- „Historisch“ und „monumental“
Mitte Mai wird das wegen des Iran-Kriegs verschobene Treffen zwischen dem chinesischen und dem amerikanischen Präsidenten nachgeholt. Viele heikle Themen stehen auf der Tagesordnung. Dennoch gibt es Hinweise auf eine Annäherung.
Das Weiße Haus hat kürzlich den 14. Mai als den lang erwarteten Termin für das nächste Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping in Peking bestätigt. Der Iran-Konflikt hatte das Treffen verzögert, doch die Tatsache, dass beide Seiten rasch einen neuen Termin vereinbart haben und die bevorstehenden Gespräche bereits als „historisch“ und „monumental“ bezeichnen, unterstreicht die strategische Bedeutung einer Stabilisierung der bilateralen Beziehungen. Wenn überhaupt, dann bestärkt der Konflikt im Nahen Osten die Vorstellung, dass die Beziehungen zwischen den USA und China für die globale Ordnung von entscheidender Bedeutung sind.
Dies spiegelt sich auch in der Häufigkeit diplomatischer Besuche im Zusammenhang mit der Handelspolitik wider. Mehrere Gesprächsrunden, darunter hochrangige Treffen zwischen dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao und dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer am Rande der Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Kamerun sowie Treffen mit Vertretern der US-Wirtschaft in Peking, zeugen von intensiven Bemühungen, den Dialog aufrechtzuerhalten und das Konfliktpotenzial zu verringern. Tatsächlich erklärte Greer im Anschluss an die WTO-Gespräche ausdrücklich, er gehe davon aus, dass es im kommenden Jahr zu einer Stabilisierung der Beziehungen zu China kommen werde. Beide Seiten haben die Notwendigkeit „stabiler, gesunder und nachhaltiger“ Wirtschaftsbeziehungen betont, gleichzeitig aber auch anhaltende Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf Zölle, Industrievorschriften und Regulierungsmaßnahmen eingeräumt. Die Gespräche sind nicht nur rein verfahrenstechnischer Natur; sie sind klare Signale dafür, dass beide Länder zum Dialog bereit sind. Das Engagement der US-Wirtschaft, die China weiterhin als „unersetzbaren strategischen Markt“ betrachtet, ist ein weiterer Punkt, der für eine Zusammenarbeit spricht.
Eine neue diplomatische Phase
China wird diese neue diplomatische Phase auf einer etwas solideren wirtschaftlichen Grundlage beginnen. Erste Daten aus dem Jahr 2026 zeigen einen Aufschwung bei Schlüsselindikatoren wie dem Wachstum der Industrieproduktion (6,3 Prozent) sowie eine Erholung bei den Einzelhandelsumsätzen und den Investitionen in Sachanlagen. Auch die Infrastrukturausgaben und die Investitionen im verarbeitenden Gewerbe sind gestiegen, was darauf hindeutet, dass Peking einen Teil der 2025 verlorenen Dynamik wiedergewonnen hat. Unterdessen diversifiziert China weiterhin seine wirtschaftlichen Partnerschaften, insbesondere mit Europa und der Vereinigung südostasiatischer Staaten (ASEAN), wo es nach wie vor eine zentrale Rolle in den regionalen Wertschöpfungsketten spielt.
Dennoch beseitigt Diversifizierung nicht Chinas strukturelle Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten. Der US-Markt bleibt für chinesische Exporte von entscheidender Bedeutung, ebenso wie amerikanische Unternehmen stark auf chinesische Fertigung und Lieferketten angewiesen sind. Ihre gegenseitige Abhängigkeit erklärt, warum beide Seiten letztlich ein Abkommen brauchen: China, um Wachstum und Auslandsnachfrage trotz struktureller Probleme (Immobilien und Verschuldung) aufrechtzuerhalten, und die Vereinigten Staaten, um Handelsstabilität zu gewährleisten, den technologischen Wettbewerb zu steuern, Sicherheitsbedenken anzugehen und Schocks für das globale Finanzsystem zu verhindern. Ohne Abstimmung steigt das Risiko von Inflationsdruck und Marktinstabilität erheblich.
