Martin Selmayr - Der Rasputin von Brüssel

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker macht den Deutschen Martin Selmayr zum neuen Generalsekretär der EU-Kommission. Ein brisante Personalie, denn Selmayr eilt in Brüssel der Ruf eines machthungrigen Egomanen voraus. Lesen Sie hier unser Portrait des Strippenziehers von Dezember 2017

Martin Selmayr
„Monster von Berlaymont“ nennt mancher ihn in Brüssel: Martin Selmayr

Autoreninfo

Eric Bonse berichtet seit 2004 aus Brüssel über Europapolitik. Er betreibt auch den EU-Watchblog „Lost in Europe“.

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Er hat den Ruf eines 150-prozentigen Europäers, der rücksichtslos für seine Politik kämpft. Als es im Frühjahr hieß, gegen EU-Gegner wie ­Geert Wilders oder Marine Le Pen mobil zu machen, war er wie selbstverständlich dabei. Doch im Gegensatz zu den besorgten Bürgern von Pulse of Europe, die nur in ihrer Freizeit für die EU werben, ist Martin Selmayr ein Profi, ein Überzeugungstäter. Er wirbt nicht für Europa, er macht Europa. Ob bei der Bertelsmann-Stiftung, in der Brüsseler EU-Kommission oder in den Brexit-Verhandlungen: Immer zieht Selmayr die Strippen, stets verbindet er seine Strategie mit einem Spin.

Jahrelang ist das gut gegangen, jedenfalls besser als erwartet. Als die EU in die Krise rutschte und die Medien nur noch negativ berichteten, verlegte er sich auf positive Botschaften. Als Europa unpopulär wurde, griff er zu populären Maßnahmen. Die Abschaffung der lästigen Roaming-Gebühren für Handys geht ebenso auf sein Konto wie das milliardenschwere Investitionsprogramm, mit dem Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker 2014 in sein Amt startete. 

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Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 22. Februar 2018 - 12:26

zu manipulieren?
Darf ich laut loslachen?
Die CDU arbeitet sich seit Jahren an dem `Granitbrocken´ Merkel ab und schwindet darüber, da bleiben wir doch besser in der Realität.
Meine Vorgehensweise ist nicht selten die, wenn jemand plötzlich angefeindet wird, könnte etwas Gutes an ihm dran sein.
Dass er Schäuble nicht willfahrte, macht mich natürlich stutzig.
Europa, vor allem die Währung braucht Macher, aber realistische und vor allem loyal zu Steuergeld.
Juncker preist gerne Helmut Kohl.
Darf ich nach dieser Dokumentation einmal erwähnen, was `illegales´ Geld für einen Unterschied machen kann zu denen, die sich legal verhalten?
Solange Griechenland nicht, überspitzt gesagt zur europäischen Loyalität aufschliesst, solange ist es mit Vorsicht zu geniessen.
Selmayrs Vita klingt interessant (Wiki).
Er scheint kein US-amerikanisches `Produkt´ zu sein.
Andererseits werden jetzt evtl. europäisch Weichenstellungen für Merkel vorgenommen.
Herr gib, dass ich ertrage, was nicht ...

Christa Wallau | Do, 22. Februar 2018 - 12:27

Wenn ich schon J. C. Juncker immer für eine äußerst zwielichtige Figur im Dienste des internationalen Finanzkapitalismus gehalten habe, so steht mir angesichts dieses Herrn, Martin Selmayr, erst recht die ganze Tragweite des völlig undemokratischen Brüsseler Geld-und-Lobbyisten-Geschachers klar vor Augen.
"Das Recht der Währungsunion" (Titel seiner Doktorarbeit) ist in meinen Augen eine eindeutige
Kampfansage an jeden Bürger der EU, dem sein
R e c h t auf Selbstbestimmung durch die
Einheitswährung immer mehr beschnitten wurde.

