Katalonien - „Die Franco-Zeit wurde nie richtig aufgearbeitet“

Zum spanischen Nationalfeiertag versammelten sich 50 Demonstranten vor der Botschaft in Berlin, um gegen das Verhalten der Regierung im Katalonien-Konflikt zu protestieren. Die Kundgebung wurde jedoch vor allem zu einem Protest gegen die spanische Erinnerungspolitik

Demonstranten mit Flagge vor dem Gebäude der spanischen Botschaft in Berlin
Demonstranten vor der spanischen Botschaft in Berlin / privat

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Ulrich Thiele lebt und arbeitet als Journalist in Hamburg. Er schreibt für Cicero Online.

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Ulrich Thiele

Die Atmosphäre ist friedlich, die Wortwahl aber klingt nach Rudi Dutschke: „Spanischer Staat, faschistischer Staat“, „Spanien ist ein Polizeistaat“ und „12. Oktober: kein Grund zu feiern“ rufen die knapp 50 Demonstranten, die sich vor der spanischen Botschaft in Berlin versammelt haben. Dort findet heute anlässlich des spanischen Nationalfeiertages ein Empfang mit teils hochrangigen Regierungsvertretern statt. Die Situation ist bezeichnend: dort, die adrett gekleideten Gäste, die das noble Gebäude im neoklassizistischen Stil betreten. Durch die Fenster sieht man gedimmtes Licht, Kronleuchter und Wandverzierungen. Hier, die Demonstranten, die bei Berliner Herbstwetter gegen die Regierung aufbegehren wollen.

Erstaunlicherweise sind viele der Protestler Spanier, manche auch Katalanen, die mit ihren deutschen Freunden gekommen sind. Sie schwenken gemeinsam katalanische Fahnen und solche der spanischen Republik, halten Schilder und Transparente mit der Aufforderung „Demokratie!“ hoch.

Auch in Spanien werden die Feierlichkeiten überschattet von der angespannten Lage im Katalonien-Konflikt. Bis nächste Woche Donnerstag soll der katalanische Regionalregierungschef Carles Puigdemont die Unabhängigkeitserklärung für die wirtschaftsstarke Region verneinen. Ansonsten könnte ihn der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy mit der Macht des Zentralstaats aus dem Amt befördern und Kataloniens Autonomie aberkennen. Gleichzeitig ist das Unabhängigkeitsbegehren vieler Katalanen unübersehbar stark. Sie berufen sich auf das Völker-, Gegner der Unabhängigkeit auf das spanische Verfassungsrecht.

Kritik an mangelnder Vergangenheitsbewältigung

Die Forderung nach der Unabhängigkeit Kataloniens ist für die Demonstranten vor der Berliner Botschaft jedoch zweitrangig. In erster Linie attackieren sie die spanische Regierung generell. Sie werfen ihr Korruption, Dialogverweigerung und eine fehlende Bereitschaft zur Verarbeitung der faschistischen Vergangenheit Spaniens unter dem Diktator Francisco Franco vor. Der Katalonien-Konflikt scheint der Auslöser für eine Generalkritik zu sein.

Samuel Solís aus Madrid drückt es so aus: „Wir lehnen die spanische Verfassung ab, die von Faschisten durchgesetzt und uns vorgesetzt wurde.“ Er kritisiert den Polizeieinsatz gegen die Katalanen, der symptomatisch für diese Regierung sei. Probleme müssten politisch gelöst werden, nicht polizeilich. „Das alles passiert gerade nicht in der Türkei, sondern hier bei uns in der EU. Das ist eine Schande!“, ruft der 27-Jährige, der die Kundgebung mitorganisiert hat, durch das Megaphon.

Solís lebte einige Zeit in Österreich, seit vier Monaten ist er in Berlin, wo er Musik an der Universität der Künste studiert. Auch wenn seine Worte polemisch sind: Solís ist kein krakeelender Demagoge. Er spricht recht leise, mit sanfter, hoher Stimme und melancholischem Blick. Er klingt eher sehnsüchtig und enttäuscht als angriffslustig. Immer wieder verhaspelt er sich, freilich auch wegen der fehlenden Deutschkenntnisse. Die Ansprachen wirken alle etwas unbeholfen, doch Solís und seine Mitstreiter lachen selbst darüber und rufen jedem Redner ein „Bravo!“ zu.

