Mehrere Männer beten an der Klagemauer; Fotografie, Fokus auf Mann mit Brille und Bart.
Itamar Ben-Gvir an der Jerusalemer Klagemauer / picture alliance/dpa/AP | Ohad Zwigenberg

Itamar Ben-Gvir - Der Mann, der Netanjahu von rechts unter Druck setzt

Itamar Ben-Gvir gilt als einer der radikalsten Politiker in der israelischen Regierung. Seine Forderung, jede Nacht 30 bis 40 Terroristen im Gazastreifen zu töten, passt zu seiner politischen Biografie. Wer ist Ben-Gvir – und welche Ziele verfolgt er mit Blick auf Gaza und die bevorstehende Wahl?

Autoreninfo

Max-Emanuel Hampel studierte Politikwissenschaft und Philosophie in Passau und Bari. Derzeit absolviert er ein Praktikum bei Cicero.

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30 bis 40 Terroristen pro Nacht wären für Itamar Ben-Gvir, den Minister für innere Sicherheit, laut eigener Aussage in einem Podcast vor wenigen Tagen ein Pensum, mit dem man arbeiten könne, um sich der Gefahr im Gazastreifen zu entledigen. Der Mann, der aufgrund dieser Aussage im Moment viel internationale Kritik erntet, ist als israelischer Sicherheitsminister Teil der Regierung Benjamin Netanjahus. Doch wer ist eigentlich Itamar Ben-Gvir, und verkörpern diese Aussagen wirklich seine Position oder sind sie lediglich ein rhetorisches Produkt des seit drei Jahren hochkochenden Konflikts?

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Klaus Funke | Di., 18. August 2026 - 17:07

Und man fängt an denen zu glauben, die vor einem solchen Israel warnen. Sogar die Parolen aus einer unseligen Vergangenheit könnten wieder gehört werden. Menschen zu töten und noch dazu aufzurufen, egal aus welchem Motiv, ist mit nichts zu rechtfertigen.

Danke Herr Funke. Kurz, knapp und für mich richtig. Mehr kann man zu einem solchen menschverachtenden Politiker nicht sage. Egal wie man das Verhalten der Regierung Israels sieht. Bei aller Kritik an Netanjahu und den Palästinensern. Offen zu Mord aufrufen und das angeblich als politisch geboten zu deklarieren ist widerlich und abzulehnen. Er tut dem Volk Israel damit keinen Gefallen damit.

W. Böhm | Di., 18. August 2026 - 17:48

Hallo Cicero-Team, eingentlich ein guter Artikel. Aber eine "nicht unwesentliche Kleinigkeit" wurde falsch wiedergegeben. Dieser rechts-radikale Minister hat nicht gefordert 30-40 Terroristen zu töten sondern:

"... 30-40 Menschen. Er beziehe sich dabei nicht nur auf militante Palästinenser, die eine unmittelbare Gefahr darstellten, erklärte der Polizeiminister. Es gebe im Gazastreifen vielmehr Menschen, die es nicht verdient hätten zu leben. "

DAS macht die Sache jawohl noch um einiges schlimmer .... 8(((

... das ist mir auch sofort aufgefallen!
Den ÖRR vorwerfen, dass im Zweifelsfalle lieber mal geschönt berichtet wird - und dann hier im Cicero sowas!
Oder haben etwa umgekehrt ausgerechnet unsere staatsräsontreuen Mainstreammedien dem Herrn Ben-Gvir so offen faschistische Wunschvorstellungen angedichtet? Jetzt bin ich aber gespannt!

Was Glaubwürdigkeit angeht, neige ich eher dazu, dem Cicero zu vetrauen als den ÖR Propagandamedien, ganz bessonders, wenn es um Israel geht.

