Iran - „Wir wollen keinen Krieg“

Weil Donald Trump das Atomabkommen aufkündigte, steigt im Iran die Angst vor einem Krieg. Aber auch wirtschaftlich liegt das Land am Boden. Wie geht es jungen Iranern in dieser Situation?

Die Angst vor der eigenen Regierung ist groß bei den Iranern / picture alliance

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Chiara Thies studiert Journalistik und arbeitet für Cicero Online.
Foto: Emine Akbaba

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„Werden unsere Soldaten nach Hause kommen?“ – „Das werden wir sehen.“ Diese Antwort des US-Präsidenten Donald Trump auf die Frage eines Journalisten bereitet vielen Iranern Sorge. Kurz zuvor hatte Trump das Atomabkommen mit dem Iran gekündigt. Viele junge Iraner befürchten nun einen Angriff der USA. Zunächst allerdings stellvertretend auf iranische Basen in Syrien. Dort kämpfen auch iranische Soldaten. Doch auch die Angst vor einem Krieg mit Israel ist groß. Unter jungen Iranern kursieren bereits Nachrichten, dass sich die beiden Länder offen in Syrien angreifen würden.

Doch was denken sie über die Aufkündigung des Atomabkommens? „Wir wollen keinen Stellvertreterkrieg“, stellt Arian, ein junger Mann aus Urmia, klar. Als Feinde sehen viele junge Iraner weder die USA noch Israel an. Der größte Aggressor ist in ihren Augen Saudi-Arabien. Das liegt in der Geschichte der beiden Länder begründet. Am meisten fürchten sie sich jedoch vor ihrer eigenen Regierung. „Ich hoffe, sie beginnen keinen Krieg“, sagt Mina, eine Englisch-Studentin aus Teheran. Sorge macht ihr das sprunghafte Verhalten von sowohl der eigenen Regierung, als auch Trump in den USA. Erschwerend kommt hinzu, dass die iranische Wirtschaft in ein neues Rekord-Tief gefallen ist.

Angst vor einem neuen Krieg

In allen Städten des Landes kommt es deswegen erneut zu kleineren Protesten. Es sind größtenteils Neu-Arbeitslose, Lehrer und Menschen, die seit Monaten kein Gehalt ausgezahlt bekommen, die auf die Straße gehen. Geht es der Wirtschaft weiterhin schlechter, werden sie die Straßen nicht mehr verlassen. Bereits im Januar dieses Jahres kam es zu Protesten. Die Strafen für die Demonstranten sind sehr hart ausgefallen. Arian berichtet von einem Freund, der zu acht Jahren Haft verurteilt wurde, weil dieser angeblich den höchsten Führer Ali Chamenei beleidigt hätte. Das Haus des Vaters wurde gepfändet. Versuchte der 27-Jährige auszubrechen und das Land zu verlassen, verliert seine Familie ihr Haus. „Stell dir das mal vor. Acht Jahre – ein Drittel seines bisherigen Lebens“, sagt Arian.

Diese harten Strafen sind den Menschen noch in Erinnerung. Auch deshalb fallen die aktuellen Proteste noch klein aus, die Polizei hat die Situation unter Kontrolle. Das findet Arian gut. Denn sollten die Proteste ausarten, fürchtet er einen offenen Angriffskrieg durch Israel. „Aktuell versucht das Land durch wirtschaftlichen Druck das Regime in Teheran unter Druck zu setzen.“ Gleichzeitig ist ihm klar, dass seine Regierung Israel immer wieder provoziert, indem es Militär nah der Grenze zu Syrien stationiert. Die Angst vor einem Rückfall in die Zeiten des vorherigen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad breitet sich aus. Damals kaufte niemand mehr iranisches Öl, Menschen verhungerten und die religiösen Sittenregeln wurden viel schärfer kontrolliert.

Gefangen in der Heimat

Doch schon jetzt fehlt es essentiellen Dingen. Mina macht sich viele Gedanken über die ärmeren Menschen, die unter dem Existenzminimum leben. Ihnen fehlt nicht nur das tägliche Essen, sondern auch Medikamente. Es gebe zwar viel günstige Medizin, die im Iran hergestellt werde. Aber meistens wirken diese nicht. Bei den Chemotherapien sei das besonders schlimm. Kommt es jetzt erneut zu Sanktionen, fehlen überlebenswichtige Medikamente. Und das trifft dann auch die Gutverdiener.

Es ist nicht verwunderlich, dass viele das Land verlassen wollen, allein sie können es nicht. Ihnen fehlt schlicht das Geld. Arian wurde an der Uni in Clausthal aufgenommen. Die Gebühren dafür betragen 8.640 Euro. Das ist im Iran ohnehin schon ein Vermögen, jetzt fällt auch noch der Wechselkurs. Der liegt vor Ort momentan bei einem Euro zu circa 80.000 Rial, im Oktober vergangenes Jahres lag die Rate noch bei einem Euro zu circa 42.000 Rial. Arian, Mina und viele andere junge Iraner fühlen sich jetzt gefangen im eigenen Land.