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Holodomor-Gedenkveranstaltung: Die Ukraine wünscht sich die weltweite Anerkennung des historischen Unrechts / dpa

Jahrestag der ukrainischen Hungersnot Holodomor - An Stalins Hungermord traut sich der Bundestag nicht heran

Der 28. November ist in der Ukraine der Gedenktag für die Opfer des Holodomor. Russland versucht bis heute, die sowjetische Schuld an der Hungersnot von 1932 und 1933 zu relativieren. Und der Bundestag sperrt sich gegen die Anerkennung der Untat als Genozid.

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Richard Herzinger arbeitet als Publizist in Berlin. Seine neue Website „hold these truths“ finden Sie hier: https://herzinger.org/

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Eines der grauenvollsten politischen Massenverbrechen des 20. Jahrhunderts ist der Weltöffentlichkeit lange Zeit verborgen oder von ihr unbeachtet geblieben. In den Jahren 1932 bis 1933 fielen mindestens 3,9 Millionen Ukrainer einer Hungersnot zum Opfer, die von der sowjetischen Führung unter Josef Stalin gezielt herbeigeführt wurde. In der Ukraine wird diese nationale Katastrophe als „Holodomor“– zusammengesetzt aus den ukrainischen Wörtern holod (Hunger) und mor (Tötung, Mord) - bezeichnet und betrauert. Der 28. November wird dort als Tag des Gedenkens an die Schreckensjahre begangen.

Bei der Erinnerung an den Holodomor geht es jedoch nicht nur um die Rekonstruktion der historischen Wahrheit, die von den Tätern lange Zeit mit allen Mitteln unterdrückt wurde. Sie ist auch ein aktuelles Politikum – und das nicht nur, weil Putins Russland das Verbrechen zu minimieren und zu relativieren versucht. Die Debatte darüber, ob der Holodomor als Genozid eingestuft werden sollte, hat mittlerweile auch Deutschland erreicht und sorgt für Verstimmungen in den deutsch-ukrainischen Beziehungen.

Eine sowjetische Untat

Bis zum Ende der Sowjetunion 1991 stritten der Kreml und seine Apologeten weltweit entweder ab, dass es damals überhaupt eine Hungersnot gegeben habe, oder sie leugneten zumindest, dass dahinter eine politische Absicht stand. Archivmaterial wurde zerstört, Dokumente wurden gefälscht, um das monströse Verbrechen zu vertuschen. Während sich das offizielle Russland in den 1990er-Jahren dessen Aufklärung gegenüber aufgeschlossener zeigte, ist es unter Putins Herrschaft wieder tabuisiert und ideologisiert worden.

Nach heutiger Kreml-Lesart gab es damals zwar Hunger, doch sei davon die ganze Sowjetunion gleichermaßen betroffen gewesen. Wer behauptet, die Ukraine habe in besonderem Maße darunter gelitten, wird flugs als „ukrainischer Nationalist“ oder „Faschist“ denunziert, der das russische Ansehen herabsetzen wolle. Dabei wird der Holodomor gar nicht speziell Russland zur Last gelegt - es war eine sowjetische Untat, an der sich auch willfährige ukrainische Kommunisten beteiligten.

Die Ukraine im Fokus der Paranoia Stalins

Die Auswertung der historischen Dokumente lässt inzwischen jedoch keinen Zweifel mehr daran zu, dass das Ausmaß der Hungerkatastrophe dieser Jahre weder auf schlechtes Wetter und Missernten zurückzuführen ist, noch eine unmittelbare Folge der Kollektivierung der Landwirtschaft war, die von der Kreml-Führung seit Ende der 1920er-Jahre brachial betrieben wurde und in der gesamten Sowjetunion zu Hungersnöten führte. Wie zuletzt die US-Historikerin Anne Applebaum in ihrer 2019 auf deutsch erschienenen Studie „Roter Hunger“ belegt hat, war der Holodomor mehr als das - nämlich der entsetzliche Höhepunkt des Bestrebens des Sowjetregimes, die eigenständige ukrainische nationale und kulturelle Identität auszulöschen. 