Heidemarie Heim | Di., 18. August 2026 - 18:11

Ein absoluter Hardliner wie er im Buch steht. Und außerdem für ein Titelbild der nächsten Spiegel-Ausgabe "Wanted!" wie gemalt;). Aber mal im Ernst.Was stellt man sich vor, welche Radikalität in der Politik bzw. wie eine solche bei Personen/Parteien entsteht in einem seit Bestehen bzw. Gründung von Feinden umgebenen Staat, der schon lange wie seine Widersacher es wünschen von der Landkarte verschwunden wäre,hätte es nicht auch solche kompromisslosen Hardliner und Verteidiger wie diesen gegeben?Noch dazu unter einer bzw. der einzigen funktionalen Demokratie im weiten nahöstlichen Rund. Man stelle sich nur mal vor was bei uns abginge, wenn "unser gefährlichster Mann Deutschland"
etwas ähnliches wie z.B. "Jeden Tag 30-40 Gefährder oder sonstige Sympathisanten terroristischer Vereinigungen abschieben" wäre ganz sein Ding verlautbart hätte;).
Soviel Riechsalz gäbe es nicht, wie man danach bräuchte um all die Empörten aus dem Koma zu bekommen! MfG

Markus Michaelis | Di., 18. August 2026 - 19:15

Man kann sagen, was es uns angeht, aber die Konfliktparteien bestehen andererseits an vielen Punkten selber darauf, dass dieser Konflikt alle angeht, niemand wegschauen dürfe.

Äußerungen wie von diesem Minister sind unerträglich und sollten aus meiner Sicht auch Konsequenzen haben. Er ist Minister. Wenn er falsch verstanden wurde, wäre es auch seine Aufgabe das vernehmbar klarzustellen, dass er falsch verstanden wurde - aber das scheint mehr theoretisch. Es scheint eher klar, wie das verstanden werden soll.

So unerträglich wie wir das finden was dieser Politiker von sich gibt, er ist hinsichtlich seiner Feinde und der Bedrohung durch diese für sein Land,ohne die er wie ich annehme für gemäßigtere Regierungen ansonsten gewiss entbehrlich wäre oder seinen radikalen Kurs fahren dürfte in Friedenszeiten,zumindest ehrlich. Und ob die Israelis mit einem solchen Charakter der Auge um Auge,Zahn um Zahn auf die Angriffe seiner Feinde in unseren Augen menschenverachtend reagiert oder nicht, ist allein deren Sache. Und ich möchte lieber nicht wissen,wie u. was er über uns Deutsche denkt oder unserem gepflegten Antisemitismus,von Plätzchen backenden Palästinensern anlässlich des Massakers und über lange Zeit gehaltenen Geiseln angefangen, linken schon seit RAF-Zeiten gepflegten Freundschaften über natürlich auch in rechten Kreisen geübten hält. Oder von einer deutschen Regierung nach der anderen, die angesichts der eigenen Gefährder/Terroristen eine schon fast pathologische Naivität an den Tag legt.

Ehrlichkeit ist ok bezüglich Konflikten, die nunmal da sind. Auge und Auge kann man gerade auch als Mäßigung auffassen (war es glaube auch historisch): es heißt eben nicht "Du hast einen der Meinen umgebracht, jetzt lösche ich Deine ganze Familie aus". Es ist eine Mäßigung. Klar kann man auch Gvirs Äußerung als Mäßigung verstehen: er will ja nur 30 pro Tag umbringen, auch nur Terroristen, glaube ich (wer immer auch genau Terrorist ist und wer nicht), nicht 3 Millionen auf einmal. Ich will das auch nicht nur schlecht machen, wer will, kann das so oder ähnlich sehen. Ich halte es für eine maßlose Entgleisung, die im Gegner nicht mehr den Menschen sieht. Für mich ist das kein Weg. Aus einer solchen Spirale muss man herauskommen.

Da haben Sie Recht.Das wurde und wird oft fehlinterpretiert als Rache gegenüber dem Feind.Aber es geht darum eine Schandtat mit Gleichem zu vergelten als Strafe,und so eine von Rache angetriebene Spirale oder Aneinanderreihung von Auseinandersetzungen zu verhindern.Wie Du mir,so ich Dir.Und natürlich ist der Typ ein zwar intelligenter,aber umso gefährlicherer und brutaler Kotzbr....,der in jedem Palästinenser einen Terroristen o. Unterstützer sieht,den es aus dem Weg zu räumen gilt wenn es nach ihm ginge.Doch ist z.B. ein Herr Putin,der in jedem Ukrainer vom Baby bis zum Greis einen Nazi sieht,die er mittels "Spezialoperation" seit über 4 Jahren versucht auszulöschen als Nation ein besserer Charakter?Wie muss man sich eine Befriedung solcher mit aller brutalen Gewalt geführten Konflikte vorstellen?Alles vergeben und vergessen,machen wir doch einen Waffenstillstand bis zum nächsten Massaker o. der nächsten ballistischen Rakete,die aus Versehen ein mehrstoeckiges Wohnhaus pulverisiert?FG

