Haitianer vor zusammengestürztem Haus
Menschen gehen an einem durch das Erdbeben zerstörten Haus in Les Cayes, Haiti, vorbei / dpa

Humanitäre Krise nach Erdbeben auf Haiti - Wenn eine Natur- auf eine politische Katastrophe trifft

Mehr als 1.400 Menschen sind auf Haiti in Folge eines Erdbebens gestorben. Ein Tropensturm droht nun, die Lage zu verschärfen. Bereits vor dem schweren Erdbeben steckte das Land in einer tiefen Krise aus Armut, Gewalt und Korruption. Tausende Haitianer sind in den vergangenen Jahren geflohen.

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Bei einem verheerenden Erdbeben in Haiti sind mindestens 1.400 Menschen getötet und rund 6.900 verletzt worden. Darüber hinaus wurden zahlreiche Gebäude zerstört. Rettungskräfte und Bürger bargen in den Stunden nach dem Unglück viele Menschen aus den Trümmern. Das jüngste Beben, dessen Stärke die US-Behörde USGS mit 7,2 angab, ereignete sich am Samstagmorgen gegen 8.30 Uhr nahe der Gemeinde Saint-Louis-du-Sud in einer Tiefe von rund zehn Kilometern. Während des Wochenendes erschütterten mehreren Nachbeben das Land, die nach USGS-Angaben Stärken bis 5,8 erreichten. Es muss mit zahlreichen Toten und Verletzten sowie starken Schäden an Gebäuden und Infrastruktur gerechnet werden. Es kommt weiterhin zu starken Nachbeben, warnte das Auswärtige Amt.

Anhaltende Gewalt in Haiti durch Bandenkriminalität

In der Vergangenheit hatte bereits die eskalierende Bandengewalt in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince Tausende Menschen in die Flucht getrieben. Es habe zahlreiche Tote und Verletzte gegeben, insbesondere seit dem 1. Juni, teilte die UN-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) mit. Hunderte Wohnhäuser und kleine Geschäfte seien in Brand geraten, Hintergrund seien demnach Kämpfe zwischen Banden um Kontrolle über Stadtgebiete. Zudem sei die Polizei nicht in der Lage, für Sicherheit und Schutz zu sorgen.

Nach Angaben der Ocha ist etwa ein Drittel des Gebietes von Port-au-Prince derzeit von Gewalt betroffen, die von geschätzt 95 bewaffneten Banden ausgehe. Seit Anfang Juni seien die Kämpfe um die Kontrolle über einzelne Stadtgebiete eskaliert. In Gesundheitszentren der betroffenen Gegenden könne kaum gearbeitet werden – in einer Zeit, da Haitis ohnehin überstrapaziertes Gesundheitssystem unter einer Zunahme der Coronavirus-Fälle leidet.

Attentat auf Präsident Moïse

Bereits vor dem schweren Erdbeben steckte Haiti in einer tiefen Krise aus Armut, Gewalt und Korruption – es gab nicht einmal mehr ein Parlament. Am 7. Juli wurde Staatspräsident Moïse nachts in seinem Haus ermordet. Unbekannte waren in die Residenz in einem Vorort der Hauptstadt Port-au-Prince eingedrungen und hatten ihn erschossen. Nach Angaben der Nationalpolizei des Karibikstaats wurden vier mutmaßliche Täter getötet und zwei weitere festgenommen, der Mord gehe auf das Konto einer schwer bewaffneten Söldnertruppe aus dem Ausland. Insgesamt bestand das Mordkommando, nach Angaben der Polizei, aus insgesamt 28 schwer bewaffneten Männern. Es kam zu mehreren Festnahmen.

Wahl eines Übergangs-Präsidenten

Der Mordanschlag auf den haitianischen Präsidenten hatte ein Machtvakuum entstehen lassen. Zwei Männer erklärten sich am Tag nach dem Attentat zum Interims-Regierungschef. Der Senat ist bis heute nicht beschlussfähig, wählte aber seinen bisherigen Präsidenten Joseph Lambert zum Übergangs-Nachfolger des ermordeten Staatspräsidenten Moïse.

Interims-Premierminister und damit Regierungschef sollte der Neurochirurg Ariel Henry werden, welchen Moïse vor seinem Tod noch für dieses Amt ernannt hatte. Henrys geplante Vereidigung war nach dem Attentat allerdings ausgefallen. Stattdessen erklärte sich Außenminister und bisheriger Interims-Premierminister Claude Joseph zum amtierenden Interims-Regierungschef.

