- Könnte ein Sobieski-Denkmal Türken triggern?
Die Wiener Stadtregierung verhindert ein bereits 2018 genehmigtes Denkmal für den polnischen König Jan III. Sobieski – aus Sorge vor Islamfeindlichkeit. In Polen stößt es auf völliges Unverständnis, dass Wien ausgerechnet die Erinnerung an die eigene Stadtrettung problematisiert.
Auf dem Wiener Kahlenberg steht seit Jahren ein leerer Sockel. Kein Denkmal, keine Figur, kein Name – nur ein Stein, der darauf wartet, endlich bestückt zu werden. Geplant war jedoch ein Monument für eine Erinnerung, die nicht mehr so recht in das moderne und weltoffene Stadtbild passen will – so sieht es zumindest die Wiener Stadtregierung aus SPÖ und Neos. Denn der Sockel sollte den Polenkönig Jan III. Sobieski ehren, der 1683 als militärischer Hoffnungsträger Europas die Türkenbelagerung Wiens beendete.
In der traditionellen Erzählung gilt Sobieski als Retter der Stadt, der mit seinen Reitern heldenhaft den Kahlenberg hinabritt und europäische Geschichte schrieb. Doch was damals als Rettung von fremder Aggression gefeiert wurde, gilt heute nicht mehr als politisch korrekt. Daher lehnte die Stadt das bereits 2018 genehmigte und der Republik Polen zugesagte Denkmal ab – aus Sorge, es könne Islamfeindlichkeit oder antitürkische Ressentiments befördern. Erinnerung sei kein abgeschlossenes Kapitel aus Stein und Bronze, sondern ein offener, dialogischer Prozess, argumentiert man. Straßenbenennungen und bestehende Gedenkorte reichten aus.
Die Wiener Türkenbelagerung
Um zu verstehen, warum dieser Sockel heute leer bleibt, muss man sich vergegenwärtigen, wofür er gedacht war. Stellen Sie sich vor, Ihre Stadt wird von einem feindlichen Heer belagert. Ich weiß, schwer vorstellbar in Deutschland im Jahr 2026. In etwa so muss man sich jedoch die Stimmung auf den Straßen Wiens 1683 vorstellen, als plötzlich ein osmanisches Heer unter Großwesir Kara Mustafa vor der Tür stand. Noch zu präsent war das Bild des geplünderten Konstantinopels zwei Jahrhunderte zuvor, dessen Hagia Sophia zur türkischen Moschee geworden war. Sollte der Wiener Stephansdom nun etwa dasselbe Schicksal erleiden?
Irgendwie also schon nachvollziehbar, wenn man sich in dieser Position nach Monaten der Belagerung nach der rettenden Hand Europas sehnte. Als diese dann schließlich in Form von Jan Sobieski den Kahlenberg hinunterritt, war die Erleichterung der Wiener entsprechend groß. Immerhin war das abendländische Heer ganz schön in Verzug geraten, denn lange hatte der Anführer der Polen mit dem belagerten Habsburger Kaiser darüber gestritten, wem von beiden die Ehre zuteilwürde, das Befreiungsheer anzuführen.
Heute wissen wir daher: Sobieski war kein Heiliger und auch kein Kreuzritter – der Retter von Wien war vor allem ein Machtpolitiker, und die Entsatzschlacht vor Wien keine Rettung des christlichen Abendlandes aus reiner Nächstenliebe, sondern auch das Ergebnis dynastischer Rivalitäten und Egospielchen. Erst im allerletzten Moment eilte das – wie dereinst eigentlich immer – zerstrittene Europa der verzweifelten Stadt zur Hilfe.
Eine vorsorgliche Entschärfung der Geschichte
Doch genau an der objektiven Einordnung von Geschichte beginnt unserer Tage die Debatte. Kann Geschichte diskriminierend sein? Kann Erinnerung rassistisch wirken, nur weil sie einen Sieg benennt und ein Angreifer verliert? Konsequenterweise müsste man dann auch den schulischen Geschichtsunterricht mit einer Triggerwarnung versehen und dazu noch auf die persönlichen Befindlichkeiten jedes einzelnen Schülers eingehen. Wer solche Fragen wirklich ernst nimmt, richtet den Blick deshalb auch nicht auf Sobieski, sondern auf den Umgang mit Geschichte selbst. Doch Gewinner und Verlierer gab es immer, selten hat das etwas mit Moral zu tun.
Die Wiener Stadtregierung sieht in einem Denkmal heute vor allem eine Projektionsfläche für mögliche Provokationen. Wer aber nicht mehr die Erinnerung an ein Schicksalsmoment selbst beurteilt, sondern die bloße Möglichkeit ihrer Fehlinterpretation, entschärft die Geschichte vorsorglich. Das ist hypersensibel – und gemessen an historischer Bedeutung schlichtweg absurd.