Nichtsdestotrotz ist die Wut auf Madrid groß, vor allem wegen der als rigide und starr empfundenen Regierungsart. „Können Sie sich hier in Berlin eine Hommage an Hitler vorstellen?“, fragt Solís. „In Spanien wird wie selbstverständlich die Blaue Division gefeiert – die hat mit der deutschen Wehrmacht gekämpft. Das ist unfassbar!“, sagt er und betont, dass es ihm nicht um katalanischen Nationalismus geht: „Wir wollen die Vielfalt der Meinungen. Manche von uns sind Independentisten, andere Föderalisten, aber wir alle lehnen gemeinsam die autoritäre Regierung ab, weil sie den Dialog zwischen Katalonien und Spanien blockiert.“

Am deutschen Wesen soll die Welt genesen?

Manche der eintreffenden Empfangsgäste rufen vom Eingang der Botschaft provokant „Viva España!“ herüber, manche kommen auch ein paar Schritte näher. „Viva la República!“, entgegnen die Demonstranten lautstark. Jemand ruft den Gästen zu, dass sie gerade ein Gebäude betreten, das ein Geschenk von Hitler an Franco war.

Ein Großer, Schlaksiger, geschätzt Mitte 20, mit einem Jutebeutel über der Schulter, greift sich das Megaphon. Er sei kein Spanier, sagt er, sondern Deutscher. Er erzählt vom wieder aufkeimenden Nationalismus und berichtet von einer Demonstration in Spanien, auf der die Nationalflagge geschwenkt wurde, während gleichzeitig die Hand zum Hitlergruß gehoben wurde. Später habe ein spanischer Politiker diese Demonstration für ihren Patriotismus gelobt.

„Seit 1978 hat es keine Auseinandersetzung mit dem Faschismus gegeben. Die Faschisten sind immer noch da, das ist ein Skandal!“, sagt er. „Macht jetzt endlich das, was wir in Deutschland schon vor 60 Jahren getan haben!“ Das würden nicht wenige als anmaßend empfinden. Als müsste die Welt an der deutschen Erinnerungspolitik genesen. Die anwesenden Spanier jedoch scheint das nicht zu stören. Im Gegenteil: Sie klatschen und jubeln.

Kein Vertrauen in die Regierung

Darunter ist auch Sílvía Mariné. Die 32-Jährige mit den blond gefärbten, mittellangen Haaren ist gebürtige Katalanin, seit sieben Jahren lebt sie in Deutschland. Während der Wahlen vor knapp zwei Wochen war sie in ihrer Heimat. Sie stimmte für die Unabhängigkeit, und sie war dabei, als es zu den Ausschreitungen mit der Polizei kam. „Die haben gar nicht erst versucht, mit uns zu reden. Sie kamen und haben uns gleich angegriffen“, sagt sie. „Das ist nicht demokratisch, so ein Land wollen wir nicht.“ Dabei herrsche noch nicht einmal Einigkeit über die Unabhängigkeit, sagt sie, das beste Beispiel dafür sei ihre Familie: Ihr Vater sei für die Unabhängigkeit, ihre Mutter dagegen. Einigkeit herrsche aber – auch unter vielen Spaniern – in der Haltung zur spanischen Regierung. „Franco ist vor 40 Jahren gestorben, seitdem wurde nichts aufgearbeitet. Ich organisiere seit sieben Jahren Kundgebungen, ohne Ergebnisse. Ich fürchte, es ist zu spät. Es gibt kein Vertrauen mehr.“

Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bleibt das dominierende Anliegen ein national-historisches Thema, in das man sich als Außenstehender immer nur schwer hineinversetzen kann. Um Punkt 20 Uhr muss die Kundgebung aufgelöst werden. Ohne ein großes Schlusswort zerstreuen sich die Demonstranten plötzlich in alle Richtungen. Sie sind durchgefroren, auch sie wollen ins Warme. Wie die Gäste im Gebäude der spanischen Botschaft, durch dessen Fenster nach wie vor das gedimmte Licht einladend leuchtet.

