Konflikt zwischen Iran und Amerika - Der Gau des Ayatollah

Die Regierung des Iran erlebt im Konflikt mit Amerika eine politische Katastrophe. Proteste auf den Straßen Teherans richten sich immer mehr gegen die Mullahs statt gegen die USA. Die Abkehr von der Obama-Strategie könnte sich für Donald Trump als richtig erweisen

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Bergung der Opfer des Flugzeug-Abschusses von Teheran / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Politiker und Regierungen kommen besonders dann unter Druck, wenn Ansage und Ergebnis in einem krassen Missverhältnis stehen. Das ist eine weltweit gültige Regel, auch in Kulturkreisen, in denen das Vollmundige noch mehr als hierzulande dazugehört

Was hatte das Regime in Teheran nach der streitbaren Tötung des ranghohen General Qasem Soleimani in Bagdad auf Anordnung des amerikanischen Präsidenten nicht alles behauptet. Der Nationale Sicherheitsrat des Iran trat zusammen und ließ wissen, es lägen 13 Optionen der Vergeltung auf dem Tisch und selbst die harmloseste davon würden Albträume der Amerikaner wahr werden lassen.

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Christa Wallau | So, 12. Januar 2020 - 17:45

Vielleicht ist jetzt - nach diesem Debakel - die iranische Führung eher bereit, mit Trump zu verhandeln, um einem neuen, für die USA günstigeren Abkommen als dem vorigen zuzustimmen und damit endlich den negativen Folgen des US-Embargos zu entkommen.
Dem iranischen Volk wäre es wirklich zu gönnen.

Angeschlagen wie die Regierung des Iran ist, kann sie sich momentan weniger Forderungen leisten als v o r der Ermordung ihres Milizenführers durch die USA.
Hoffentlich begreifen die Mullahs im Iran endlich, daß sie in erster Linie für das Wohl der Menschen in Ihrem Land da sind und nicht für eine bestimmte, spezifische Ausprägung des Islams.

gabriele bondzio | So, 12. Januar 2020 - 19:35

Genauso ist es. In dieser fundamental-islamischen Mission, angeführt von Chomeini, fortgesetzt von Chamenei. Sind die materiellen Güter des Schah und seiner Anhänger, so gut wie 1:1 in den Besitz der „Revolutionsführer“ übergegangen. Das Festhalten an streng-religiösen Details der Hardliner ist das berühmte Feigenblatt, denn im Kern wird nicht anders agiert als in vergleichbaren autoritären Systemen, wo es um Geld und Macht geht. Von liberaleren Werten keine Spur.
Da es im Iran im Iran keine organisierte Opposition gibt, Parteien verboten sind und unglaublichen Repressalien gegen Abweichler an der Tagesordnung sind.Hat man sich den Machterhalt 40 Jahre gesichert. Zu dem ja auch unser BP herzlich gratuliert hat.

Bernd Windisch | So, 12. Januar 2020 - 19:42

Die Blamage des Regimes lässt sich 1 zu 1 auf die deutschen Medien und die Protagonisten der deutschen Außenpolitik übertragen.

Wenn für unseren Phrasenpräsident der amerikanische Präsident ein "Hassprediger" ist, stellt sich nun die Frage welche Attribute unserer neutralen Staatsspitze für den feigen Mörder Ali Chamenei einfallen.

Michaela Diederichs | So, 12. Januar 2020 - 21:57

Der Iran ist nach m. M. seit 1979 ein terroristischer Schurkenstaat. Was haben Sie denn da gesehen? Das Land, in dem Milch und Honig fließen und Recht und Demokratie verteidigt werden? Manchmal finde ich Sie wirklich seltsam.

