- „Putin-Versteher? Empfinde ich nicht als Beschimpfung“
Mit großer Sorge blickt Klaus von Dohnanyi auf die Ukraine. Im Interview spricht das 96-jährige Urgestein der deutschen Politik über europäische Illusionen, die missverstandene Freundschaft zu den USA und darüber, worin sich seine Politikergeneration von Annalena Baerbock fundamental unterschied.
Klaus von Dohnanyi ist Jahrgang 1928. Seit 1957 gehört er der SPD an. Der promovierte Jurist bekleidete zahlreiche politische Ämter, er war u.a. Bundeswissenschaftsminister unter Willy Brandt, Staatsminister im Auswärtigen Amt und Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg. Zuletzt erschien sein Buch „Nationale Interessen: Orientierung für deutsche und europäische Politik in Zeiten globaler Umbrüche“ im Siedler Verlag.
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Was Dohnanyi sagt, finde ich interessante Beiträge. Was ich stärker betonen würde, ist dass auch Putin und die Welt, die mehrheitlich neutral bis eher bei Putin, bzw. kritisch zum Westen, zu sein scheint, beim geschichtlichen Blick auch den Jahrhunderte alten Expansionsdrang Russlands sehen sollte. Zur Rolle der EU zwischen neuen Großmächten würde ich mehr sehen, dass die EU nunmal nicht einig ist. Hier will keiner in eine Orban-EU. Die D-FR-EU scheitert schon daran, dass bereits FR in 3 Lager zerfällt, die sich gegenseitig tief misstrauen. Bei allen Gegensätzen scheinen sich die USA oder China zur Zeit wenigstens einig zu sein, dass sie Ein Land sind. Für die EU braucht es eine realistische Politik und Ein Land sind wir nunmal nicht und können das nicht herbeidefinieren.
Was die "Baerbock-Generation" angeht orientiert sich die vielleicht weniger an der Geschichte als an einer Zukunft, die sie sehen. Auch für die sollten sie aber Mehrheiten finden und sie nicht einfach postulieren.
die aus den Worten von Herrn von Dohanyi spricht. Ich (81) teile seine Meinung.
Vor allem unterstütze ich seinen eindringlichen Appell an die Politiker und alle Menschen:
"Wir müssen uns immer in die andere Perspektive hineinversetzen."
Hätten wir nur mehr Menschen seines Formates in der Politik!
Leider sind weggestorben.
Die Heutigen "agieren immer rastloser im Hier und Jetzt, ohne Strategie und historische Kenntnisse, getrieben von den Medien und den sozialen Netzwerken."
Diesen traurigen Zustand hat Herr von Dohanyi sehr gut beschrieben.
Die alten Römer kannten viele vernünftige Lebensregeln.
Eine davon lautete:
Quidquid agis prudenter agas et respice finem.
(Was immer du tust, bedenke das Ende.)
Bei der Nato-Osterweiterung wurde definitiv n i c h t bis an Ende gedacht, sondern leichtfertig gehandelt - ähnlich einem Autofahrer, der an einer uneinsehbaren Kreuzung durchbrettert, weil er die Vorfahrt hat, anstatt lieber abzubremsen u. noch einmal auf Querverkehr zu achten.
erklärbaren Fehlers im System und trotz CICERO+-Mitgliedschaft – keinen eigenen Beitrag schreiben, aber auf andere antworten kann, tue ich das hier.
Es passt auch ganz gut.
Denn nicht nur Sie, sondern auch dieses hervorragende Interview mit Herrn v. Dohnnanyi, zeigen, dass der Begriff „alt und weise“ gewiss keine Floskel ist.
Ich teile Herrn v.D's Ansichten zum Krieg, vor allem dessen Vorgeschichte und Ursachen zu 100% und habe dies hier auch immer hingeschrieben.
Auch zum Rapallo-Komplex.
Ein trotz seines hohen Alters wirklich unfassbar wacher, kluger Mann.
Leider kapieren unsere Polit-Clowns nicht, welche Rolle sie im geopolitischen Spiel der USA einzunehmen haben.
Nun denn.
Richtig gefreut hat mich seine hanseatisch nüchterne aber ebenso vernichtende Einordnung unseres ehemaligen Bendler-Block-Blödchens. Sie habe „die außenpolitischen Zusammenhänge...nicht durchschaut...“. Heißt: sie war zu blöd für den Job.
Wie wahr.
Jetzt ist sie Gottseidank weit weg.
Unerträgliche Gans.
ist diese "Gans" ja nicht. Es steht zu befürchten, dass sie Präsidentin der Uno-Vollversammlung werden wird, und in diesem Zusammenhang Deutschland weiterhin bis auf die Knochen blamieren wird. Hier würde sich dann die "Verschwörungstheorie" bestätigen, dass in der deutschen Politik die schlechtesten nach oben weggelobt werden. Leider bleiben deshalb aber nicht weniger Minderbegabte in der nationalen Politik zurück.
Bedenkt der politisch interessierte Bürger dieses Landes, wie lange die Verhandlungen zum Frieden bezüglich des Vietnamkrieges gedauert haben oder der Waffen Stillstand in Korea, die bis heute keinen Friedensvertrag haben, dann wäre es schon fast ein Wunder, wenn sie im Bezug auf die Ukraine jetzt schon zu einer Einigung kommen.
M.W.n. hat Deutschland ebenfalls noch immer keinen Friedensvertrag. Ich hoffe und bin sicher, ein Friedensvertrag Russland / Ukraine wird schneller abgeschlossen werden. Und wenn eben Putin und Trump unüblicher Weise direkt miteinander verhandeln müssen. Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehen....
