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Eine junge Frau nimmt an einer Solidaritätsdemonstration mit den Protestlern im Iran in London teil / picture alliance / Photoshot | -

Iranische Stimmen - „Selbst in Krankenhäusern werden junge Menschen massakriert“

Was ist los im Iran? Sechs Iraner erzählen Cicero, was sie vor Ort erlebt oder über ihre Familien erfahren haben: Massaker, Angst und brutale Gewalt auf den Straßen – während die Angst wächst, von Donald Trump im Stich gelassen zu werden.

Clemens Traub

Autoreninfo

Clemens Traub ist Cicero-Redakteur. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Future For Fridays?“ im Quadriga-Verlag (Bastei Lübbe).

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Im Iran gehen weiterhin Tausende Menschen auf die Straßen, nachdem Ende Dezember 2025 eine landesweite Protestwelle begann – zunächst wegen steigender Lebenshaltungskosten, inzwischen mit offenen Forderungen nach dem Ende der theokratischen Herrschaft. 

Sicherheitskräfte gehen mit brutaler Gewalt gegen Demonstranten vor, es kommt zu Massakern, willkürlichen Schießereien und einem landesweiten Internet-Blackout, der Kommunikation und Berichterstattung weitgehend blockiert. Nach Aktivisten- und Medienberichten sind bereits Tausende Menschen ums Leben gekommen. Ein iranisches Exilmedium spricht gar von 12.000 Toten.

Viele Iraner setzen Hoffnung in einen möglichen Militärschlag durch US-Präsident Donald Trump, nachdem dieser die Islamische Republik öffentlich gewarnt und erklärt hat, dass „Hilfe auf dem Weg sei“, falls das Regime weiter brutal gegen Demonstranten vorgeht.

Die Namen der Autoren wurden von der Redaktion geändert, da sie Repressalien durch den iranischen Geheimdienst befürchten.

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„Selbst in Krankenhäusern werden junge Menschen niedergeschossen“

Bis Samstag war ich selbst in Teheran, meiner Heimatstadt. Ich hörte die Stimmen meiner Familie, spürte den Schmerz der Verwandten, sah mit eigenen Augen, wie das Land in Flammen steht.

Bis Mittwoch hatte ich Internet. Dann, ab Donnerstag, war alles weg – kein Internet, keine Nachrichten, keine Telefonate. Nicht einmal SMS kamen durch. Um jemanden zu erreichen, musste man zehnmal hintereinander anrufen. Oft gelang es trotzdem nicht. Das Regime schaltet immer als Erstes das Internet aus, wenn es Proteste gibt – damit sich niemand organisieren kann, keinen Kontakt hat, keine Gruppen bildet.

Ab Donnerstag war alles tot. Mein Flug am Samstag wurde gecancelt – nicht aus Sicherheitsgründen, sondern weil internationale Flüge Internet brauchen. Ohne Internet geht nichts. Also buchte ich vor Ort einen iranischen Flug, um rauszukommen.

Das Regime verschickte ständig SMS an alle iranischen SIM-Karten, voller Drohungen und Einschüchterungen: Man dürfe nicht rausgehen, die Protestierenden seien keine Iraner, sondern Feinde. Sie verleugnen diese Menschen, als gehörten sie nicht zum Volk.

Jeden Abend ab 20 Uhr gingen viele aufs Dach, auch in meiner Gegend. Wir riefen den Namen des Schahs, des Sohnes des ehemaligen Königs – viele wünschen sich seine Rückkehr. Wir riefen „Tod dem Führer“ gegen den obersten Führer des Regimes. Das war unser Protest, weil ich selbst nicht auf die Straße durfte. Meine Eltern hatten Angst und wollten nicht, dass ich kurz vor meinem Flug dieses Risiko eingehe.

Aus dem Norden hörte ich von brutaler Gewalt: Gezielt schlagen sie mit Schlagstöcken auf die Köpfe der Menschen – nicht irgendwo, sondern gezielt. Viele liegen im Koma. Sicherheitskräfte ohne Uniform, auf Motorrädern, verstecken Pistolen unter der Jacke und schießen einfach – oft nachts, wenn niemand sie erkennt. Willkürliche Gewalt. Junge Menschen, sogar Kinder wurden getötet.