Für die katastrophale Ernährungslage in Folge der desaströs verlaufenen Zwangskollektivierung machte das Stalin-Regime „Saboteure“ und „konterrevolutionäre Elemente“ jeglicher Art verantwortlich. In besonderem Maße rückte dabei Anfang der 1930er Jahre die Ukraine in den Fokus der Paranoia Stalins und seines Machtapparats. Denn sie war den Bolschewiki schon seit dem Beginn ihrer Herrschaft als ein Hort „nationalistischer“ und „antisowjetischer“ Umtriebe suspekt.

Rigide Informationsblockade

Während des Bürgerkriegs 1918–1921 hatten sie die Ukraine primär als gnadenlos auszubeutenden Getreidelieferanten zur Ernährung der Arbeiter in den städtischen Zentren der Revolution betrachtet. Immer wieder stachelte Lenin die örtlichen Funktionäre an, um jeden Preis Nahrungsmittel zu requirieren und in die russischen Industriezentren zu schaffen. Stalin wurde zu diesem Zweck in die Ukraine entsandt, wo er Lenins Anweisung mit äußerster Brutalität umzusetzen versuchte. Der Widerstand, den die Ukrainer ihrer Ausplünderung entgegensetzten, prägte Stalins abschätziges Bild von ihnen als einer Ansammlung hinterhältiger „Kulaken“ und bourgeoiser „Parasiten“.

Später, in der Ernährungskrise Anfang der Dreißigerjahre, sollte sich der Diktator daran erinnern und beschließen, mit den widerspenstigen Ukrainern endgültig aufzuräumen. Er setzte daher, wie Anne Applebaum schreibt, eine „Hungersnot in der Hungersnot in Gang, die sich speziell gegen die Ukrainer und die Ukraine richtete.“ Das Moskauer Politbüro ordnete nicht nur rücksichtslose Beschlagnahmungen und außerordentliche Durchsuchungen an, um Millionen von Bauern die letzten Lebensmittel zu entziehen, sondern installierte auch Grenzkontrollen, um zu verhindern, dass die Hungernden in anderen Sowjetrepubliken nach Nahrung suchen konnten. Dazu kam eine rigide Informationsblockade, die den Hungermord vor der sowjetischen ebenso wie vor der internationalen Öffentlichkeit verbergen sollte.

Ein exemplarischer Fall von Völkermord

Der Versuch, dem ukrainischen Nationalbewusstsein die Grundlage zu entziehen, traf aber auch Intellektuelle und Kulturschaffende in den Städten. 1932 und 1933 wurden dort rund 200.000 Menschen verhaftet, kulturelle und religiöse Institutionen ebenso wie das Bildungs- und Verlagswesen von ukrainischen Einflüssen „gesäubert“, die ukrainische Sprache unterdrückt oder dem Russischen angeglichen. Die Repression gegen Professoren, Museumsleute, Schriftsteller, Künstler, Priester und Parteifunktionäre kam der Auslöschung einer ganzen Generation von Trägern des intellektuellen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens des Landes gleich.

Der Jurist und Friedensforscher Raphael Lemkin, der in den 1940er-Jahren den Begriff „Genozid“ geprägt und die UN-Konvention von 1948 über dessen Verhütung und Bestrafung initiiert hat, betrachtete den Holodomor daher als einen exemplarischen Fall von Völkermord. Doch unter Völkerrechtlern wie Regierungen ist die Definition desselben bis heute umstritten. Nicht zuletzt hinter dieser Definitionsfrage verschanzen sich jetzt auch deutsche Politiker bei ihrer Weigerung, auf eine von in Deutschland lebenden Ukrainern eingebrachte und von der ukrainischen Regierung mit Vehemenz unterstützte Petition an den Deutschen Bundestag einzugehen, er möge den Holodomor als Genozid verurteilen.