Christa Wallau | Fr, 13. Oktober 2017 - 17:29

Ja, so einfach sind die Probleme eben meistens
n i c h t zu lösen.
Wenn Herr Rajoy glaubt, sich in der Angelegenheit "Katalanien" auf einen rein rechtlichen Stand zurückziehen zu können, dann irrt er gewaltig.
Die Ursachen für die Unruhen in Spanien liegen
so tief, daß sie - wie dieser Artikel es beschreibt -
a u f g e a r b e i t e t werden müssen. Vermutlich ist die spanische Gesellschaftsschicht, aus der sich
Politiker, Banker, Professoren, Journalisten usw.
rekrutieren, dieselbe, die auch schon zu Francos
Zeiten das Sagen in Spanien hatte. Diese Leute
fürchten natürlich um ihre Vorherrschaft, wenn
an die Strukturen gerührt wird;
und die - ach so demokratische und friedensstiftende - EU-Administration hält bei alledem die Ohren steif!

helmut armbruster | Sa, 14. Oktober 2017 - 07:56

In reply to by Christa Wallau

Kommentaren. Auf welchen Standpunkt soll sich ein Ministerpräsident zurückziehen können, wenn nicht auf die Verfassung und ein Urteil des Verfassungsgerichts? Darauf hat er schließlich seinen Amtseid geleistet!
Stellen Sie sich vor wie angreifbar er sich machen würde, würde er seine Entscheidungen auf verfassungswidriges Vorgehen aufbauen! Würde er das tun, so könnte man ihn mit Recht einen Faschisten nennen.
Ich bin seit vielen Jahren mit einer Spanierin verheiratet und lebe auch viel in Spanien und ich kann Ihnen versichern, dass, soweit ich es beurteilen kann, die span. Gesellschaft nicht gespalten ist und ganz gut und einträglich miteinander auskommt.
Das Problem ist ein anderes, das auch wiederum alle Parteien und Gesellschaftsklassen einschließlich der Königsfamilie miteinander verbindet, nämlich KORRUPTION.
Ob links oder rechts, ob sozialistisch oder bürgerlich, wer ein Amt hat oder eine Position, die es ihm ermöglicht, der greift zu und will sich bereichern.

Lieber Herr Armbruster,
leider habe ich keinen eigenen Einblick in die spanische Gesellschaft.
Da können Sie ganz anders mitreden.
Ich glaube Ihnen sofort, daß die Korruption hier das Hauptproblem darstellt - wie ja in den allermeisten Ländern der Welt.
Und selbstverständlich hat die Regierung das Recht auf ihrer Seite und darf sich darauf berufen.
Dennoch: Der Umgang mit den Katalanen läßt sich auf Dauer nicht machtpolitisch
regeln. Das sollte jeder vernünftige Regierungschef wissen. Die Chance, Katalonien
eine echte Autonomie zu geben (ähnlich wie den Südtirolern in Italien)
wurde vertan.
Außerdem: Jede Unabhängigkeitsbewegung ist -per se - g e g e n eine bestehende Verfassung gerichtet und damit illegal. Insofern ist das Argument d. Rechtswidrigkeit in Fällen des Loslösungswillens eines Volksteiles von einem Staat letztlich nicht hilfreich. Es gilt, über G r ü n d e u. Erfolgsaussichten zu reflektieren. Die Geschichte kennt beides: gelungene u. mißlungene Abspaltungen.

Sie selbst lieferten in Ihrem Kommentar nicht unwesentliche Teile an Begründungen, die es dem Staat Spanien unmöglich machen eine seiner 17 autonomen Regionen in die völlige, staatliche Unabhängigkeit zu entlassen.

Übrigens, unsere Bayernpartei in Bayern tritt als einzige, politische Partei ebenfalls für eine Trennung des Freistaates Bayern von der Bundesrepublik Deutschland ein.
Wie würden Sie wohl argumentieren, falls deren Vorhaben Wirklichkeit würde?