Es gab Tränengas. Mein Onkel war mit seiner Frau auf der Straße. Als das Gas seine Augen zum Brennen brachte, wollte er sich das Gesicht waschen. Plötzlich stand jemand mit einer Pistole vor ihnen, richtete die Waffe auf ihre Köpfe. Seine Frau sah zum ersten Mal in ihrem Leben eine Waffe. Sie fragten, was sie dort tun – sie antworteten, sie wollten nur nach Hause.

Selbst Krankenhäuser sind keine Zuflucht mehr. Auch dort wird geschossen, Demonstranten verletzt oder getötet. Ohne Netz ist keine Hilfe möglich.

Ich habe Bekannte in Deutschland, die palästinensisch oder halb palästinensisch sind. Sie klagten jahrelang über ihr Leid. Aber jetzt sehe ich: Von ihrer Seite gibt es keine Solidarität mit Iranern. Keine einzige. Das macht mich wütend, es fühlt sich undankbar an.

Noch schlimmer ist die Haltung vieler linker Menschen: Sie posten über Gaza, Palästina, über alles Mögliche – aber Iran? Unser Leid scheint für sie nicht zu existieren. Das Regime hat unsere Leben zerstört, unser Geld geraubt, unsere Freiheit genommen – doch darüber schweigen sie. Welche Ideologie lässt so viel Mitmenschlichkeit verblassen? Diese Ignoranz belastet mich fast so sehr wie das, was hier geschieht.

Yasamin, 28 Jahre, aufgewachsen in Teheran

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Protest in Teheran / picture alliance / SIPA | MAHSA/MEI

„Apotheken sind überflutet mit blutenden Menschen“

Mein gesamter Kontakt zu meiner Familie beschränkt sich auf wenige kurze WhatsApp-Nachrichten. Am Samstag schaffte meine Schwester mit großer Mühe, eine Nachricht zu senden. Sie war nur für wenige Minuten mit dem Internet verbunden.

Sie schrieb, dass es meiner Familie gut geht. Gleichzeitig berichtete sie, dass nachts überall die Straßen voll sind – voll von Menschen, die gegen das Regime aufstehen. Viele wurden getötet. Sie sah Apotheken voller Menschen, die Verbandsmaterial kauften, um selbst die Schrotkugeln aus den Körpern der Verletzten zu entfernen. So gut sie können, meiden sie Krankenhäuser – denn diese sind nicht sicher. Dass ein Regime selbst Krankenhäuser angreift, selbst unter Kriegsbedingungen, ist nichts anderes als blanker Terror.

Das waren die letzten Nachrichten. Danach – Stille. Nichts. Kein Wort. Kein Lebenszeichen.

Sahra, 29 Jahre, aufgewachsen in Teheran

Ayatollah Ali Khamenei / picture alliance / ZUMAPRESS.com | Iranian Supreme Leader'S Office

„Jugendliche werden in Nebenstraßen massakriert“

In den letzten Tagen habe ich endlich mit Freunden und meinem Onkel telefonieren können – Menschen, die im Iran sind oder gerade dort waren. Die Gespräche waren schwierig, oft nur kurz, aber sie haben so viel erzählt, dass mir fast das Herz stehen blieb.

Mein Onkel, ein älterer Mann, war 1979 selbst bei der Revolution auf der Straße. Er sagt ganz klar: Das, was jetzt passiert, ist vergleichbar mit damals. So etwas habe er seit damals nicht mehr gesehen.

Besonders am 8. und 9. Januar, nach dem Aufruf von Reza Pahlavi, sind unzählige Menschen auf die Straße gegangen – nicht nur junge Männer, sondern auch Frauen, Kinder, sogar Kleinkinder in Kinderwagen. Das hat ihn tief erschüttert. Er erzählte von der Vakil-Abad-Straße in meiner Heimatstadt Maschhad – eine sechsspurige Straße in einem wohlhabenden Viertel, komplett überfüllt über etwa 17 Kilometer. So viele Menschen, wie man nur sehen konnte. Eine Woge aus Mut, Hoffnung und unerschütterlichem Lebenswillen, die selbst unter der Finsternis des Regimes nicht zu brechen war.

Er berichtete, dass die Unterdrückung ab dem Moment begann, als es dunkel wurde und das Internet abgeschaltet wurde. Die Sicherheitskräfte griffen brutal durch, besonders gegen die jungen Menschen, die am stärksten auf den Straßen waren und am häufigsten auf Konfrontationen trafen.