Und dieser, vom EU-Macht-Betrieb besessene, intrigante Egomane, soll jetzt Generalsekretär der EU werden! Toll!
Und wie beruhigend für uns Deutsche: Es ist wenigstens ein Landsmann, der uns demnächst das restliche bißchen Fell, das wir noch besitzen, über die Ohren ziehen wird!

Ich befürchte dass Du Recht hast. Doch haben für mich die Cicero-Schreiber in letzter Zeit (wie auch der Papst!) an Unfehlbarkeit verloren. "Martin Selmayr", so wurde von Cicero kolportiert "sei ein machthungriger Egomane". Mir fällt allerdings auf, dass dieser Mann über einen sehr interessanten Bildungshintergrund verfügt und gut (aber kaum atlantisch) vernetzt ist. Eigentlich kann es mit Selmayr an der Spitze der EU nicht schlimmer werden. Ich habe diesen Mann im Verdacht, gescheit zu sein, was man von den üblichen Spitzenpolitiker des BRD-Systems kaum annehmen darf.

Wilhelm Maier | Do, 22. Februar 2018 - 19:04

„"Das europäische Haus steht nach dem Sturm der Finanzkrise nicht mehr auf festem Fundament", sagt der in 1970 in Bonn geborene Jurist, der in Karlsruhe aufgewachsen ist, "an einigen Stellen regnet es durchs Dach – wir müssen überall nachbessern." Ohne die nötigen Reparaturen, glaubt er, gewinnen die Anti-Europäer die Oberhand.“
„Nach Brüssel lockt ihn die Debatte über eine EU-Verfassung, genauer gesagt der CDU-Abgeordnete Elmar Brok, der auch...für die Bertelsmann-Stiftung arbeitet. Dort heuert Selmayr an und wird bald Büroleiter in deren Europa-Vertretung....“
http://www.rp-online.de/politik/eu/eu-kommission-martin-selmayr-kletter…
CDU-Abgeordnete Elmar Brok? Der, der wirklich die Interessen Deutschland in EU vertritt? https://www.n-tv.de/politik/Politiker-wollen-Nord-Stream-2-verhindern-a… Warten wir ab,
wie schon bei Murphy:
„Es liegen nur dann Scherben auf dem Boden, wenn Du barfuß bist.“

Ernst Laub | Do, 22. Februar 2018 - 21:52

Ein absolut sinnloser Titel. Die Verleumdung Rasputins war eine raffinierte Propaganda-Aktion der Briten, die auch heute noch von einem Heer von Naiven aller Länder geglaubt und verbreitet wird. Rasputin wurde verleumdet und später in britischem Auftrag ermordet, weil er den Zaren vom Kriegsbündnis mit der „Entente“ abhalten wollte und diesen Versuch auch nach Kriegsbeginn weiter betrieb. Für mich ist Rasputin ein grossartiger und – wie auch Jaurès und Debs – leider erfolglos gebliebener Friedensaktivist. Für die Kriegstreiber waren Jaurès, Debs und Rasputin bloss deutsche Agenten…… und – wenn dies nicht weiter hilft – „Verrückte“. Es ist endlich an der Zeit, die Geschichte dieser grossartigen Menschen nicht weiterhin aus dem Blickwinkel der Kriegshetzer zu betrachten........

Christa Wallau | Sa, 24. Februar 2018 - 13:30

Ja, lieber Ernst, Du hast natürlich vollkommen recht.
Früher wie heute bestimmen diejenigen die Geschichtsschreibung und das Urteil über eine
Person, die es als Sieger in der Hand haben, ihre Version zu verbreiten.
Unendlich viele gute, engagierte und opferbereite
Menschen sind auf diese Weise schon diffamiert
worden. In jedem einzelnen Falle kann man dann
von Glück reden, wenn sich später jemand findet, der das Fehlurteil korrigiert, indem er
mit Fakten belegt, wie falsch dieser Mensch
beurteilt wurde. In den allermeisten Köpfen
ändert sich jedoch auch dadurch nichts.
Einmal als Unhold und Verbrecher abgestempelt -
immer ein Verbrecher.

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