INF-Abkommen - Der neue nukleare Winter

Heute endet das INF-Abkommen zur atomaren Abrüstung zwischen den USA und Russland. In vielerlei Hinsicht wird ein Krieg mit nuklearen Komponenten im 21. Jahrhundert wieder wahrscheinlicher, schreibt Rudolf Adam

Eine Illustration, die die Gesichter von Donald Trump und Vladimir Putin einander gegenübergestellt zeigt.
Donald Trump hat sich begeistert für ein Wettrüsten ausgesprochen und gegen das Abrüstungsabkommen/ Illustration: Simon Prades

Autoreninfo

Rudolf Adam war von 2001 bis 2004 Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes. Von 2004 bis 2008 leitete er als Präsident die Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Foto: Bundesakademie für Sicherheitspolitik

So erreichen Sie Rudolf Adam:

Es war eine Nachricht, die nicht nur viele Militärexperten fassungslos machte: Mitte Oktober vergangenen Jahres stellte die Regierung von Donald Trump in Aussicht, die USA würden sich vom Vertrag über das Verbot von Mittelstreckenraketen (Intermediate Nuclear Forces, INF) lossagen. Dieser Vertrag war 1987 von Ronald Reagan und dem damaligen Chef der KPdSU, Michail Gorbatschow, unterzeichnet worden und galt als Meilenstein der Entspannungspolitik. Er verbietet beiden Seiten landgestützte Trägersysteme mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern und ist zeitlich nicht befristet. Die Übereinkunft markierte das Aus für die in Europa stationierten sowjetischen SS-20- und die amerikanischen Per­shing-II-Raketen. Fast 3000 dieser Waffen wurden daraufhin zerstört; die Fabriken, die sie hergestellt hatten, unterlagen strengen Inspektionen. Im Grunde aber war der INF-Vertrag ein Abkommen über bilaterale regionale Rüstungsbeschränkung, denn nur in Europa konnten sich die Nato und Sowjetunion mit Mittelstreckenraketen gegenseitig bedrohen. Die übrige Welt blieb von diesem Verbot unberührt.

Die Ankündigung von Präsident Trump löste erwartungsgemäß deutliche Kritik in Europa aus: Ein Eckstein nuklearer Sicherheit breche weg, hieß es, es drohe ein neues Wettrüsten. Der Politologe Herfried Münkler hat immer wieder auf die Dimension neuer konventioneller Kriege verwiesen; eine neue Dimension zeichnet sich allerdings auch im nuklearen Bereich ab. Denn global gesehen gewinnen Mittelstreckenraketen an Bedeutung.

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Maria Fischer | Sa, 2. Februar 2019 - 08:56

Herzlichen Dank für Ihren sehr informativen Artikel. Wir müssen uns mit Sachverhalte befassen, so wie sie sind und nicht so wie man sie gerne hätte. Unsere politische Freiheit und territoriale Sicherheit haben wir der Nato zu verdanken. Wir haben uns diesem Bündnis verpflichtet und wir sollten die daraus resultierenden Aufgaben auch erfüllen.

Klaus Funke | Sa, 2. Februar 2019 - 09:22

Man kann diesem Artikel nicht kommentieren, wenn man eine neutrale, echte Position erwartet. Herr Adam ist lt. seiner Biografie ungeeignet für eine unvoreingenommener Darstellung des Problems. Schade, CICERO zeigt allmählich sein wahres Gesicht. Ich lehne diese Art von Kommentaren ab. Jede Art Parteilichkeit verträgt sich nicht mit dem ursprünglichen Auftrag von CICERO.

Was ist denn das wahre Gesicht des Ciceros für Sie? Zu staatstreu? Merkel-konform?

Im Gegensatz dazu finden viele (auch ehemalige) Leser den Cicero zu viel zu rechtslastig.

gabriele bondzio | Sa, 2. Februar 2019 - 09:51

Mittelstreckenraketen an Bedeutung."...da ich grundsätzlich gegen aller Arten von Waffen bin und auch einen Krieg nicht als Mittel der Auseinandersetzung betrachte. Finde ich diese Nachricht katastrophal.
Als ob nicht schon genug friedesnsbrechendes Potential, vor allem auf dem afrikanischen Kontinent vorhanden wäre.
Die militärische Bedeutung für die USA und Russland, siehe aktuell besonders im Konflikt mit Nordkorea, China u.a. dürfte darin liegen. Das die Raketenabwehrsysteme nicht nur im Land selbst Verwendung finden sondern auch für Käufer der teuren Systeme interessant sein dürften.
Es wäre jedoch im Interesse der Menschen weltweit, das dieser Vertrag erhalten und auf andere Staaten ausgedehnt wird.