Bislang scheint Pekings strategische Haltung relativ gelassen zu sein, was zum Teil auf seine besonnene Herangehensweise an den Iran-Konflikt zurückzuführen ist. China hat eine direkte Verstrickung weitgehend vermieden und profitiert gleichzeitig von strukturellen Vorteilen wie großen strategischen Ölreserven, diversifizierten Energieversorgungswegen und starken, stabilen Beziehungen zu wichtigen Lieferanten in Russland und im Iran. Chinesische Entscheidungsträger scheinen zudem davon überzeugt zu sein, dass ein langwieriger Konflikt die USA schwächen könnte, indem er Ressourcen bindet, die militärische Aufmerksamkeit ablenkt und das weltweite Vertrauen in Washingtons Führungsrolle untergräbt. Pekings übergeordnete strategische Logik lautet: Wenn sich die USA stärker auf den Nahen Osten konzentrieren, gewinnt China mehr Flexibilität und Freiheit im indopazifischen Raum. Tatsächlich haben Energieengpässe Peking bereits Möglichkeiten eröffnet, die Beziehungen zu Ländern wie den Philippinen und Taiwan zu vertiefen, die beide besonders sensibel auf Fragen der Energiesicherheit reagieren.
Aktive Rolle Pekings, falls Iran-Krieg nicht endet
Insbesondere befürchten einige in China, dass seine Abwesenheit im Iran-Konflikt andere Probleme hervorrufen könnte. Die pakistanische Regierung beispielsweise arbeitet seit Beginn des Iran-Kriegs eng mit den USA zusammen, und die Tatsache, dass Pakistan und China gemeinsam einen Waffenstillstand gefordert haben und dass der pakistanische Außenminister nach Abschluss seiner Reise durch die Türkei, Saudi-Arabien und Ägypten nach Peking reisen wird, deutet darauf hin, dass China trotz seiner allgemeinen Zurückhaltung sehr daran interessiert ist, sich an den Friedensbemühungen zu beteiligen. Langfristig könnte der Konflikt den Öltransport durch die Straße von Hormus beeinträchtigen, sodass eine aktivere Rolle unvermeidlich sein könnte, sollte der Krieg nicht bald enden.
Chinas strategische Überlegungen zeigen sich besonders deutlich auf den Philippinen. Bei den jüngsten hochrangigen Gesprächen zwischen Peking und Manila wurde die Zusammenarbeit in den Bereichen Öl, Gas und der Wirtschaft im weiteren Sinne ausgelotet, obwohl die maritimen Streitigkeiten im Südchinesischen Meer weiterhin bestehen. Diese Gespräche, die zum Teil durch die Energieversorgungsunsicherheiten der Philippinen angesichts des Nahostkonflikts motiviert sind, signalisieren eine pragmatische Hinwendung zum Dialog. Für China sind verbesserte Beziehungen zu Manila, einem wichtigen Verbündeten der USA, sowohl ein diplomatischer Gewinn als auch ein strategisches Signal an Washington im Vorfeld des Gipfeltreffens. Die Wiederaufnahme des Dialogs und vertrauensbildende Maßnahmen deuten darauf hin, dass Peking seinen regionalen Einfluss erfolgreich ausbaut, ohne seine selbstbewusste Haltung aufzugeben.
Taiwan bleibt jedoch das heikelste und strategisch bedeutendste Thema auf der Tagesordnung des Gipfeltreffens. Im Vorfeld des Treffens haben China und die USA ihre Bemühungen verstärkt, die politische und sicherheitspolitische Entwicklung der Insel zu beeinflussen. Pekings Einladung an die Vorsitzende der Kuomintang, Cheng Li-wun, im April mehrere Städte auf dem Festland zu besuchen, ist ein Versuch, die Beziehungen über die Taiwanstraße hinweg zu stärken und mit politischen Akteuren in Kontakt zu treten, die seiner Vision einer friedlichen Wiedervereinigung aufgeschlossener gegenüberstehen. Gleichzeitig besucht eine parteiübergreifende Gruppe von US-Senatoren Taiwan, um die Verteidigungszusammenarbeit zu stärken und auf die Verabschiedung eines umfangreichen Verteidigungshaushalts zu drängen, während Washington weiterhin ein potenzielles Rüstungspaket im Wert von 14 Milliarden US-Dollar vorantreibt.
Chinesische Invasion Taiwans eher unwahrscheinlich
Diese parallelen Schritte zeugen von einem umfassenderen Wettstreit um Einfluss auf Taiwan, wobei jede Seite im Vorfeld der Verhandlungen nach Hebelwirkung sucht. Obwohl jüngste Einschätzungen der US-Geheimdienste darauf hindeuten, dass eine chinesische Invasion in naher Zukunft unwahrscheinlich ist, bleibt die Insel ein Brennpunkt strategischer Rivalität, an dem militärische, politische und wirtschaftliche Dimensionen zusammenlaufen. Taiwan wird daher sicherlich auf der Tagesordnung des Gipfeltreffens zwischen Trump und Xi stehen.