Christa Wallau | Di, 17. Oktober 2017 - 13:18

In reply to by Rolf Pohl

Die Argumente der Katalanen (eigene Sprache, mangelnder Respekt Spaniens für die spezifische Kultur Kataloniens, zu wenig verbleibendes Geld in der Region usw. ) und - vor allem - die sehr geringe Zahl der Anhänger der "Bayernpartei" lassen einen Vergleich mit Katalonien nicht zu, lieber Herr Pohl.
Daher brauche ich mir also eine Abspaltung Bayerns von Deutschland gar nicht auszumalen. Das hieße Äpfel mit Birnen vergleichen.

Ich plädiere nicht dafür, daß die spanische Regierung nicht alles Menschenmögliche unternehmen sollte, um die Einheit des Landes zu bewahren.
Aber: Es braucht dazu viel mehr Feingefühl, als es die spanische Regierung in den letzten Jahren erkennen ließ! Und vom spanischen König hätte ich mir auch
andere, versöhnlichere Töne gewünscht.
Mir scheint, der übertriebene Stolz, den man Spaniern ja nachsagt, steht ihnen
allen hier gerade gewaltig im Wege!

Rolf Pohl | Di, 17. Oktober 2017 - 18:52

In reply to by Christa Wallau

So gibts einige eigene Sprachen innnerhalb Deutschlands. Dem Deutschen so ähnlich wie das Katalanische dem Spanischen. - Kein gutes Argument pro Sezession -
"Bayernpartei=geringere Zahl an Anhängern"
Stimmt, an der Stelle erkennen wir was? Die Bayern sind klüger als die Katalanen. Eine spezifische Kultur tragen übrigens auch, z.B. die Bayern (Allgemeinplatzfeststellung)

so gesehen ist jeder Vergleich einer von Äpfeln mit Birnen, jeder.

"Feingefühl gegenüber den sich von Spanien abspalten, wollenden Katalanen"
Catalunya hat seit den 70`er Jahren des vorigen Jahrhunderts volle Autonomie im Rahmen der 17 spanischen Regionen. Catalan ist Erstsprache in Katalonien, jedes öffizelle Formular ist in Catalan verfasst, so wie jede Strassen und Ortsbezeichnung etc.pp
Catalunya ist eine der zwei am besten aufgestellten Regionen. Selbstverständlich zahlen sie anteilig mehr als der Rest. Wie übrigens bei uns die Bayern. Das nennt man innerstaatliche Solidarität.
Stolz ist hier wer?

Wahrscheinlich sind sowohl viele Katalanen als auch viele der übrigen Spanier
übermäßig s t o l z , so sehr, daß sie die jeweils anderen abwerten. Das ist keine
gute Grundlage für ein gedeihliches Zusammenleben in einem Staat.
Daraus kann nichts Gutes, Versönliches erwachsen.
Das Sprichwort: "Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz" hat seine
Berechtigung u. trifft in meinen Augen auf beide Konfliktparteien zu.

Der Katholizismus zählt den Stolz (Superbia) zu den sieben Todsünden.
Eine weitere Todsünde ist Faulheit (Acedia), was auch mit Trägheit des
Herzens zu tun hat.
Die heutigen Deutschen en masse wird man wohl kaum einer dieser bisher genannten Sünden bezichtigen können, dafür aber anderer: Je nach Veranlagung treffen wir hierzulande auf übertrieben viel Maßlosigkeit/Völlerei (Gula) u. Genußsucht (Luxuria), andererseits auf übertriebene Habsucht /Geiz (Avaritia).

Die noch fehlenden Todsünden sind Jähzorn/Wut (Ira) und Neid / Eifersucht (Invidia)
- allesamt von Übel!

... und viele Spanier übermäßig stolz, dass sie die jeweils Anderen abwerten."
Nö,
denn erstens, sind neben anderen auch Katalanen Spanier. Zweitens, dumm sind derart verallgemeinernd weder Katalanen noch andere Spanier.
Drittens, selbstverständlich gibts auch dumme Spanier und Katalanen unter den rund 40 Millionen Einwohnern Spaniens. Eine derartige Erkenntnis wage ich sogar jeder Nationalitätengruppe, das wiederum weltweit, zuzuordnen.

