Khomeini
Ayatollah Khomeini im Iran im Jahr 1979 / picture alliance/dpa | Campion

Iran - Das Scheitern der Islamischen Revolution

1979 markiert eine historische Zäsur – nicht nur für den Iran, sondern für den gesamten Nahen Osten und die Welt. Unter der Führung von Khomeini entwickelte sich die dritte Spielart totalitärer Herrschaft: der Islamismus. Doch jetzt könnte er an sein Ende kommen.

Autoreninfo

Wahied Wahdat-Hagh ist Politologe und Soziologe. Von 2009 bis 2013 gehörte er dem ersten Unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus für den Antisemitismusbericht des Bundestags an.

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Die von dem Potsdamer Historiker Frank Bösch auf das Jahr 1979 datierte Zeitenwende neigt sich ihrem Ende zu. Die Ursachen der Islamischen Revolution in jenem Jahr werden häufig auf die tiefgreifenden sozioökonomischen Veränderungen infolge der Kapitalisierung und Mechanisierung der Landwirtschaft zurückgeführt. Diese Prozesse führten zu einer verstärkten Landflucht und zur Entstehung informeller Siedlungen in den urbanen Zentren. Die Modernisierung der Landwirtschaft stand unter anderem im Zusammenhang mit Entwicklungsprogrammen der Ford Foundation, die vergleichbare Maßnahmen auch in Indien und Lateinamerika förderten, wo sie sich in Demokratien entwickelten.

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Stefan | Sa., 28. Februar 2026 - 14:30

Zitat:
"Unter der Führung von Khomeini entwickelte sich die dritte Spielart totalitärer Herrschaft: der Islamismus. Doch jetzt könnte er an sein Ende kommen."
Und dann darf das Volk der Perser frei wählen und wählt ... genau wie in Ägypten oder Tunesien den arabischen Frühling, der dann doch ein Winter ist. 😉 🤷

Armin Latell | Sa., 28. Februar 2026 - 15:30

Ich bin kein Experte, aber sollte es nicht islamische Diktatur heißen? Und warum hat der deutsche Bundespräsident vor noch nicht allzulanger Zeit diesem despotischen System zu 40 Jahren Mord und Totschlag, auch in meinem Namen, gratuliert?
Ein interessanter Artikel. Warum hat im deutschen Bundestag niemand auf Wahied Wahdat-Hagh gehört und die richtigen Konsequenzen gezogen? Wer hat da gerade "durchregiert" und war Bundeskanzler? Genau, ein gleichsam totalitäres Gewächs, eine Schwester im Geiste Khomeinis...

Jens Böhme | Sa., 28. Februar 2026 - 15:36

Diesen Befreiungsartikel kann man nur als infantil bezeichnen. Millionen von Iraner sind Islamisten, die keineswegs ihre Macht dem politischen Chaos übergeben. Dass das Ende des Islamismus nicht nahe ist, konnte man live im Zeitraffer in Afghanistan sehen.

Iran und Afghanistan sind nicht miteinander vergleichbar. Die gesellschaftlich und historischen Unterschiede sind gewaltig. Afghanistan war außerhalb Kabuls bis zum Einmarsch der Russen bestenfalls ein Zusammenschluss archaischer Stammesgesellschaften. Daher musste auch der Ansatz des Nationbuilding scheitern.
Das persische Volk blickt dagegen auf eine jahrtausendealte Hochkultur zurück. Im 4. Jhd. v.Chr. reichte das gut verwaltete Staatsgebiet vom Mittelmeer bis zum Indus. Diese Tradition ist unter gebildeten Iranern noch sehr lebendig.
Der Islam war im Iran keine Staatsreligion. Es gab religiöse Minderheiten, vor allem Juden, aber auch Christen, die im Artikel erwähnten Bahai und andere, die weitgehend unbehelligt ihren Glauben ausüben konnten. Man muss abwarten, wie das Ganze jetzt ausgehen wird.

"Alinejad: Zunächst einmal muss ich sagen, dass ein Regimewechsel kein ausländisches Komplott ist und auch nicht etwas, das uns von Präsident Trump oder Premierminister Netanjahu aufgezwungen wird. Viele Linke behaupten, dass dies ein Komplott sei, das den Iranern vom israelischen Premierminister und dem US-Präsidenten aufgedrängt werde. Das ist nicht der Fall. Das ist eine grosse Lüge. Nach der Islamischen Revolution gab es ab 2009 sechs grosse, bedeutende Aufstände im Iran. Und die Botschaft war sehr klar. Die Iraner wollen dieses Regime beenden.
Ich weiss, dass einige westliche Staats- und Regierungschefs in Europa sehr allergisch auf Regimewechsel reagieren. Aber wir, das iranische Volk, sind allergisch auf Diktatoren. Wir wollen Würde. Wir wollen eine normale Regierung."
«Die Uno ist ein schlechter Witz»
Die iranische Menschenrechtlerin Masih Alinejad erklärt, warum Verhandlungen mit den Mullahs naiv und gezielte Militäraktionen gegen die Führung die einzige Lösung sind..Weltwoch

Wir sind zwar alle der Prophetie nicht mächtig. Wer aber Afghanistan und Persien vergleicht und aus dem Scheitern einer (schlecht und naiv vorbereiteten) Intervention in Afghanistan eine nun quasi unausweichliche Blaupause für den Iran (in Historie und Aktalität) konstruieren zu können glaubt, der sollte - tut mir leid, wenn ich das so deutlich schreiben muss - etwas für seine Bildung tun.