Ein weiteres wichtiges Thema, das voraussichtlich im Vordergrund stehen wird, ist Nordkorea. Jüngste Entwicklungen, wie die Wiederaufnahme direkter Flug- und Bahnverbindungen zwischen China und Nordkorea, deuten auf erneute Bemühungen Pekings hin, seinen Einfluss auf das isolierte und unberechenbare Land zu verstärken. Während Nordkorea sich nach Jahren der durch die Pandemie bedingten Isolation vorsichtig wieder öffnet, bekräftigt China seine Rolle als Nordkoreas wichtigster Wirtschaftspartner und diplomatischer Gesprächspartner. Washington hat die Möglichkeit – und die Pflicht –, Peking in die Frage der nuklearen Proliferation einzubeziehen. Die USA werden wahrscheinlich Garantien dafür verlangen, dass China seinen Einfluss nutzt, um die nuklearen Ambitionen des Nordens einzudämmen, während Peking seinen Einfluss auf Pjöngjang möglicherweise als Verhandlungsmasse in umfassenderen Verhandlungen betrachtet.
Doch trotz aller positiven Entwicklungen im Vorfeld des Gipfeltreffens sind die Beziehungen zwischen den USA und China nach wie vor fragil. Die wirtschaftlichen Spannungen halten an, wie Chinas Untersuchungen zu Handelsverstößen im Zusammenhang mit bestimmten US-Maßnahmen zeigen. Ebenso unterstreichen die anhaltenden Auseinandersetzungen mit den Philippinen im Südchinesischen Meer die Gefahr einer Eskalation regionaler Konflikte. Im Inland verschärft Peking die politische Kontrolle durch neue, strengere Vorschriften des Politbüros, die Loyalität, Disziplin und die Ausrichtung an zentralen Richtlinien betonen. Diese Maßnahmen sollen vor dem nächsten Parteitag für Stabilität und politische Kohärenz sorgen, spiegeln aber auch Bedenken hinsichtlich der Stärke und der nationalen Unterstützung der politischen Führung, der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit und der sozialen Stabilität wider. Alle verfügbaren Anzeichen deuten darauf hin, dass China sich sowohl auf Zusammenarbeit als auch auf Wettbewerb vorbereitet.
Sorgfältig gesteuertes Gleichgewicht
Jedes dieser Themen – Taiwan, Handel, Iran oder das Südchinesische Meer – könnte die Gespräche zum Scheitern bringen. Derzeit deutet jedoch alles auf eine Fortsetzung des Dialogs hin. Mit Blick auf die Zukunft ist ein sorgfältig gesteuertes Gleichgewicht das wahrscheinlichste Ergebnis: Es wird erwartet, dass beide Seiten der Deeskalation und begrenzten, gezielten Vereinbarungen Vorrang vor großen Durchbrüchen einräumen werden. Letztendlich wird das Ergebnis des Treffens zwischen Trump und Xi von der relativen Stärke der Verhandlungsposition jeder Seite abhängen, die zum Teil mit der Entwicklung des Iran-Konflikts, anderen globalen Entwicklungen sowie dem jeweiligen innenpolitischen und wirtschaftlichen Umfeld zusammenhängt. Auch wenn eine umfassende Lösung der Kernstreitigkeiten weiterhin unwahrscheinlich ist, dürfte der Gipfel schrittweise Fortschritte und klarere Leitlinien für den Wettbewerb hervorbringen.

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Das Bild über dem Artikel sieht irgendwie falsch aus. Als wäre es von KI erzeugt worden. Es ist die Hand, die da so halb herausgehoben wird, die mich stört. Ist es die Hand von Xi? Aber vielleicht bin ich auch nur übersensibel geworden...
China und XI hätten sicherlich die Macht, den vom Cäsarenwahn befallenen US-Präsidenten das Stoppzeichen hinzuhalten. Warum tut man es nicht? Es sind landesspezifische Egoismen. China wartet ab. Man sagt sich, der läuft sich schon von alleine noch zu Tode, dieser Trump. Und Xi hat ja alle Zeit dieser Welt. Niemand kann ihm gefährlich werden. Irgendwann wird den Festlandchinesen die böse Insel Taiwan wie ein reifer Apfel in den Schoß fallen. Solange wartet man ab. Öl und Gas kriegen sie von Russland zu günstigen Preisen. Und Trump!? Der ist die längste Zeit Amerikas Präsident gewesen. Der wird uns vielleicht sogar noch Taiwan schenken. Wir warten ab. Europa und die Deutschen erst recht, die lassen wir schmoren. Wir sitzen am längeren Hebel, ob es nun die Chips oder die Seltenen Erden oder die Autos sind. Ja, man nennt uns zu Recht das Land des Lächelns. Konfuzius sagt: "Erhaben war die Art, wie Schun und Yü den Erdkreis beherrschten, ohne dass sie etwas dazu taten!"