Der Bundestag will sich nicht mit dem Holodomor befassen

Mit dem Aufbruch der Ukraine in eine neue Ära der Demokratie und Unabhängigkeit von russischer Vorherrschaft seit der „Revolution der Würde“, die vor sieben Jahren auf dem Maidan begann, ist der Holodomor ins Zentrum der ukrainischen nationalen Erinnerung gerückt. Jetzt wünscht sich das Land sehnlichst die weltweite Anerkennung des historischen Unrechts, das ihm zugefügt wurde. Deutschland kann sich bisher jedoch nicht dazu durchringen, diesem Wunsch nachzukommen.

Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in Berlin, findet es „enttäuschend, wie man mit dem Holodomor im Bundestag umgeht und wie man dieses für jeden Ukrainer zentrale Thema auf die leichte Schulter nimmt“. Dass  der Hauptgrund für die Nichtbefassung des Bundestags mit dem Hungermord die Furcht vor einer weiteren Konfrontation mit Putins Russland zu sein scheint, nennt er „beschämend“. Vorgeschoben erscheint das in diesem Zusammenhang vorgebrachte Argument, Genozid sei ja erst seit der UN-Konvention von 1948 als solcher definiert und die Ereignisse von 1932/33 darunter rechtlich nicht zu fassen. Dann nämlich hätte der Bundestag 2016 seine Resolution nicht verabschieden dürfen, in der er die planmäßige Ermordung der Armenier durch das nationalistische Regime der Türkei 1915 als Völkermord verurteilte.

Eine Gedenkstätte für ukrainische NS-Opfer

Zwar trifft zu, dass an dieser Untat – im Gegensatz zum Holodomor - auch Deutschland historische Mitverantwortung trägt, hatte das Deutsche Reich damals doch durch sein wissentliches Schweigen das Vorgehen seines Kriegsverbündeten Türkei gegen die Armenier gedeckt. Doch angesichts dessen, was der Ukraine ein knappes Jahrzehnt nach dem Holodomor durch die NS-Besatzung angetan wurde –  ihr fiel etwa ein Viertel der ukrainischen Bevölkerung zum Opfer - wirkt eine solche Unterscheidung unangemessen. Zumal bereits die Parlamente eines guten Dutzends von Staaten, darunter Australien, Kanada und Portugal, den Holodomor als Genozid anerkannt haben. 

Im Übrigen sperrt sich die offizielle deutsche Politik bisher auch gegen die Errichtung einer eigenen Gedenkstätte in Berlin für die Millionen (jüdischer und nichtjüdischer) ukrainischer Zivilisten, die von NS-Deutschland ermordet wurden. Ihnen muss daher weiterhin an sowjetischen Ehrenmälern gedacht werden – unter den Insignien jenes Imperiums, dessen Unterdrückung die Ukraine jahrzehntelang ausgeliefert war. Immerhin: Im Rahmen eines in der Hauptstadt geplanten Dokumentationszentrums für alle Opfer der NS-Besatzung im Zweiten Weltkrieg will man nun auch auf das spezifische Schicksal der Ukraine eingehen und ihre Toten nicht länger unter die Kategorie „Sowjetbürger“ subsumieren.

Weder die Angst vor Opferkonkurrenz noch der Streit um juristische Definitionen sollte einer offiziellen geschichtspolitischen Geste der Solidarität mit der Ukraine im Wege stehen. Ob man den Hungermord von 1932 und 1933 nun einen Genozid, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder einfach einen Akt des Massenterrors nennt, ändert nichts an der Schwere des Verbrechens. Mit dessen Verurteilung aber würde der Deutsche Bundestag ein Zeichen der Verbundenheit mit der Ukraine setzen, die nach einer langen leidvollen Geschichte einen neuen, mutigen Anlauf unter den Vorzeichen von Demokratie und europäischen Freiheitswerten nimmt.