"M.W.n. hat Deutschland ebenfalls noch immer keinen Friedensvertrag."
Das hat wohl seinen Grund ...
Was aus dem Versailler Vertrag hervorging ist bekannt ...
Zu "nie wieder" hat auch die Auflösung Preußens gehört ...
Alles beschlossen durch die 3 Siegermächte, warum 3 ... Frankreich wurde zuvor von Deutschland besiegt und sprang dann auf den Alleiertenzug auf.
Wie immer haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Alle, die sich heute über eine mögliche Bedrohung des Westens durch Putin Sorgen machen, vergessen darüber, wie es auf Putin gewirkt haben muss, als die NATO sich Schritt für Schritt seinen Grenzen genähert hat. Um es mit den alten Römern zu sagen: audiatur et altera pars.
Danke liebe Frau Wallau für ihren wieder treffenden Kommentar. Man muss nicht immer selbst was in Worte fassen, wenn ein anderer es genauso gut getan hat. Leider sterben diese Politiker wie Klaus von Dohnanyi aus, es ist der Lauf der Zeit. Und ja, er hat völlig recht. Jemand verstehen, heißt noch lange nicht, alles was er sagt, schreibt und tut, auch gut zu heißen. Wenn mich also jemand negativ konnotiert einen Versteher nennt, dann gibt er damit zwangsweise selber für mich zu, dass er/sie nichts, aber auch gar nichts verstanden hat. Jemandem abzusprechen, dass er Verständnis für einen anderen hat zeigt mir nur eines. Ihm fehlt ein wesentliches Merkmal der Menschlichkeit.
und der ist offensichtlich unserer Politischen Kaste und leider auch den vielen "Experten" besonders in den ÖR die bemüht werden um uns zu erziehen abhanden gekommen.
wohltuender Artikel. Ein Unterschied wie Tag und Nacht zwischen Herrn Klaus von Dohanyi und der regierenden Politikergeneration der letzten knapp 20 Jahre. Ich denke, das liegt nicht nur an den nicht vorhandenen Kriegs(folge)erfahrungen, sondern auch maßgeblich an deren miserablen Charaktereigenschaften.
historisch in der Reihenfolge, sind bedeutende Großmächte, die ich in ihrer Bedeutsamkeit anerkenne, auf Augenhöhe gewissermaßen.
Grundsätzlich agieren sie in ihrem Interesse, solange sie die Kraft dazu aufbringen.
Ein europäisches "Standing" werden sie nur soweit dulden, wie sie darin erkannt und geschützt werden.
Ich hoffe, dass ich mich meistens auch so geäußert habe.
Die gegenwärtige Politik Europas -> Russland, China und eigentlich die USA, lässt eben letzte weg und konstruiert evtl. einen nicht vorhandenen manichäischen "Endkampf" zwischen Westen(gut) und Osten(böse).
Das alles hat mit moderner Physik/Geologie nichts zutun und auch nicht mit den Verknüpfungen des Lebens.
Die "Betreiber" dieses evtl. "manichäischen Endkampfes" vermute ich auch in Europa und wegen dessen "herausragender" Bedeutung ungleich fataler als in den anderen Großräumen.
Für sich scheint mir persönlich Herr Selenskij evtl. ein ""politischer Scherz"", ihm werden aber die Wege bereitet?
Danke für ihre Worte
Ich kann nur soviel sagen, dass ich mitten in dem, was sich Leben, Historie etc. nennt, immer wieder innehalte und dem eigentlichen Leben zuhöre.
Heute war das via Youtube die Antrittsrede von Papst Leo dem XIV., gleich danach via Youtube ein Vortrag von dem hochverehrten und hochverdienten Prof. Dr. Sloterdijk im evangelisch-reformierten Forum St. Gallen, St. Gallen, das ich ohnehin sehr schätze als Ort des Wirkens von Rudolf Lutz und der Bachstiftung.ch
Ich hätte nicht gedacht, dass ich manchmal Geld in die Schweiz spenden würde:)
Ach so, der Vortrag hatte das Thema "Europa als Drama und Vorstellung".
Was kann ich denn anderes tun, als nach diesem wahren Leben zu schauen, es zu befördern und wenn eben möglich zu schützen?
Nebenbei sage ich auch immer gerne, welche diese Orte des Lebens für mich sind.
Selbst wenn die Welt morgen untergeht, würde ich immer dazu raten, noch ein Apfelbäumchen zu pflanzen (Martin Luther).
Wir sind niemals im Tod, wir wechseln nur die Räume. Michelangelo
Solche Attribute gehen vielen derzeitigen Politgrößen komplett ab. Mit Wadephul hat Merz eine ebenso große Fehlbesetzung fabriziert wie Scholz mit Baerbock. Wadephul ist indes noch schlimmer, weil intelligenter und lebenserfahrener als das Mädchen Annalena. Wadephul ist ein fanatischer Hardliner und von Russland, um das wir keinen Bogen machen können, heute nicht und übermorgen auch nicht, von Russland hat Wadephul schlicht keine Ahnung, und er will auch keine Ahnung haben. Er ist ein politischer Ignorant. Schlimm für dieses Amt. Leider gibt es solche klugen Köpfe und edlen Charaktere wie Klaus von Dohnanyi in diesem elenden und verfluchten Lande nicht mehr. Und Ersatz ist nirgends in Sicht. Wir müssen mit politischen Pleiten und Blamagen leben, die letztlich in Ignoranz und Dummheit ihre Wurzeln haben. Gewiss, Putin ist ein Machtpolitiker, aber er dient ohne Wenn und Aber seinem Land und er ist beliebt. Von welchem dt. Politiker kann man solches auch sagen. Wir werden von... regiert