Was Ihren Hinweis auf Wertungen des Katholizismus angeht, möchte ich dies Thema nicht vertiefen helfen, da dies aus meiner Sicht so garnicht direkt mit den staatlichen Trennungsbestrebungen einiger Katalanen im Zusammanhang zu bringen ist.
Ich wünsche Ihnen liebe Frau Wallau einen schönen, sonnigen Donnerstag. ;-)

Unterdrückung sieht anders aus:
Das erste stammt von 1977, also kurz nach Francos Tod. Da bemängelten die Katalanen, dass, weil es so kurz nach Ende des Faschismus entstanden sei, noch zu viele Franco-Elemente enthalte.
Daraufhin wurde ihnen ein nachgebessertes Statut gegeben, 2005 oder 2006. Dieses wurde per Volksabstimmung mit 76% vom katalanischen Volk angenommen.
Ich denke, dass dies zeigt, wie überflüssig die ganze jetzige Unabhängigkeitsbewegung ist.
Die katalanische Regierung war und ist schwer verwickelt in Finanz- u. Korruptionsskandale, insbesondere die Familie Pujol (früherer Präsident von Cataluña).
In Spanien vermuten nicht wenige, dass dies der Hauptgrund für die Abspaltungsbestrebung sein könnte, weil ein unabhängiges Cataluña es den Pujols u. vielen anderen ermöglichen würde der span. Justiz zu entgehen.
Es wurde daher eine Campagne losgetreten, mit jeder Menge Polemik u. wenig Wahrheit u. so wurde es wider alle Vernunft möglich diese Abstimmung durchzuziehen..

werner burger | So, 22. Oktober 2017 - 22:19

In reply to by Christa Wallau

nein, einfach ist das nicht.
aber erstens sind viele derer, die heute für die unabhängigkeit auf die strasse gehen, dieselben, die auch zu francos zeiten gut in katalonien gelebt haben und sich mit dem diktator zu arrangieren wussten und
zweitens muss es einen bezigspunkt ja geben - und wenn das nicht das geltende recht bzw. die auch von katalonien mitgetragene verfassung ist, was sonst soll in einem rechtsstaat dann gelten. ganz abgesehen davon, dass die legale basis für die abstimmmung zur unabhängigkeit keinerlei rechtlich-demokratischen maßstäben entsprach.
und schliesslich sollten die europäer schon klar machen, dass ein europa der vielen dutzend regionen strukturell wohl nicht machbar ist.
verletzungen in der geschichte gibt es viele, auch in deutschland, und zum beispiel hat baden-württemberg, seit beginn des länderfinanzausgleichs pausenlos zahler, nie an eine abspaltung von d gedacht - welch ein unsinn das auch wäre.

Christa Wallau | Mo, 23. Oktober 2017 - 13:01

In reply to by werner burger

"... dass ein europa der vielen dutzend regionen strukturell wohl nicht machbar ist."

Dem möchte ich widersprechen.
Wenn es überhaupt noch d e m o k r a t i s c h zugehen soll in Europa, dann m u ß es
in kleinen Einheiten organisiert werden o. man muß mindestens die Nationalstaaten, wie sie zur Zeit bestehen, festschreiben.
Alles andere trägt den Keim des Aufruhrs der Bürger (Berechtigterweise!)
in sich. Die Menschen in Europa sind nicht gleich in ihren Vorstellungen vom Leben,
der Kultur und des Umganges mit dem erwirtschafteten Geld. Das ist gut so, soll auch so bleiben, aber dem muß bitte auch Rechnung getragen werden!
Der aufgezwungene EURO zeigt, wie es n i c h t geht!
Er dient nur den Interessen der (Finanz-)Industrie und den globalisierten Firmen.
Die Bürger läßt er völlig unzufrieden zurück: Die einen, weil sie zum Sparen gezwungen, die anderen, weil sie zum Zahlen gezwungen werden.
Ein friedliches Europa der Vaterländer o. - noch besser - der Regionen wäre das Ideale.

Holger Stockinger | Fr, 13. Oktober 2017 - 21:46

Mister Hemingway (FIESTA) sah im spanischen Bürgerkrieg offenbar eine Art ROMANFIGUR ala der Alte Mann & das Meer.