Dieser Text erschien zuerst auf der Seite herzinger.org

Christa Wallau | Fr, 27. November 2020 - 16:37

gehört nun mal inzwischen zur deutschen Politik - ja, es ist sogar eine ihrer z e n t r a l e n Prämissen.

Ob es sich um Innen- oder Außenpolitik handelt:
Es kommt bei der Beurteilung eines Vorganges durch Politik und Medien immer darauf an, w e r etwas getan oder unterlassen hat bzw. w e r etwas sagt o. fordert, n i c h t auf die Sache/ den Tatbestand an sich.

Diese Relativierung ist höchst ungerecht und fatal. Sie ruft logischerweise auch Widerstand hervor, allerdings nicht in dem Maße, wie er notwendig wäre; denn - wie gesagt - die vierte Gewalt im Staate, die Haupt-Medien, spielen dieses unwürdige Spiel ja mit.

Geschichtsvergessenheit u. allgemeine Unbildung sind die Hauptursachen für die naive Gläubigkeit der meisten Deutschen an das, was Politik u. Medien ihnen erzählen o. vorenthalten.
Fragen Sie jüngere Leute - unter 45 Jahre - mit Abitur (inklusive der Abgeordneten!) einmal nach deren Geographie- und Geschichtskenntnissen: Sie werden vor Scheck in Ohnmacht fallen!

Man kann nur darüber spekulieren, warum bestimmte historische Ereignisse nicht die entsprechende Aufmerksamkeit erhalten. Wie lange hat es gedauert, bis das türkische Massaker an den Armeniern als solches eindeutig verurteilt wurde?

Wir dürfen aber gerne vor der eigenen Haustier kehren. Die Tatsache, dass in den Anfangszeiten der Bundesrepublik die Justiz mit NS-Richtern durchsetzt war, wurde mehr oder weniger stillschweigend zur Kenntnis genommen, wie zahlreiche skandalöse Urteile, die dort gesprochen wurden. Kriegsverbrechen der Wehrmacht? Gab es angeblich nicht, bis das Gegenteil nicht mehr zu leugnen war.

Gleichwohl will ein Herr Gauland endlich stolz auf die Leistungen der Wehrmacht sein, und ein Hoecke möchte gar irgendeine Änderung der "Erinnerung".
Tja, wer immer auf linken und muslimischen Extremismus zeigt, sich aber bei rechtsextremistischen Taten in Schweigen hüllt - weil man selbst irgendwo rechtsaussen zu Hause ist - sollten besser den Ball flach halten.

Walter Bühler | Fr, 27. November 2020 - 17:15

… dessen Verwirklichung in der Ukraine unerfüllbare Hoffnungen auf eine deutsche Unterstützung gegen Russland wecken und gleichzeitig in Russland unweigerlich wieder den Zorn über Deutschland anfachen würde. Die Feldzüge unserer Vorfahren vor 106 bzw. 79 Jahren machen es bis heute unmöglich, als pseudo-neutraler Schiedsrichter beim slawischen Hang zum Bruderkrieg aufzutreten, den ich nur betrauern kann.

Die Grausamkeit, mit der Lenin, Stalin und Trotzki die bolschewistische Revolution in der Sowjetunion durchgesetzt haben, und die Rücksichtslosigkeit, mit der sie im eigenen Land gegen die Interventionsarmeen aus Westeuropa und Polen gekämpft haben, ist dabei unbestritten.

Ich halte es aber für ganz falsch, diese Vorgänge als einen Krieg des russischen Volkes gegen das ukrainische Volk hinzustellen und damit einer antirussischen Politik Vorschub zu leisten. Das russische Volk hat nicht weniger unter der Revolution und dem Krieg gelitten wie die anderen Völker der Sowjetunion.