Mutmaßlicher Auftraggeber festgenommen

Ein haitianischer Arzt aus Florida soll den Mord an Haitis Präsident Moïse durch Söldner in Auftrag gegeben haben. Die Polizei nahm den 63-Jährigen fest, welcher am 11. Juli in einem Privatflugzeug nach Haiti gekommen sei. Er habe die kolumbianischen Söldner angeheuert, um die Präsidentschaft an sich zu reißen.

Humanitäre Notlage

Die instabile politische Situation und die anhaltende Bandengewalt zwingen die Menschen des Landes nach wie vor zur Flucht. Humanitäre Hilfe, Essen und Trinkwasser werden dringen gebraucht. Es komme zu Gewalt und Straßenblockaden.

Die Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) schickte nach dem jüngsten Beben ein Expertenteam in das zerstörte Land. Such- und Rettungsarbeiten des Internationalen Roten Kreuzes konzentrierten sich auf die Gegend um die besonders vom Erdbeben betroffenen Städte Jérémie und Les Cayes. Die Organisation sandte Notfallspezialisten, welche angaben, dass Hilfsgüter für mindestens 4.500 Menschen bereitstünden. Darüber hinaus würden in Panama und der Karibik Notfallgüter bereitgehalten.

dpa / Cicero

Enka Hein | Di, 17. August 2021 - 18:10

...und die Auswüchse wird man in einer Generation hier gleichfalls haben.
Banden und Clans hat man hier auch nicht mehr im Griff.

starten ... aber nein, gibt ja schon sowas in der Richtung: PEGIDA ;) Auch da kann man die Einseitigkeit der meisten Medien erkennen: Während man bei der "Fridays" jubelt, verteufelt man die "Mondays" ... da hat der Song "I don't like Mondays" ja ne ganz andere Bedeutung ;)

Brigitte Simon | Mi, 18. August 2021 - 02:48

Für das Überleben für die dahinkrepierenden Menschen wurden Milliarden Euros/Dollars
gespendet. gesammelt. Wo blieben sie? In
welchem Goldsäckel verschwunden?

Bill Clinton wollte Alles arrangieren, helfen.
Unbürokratisch, Geld verieteilen an die wahren Geschädigten...usw.

Nichts geschah. Bevölkerung lebt auf der Straße,
im Schlamm.
Wo blieb ihre Hilfe Bill Clinton? Wo suchen sie nach Bares?
Warum fällt mir in diesem Zusammenhang unser
Deutschland ein? Jüngstes Hochwasser?

Gerhard Lenz | Mi, 18. August 2021 - 09:49

nur AfD (oder NPD, der 3.Weg, die Rechte usw) können uns retten!

Mal wieder so ein Versuch, Deutschland "schlechtzuschreiben". Fast schon übliche Rhetorik in diesem Forum, die immer aus der gleichen Ecke kommt.

... ich kenne jemanden, der gegenüber sitzt, argwöhnisch die Nachbarecken beäugt und die gegenüberliegende keines Blickes würdigt, aber dauernd mit "Papierkügelchen", die er vorher bekritzelt hat, bewirft!
Alles gute Zureden ignorierend wartet er auf ein Wunder, dass die vierte Ecke plötzlich verschwindet, weil man es ihm so versprochen hat. Ende der Märchenstunde.

Karla Vetter | Mi, 18. August 2021 - 19:28

Ich erinnere mich noch genau an 2010. Als ehrenamtliche Unicef-Mitarbeiterin organsierte ich Spendenaktionen für Haiti. Es wurde unheimlich viel gespendet. Mit Erstaunen sah man dann Jahr für Jahr Berichte über die furchtbare Situation der dortigen Bevölkerung. Ich kann mich noch gut erinnern wie Deutschland 1955, also 10 Jahre nach seiner völligen Zerstörung aussah. Leider schien der zerstörte Zustand ihres Landes die haitianische Bevölkerung nicht so sehr zu beunruhigen. Wahrscheinlich war eh schon klar, dass bei ihnen vom Geldsegen nichts ankommen wird. Eine bittere Lebenserfahrung. Hoffentlich wiederholt sich das nicht diesmal beim Wiederaufbau. Korruption frisst alles auf.