Menschen flohen von der Hauptstraße in Nebenstraßen – doch dort wurden sie mit Schrotflinten niedergeschossen. Es wurde sogar auf Fenster und Wohnungen geschossen, wenn von dort Menschen riefen.

Ein Freund, der mittlerweile in der Türkei ist, schrieb mir: „Es geht allen schlecht.“ Fast jede Familie kenne jemanden, der getötet wurde. Freunde seines Onkels sind gestorben, als sie versucht haben, Leichen abzuholen. Sie sprechen von zahlreichen, frischen Leichen, nebeneinander liegend – so frisch, dass Handys in den Taschen noch klingelten. Eine Szene, die das Herz zerreißt, die den Atem stocken lässt.

Es wurde auch erzählt, dass Geld verlangt wird, um Leichen herauszugeben. Familien werden gezwungen, falsche Todesursachen zu unterschreiben – Herzinfarkt oder Unfall. Die Würde der Toten wird entwertet, das Leid der Hinterbliebenen missbraucht.
Gleichzeitig hörte ich von Freunden, dass auch Sicherheitskräfte getötet und verletzt wurden. Viele waren schockiert – weil es zeigt, wie verzweifelt die Menschen sind. In Videos sieht man Molotow Cocktails und improvisierte Flammenwerfer, meist von kleinen Gruppen junger Menschen, die sich dem Grauen stellen.

In letzter Zeit gab es weniger große Proteste, eher kleine Gruppen, die schnell von Sicherheitskräften zerschlagen wurden.

Es wird von ausländischen Milizen berichtet – vor allem im Südwesten, im Khuzestan-Gebiet. Irakische Milizen, die Arabisch sprechen, seien an der Unterdrückung beteiligt. Auch in Teheran fahren Motorradfahrer mit Hisbollah-Fahnen, spielen regimefreundliche Lieder, um einzuschüchtern. Bei der Beerdigung eines Anwalts hieß es, die Angreifer seien keine Iraner gewesen – das Gefühl einer Fremdbesetzung verstärkt die Wut vieler.

Familien aus allen Schichten zeigen erstmals offen ihre Ablehnung des Regimes – doch sie fürchten die Folgen, falls sich nichts ändert. Viele hatten gehofft, dass die Welt eingreift, besonders Donald Trump wurde in Verzweiflung immer wieder genannt. Ohne sein Engagement in Venezuela hätten sich viele wohl nicht getraut, auf die Straße zu gehen.

Doch dann kam das Zögern. Und nun wächst die Furcht, dass es endet wie in Syrien: große Versprechen, dann bittere Enttäuschung. Obama hatte Hilfe angekündigt – doch sie blieb aus, während der Bürgerkrieg das Land zerfetzte.

Heute stellen sich selbst die mutigsten und optimistischsten Iraner diese eine verzweifelte Frage, immer und immer wieder: Wo seid ihr? Werdet ihr uns wieder im Stich lassen – allein mit unserem Kampf gegen den Islamismus und das Grauen im eigenen Land?

Ali, 26 Jahre, aufgewachsen in Maschhad

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Solidaritätsdemonstration in Düsseldorf von Unterstützern von Reza Pahlavi / picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited

„Wir Iraner fühlen uns allein und verloren auf dieser Welt“

In den ersten zwei Tagen hatte niemand Internet. Niemand, gar niemand. Kein Internet zu Hause, kein mobiles Internet. Ich konnte niemanden erreichen. Keine Freunde, keine Familie.

Dann fand ich über Umwege einen Freund von einem Freund, der Internet hatte. Über ihn schafften sie es, meinen Bruder anzurufen, um zu prüfen, ob es ihm gut geht. In den letzten Tagen war er nicht auf der Straße, aber er hat gesehen, was passiert ist. Er erzählte mir, dass nicht nur die großen Straßen oder das Stadtzentrum voll waren – auch kleine Straßen außerhalb des Zentrums waren überfüllt.

Für ihn war das unvorstellbar. In den letzten drei, vier Jahren gab es so etwas nicht. Kleine Proteste ja, aber keine solche Masse. Er sagte, die Menschen waren überall. Es gab Momente, in denen mehr Menschen als Polizisten auf der Straße waren. Man konnte sich frei durch die Stadt bewegen, weil so viele draußen waren.

Über Gewalt sprach er kaum am Telefon. Vielleicht sah er nichts, vielleicht war er vorsichtig. Wir wissen nicht, ob Telefonate abgehört werden. Vielleicht wollte er auf Nummer sicher gehen.

