Michael Rohschürmann
Der Islamwissenschaftler und ehemalige Entwicklungshelfer Michael Rohschürmann, fotografiert bei ihm zu Hause in Gummersbach / Foto: Marcus Simaitis

Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit - „Wir füttern damit unsere eigene Hybris“

Nach mehr als zehn Jahren bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Afghanistan und im Irak zieht Michael Rohschürmann eine ernüchternde Bilanz. Im Gespräch erklärt er, warum er die Organisation schließlich verlassen hat.

Ulrich Thiele

Autoreninfo

Ulrich Thiele ist Investigativjournalist bei Cicero und Autor des Bestsellers „Nord Stream. Wie Deutschland Putins Krieg bezahlt“. Zuletzt erschien von ihm „Die Sprengung“ über die Nord-Stream-Sabotage (mehr Infos unter www.nord-stream-sprengung.de). Threema-ID: 82PEBDW9

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Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Sitz in Bonn und Eschborn bei Frankfurt ist ein bundeseigenes Unternehmen und einer der wichtigsten Umsetzer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Im Auftrag der Bundesregierung organisiert sie weltweit Projekte in Bereichen wie Bildung, Wirtschaft, Klima, Gesundheit und Verwaltung. Sie hat ein Geschäftsvolumen von jährlich vier Milliarden Euro – finanziert aus Steuergeldern.

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Ingbert Jüdt | Di., 30. Juni 2026 - 08:43

Das ist ja fast so schlimm wie ein Putinversteher oder, Gott bewahre, ein Höckeversteher wie dieser Youtuber, der so heißt wie Bernd das Brot! Dabei weiß doch jeder, dass Verstehen dazu führt, Realität in die Wahrnehmung zu lassen, und davon läuft nicht nur die schöne blankpolierte Weltanschauung an wie ungeputztes Silber, sondern auch der ordnungsgemäße Gang bürokratischer Weisungen von oben nach unten wird durch Sachkompetenz gefährdet!

Spaß und verzweifelter Sarkasmus beiseite: was Herr Rohschürmann da schildert, ist eine Miniatur der realitätsfremden Werteprojektion unseres und anderer westlicher Länder, deren Hauptfunktion in narzisstischem virtue signaling und in einer ideologischen Deckerzählung für eine wenn nicht neokolonialistisch ausbeuterische, dann zumindest nicht hilfreiche Handelspolitik besteht.

Diese Bürokratenlogik operiert immer noch wie ein völlig veraltetes Wasserfallmodell in der IT-Branche. Nur, dass die Behörde zwar bankrott sein, aber nicht pleite gehen kann!

Jens Böhme | Di., 30. Juni 2026 - 09:34

Lachen musste ich bei der Stelle, wo deutsche Entwicklungshelfer den Moslems in Afghanistan erklärten, wie man Islam und Koran deuten müsse. Grundsätzlich ist deutsche Entwicklungshilfeindustrie ein Anarchronismus, sieht man den Zerfall von Wirtschaft und freier Gesellschaft im eigenen Land.

Dank uns wissen aber die von uns geschulten Mullahs jetzt nicht nur WAS im Koran zur Rolle der Frau steht, sondern auch WIE (es im Sinne unseres Selbstbestimmungsgesetzes?) zu interpretieren ist. Oder gibt es zum (zukünftigen afghanischen) Selbstbestimmungsgesetz noch eine Extra-Schulung..., die eigentlich am 15. September starten sollte... (2021)? 🤔 /Ironie und Sarkasmus

PS: Scholl-Latour hat die Entwicklung des Afghanistan-Einsatzes im westlichen von Anfang an so vorhergesagt wie dann gekommen ust, einschließlich der Unmöglichkeit diese Gesellschaft(en) nach westlichen Maßstäben umzubauen bzw. zu demokratisieren... Dafür wurde et mehrfach in ÖRR Diskussionsrunden von politischer Seite massivst 'abgewatscht', bis zu dem Vorwurf er hätte ja 'garkeine Ahnung, was die Menschen vor Ort wirklich wöllten'... ... - nämlich DEMOKRATIE! (westliche) Ab einem gewissen Punkt hat man/ÖRR Scholl-Latour einfach nicht mehr eingeladen... ... ... 🤔 -- 'Problem' gelöst! >> Vogel-Strauss Taktik...

Markus Michaelis | Di., 30. Juni 2026 - 13:04

Deutschland geht es nicht mehr so gut. Ich stelle mir jetzt vor, wie erfolgreiche islamische Länder bei uns Hilfsprogramme starten (in Ansätzen passiert das ja auch längst). Es werden dabei Führungsvertreter unserer Institutionen, Kirchen, NGOs etc. in einem "modernen" (was modern ist, ändert sich mit den Zeiten, Moden, Regionen) Gesellschafts-, Menschen-, Familien- und Frauenbild geschult. Die Ausbilderposten sind gut bezahlt, für die Teilnahme gibt es Anreize. Klar würden solche Programme laufen. Ob sie einen tieferen Sinn ergeben, ob das die Menschen wirklich erreichen wird? So sicher scheint mir das nicht. Aber vielleicht ja: vielleicht wäre es ein Weg zu einer universellen Gesellschaft und Menschlichkeit, zB auf Basis des Islam. Durchaus möglich. Wäre es auch besser? Was wären die Kriterien dafür, dass es besser ist?

Vom universellen Menschenbild und Selbstbild des Westens halte ich nur noch begrenzt viel.