In Polen stößt diese Haltung derweil auf komplettes Unverständnis. Dort wartet die bereits fertiggestellte Statue darauf, ihren Platz in Wien einzunehmen – als Zeichen historischer Verbundenheit und später Einlösung eines Versprechens. Der polnische Botschafter betont daher eindringlich: „Die Stadt Wien ist Sobieski etwas schuldig.“ Dass Wien nun ausgerechnet die Erinnerung an die eigene Stadtrettung problematisiert, wirkt in Warschau eher wie ein Akt des selektiven Vergessens, eine peinliche Leerstelle – ein Sockel ohne Mut zur eigenen Geschichte.
Andere Länder, andere Sitten
Noch deutlicher wird der Unterschied im Umgang mit der eigenen Geschichte, wenn man ihn mit dem des damaligen Angreifers vergleicht. Schließlich war das Osmanische Reich ein stolzes, expandierendes Kolonialreich, das sich vom arabischen Hedschas bis nach Serbien und von Tunesien bis ins alte Mesopotamien erstreckte. Seit knapp zwei Jahrhunderten kontrollierte man von der neuen Kapitale am Bosporus die Balkanländer, und es war auch keineswegs das erste Mal, dass ein osmanischer Padischah seinen Arm in Richtung des „dritten goldenen Apfels“ ausstreckte. Ganze drei Jahrhunderte lang prägte die „Türkenangst“ als reale Bedrohung europäische Alltagskultur. Sentimentale Schuld hegt man deswegen in Ankara jedoch keineswegs.
Ich frage mich also derweil leicht amüsiert, welcher Shitstorm die Wiener Kampagnenmacher erwartet hätte, würden sie die gleiche Forderung in der Türkei stellen – etwa, ein Denkmal für Atatürk, den Befreier des Landes nach dem Ersten Weltkrieg und Widerstandskämpfer gegen die westlichen Besatzer, abzulehnen, etwa weil er von Teilen der kurdischen Bevölkerung nicht uneingeschränkt positiv gesehen wird. Die Perspektive, mit der Geschichte wahrgenommen wird, verschiebt sich hier augenfällig.
„Kampf der Kulturen“ in Wien?
Aber zurück nach Wien. Denn sollte dort tatsächlich eine namhafte Anzahl von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund oder Muslimen im Allgemeinen leben, die sich von der Statue des berühmten Polenkönigs angegriffen fühlten, weil dieser einst die osmanische Landnahme Österreichs vereitelte, so stünde die alte Kaiserstadt wohl vor ganz anderen Problemen. Denn dann würden sich nicht mehr nur individuelle Befindlichkeiten zeigen, sondern auch historische Ressentiments verdichten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.
In einem urbanen Umfeld, in dem Teile der Bevölkerung starke Bezüge zu ausländischem Patriotismus und politischem Islam haben, während die Stadtregierung die eigene Geschichte cancelt, kann gerade ein nicht vollendetes Denkmal zum Inbegriff des oft beschworenen „Kampfes der Kulturen“ werden.
Und während der Stadt noch über Sobieski sinniert, steht der Stephansdom unbeirrt da als letzter Zeitzeuge der Belagerung von 1683. An seiner Außenfassade ragt ein kunstvoll gestalteter Steinaltar aus dem 17. Jahrhundert empor, der den italienischen Franziskanermönch Giovanni da Capestrano im Kampf gegen die „ungläubigen Türken“ zeigt. In seiner Hand das Banner des Kreuzzuges, unter ihm ein sich krümmender Türke. Worauf warten also die Wiener? Wenn schon mit der Vergangenheit aufräumen, dann aber richtig!
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Das "Rote Wien" halt. Könnte genauso gut in Berlin passieren. Bei soviel vorauseilendem Gehorsam zwecks Abwendung des -vermutlich nicht einmal real zu befürchtenden- Unmuts türkischer Immigranten braucht man sich über deren Verachtung Hiesiger und ihrer Regeln nicht mehr zu wundern. Wer sich in der Geschichte der zweimaligen Belagerung Wiens auskennt und weiß, wie schrecklich die Türken in den bereits besetzten Gebieten gehaust haben , versteht sehr gut die Last, die den Wienern damals von der Seele gefallen sein muß.
Aber vielleicht sehe ich das ja zu negativ. Vielleicht ist die Verweigerung des Denkmals ja Ausdruck vn Scham darüber, daß die heutigen Bewohner des Abendlandes sich nicht mehr gegen die türkische und sonstige islamische Invasion zu wehren wissen.Vielleicht würde das Denkmal nicht die türkischen Bewohner Wiens stören sondern die Einheimischen daran erinnern, daß man mit Invasionen auch anders umgehen kann, als sich zu unterwerfen.
So hätte Obelix diesen Schwachsinn kommentiert. So betrachtet hätten die Wiener damals die Stadt gleich den Osmanen übergeben können, heute besitzen sie es ja ohnehin.
geliebten Nachbarland so stark sind.