Es ist naheliegend, dass die heutige Ukraine die Verbrechen der UdSSR vor ca. 90 Jahren gegen die Russische Föderation von heute instrumentalisieren will. Im Extremfall will man vielleicht einen moralischen Anspruch auf Gas-Durchleitungsgebühren, und damit den Widerstand gegen Nord-Stream begründen. Es ist ja nicht so, dass man den sowjetischen Massenterror nicht als solchen anerkennt. Es gibt aber keinen Grund für uns heute etwas dazu zu sagen.

Ingo Kampf | Fr, 27. November 2020 - 17:17

....über die Grauen der Vergangenheit im Sinn einer Schuldfrage zu diskutieren und zu beschließen? Wenn bei Historikern Einigkeit über diese Fragen besteht, reicht das. Es werden sich auf der ganzen Welt geschichtliche Ereignisse finden lassen, die bezogen auf ihre Unmenschlichkeit den nachfolgenden Generationen nicht nur zur Last gelegt sondern auch in barerer Entschädigungs-Münze definiert werden. Vietnam und Laos hätten da gegenüber den USA schöne Rechnungen aufzumachen. Griechenland, Italien und Polen versuchen es gegenüber uns auch immer wieder. Es war ein Fehler den Völkermord an den Armeniern durch den Bundestag feststellen zu lassen. Es gibt genügend Komplikationen mit unseren Nachbarn, die aktueller Natur sind. Erschweren wir die Beziehungen nicht dadurch, verheilte Wunden wieder aufzureißen. Daß Hitler, Stalin, Mao Tse Dong und Pol Pot die größten Schlächter der Neuzeit sind, ist historische Tatsache. Das sollte man so hinnehmen und zur Tagesordnung übergehen.

Günter Johannsen | Fr, 27. November 2020 - 17:39

wird weggedrückt … Linksfaschisten-Aufmärsche in Leipzig, Hamburg und Berlin werden mit dem Schwindeletikett DEMO versehen und verharmlost. Diese linksextremen Jugendbanden versetzen die Bevölkerung in Angst und Schrecken, bedrängen und belagern, verprügeln Andersdenkende, nehmen Polizistenmord in Kauf: wo ist der Unterschied zum RAF-Terror. "Terroristen aller Länder" … ist deren aktuelle Schlachtruf, wobei man Schlacht (ab-schlachten) bald wörtlich nehmen kann! Ob sich das noch lange zuspitzen kann ohne Gegenreaktion, bezweifle ich sehr: Der Krug geht solange zu Wasser, bis er bricht. Die Protestzüge 1989 in Leipzig hatte auch zunächst mit 20/30/40-Tausend Demonstranten begonnen und wurden von den SED/MfS-Bonzen als Rowdies und Gammler beschimpft. Bei 500 000 geht das wahrscheinlich nicht mehr … !

Werner Kistritz | Fr, 27. November 2020 - 18:43

Herr Herzinger bemüht ziemlich viele Superlative für einen Vorgang in einer Zeit, in der eine Menge unvordenkbarer Dinge geschehen sind. Ich weiß nicht, wie viele Russen aufgrund der deutschen Ausplünderungspolitik gestorben sind...ich frage mich, warum Tote nicht einfach Tote sind, die man betrauert. Man sieht auf Friedhöfen oft protzige Monumente, die sicherstellen sollen, daß dieser Mensch auch im Tod noch besser ist als die anderen.
Ich habe den Eindruck, daß bei Herrn Herzinger Tote nicht einfach tot sein, sondern Politik machen sollen. Wo also soll die Reise hingehen?

Romuald Veselic | Fr, 27. November 2020 - 18:50

An Stalins Hungermord traut sich der Bundestag nicht heran...
Einige sicherlich würden sich dazu äußern.
Aber die Linkslinken Supergenossen sicherlich nicht. Nach dem Besuch bei Compaňero Busfahrer Nicolas Maduro in Venezuela, sind sie Weltmeister des Schweigens geworden. Als gäbe es aktuell keine 2 Mio Flüchtlinge vor Ort. Die Real-Soziregierungen produzieren an 2. Stelle die größten Flüchtlingsströme (nach den islamischen Staaten) weltweit: DDR ununterbrochen, Ungarn 1956, CSSR 1968, Kuba 1959 & 1980; Vietnam 1975/6...

