Kim Jong-un - Der Wolf von Pjöngjang

Völlig überraschend wollen sich US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un treffen. Die Begegnung gilt als heikel, auch weil Kim Jong-un meist als verrückter Diktator dargestellt wird. Mit der Realität hat das nur bedingt zu tun

Kim Jong 2016 Un bei einer Zusammenkunft des Nordkoreanischen Zentralkommittees
Mag er auch wirken wie ein Clown, in Wahrheit ist er ein kalkulierender Staatsmann / picture alliance

Autoreninfo

David Kang ist Professor für Internationale Beziehungen und Direktor des Instituts für Koreastudien an der University of Southern California Dornsife in Los Angeles.

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Westliche Kommentatoren behandeln Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Jong-un oft als einen Witz. In privaten Gesprächen habe ich gehört, wie Vertreter der US-Regierung und der militärischen Führung ihn gelegentlich als „fetten Jungen“, einen „jungen Playboy“ und als „Witzfigur“ bezeichneten. UN-Botschafterin Nikki Haley hat sogar öffentlich die Frage gestellt, ob er verrückt ist. Den nordkoreanischen Führer zu beleidigen, ist jedoch ein Fehler – nicht, weil es sich nicht gehört, sondern weil unterschätzt wird, wozu er fähig ist. Kim ist kein Clown. Ihn als einen solchen zu behandeln, bedeutet, die Bedrohung zu verkennen, die Nordkorea und dessen Machthaber darstellen.

Besser ist es, ihn wie eine Art neuen Geschäftsführer zu betrachten, der ein Unternehmen übernimmt. Das ermöglicht Beobachtern, Diskussionen über seine geistige Gesundheit (und die Fokussierung auf ihn als einen Diktator) zu vermeiden und stattdessen seine Qualitäten als Führungskraft zu untersuchen. In der Businesswelt ist die Rolle des Geschäftsführers von zentraler Bedeutung für den Erfolg eines jeden Unternehmens. Ein neu ins Amt kommender Geschäftsführer, insbesondere einer, der in ein angeschlagenes Unternehmen kommt, muss Kontrolle und Führung zeigen. Er muss seinem Unternehmen eine Vision geben und deren Realisierung anleiten. Ein neuer Geschäftsführer muss seine Mitarbeiter motivieren, ihnen erklären, wo es mit dem Unternehmen hingeht und warum, muss Leistungsprozesse und Evaluation miteinander abstimmen, sodass die Erwartungen klar sind. Zugleich muss er die Reihen säubern und damit Ineffizienz und interne Streitigkeiten innerhalb der mittleren Führungsebene beseitigen. Kurz gesagt, ein guter Geschäftsführer ist in der Lage, die Leute dazu zu bringen, in dieselbe Richtung zu marschieren.

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Armin Latell | So, 11. März 2018 - 09:59

erscheint mir nach diesem Artikel eher ein Fuchs. Sehr interessant und inhaltlich so ganz anders, als das, was man sonst in den Medien lesen kann. Scheinbar gibt es für das Groß der westl. Medien nur das System "deklassieren", wenn es um unliebsame Politiker geht. Dieser Artikel hat mir gezeigt, dass es, wie immer, auch hier mehr als nur schwarz und weiß gibt. Für die meißten Medien kein Thema. Danke für diesen Artikel.

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