Yvonne Walden | Sa, 2. Februar 2019 - 10:39

Einen solchen Kommentar kann eigentlich nur jemand verfassen, der geheimdienstlichem Denken verhaftet ist. Eigentlich hätte ein Aufschrei der Entrüstung durch die übrigen NATO-Staaten hallen müssen, denn ein solcher Rückschritt in der internationalen Abrüstungspolitik ist dramatisch. Bleibt zu hoffen, daß es nach und nach zu Protesten gegen eine erneute Stationierung atomarer Sprengköpfe in Deutschland und anderswo kommen wird. Und vor allem: Ein baldiges Ende der Präsidentschaft von Donald Trump ist längst überfällig, damit unsere Welt nicht noch extremer aus den Fugen gerät.

Bernd Schiebener | Sa, 2. Februar 2019 - 11:19

Putins Reaktion auf die USA . Aufkündigung aller Verträge bezüglich atomarer Bewaffnung, wird den Donald in der EU bald zum beliebtesten US Präsidenten machen. Die "Schutzsuchenden" in Gestalt von EU Politikern werden vor dem weißen Haus Schlange stehen. Auch Merkel und Maas werde sich einreihen, falls eine flugfähige Maschine irgendwo auf zutreiben ist, notfalls geht es halt auch ab Portugal per Linie oder Frachter.

Birgit Anders | Sa, 2. Februar 2019 - 11:48

Gestern noch den schrecklichen Weltkriegen gedacht und heute eine weitere Eskalation des kalten Krieges eingeläutet. Ist das Schizophrenie oder werden wir für dumm verkauft?

Fritz Gessler | Sa, 2. Februar 2019 - 14:08

beim krieg gegen russland sind sich alle NATO'partner' einig.
wobei die raketenstellungen im baltikum, in polen und im kaukasus bereits unter peace-nobel obama installiert wurden.
deutsche patrioten, ach, was! europäer mit gesundem menschenverstand! müssten gegen jegliche atomare bewaffnung in europa sein! denn auch nach nur einem kurzen atomaren geplänkel wird es von/in (mittel)europa nichts bewohnbares mehr geben.

Susanne antalic | Sa, 2. Februar 2019 - 14:59

So sehe ich das auch, aber in DEutschland wird wieder Angst gemacht mit nuklearem Krieg, passt, erst auf Trump und Putin Fäkalien auschütteln und jetzt mit vollen Hosen da stehen und Angst verbreiten, aber der Iran würde sicher helfen.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 2. Februar 2019 - 16:51

Ich stehe dem ganzen sehr skeptisch gegenüber. Schon immer war und ist die Erkenntnis, dass wenn es zwischen den USA und Russland zu einer militärischen Auseinandersetzung kommt, Europa das Schlachtfeld eines Krieges sein wird. Das Abkommen hat beide Seiten nicht daran gehindert, fleißig entsprechende Waffen weiter zu bauen und anderen Ortes einzusetzen bzw. zur Nutzung zu verkaufen. Auch da stehen und standen sich beide Nationen in nichts nach. Sie betrieben schon immer in anderen Regionen Stellvertreterkriege. Ich halte das alles für Säbelgerassel. Ein künftiger Krieg wird sich hauptsächlich im Cybernet und damit verknüpft durch Manipulationen der gegnerischen Computersysteme und damit in der Beeinflussung der virtuellen Märkte abspielen. Das macht die Drohgebärden der Protagonisten kein bischen besser. Insbesondere Deutschland könnte sich überhaupt nicht zu wehr setzen. Es funktioniert kaum noch etwas und das wenige was geht ist alt, es fehlt an Soldaten und und und. Irrtum möglich