Kurt Walther | Fr, 27. November 2020 - 20:44

Das Wort "Holodomor" ist mir erst seit einigen Jahren, im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen Russland und Ukraine, bekannt. Dass es in der SU und besonders in der Ukraine im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft in den 30er Jahren erhebliche Probleme bei der Lebensmittelversorgung gab, war bekannt. Solche Probleme erlebte ich auch in der DDR Anfang der 60er Jahre. Ich kann mich noch gut an 1961/62 erinnern, als Erbsenpüree, Nudeln, Reis oder auch nur 2 Brötchen die fehlenden Kartoffeln im Mittagsgericht der Werkskantine ersetzten. Für Butter und Wurst wurden für begrenzte Zeit "Kundenkarten" ausgegeben. Gewiss: Alles kein Vergleich zum Hunger im heiligen Sowjetreich unter Stalin und Jahrzehnte später in Rot-China unter dem großen Mao.
Ca. 100 Millionen Tote umrahmen den Siegeszug des Marxismus/Leninismus/Maoismus (Siehe "Das Schwarzbuch des Kommunismus"). Inwieweit das ukrainische Volk noch speziell massakriert wurde, sollte weiterhin untersucht werden.

Alexander Mazurek | Sa, 28. November 2020 - 09:48

... dass die Opfer des Holodomor Bürger des Staates waren, der sie elendig verrecken ließ: Es war übrigens keine Prämiere, siehe den 30-jährigen Krieg oder La République in der Vendée oder An Gorta Mór in Irland, ... Staaten sind die kältesten aller kalten Ungeheuer, und kalt lügen sie auch (Nietzsche).

Ernst-Günther Konrad | Sa, 28. November 2020 - 09:54

Diesen Vorgang aus 1932-33 kannte ich nicht. Man kann eben nicht alles wissen. Warum sollte der BT dieses Massaker in irgendeiner Form bewerten? Wir haben zum einen selbst mit uns genug zu tun und es ist gerade in der heutigen Zeit mit dieser Regierung ohnehin nicht möglich, eine sachgerechte Aussage zu formulieren. Das sollten die Russen und Ukrainer vor allem mit sich selbst ausmachen. Von unserer Regierung kann man nur dann Betroffenheit erwarten und "klare" Statements, wenn es der eigenen links-grünen Ideologie hilft. Differenzierte Kritik gerade über geschichtliche Vorgänge erwarte ich schon lange nicht mehr von diesen Politikern. Ich bin da sehr nahe an Herrn Kistritz Meinung. Lasst die Toten endlich ruhen und nutzt deren grausames Ende nicht dazu, heute fehlende Streitkultur und Argumente, mit solchen längst vergangenen Vorfälle zu vermischen. Das führt nur zu wieder aufflammenden Hass und Auflodern nationalistischer Gedanken, an deren Ende Krieg und Elend stehen könnte.

Tomas Poth | So, 29. November 2020 - 00:08

Nicht nur die Hungertoten, er ist auch verantwortlich für die systematischen politischen Verfolgungen während der Schauprozesse von 1936 bis 1938, über 700000 Opfer.
Aber warum bei Stalin stehen bleiben, die Ausrottung indigener Bevölkerungen in Amerika gehört auch zur Verurteilung und Abstimmung in den Bundestag.
Warum wird nicht über Napoleon gerichtet, den rasenden Zerstörer Europas. Hat Frankreich dafür je Reparationen gezahlt? Ach so war von ihm ja nur gut gemeint wegen der Aufklärung.
Wir können auch noch weiter zurückgehen aber das lenkt nur von Stalin ab, würde aber zur angesprochenen Thematik gehören.