Christoph Kuhlmann | So, 12. Januar 2020 - 22:12

Es ist schon paradox, der Bruch des Völkerrechts durch die Liquidierung dessen Aufgabe der permanente Bruch des Völkerrechts durch die Leitung von Milizen und Terroristen war. Es wird soviel von einer Welt geredet, eine Welt verträgt nur einen Maßstab. Trump hat also beschlossen den ständigen Bruch des Völkerrechtes durch Anschläge, militärische und paramilitärische Maßnahmen nicht länger zu dulden und hat nicht, den internationalen Gerichtshof in Den Haag angerufen, sondern eigenmächtig einen der übelsten Schurken der Region ausgeschaltet. Kaum ist der Aggression des Iran mit Wirtschaftsboykott und maßvoller Gegenwehr begegnet worden, blamiert sich das Regime bis auf die Knochen und seine Schwäche wird offenbar. Es hat weder militärische Mittel um den USA glaubhaft drohen zu können, noch ist es in der Lage seine Wirtschaft ohne Handel mit dem Westen intakt zu halten. Wenn Trump erfolg hat, hat der Rest der westlichen Welt mit seiner Diplomatie eine blutige Diktatur unterstützt.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 13. Januar 2020 - 08:13

die anderen sagen so. Ob es Bruch des Völkerrechts war, Solaimani zu töten mag ich aus meiner Sicht nicht klar einzuordnen.
Fakt ist aber, das die Botschaft der USA angegriffen wurde und dieser General der logistische Strippenzieher war. Es kostete "nur" ein Leben, jetzt bei dem Flugzeugabschuss aber 176 Menschen. Bei der sog. iranischen Vergeltung gegen US-Basen kostete es "null" Leben. Mir wäre es lieber, kein Mensch würde sein Leben wegen religiöser Verblendung verlieren. Ist aber nur ein Traum. Die Wirklichkeit zeigt es nun anders. Es besteht die Hoffnung, dass das angebliche "ziellose" Handeln Trump's gar nicht so "hirnlos" war. Eine Veränderung im Iran können nur die Iraner selbst herbeiführen. Wenn sich Trump ausser verbaler Zustimmung sonst heraus hält und die Iraner selbst bestimmen läßt, ob sie so weiter leben wollen oder nicht, dann kann über kurz oder lang dort vielleicht so etwas wie "Freiheit" entstehen. Das geht aber nicht im Hauruckverfahren, das braucht Zeit.

Urban Will | Mo, 13. Januar 2020 - 09:43

mal wieder „scheren“ Sie aus aus der allgemeinen „Medienspur“. Respekt.

Fast schon undenkbar die Vorstellung, dass in einer deutschen Redaktion Trump einmal nicht als der „Universal – Trottel“ hingestellt wird, der alles falsch macht.

Und die landauf landab immer noch so propagierte „Allerheiligkeit“ Obamas geht mir langsam ziemlich auf die Nerven.

Ich fand auch Trumps Reaktion auf das „ziellose“ Geballere auf die Militärbasen sehr besonnen.

Fast sah es so aus, als hätte man eine Absprache getroffen: „Ok, Ihr wollt Rache, dann macht mal, aber passt auf, dass nichts passiert...“

Auf dieser Basis hätte man die Sache ins Ruhige laufen und für bessere Beziehungen sorgen können.

Und dann der Abschuss.
Die Reaktionen des iranischen Volkes hatte wohl niemand so auf dem Schirm.

Da kann man wirklich nur hoffen, das Sie bald mehr Anlass haben, Positives aus diesem Lande zu berichten.
Vielleicht über eine „neue Revolution“, dieses Mal mit besserem Ausgang.

Die letzten Tage haben zweierlei gezeigt.
(I) Dieses Mullah-Regime muß weg! Das ist eine Etappenziel auf dem Weg zu einem freien und friedlichen Iran. Die Frage ist jetzt, wie äußere und innere Kräfte, die diesem Ziel verpflichtet sind, intelligent und effizient zusammenarbeiten.
(II) Es muß um jeden Preis - auch den eines Krieges ! - verhindert werden, daß Mullahs, Mullah-Generäle und Revolutionswächter in den Besitz von Atom-Waffen kommen. Das ist die Lehre aus dem Flugzeug-Abschuss und dem Mord an 176 Menschen! Man stelle sich vor, was passiert, wenn Mullah-Militär und Pasderan in ihrer revolutionären Erregung über eine 'amerikanische Aggression' oder den 'Tod-Feind' Israel 'aus Versehen' den roten Knopf drucken ... .
Ich bin dafür, daß man auf dieses Szenario nicht wartet!