Bernhard Kaiser | Di., 18. August 2026 - 21:42

…. im Gazastreifen zu töten, wäre schon mal ein guter Anfang, reicht aber wahrscheinlich trotz allem nicht …. seit dem 7. Oktober 2023 hat Israel ca. 35000 Kämpfer und Terroristen liquidiert, das wären umgerechnet ca. 31 pro "Nacht“ und die Liste ist noch lang! Die Hamas mitsamt ihren zivilen Unterstützern hat es ja immerhin geschafft, mehr als 1200 Zivilisten (Frauen, Kinder, Babies, Alte, Kranke, Behinderte usw.) an einem einzigen Tag zu massakrieren! Da hätte das ach so rechtsradikale Israel ja noch was aufzuholen …

was es heißt, in einem Land zu wohnen, das dauerhaft von Feinden umgeben ist u. täglich mit der Bedrohung seitens radikaler Palästinenser u. deren Unterstützer leben muß, die da lautet: "Wir löschen euren Judenstaat aus!"

Wenn ein Mensch in dieser Lage zum Ermorden seiner Feinde nicht nur bereit ist, sondern sogar dazu aufruft, ist dies zwar furchtbar, aber nicht unbegreiflich.

Wir Deutschen sollten uns mit moralischem Hochmut zurückhalten.
Wenn ich bedenke, daß gerade bei uns ein Dieter Hallervorden die Wähler dazu ermuntert, "Schädlinge" zu bekämpfen u. damit Mit-Menschen in der AfD meint, dann will es mir scheinen, als seien wir auch nicht mehr weit davon entfernt, einander den Tod zu wünschen.

Haß wächst langsam im Denken heran, und irgendwann entlädt er sich nicht selten in einem unvorstellbar grausamen Handeln. Dies gilt im privaten Bereich ebenso wie in der Auseinandersetzung zwischen Völkern u. Nationen.

Möge es den Friedfertigen gelingen, Schlimmstes zu verhindern!

Meinen Glückwunsch zu Ihrem Standpunkt. Solche Meinungen brauchen wir, dann wird im Gaza-Streifen endlich die richtige Ruhe herrschen, Friedhofsruhe! Die "Presidential Medal of Honor" ist Ihnen sicher.

Ingbert Jüdt | Mi., 19. August 2026 - 07:47

Der sich dankenswerterweise auch nicht scheut, hier von »Rechtsextremismus« zu reden. Man könnte noch ein paar Worte mehr über den Kontext verlieren, in dem ein solches Irrlicht allererst politisch möglich ist: Netanjahus seit langem im Gang befindlicher Umbau der israelischen Identität - von einer Nation mit säkularem Ethos hin zu einem zersplitterten, von der Rechten dominierten ethnischen Staat, Aushöhlung der Gewaltenteilung und Neudefinition des Zionismus hin zu bedingungsloser Unterstützung der radikalen Siedlerbewegung.

Man wirft der Palästinasolidarität eine Idealisierung ihres Identifikationsobjekts vor. Gleiches muss man aber auch über die (insbesondere deutsche) Israelsolidarität sagen: der Staat, mit dem man sich hier identifiziert, existiert in dieser Form nicht mehr. »The End of the Old Israel« hat Aluf Benn schon 2016 in Foreign Affairs getitelt. Das Deutschland des »antifaschistischen Konsenses« ist für israelische Rechtsextremisten ebenso blind wie für ukrainische.

... meine beiden besten jüdischen Freunde, ein Ehepaar, sie in Jerusalem geboren, aber leider beide schon verstorben, waren der Meinung, dass gerade der in Deutschland zumindest offiziell vorherrschende Philosemitismus in Bezug auf die israelischen Regierungen seit der Ermordung von Itzak Rabin DURCH einen rechtsextremistischen Israeli den zunehmenden Antisemitimus in D beflügle. Übrigens eine Meinung, die von den ganz einfachen Menschen hier im Dorf vielfach geteilt wird, wo ich seit 16 Jahren nahe München wohne.
Dieses Prinzip kommt mir in Bezug auf den Umgang mit der AfD irgendwie bekannt vor.