Ich lebe in Deutschland – und das hier ist eine brutale Situation. Körperlich bin ich hier, aber mit jedem Gedanken im Iran. Ich schaue alle zehn Minuten aufs Handy. Wirklich jede zehn Minuten. Ich hoffe auf eine Nachricht, eine Nachricht, eine Entwicklung. Ich hoffe, Donald Trump greift militärisch ein. Ich sage das offen. Nicht, weil ich Krieg will, sondern weil ich keine andere Hoffnung sehe, dass das Regime freiwillig geht.

Meine größte Angst hat sich verändert. Am Anfang fürchtete ich, meine Familie oder Freunde könnten nicht mehr leben. Dass ich eines Tages erfahre, ihnen ist etwas passiert. Jetzt habe ich Angst, dass alles umsonst war. Dass Menschen sterben – und am Ende bleibt alles gleich. Das Regime bleibt. Sie machen einfach weiter.

Früher war ich keine Monarchistin. Ich wollte keinen König, keinen Prinzen. Ich war skeptisch. Aber jetzt wirkt Reza Pahlavi wie eine Führungsperson. Jemand, an dem sich Menschen orientieren. Er sagt, was zu tun ist, und viele folgen ihm. Das gab es vorher nicht.

Was mich wütend macht: Wie wenig darüber gesprochen wird. In westlichen Medien heißt es oft „Demonstrationen“. Für mich ist das falsch. Das ist keine Demonstration, das ist eine Revolution. Menschen und Medien, die laut über Gaza und Palästina reden, schweigen jetzt. Das ist schwer zu ertragen. Es geht um Menschenrechte. Aber scheinbar zählen manche Leben mehr als andere.

Ich studiere Ethnologie in Freiburg. Dort ist es besonders schlimm. Das Umfeld ist postkolonialistisch, sehr links. Sie reden viel über Imperialismus, Machtstrukturen, Unterdrückung – aber Iran? Kaum ein Wort.

Wenn ich vom Iran spreche, habe ich oft das Gefühl, es interessiert niemanden. Oder es passt nicht ins Weltbild. Nicht-iranische Kommilitonen sagen, Iraner, die Israel um Hilfe bitten, seien „Zionisten“ oder iranfeindlich. Das sei negativ. Man sei dann auf der falschen Seite. Das hat mich schockiert. Wenn ich sage, ich hoffe auf Trump oder Israel, wird mir vorgeworfen, ich unterstütze Krieg oder Gewalt. Dabei geht es um Hoffnung. Nur Hoffnung, dass das Regime endet.

An der Uni frage ich mich oft: Wie kann man nur so abgehoben sein? So selbstgerecht? Wie kann man über Unterdrückung sprechen, wenn Menschen im Iran gerade erschossen werden – und niemand erwähnt es?

Vor ein paar Tagen saßen wir auf der Wiese und sprachen über das Aussterben von Orang-Utans in Indonesien. Während Menschen in meinem Land auf der Straße getötet werden. Niemand sprach es an. Niemand. Unser Leid scheint linken Menschen egal zu sein. Es zählt nicht. Sie schweigen lieber.

Viele Iraner fühlen sich wie allein auf der Welt – verloren und ohnmächtig. In einem Land, das sich längst in ein blutiges Schlachthaus verwandelt hat, sind sie von der Welt isoliert und verzweifelt. Und selbst im Exil bleibt diese Einsamkeit – fern von Familie und Freunden, die jederzeit ausgelöscht werden könnten. Ein Gefühl der Machtlosigkeit, das wie ein dunkler Schatten über jedem Moment liegt.

Elnaz, 25 Jahre, aufgewachsen in Isfahan

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Reza Pahlavi, Sohn des gestürzten Schahs, gilt vielen Exil-Iranern als Hoffnungsträger, aber lange nicht allen / picture alliance / NurPhoto | Ying Tang

„Ärzte werden verhaftet, die verzweifelten Menschen helfen möchten“

Nach vielen, verzweifelten Versuchen konnte ich endlich mit meiner Cousine telefonieren. Sie arbeitet als OP-Technikerin in einem Krankenhaus. Dort führen sie zwar Schönheits-OPs durch, doch eigentlich wollte sie in öffentliche Krankenhäuser gehen, um den Verletzten der Proteste zu helfen. Freunde und Kollegen warnten sie eindringlich: „Geh nicht hin, die Sicherheitskräfte verhaften externe Helfer.“

Sie erzählte mir, dass die Krankenhäuser keine freien, fähigen Chirurgen zulassen – stattdessen wurden eigene Regime-Ärzte gebracht. Ob diese Menschen wirklich behandeln, weiß niemand. Selbst ins Krankenhaus zu gehen, ist ein Risiko. Seit gestern ist auf den Straßen nicht mehr viel los. Viele Menschen wurden getötet. Die Sicherheitskräfte schießen mit Gewehren und töten, ohne Gnade.