Eigenhändig deutsche Kriegsgefangene zu erschießen, ist kein Ruhmesblatt. Ob Franco oder Maos Bibel zum Konflikt zwischen Katalanen und GROSS-BRÜSSEL beitragen, ist eher unwahrscheinlich

János Sin | Sa, 14. Oktober 2017 - 04:07

König Juan Calos selbst ist die Aufarbeitung. In ihm konnte das Land genesen und sich einen.
Wenn ich nur von diesen Social-Media-Hippies höre, hält sich meine Begeisterung in Grenzen.

Katalonien hat gegen die Verfaussung und ohne Mandat eine Wahl abgehalten. Der Regierungschef sollte demnach des Landesverrates angeklagt werden. Und zwar durch den Staat zu dem Katalonien gehört. Spanien.

Mir fällt auf, daß in der ganzen Hysterie vollkommen darauf vergessen wurde, wie sich denn die Basken fühlen müssen, die jahrzehntelang, unter hohen Opferzahlen, für ein freies Baskenland gekämpft haben. Und wahrscheinlich wieder kämpfen werden.
Katalonen sind wie das verzogene Gör im Supermarkt, welches sich zu Boden schmeißt, hysterisch plärrt und die Eltern terrorisiert.

Da muss eingeriefen werden. Sonst wöchst sich das nie aus.

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 14. Oktober 2017 - 12:48

wenn auch mehr basierend auf Betroffenheitsäußerungen hoffentlich nicht agitierter Demonstranten, eben solcher, die jetzt evtl. in NGOs ausgebildet werden.
Dafür spricht m.E. auch die kleine Zahl von Demonstranten und ein doch irgendwie vorgetragener Generalangriff gegen die spanische Regierung.
Natürlich gab es Aufarbeitung in Spanien und ich spreche hier nur von einem Segment, dem Film.
Ich kann mir nicht denken, dass es in anderen Bereichen anders aussehen sollte.
Dennoch möglich, dass das jetzige Vorgehen der Regierung suboptimal war.
Katalonien hätte eine belastbare und seriöse Abstimmung durchgeführt?
Hier sind doch noch einige Fragen offen und die meisten haben evtl. auch insgesamt mit der spanischen politischen Tradition zutun, von mir aus sogar dem Katholizismus als unbedingt nur Franco, obwohl der ja sehr lange diktierte.
Wenn selbst die Familie der jungen Frau gespalten ist, sollte sehr vorsichtig mit dem Thema umgegangen werden.
Der Vergleich wäre eher ESP/Britain

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 14. Oktober 2017 - 14:47

die SPON-Kolumne von Thomas Fricke "Die Schuld der Euro-Krisenmanager".
Sehr wahrscheinlich, dass die Finanzkrise, überhaupt Krisen Befindlichkeiten verschärfen.
Was man aber doch nur nachgeordnet den Euro-Krisenmanagern anlasten kann - die Finanzkrise war kein Scherz, vor allem nicht, wenn die USA verursachen und gleichzeitig bewerten - und doch eher schon vorhandenen belasteten Beziehungen.
Es spräche aber schon dafür, jetzt besser nichts zu überhasten.
Frickes Artikel spricht auch nicht von einer Unmöglichkeit, in Spanien Autonomie zu leben.
Vielleicht liegt es am neuen, jetzt in einer EU möglichen Status, seine Interessen in einem sehr viel größeren Zusammenhang als der der spanischen Nation und eben spezifischer vertreten zu können?
Die Nationalstaaten werden obsolet zugunsten von Interessenvereinen regionaler Gruppen.
Es tut mir leid, wenn ich nicht nur ein Europa der Regionen sehen kann, sondern evtl. auch eine Schwächung der europ. Staaten (gerne von aussen?)?

