas dem eigenen nationalistischen Dogma konträr gegenübersteht.

Die EU ist natürlich nicht vollkommen - deswegen sollte man Verbesserungsbedürftiges verbessern.
Das klassische Beispiel: Ein noch immer nicht mit vollen Rechten ausgestattetes Parlament.
Die Lösung? Etwa, Auflösung des Parlaments, wie es die AfD vorschlägt? Natürlich nicht! Die Nationalstaaten - sie sind letztendlich die Verantwortlichen für Versäumnisse auf europäischer Ebene - müssen dem Parlament volle Rechte zugestehen!
Es waren interessanterweise die Briten, die sich immer gegen ein mit allen Rechten ausgestattetes Parlament gewehrt haben - um dann im Vorfeld des Referendums ein Demokratiedefizit zu beklagen...

Robert Müller | Do, 4. April 2019 - 10:34

In reply to by Gerhard Lenz

Anderes Personal wäre sehr viel, andere Strukturen hingegen sind eher nicht zu erwarten. In dieser Hinsicht stimme ich auch Sonneborn zu. Allerdings wünsche ich mir nicht mehr SPD und Grüne, sondern weniger SPD, Grüne, CDU und CSU.

Die im Artikel genannte Piratin Julia Reda hat gerade ihre Anhänger aufgefordert bloß nicht die Piraten zu wählen. Man mag sich im Internet informieren warum. Grundsätzlich halte ich die Piraten für wählbar, aber nicht mit dem aufgestellten Kandidaten. Also, die Kandidatenauswahl ist entscheidend. Übrigens, der "gärige" Haufen von der AfD in Brüssel ist auch eine Enttäuschung.

Benjamin Wied | Mi, 3. April 2019 - 15:32

"Wenn die EU linker, grüner und sozialdemokratischer wäre, könnten wir ein ganz anderes Europa haben. "
Sicherlich würde dann Europa so gut funktionieren wie Bremen oder Berlin.

"eine Wand aus dicken, alten, konservativen, weißen Männern ..."

Also ist "Identity Politics" auch bei Martin Sonneborn angekommen.

Christa Wallau | Mi, 3. April 2019 - 15:54

"Ich hab es mir zur Aufgabe gemacht, Öffentlichkeit zu schaffen für die unseriösen Seiten der EU."
Diesen Satz des Herrn Sonneborn muß man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Wer, bitte, ist denn u n s e r i ö s e r im gesamten EU-Parlament als er s e l b e r ?

Daß diesem "selbstverliebten Selbstdarsteller" (wie ihn der Kommentar Hamanda zutreffend bezeichnet) überhaupt ein langes Interview im CICERO gewidmet wird, finde ich erstaunlich.
Sonneborn geriert sich als Kritiker und spießt doch nur die hinlänglich bekannten Absurditäten und Schwachsinnigkeiten des Brüsseler Alltags auf, während er an der Struktur und der inhaltlichen Arbeit der EU nichts zu kritisieren hat. Im Gegensatz zu den von ihm als "Schwachköpfe"
bezeichneten Leuten wie ein Prof Meuthen von der AfD hat er offenbar keine Haltung zu nichts und stimmt daher bei allen Sachentscheidungen abwechselnd mit Ja oder Nein ab - für ein Spitzengehalt!
Eine wahrhaft nachahmenswerte "Leistung" und ein Vorbild für die Jugend!

Ernst-Günther Konrad | Fr, 5. April 2019 - 11:57

Es bedarf keiner angeblichen Verschwörungstheorien zur Arbeitswelt der EU-Parlamentarier, insofern sei Herrn Sonnenborn Dank. Er beschreibt seinen eigenen nutzlosen und als soziale Hängematte zu bezeichnenden Aufenthalt im Parlament und erspart somit dem Volk sich mühsam Gedanken zu machen, ob man das braucht oder nicht. Seine politische "Haltung" lässt sich offenkundig mühelos auf andere Parlamentarier übertragen, was der durch die AFD geforderten Reformierung der EU geradezu die Nahrung gibt, die sie braucht. Natürlich wird das mit Siicherheit von unserem hier saatlich bezahlten Diplom-Genossen anders gesehen werden. Ich denke aber, das die kommenden EU-Wahlen zeigen werden, ob und wie es mit der EU weiter gehen wird. So wie bisher, auf jeden Fall nicht. Die beste Werbung für die AFD ist die, wenn sich die "Guten" und angeblich "wahren" EU-Beführworter selbst ad absurdum führen. Das Interview bestätigt meine Meinung deshalb, die zufällig auch von der AFD geteilt wird.

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