Die kurzsichtige und verantwortungslose Anti-Rußland-Politik des Westens fällt uns jetzt auf die Füße! Für einen ehrlichen Ausgleich mit Rußland! Rußland und die USA können das 'Mullah-Problem' GEMEINSAM lösen!

Stefan Bosel | Mo, 13. Januar 2020 - 10:51

Es ist schwer aus der Ferne und nur auf der Grundlage "unserer" Medien etwas zu dem Problem Iran zu sagen. Wir wissen, diese Medien widerspiegeln weder die Tatsachen, noch eine neutrale, haltungsfreie Lage. Was den General betrifft, so hat de Obercowboy aus der Hüfte geschossen. Die USA befinden sich mit dem Iran nicht in einem erklärten Krieg. Der Mord wurde auf dem Territorium eines Drittstaates, wenn auch eines defacto Verbündeten der USA, verübt. Zu Trumps "Strategie" sage ich: Er handelt fast ausschließlich aus innenpolitischen und wahltaktischen Gründen. Motto: Mein Demokraten-Vorgänger hat alles alles falsch gemacht. Das muss korrigiert werden... Der Iran ist eine religiös motivierte, islamische Mullah-Diktatur. Aus der Geschichte erklärt sich die Feindschaft zu den USA. Die USA haben außer Trumps Motivation nur ein Ziel - das iranische Öl. Aus der Geschichte durch Fakten belegbar. Europa? Unbrauchbar. Putin wartet ab. Krieg wird es nicht geben. Zu teuer. Unkalkulierbar...

Willy Ehrlich | Mo, 13. Januar 2020 - 13:04

Fließt in die mediale Berichterstattung jetzt Realität ein? Im Konflikt Iran - USA wurde in den inländischen Medien NIEMALS neutral berichtet - unabhängig davon, wie der amerikanische Präsident gerade hieß.
Im Sinne des kommunistischen Antiamerikanismus konnte auch schon vor 1979 nichts richtig sein, was die Amerikaner in Europa gemacht hatten. Schließlich gab es von vornherein in Europa nur "gute Waffen" (Ost) und "böse Waffen" (West). Das gleiche galt z. B. auch für Atomkraftwerke usw. Viele - insbesondere deutsche - Meinungsträger haben leider immer noch nicht gemerkt, dass sie in ihrer Meinungsbildung seit nunmehr bis zu 70 Jahren permanent manipuliert werden. Aktuelles Beispiel gefällig? Iran und iranische Revolution! Natürlich speisen die Revolutionsführer und ihre neue Elite in den goldenen Räumen des Schahs mit den goldenen Bestecken von den goldenen Tellern des Schahs. Aber darüber durfte natürlich nie berichtet werden. Wir brauchen noch viel "Aufklärung". Weiter so!

W.D. Hohe | Mo, 13. Januar 2020 - 19:17

dito Frau Bondzio
Zitat: "Zu dem ja auch unser BP herzlich gratuliert hat"
.... was für mich zugleich ein Beispiel europäischer Polit-Inkontinenz ist.
Wirtschaftlich, militärisch maßgebliches Natomitglied USA verhängen, "beschämender Weise" auch eigene Interesse wahrnehmend, Sanktionen gegen eine mörderische, weltweit gefährlich agierende Diktatur. Nato Partner und angebliches DE-Schwergewicht im Bauch des EU Dampfers gratuliert derselbigen. Betet den ethischen Rosenkranz runter. Trifft und philosophiert mit dem Nahost Hauptspieler und Kriegstreiber Putin über dessen phänomenale Krim-Brücke ins besetzte Land.
Jenseits die Liga der Uneigennützigen:
Putin, Chamenei, Assad, Erdogan + wirtschaftlicher Iran-China-Großverbund.
Diesseits die Ehrenwerten und ein paar moralische Perlen mehr auf dem Kranz

Inzwischen habe ich so eine Ahnung wie es zum 30jährigen, 1ten und 2ten Weltkrieg kommen konnte - zu wenig Perlen auf der Schnur.

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