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 14. Oktober 2017 - 15:00

Um Europa auf eines der Regionen - wäre Katalonien denn etwas anderes? - zurückzuführen, besitzt es nicht die Staatssouveränität.
Die Einführung derselben wird aber gerade Regionen gegenüber einer EU-Staatsmacht schwächen, wenn nicht besonders auf demokratischer Legitimität, Legalität sowieso und Föderalismus geachtet wird.
Einstweilen bilden zur EU die Nationalstaaten eine föderale Ebene, während die EU diesen noch nachgeordnet ist.
Es tut mir leid, dass ich momentan In Bezug auf eine Staatssouveränität nur daran denken kann, was passieren wird, wenn Merkel auch mal von Amts wegen erklären könnte, die Grenzen der EU sind nicht zu schützen.
Die Übergänge werden schwierig und sollten weniger von Machtinteressen geleitet sein.
Wenn es jedoch seitens der Katalonier von nationaler Identität geprägt ist, wird es schwierig sein, sie innerhalb der spanischen Nation zu halten.
Es müßte demnach eine von Spanien autorisierte Abstimmung über die Unabhängigkeit geben, intern. überwacht?

Wilhelm Maier | Sa, 14. Oktober 2017 - 19:48

Und wenn der ehemalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der ein Maoist als Student, der später Mitte-Rechts-Premier von Portugal wurde, und dann zu Goldman Sachs
geflüchtet ist, die ganze Saurei in den Ukraine zu verantworten hat mit samt Amis und EU-DE- führung?, die ein Staat- Ukraine in den Chaos und
Ruine treiben liesen, wo Nazi und Oligarchen sein unwesen bis jetzt treiben.
http://mashable.com/2014/10/08/luhansk-ghost-town/#xOa81zyI75qE
damals hatte die EU noch? keine? einmischung in das "innere anderen Staaten" ... das war schon lange her, aber jetzt ist es eventuell noch schlimmer. Alles Gute.

Walter Meiering | So, 15. Oktober 2017 - 10:44

Man muss ja nur das 'Tal der Gefallenen' besuchen. Dort ruht neben Zehntausenden von Bürgerkriegsopfern in einer Art Krypta der Führer der spanischen Faschisten Franco. Man stelle sich vor, wir hätten Hitler so bestattet. Aber wir haben das gegenteilige Problem: bei uns kommt der neue Faschismus unter der Flagge der Antifa daher.

Das muss man nicht besuchen, wer will darf/kann es freiwillig besichtigen oder, es eben sein lassen.
ich habs mir angeschaut, ein zweites mal würd ichs nicht tun. Es stammt aus einer innerhalb der spanischen Gesellschaft längst überholten Zeit.
Wären Sie dafür das Ganze abreissen zu lassen? Warum nicht gleich, z.B. die div. römischen Triumpfbögen in einigen europäischen Ländern gleich mit?

Interessant aber wär von Ihnen zu Erfahren, was dieses faschistische Monument, incl. Riesenkreuz auf der Bergspitze, mit der unsinnigen Abspaltung der autonomen, spanischen Region Katalonien aktuell zu tun haben sollte.

Hans Lutz Oppermann | So, 15. Oktober 2017 - 14:55

Ich bin schon erstaunt, wie einhellig Spiegel, Zeit, FAZ und SZ darüber hinwegsehen, dass es bei der Frage um die Unabhängigkeit Katalo eins um weit mehr geht, um einen Konflikt zwischen Monarchisten und Republikanern. Verstehen wir EU Bürger uns als demokratische Republikaner oder demokratische Monarchisten. Aber die republikanische Gesinnheit ist scheinbar bei unseren Hauptstadtjournalisten gering ausgeprägt oder glauben sie dumpf und geblendet daran, dass der König auf Francosgnaden, mit der Trancion auch das franquistische System von Heute auf Morgen abgeschafft hat. An der Art wie die Bürger der Bundesrepublik die Nazidiktatur aufgearbeitet haben können in der Tat andere Nationen lernen, wie mit dem Schatten der eigenen Geschichte beispielhaft umgegangen werden kann. Die Niederländer, die Britten, die Belgier, die Franzosen seien hier nur beispielhaft genannt. Der spanische Nationalismus ist ein Mythos aus Francoszeiten. Der Flamenco ist viel andalusisch u.wenig spanisch.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 17. Oktober 2017 - 17:12

jüngere Geschichte zusammengeschweisst und in der Aufarbeitung derselben, gerade auch um zu sagen, `wie es kam´, wie auch immer, ich glaube die Deutschen haben sich gefunden, trotz aller Schwierigkeiten.
Aber halt, welcher Schwierigkeiten denn?
Zusammen geht alles leichter.

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