Die Gewalt ist systematisch, kalt, planvoll. Jeder Schritt, jeder Atemzug auf den Straßen kann dein letzter sein. Und selbst wenn du überlebst, bist du nicht sicher – nicht auf der Straße, nicht im Krankenhaus, nirgendwo.

Tina, 33 Jahre, aufgewachsen in Teheran

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Flammen und Rauch in Teheran / SIPA | Khoshiran/MEI

„Falls meiner Mutter etwas passiert, werde ich es nie erfahren“

Ich habe keinen Kontakt zu meiner Mutter im Iran. Meine Schwester reiste vor den Protesten nach Deutschland und sorgt sich nun unaufhörlich: Wird ihr Ticket storniert? Meine Mutter ist im Iran, bereits sehr alt. Sie ist nicht auf den Straßen, aber die Bedrohung ist überall spürbar.

Erstens: Ihr Alter – niemand weiß, wie es ihr geht. Falls etwas passiert, könnte man es vielleicht nie erfahren. Zweitens: Wegen des Blackouts funktionieren Bankautomaten nicht. Alles ist dramatisch teurer geworden. Bargeld hilft kaum – stell dir vor, du müsstest einen ganzen Sack voller Geld (meine Schwester spricht von 2 Millionen Toman) mit dir tragen, nur um 1 Kilo Fleisch zu kaufen. Es ist schlicht unmöglich. Und selbst wenn die Automaten funktionieren, darf man täglich nur 200.000 Toman abheben.

Ich mache mir unentwegt Sorgen, ob sie genug Bargeld hat, um Lebensmittel oder Medikamente zu kaufen. Ich scrolle durch jedes Video aus Teheran, suche nach Gesichtern – nach Freunden, nach Verwandten – doch meistens finde ich niemanden. Diese Ungewissheit zerreißt mich. Und doch muss ich arbeiten, muss lernen, muss so tun, als sei alles normal, während mein Herz jeden Moment bricht.

Melo, 24 Jahre, aufgewachsen in Teheran

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Jens Böhme | Mi., 14. Januar 2026 - 20:12

Da geht einigen Iranern die Phantasie durch, wenn diese glauben, Donald Trump sei US-Präsident geworden, um Völker oder Staaten von irgendwen oder irgendwas zu befreien. Man merkt, dass die Infantilität global akut zunimmt.

Trump verantwortlich machen, geht doch immer. Für das, was er tut - für das, was er nicht tut - für die Art, wie er etwas tut. Was soll das? Haben Sie die Berichte der jungen Iraner nicht gelesen? Die Verzweiflung über die hiesige Politik, die Empörung über die abgehobenen und ignoranten links-woken Dummschwätzer-Studies in den Universitäten? Statt Engagement und Unterstützung für die Menschen im Iran nur Kolonialismus-Gelaber und dümmlich-moralisierende Belehrungen. Typisch deutsch - leider - und vor allem typisch links. Ein Elend. Und der Kanzler lässt in Indien Drachen steigen.

Jens Böhme | Mi., 14. Januar 2026 - 23:39

Antwort auf von Lisa W.

Linke, rechte oder liberale Politiker muss man weder feiern noch huldigen, geschweige verteidigen. Trump wird den paar oppositionellen Iranern keinen Gefallen tun, egal, wie Sie meine Meinung werten. Zudem habe ich in keinem meiner Sätze Trump für was im Iran verantwortlich gemacht. Es spielt auch keine Rolle, wie oft Sie meine Meinung mit links, woke, ignorant und elend beschreiben. Dadurch wird Ihre Meinung und Sicht auf Iran und Trump nicht besser. Oder glauben Sie, Trump liest hier beim Cicero meinen Leserkommentar, fühlt sich dann verängstigt und richtet sich nach mir?