Gerhard Lenz | Sa, 2. Februar 2019 - 17:10

Sicherlich hatte Donald Trump bei Antritt seiner Präsidentschaft eine andere Art von Beziehung zu Putin im Sinn. Haben die beiden Autokraten doch mit der EU und China gemeinsame Konkurrenten, wenn nicht Feinde. Dass es jetzt soweit gekommen ist, hat sicherlich mindestens zwei Gründe. Zum einen stand Trump von Anfang an unter dem Verdacht, zumindest teilweise Präsident von Putins Gnaden zu sein - die Rolle Russlands im letzten Präsidentschaftswahlkampf der US is ja bis heute ungeklärt und wird nach wie vor untersucht. Dem galt es zu widersprechen.
Zum anderen "regiert" Trump die USA wie ein Geschäftsmann: Gut ist, was Kohle und Kunden (Stimmen) sichert. Letzteres wird deutlich durch seine gegen Flüchtlinge im Allgemeinen und muslimische Flüchtlinge im Besonderen benutzte Rhetorik; andererseits brüstet er sich, ausgerechnet mit Saudi-Arabien den grössten Waffendeal in der US-Geschichte abgeschlossen zu haben. Moral, Ethik? Fehlanzeige. Trumps Werte? Gier und Machtbessenheit.

Kostas Aslanidis | So, 3. Februar 2019 - 07:56

die auch ihre Meinung zum Thema kundtun, um die andere Ansicht zu erfahren? Diese Einheitsmeinung lesen wir seit Jahren und wahrer wird sie nicht. Wegen der Journalistischen Sorgfalt und so. Dürfen Andersdenkende nicht mehr zu Wort kommen?

Romuald Veselic | So, 3. Februar 2019 - 07:56

Aufrüstung in Jahreszeiten zu definieren wäre.
Die bipolare Welt, die bis Anno 1991 existierte, ist Geschichte. Die Kräfte Verhältnisse verändern sich. Wenn Pakistan oder der Iran materiell soweit sind, dass sie nukleare Kriegstechnik besitzen, dann ist die alte Vereinbarung aus dem Jahr 1987 zur Makulatur geworden.
Und warum die USA als 1. den Vertrag aussetzten, sollte die geringste Sorge v. Heiko Maas & Co. sein. Ebenso die Behauptung, dass Dt. der wichtigste Militärpartner der USA sind, ist Wünschdenken/Selbsttäuschung. Wer solche militärischen Verbündete hat, wie Deutschland, braucht keine Feinde mehr. Der brauchbarste US-Verbündete auf dem EU-Kontinent, ist Polen geworden. Die Briten, waren es immer.

Yvonne Walden | So, 3. Februar 2019 - 10:15

Weltweite Abrüstung, nein danke!
Eine solche kann und darf es niemals geben, ansonsten würde der Militärisch-industrielle Komplex implodieren, mit unabsehbaren Folgen für diejenigen, die auf diesem Gebiet Milliardengeschäfte machen.
Es gab zumindest zaghafte Bestrebungen, nach dem Ende des Warschauer Paktes auch die Russische Föderation in die NATO-Strukturen zu integrieren, Schritt für Schritt. Die NATO-Vormacht USA hat diese Bestrebungen unterbunden und boykottiert.
Die Russische Föderation wurde stattdessen von NATO-Stationen "eingekreist", obwohl es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion anderslautende Versprechungen gegeben hat. Jetzt zieht die Russische Föderation daraus endlich die notwendigen Konsequenzen, und schon haben die USA obsiegt. Sie dürfen endlich ihre Raketenrüstungsproduktion wieder anfahren und optimieren. Dabei liegen die Rüstungsaufwändungen in Russland bei einem Zehntel derjenigen der USA, hinzu kommen die übrigen NATO-Länder. Alles Lug und Trug? Offensichtlich

Werner Peters | So, 3. Februar 2019 - 11:59

Geht's noch ? Zwei "Experten" von CDU und SPD haben in der FAZ einen ganz tollen Vorschlag gemacht: Die Russen sollen an ihrer Westgrenze ihre Anlagen abmontieren und weiter östlich wieder aufbauen, die USA können dagegen ihre Anlagen an der europäischen Ostgrenze, also quasi direkt vor Putins Haustür, stehen lassen, sollen den Russen aber ab und zu Kontrollen ermöglichen. Grandios. Geht Putin sicher sofort darauf ein. Von Parität haben die beiden Schlauköpfe wohl noch nie was gehört.

Alfred Simon | So, 3. Februar 2019 - 15:56

Ohne gültigem INF-Vertrag ?

Amerika versus Rußland
Amerika, England, Frankreich, Israel
versus
Rußland, China, Nordkorea
Zusätzliche "Player": Pakistan, Indien, evt.Iran

Wer kontrolliert eigentlich wen?

Dazwischen Europa als naiver Zuschauer und von
Deutschland ganz zu schweigen.
Was nützt der INF als bilateraler Vertrag, wenn die
Welt aus den Fugen gerät?