Die Österreicher vom Land und in den Bergen die ich im Urlaub kennenlernte, waren I.ü. Stock- Konservativ 👍 mit denen hätte eine AfD von heute die helle Freude 😄😄😄😄
Allerdings würde ich darauf wetten, das der Wiener Stadtrat und der OB aus dem Grün linken Lager kommen ….. ist ja in unserer „Hauptstadt“ auch nicht anders, nur mit dem Unterschied, Berlin ist diesbezüglich was den politischen Unsinn angeht, Wien schon weit engteilt…….
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik
Da Wien ja auch bereits von den Mohammedanern übernommen wurde, kommt demnächst ein Denkmal des osmanischen Sultans Mehmed II, Eroberers der Stadt Konstantinopel.
Da ja die woken Sozialisten in Wien die Regierung stellen, wird sicher auch demnächst der Steinaltar am Stephansdom abgerissen und der Dom wird in eine Moschee umgewandelt.
Zitat des spanischen Philosophen George Santayana:
„Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt sie zu wiederholen“.
Allerdings erkenne ich in Österreich keinen Unterschied zu Deutschland. Überall wird versucht die Kultur und eigene Geschichte, die nicht dem Zeitgeist paßt, auszulöschen.
Die Menschen mussten sich damals Tapfer gegen die Islamisierung und die feindliche Übernahme aus Nahost wehren! Heute verschenken verstrahlte Politiker und Gutmenschen unsere Heimat! Vernichten und verleugnen UNSERE europäische Kultur, zerstören unsere humanitären, solidarischen Staatsmodelle, indem sie die Systeme mit arbeitsunwilligen und ungebildeten Armutsflüchtlingen überlasten. Zu guter Letzt wird der Islam hofiert und islamische Politiker rollen die Verwaltungen von unten auf! Die Folgen, erst kaum sichtbar, jetzt enorm! Man schaue nur in die Speisepläne der Berliner Schulspeisung! Schweinefleisch? Na klar, geht gar nicht! Moscheen? Na aber, an jeder Ecke! Der erste Muezzin Ruf in Deutschland, per Gericht genehmigt, von der Politik unterstützt, ausgerechnet von einer DITIP Moschee (Erdogan lässt grüßen), also einer Richtung angehörend, die Europa islamisieren soll! Wäre ich dieser König, ich würde dieses Denkmal nicht wollen! Damals wurden die Türken und der Islam gestoppt!
Wann räumen denn die Türken mit ihrer Vergangenheit auf bzw. wo verschwinden in der Türkei Statuen von Eroberern und Feldherren, an denen sich Nicht-Türken, z. B. Griechen und Armenier, stoßen?
kam auch mit seinem Heer, um Wien zu verteidigen. Und die Türkenbeute, ein paar Teppiche, Zelte etc. sind heute (noch) im Museum in Rastatt und Karlsruhe zu sehen.
Vor einigen Jahren hat ein Rastatter eine Kneipe namens Türkenlouis schließen müssen, weil sich ein stolzer Türke in der Stadt diskriminiert fühlte. 2017 aber eröffnete eine DTIP Moschee Erdogans mitten im Industriegebiet und es wurden Kinder und Jugendliche aus allen umliegenden Schulen, Betrieben und Einrichtungen eingeladen, als wäre das eine ganz gewöhnliche und friedfertige Glaubensgemeinschaft. Keiner hat es gewagt, die Einladenden ein wenig zurückzuhalten oder zu kritisieren...
kann hier jeder machen was er will...das Abendland ein Schatten seiner selbst...
Habe gerade den Film "Dracula" von Besson gesehen und der gemahnt uns ja, dass Gott die Liebe ist, wobei die Frage gestattet sei, ob Gott darüber auch mit dem osmanischen Reich gesprochen hat.
Sobieski und Atatürk, kein schlechter Vergleich, wenn da nicht die Kreuzzüge wären, also die Expansion des christlichen Abendlandes.
Die Hagia Sophia ist jetzt eine Moschee und wir Europäer haben kein Recht darauf, unsere Geschichte z.B. in der Türkei bewahrt zu sehen.
Ich zähle das osmanische Reich etc. aber nicht zu Europa.
Bleibt die Frage, ob man Sobieski als Person bzw. in personam heutzutage ehren muss oder ob nicht ein Gedenkstein ausreicht?
Ich denke Letzteres.
Die Reaktion Polens könnte uns aber daran erinnern, dass man zunächst in Europa wieder zusammenwachsen sollte, bevor man sich so oder so "vergisst"?
Es wird wohl gleichzeitig ablaufen.
Eine kulturelle Identität macht sich aber an einem Standbild höchstens fest, das Standbild macht es nicht alleine aus.
Ich plädiere für Umsicht...
Ist mir egal. Mögen die Österreicher selber entscheiden, ob sie den Deutschen folgen und cancel cultur betreiben wollen. Wir haben genug eigene Sorgen. Irgendwann haben die Türken die Österreicher von den Polen befreit. Verrückte Welt.