Lisa W. | Do., 15. Januar 2026 - 08:11

Antwort auf von Jens Böhme

Ich habe Bezug genommen auf das, was die jungen Iraner monieren bei den links-woken ignoranten Studies. Ich habe Sie selbst weder als links und woke bezeichnet noch als ignorant und elend. Setzen Sie sich wieder hin und lesen Sie einfach nochmal.

Gisela Hachenberg | Do., 15. Januar 2026 - 11:38

Antwort auf von Lisa W.

Liebe Lisa W. Regen Sie sich nicht über Böhme auf. Lohnt nicht! Er ist ein unempathischer Mensch, der meint, seine Meinung sei die einzig richtige. Soll er… Man muss seine Kommentare nicht lesen. Es gibt genug andere hier im Forum.
Beste Grüße an Sie!!! 🤗

Ich verstehe viele, die diskutieren, um wen zu überzeugen oder mundtot zu machen. So funktioniert keine Meinungsfreiheit. Dass meine Meinung weder in den linken noch rechten Mainstream passt, macht mich zumindest freier, als diejenigen, die auf links- und rechtspolitischen Kreuzzügen sind. Gefühle (Empathie) spielen in politischen Debatten eine untergeordnete Rolle. Politik nach Gefühl ist Bullshit. Ich habe in den 1970er Jahren als Kind "Schulen für Vietnam" gebaut (DDR, Altstoffe über Schule sammeln), um meine angebliche Empathie zu vietnamesischen Kriegskindern zu zeigen. Auch heute ist gelenkte Empathie allgegenwärtig. Frau Hachenberg, haben Sie schon für die Bürgerkriegsopfer im Sudan oder für die Hungernden in der Welt ausreichend empathisch gespendet? Das ist eine rhetorische Frage zu meiner angeblichen Empathielosigkeit. Also keine Antwort nötig.

IngoFrank | Mi., 14. Januar 2026 - 22:05

der Welt „Stellungnahme“ beziehen ?

Das heißt allerdings nicht, dass es mir um die Toten nicht Leid tut, Dennoch ist es ein innenpolitisches Problem der Iraner. Mit großer Mehrheit haben sie den Mullahs frenetisch zu gewunken und applaudiert, und das über Jahrzehnte……
Das Thema Frauenrechte sehe ich im gleichen Kontext zumal die Gleichberechtigung der Frau im „Abendland“ auch noch lange nicht erreicht isr. (gleicher Lohn für gleiche Arbeit beispielsweise)
MfG a d Erfurter Republik

Hans Süßenguth-Großmann | Do., 15. Januar 2026 - 00:21

Es gibt einen Repressionsapparat der funktioniert.
Die Isolierung des Irans seitens des Westens wird weitergehen und China und Russland werden in die Lücke springen müssen so gut es geht. Vielleicht wird erst, wenn Chameni ins Paradies eingeht ,das GANZE in Bewegung kommen. Wir denken die Armee wird es dann machen, aber wenn man sich den Untergang der kemalistischen Offiziere in der Türkei vot Augen führt kann man Zweifel haben. Wir können uns in den Islam nicht reindenken. Der Islam kennt dn Unterschied zwischen dem was Gott zusteht und was dem Kaiser zusteht nicht.

Ernst-Günther Konrad | Do., 15. Januar 2026 - 12:37

Dass die Mullahs ihre Macht bis aufs Blut verteidigen dürfte allgemein nicht bezweifelt werden. In welcher Weise aber die ein oder andere schaurige Schilderung der Wahrheit entspricht? Wir denken nur an Kuwait und die toten Babys. Dass es viele Tote gegeben haben dürfte, bezweifle ich nicht. Ob aber nicht auch von den Aufständigen Propaganda benutzt wird muss angenommen werden. Niemand weiß derzeit wirklich, was dort im Detail alles passiert. Dass die Mullahs alles dafür tun, die öffentliche Meinung im ihrem Sinne durch Lügen zu beeinflussen gehört zum Geschäft des Krieges. Ja, ich wünsche dem Volk alles wirklich Gute und ein schnelles Ende in ihrem Sinne. Nur sehe ich auch das Problem, was käme nach den Mullahs? Wer würde Einfluss nehmen? Wahrscheinlich Trump, wenn er aktiv hilft. Und umsonst ist das nicht. Er wird jemand einsetzen wollen, der sich der USA unterwirft. Und Trump will die Hoheit über die Straße von Hormus, das schrieb ich schon einmal. Und da habe ich meine Probleme.