Ein US-Militärfahrzeug verlässt den Flughafen bei Rzeszów im Südosten Polens / dpa

Geopolitische Auswirkungen des Ukraine-Kriegs - Vorteil für Polen und die Türkei

Durch den Krieg in der Ukraine werden Polen und die Türkei an Bedeutung gewinnen, während China an Bedeutung verliert. Und der Ausgang des Ukraine-Kriegs wird in den Vereinigten Staaten die Sichtweise auf künftige Bedrohungen prägen. Ein Ausblick auf mögliche Szenarien.

Autoreninfo

George Friedman, 73, ist einer der bekanntesten geopolitischen Analysten der Vereinigten Staaten. Er leitet die von ihm gegründete Denkfabrik   Geopolitical Futures und ist Autor zahlreicher Bücher. Zuletzt erschien „Der Sturm vor der Ruhe: Amerikas Spaltung, die heraufziehende Krise und der folgende Triumph“ im Plassen-Verlag.

So erreichen Sie George Friedman:

Kein Krieg ist klein, wenn man ihn selbst durchleben muss – aber die Welt ist groß, und große Kriege sind selten. Gleichzeitig haben Kriege einen unerwarteten Nachhall. Ein kleiner Krieg könnte einen anderen Krieg noch verschärfen. Oder er könnte helfen, einen Krieg anderswo zu verhindern. Kein Krieg kann einfach nur für sich selbst verstanden werden. Daher muss der Krieg in der Ukraine nicht nur als solcher betrachtet werden, sondern auch im Hinblick auf seine Auswirkungen. Und da der Nachhall naturgemäß ungeordnet ist, sowohl in Bezug auf den ursprünglichen Krieg als auch auf seine letztendliche Bedeutung, werde ich den Nachhall willkürlich in mein Erklärungsmodell einbetten.

Polen hat sich im Moment an die Spitze Europas gesetzt. Geographisch gesehen liegt es der Ukraine am nächsten, und deshalb wurde ein Großteil der Nato-Streitkräfte dort stationiert. Am wichtigsten ist, dass die 82. US-Luftlandedivision in Polen stationiert ist. Das bedeutet, dass diese Division mit polnischen Streitkräften zusammenarbeitet, von denen viele bereits seit mehreren Jahren mit US-Panzertruppen auf polnischem Boden geübt haben. Für die USA bedeutet dies, dass ihre Truppen mit dem Terrain vertraut sind, auf dem sie möglicherweise kämpfen werden, und dass sie die Möglichkeit haben, eine gewisse Vertrautheit mit den Polen zu entwickeln. Ihr Auftrag besteht darin, eine russische Invasion in Polen zu verhindern oder abzuwehren oder, falls dies befohlen wird, in die Ukraine vorzudringen und die russischen Streitkräfte dort anzugreifen und zu besiegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Vereinigten Staaten ihre Streitkräfte in Europa (und deren wichtigste davon in Deutschland) stationieren, um die sowjetische Vorherrschaft auf dem Kontinent abzuwehren. Dies führte unweigerlich dazu, dass die beiden zuvor verfeindeten Länder politisch und gesellschaftlich zusammenwuchsen. Es führte auch zu notwendigen Investitionen, die eine Rolle beim deutschen Wirtschaftswunder spielten: einem Wunder, das Deutschland schließlich zur führenden Macht in Europa machte (etwas, das 1945 unvorstellbar war). Das deutsche Wohlergehen wurde für die Vereinigten Staaten zu einem strategischen Erfordernis, und eine amerikanische Vorherrschaft in einem zerrütteten Europa bedeutete sehr viel.

Polnische und amerikanische Interessen

Heute ist die Situation nicht mehr so eindeutig wie 1945. Die Stationierung von US-Streitkräften in einem Land machen die Stabilität und Berechenbarkeit des Gastlandes zu einem strategischen Interesse der USA – und die polnische Geografie und die polnischen Interessen sind jetzt mit den amerikanischen Interessen in einer Beziehung verbunden, die sich im Vergleich zu früher weiterentwickelt hat. Die Vereinigten Staaten haben sich von Europa entfremdet gefühlt, weil Europa sich weigerte, seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Nato zu erfüllen; Europa wiederum fühlte sich von dem entfremdet, was es als amerikanischen Hypermilitarismus ansah.

Die Ukraine hat in Europa eine Veränderung bewirkt, die von Dauer sein kann oder auch nicht. Was jedoch wahrscheinlich von Dauer sein wird, ist die Präsenz amerikanischer Truppen in Polen. Der Ausgang des Ukrainekriegs wird in den Vereinigten Staaten die Sichtweise auf künftige Bedrohungen prägen – eine Sichtweise, die mit Polens eigenem Blick auf die Dinge übereinstimmt. Übrigens drohen Polen Strafmaßnahmen seitens der Europäischen Union, weil es gegen EU-Rechtsnormen verstoßen hat. Das könnte ein kleiner Test dafür werden, wie und ob sich das europäische Gleichgewicht der Kräfte verschiebt.

Andernorts haben die Türken etwas Interessantes getan, indem sie einen beträchtlichen Teil ihrer Marine ins Schwarze Meer entsandten, wo das russische Schiff „Moskwa“ versenkt wurde. Die Türkei hat sich aus dem Ukraine-Krieg weitgehend herausgehalten, obwohl sie den ukrainischen Streitkräften einige Drohnen zur Verfügung gestellt hat. Die Türkei steht Russland seit jeher feindselig gegenüber, betrachtet aber die USA in letzter Zeit als unberechenbar. Ankara hat zunächst vorsichtig abgewogen; die schlechte Performance der russischen Streitkräfte in der Ukraine dürfte die Türken jedoch dazu veranlasst haben, die Bedrohung durch Russland neu zu bewerten. Die Türkei setzt wohl die russische und die amerikanische Militärstärke nicht mehr gleich.

Ankaras Koordination mit der Ukraine

Aus türkischer Sicht würde es die russischen Operationen im Schwarzen Meer erleichtern, wenn Russland in der Lage wäre, seine Marine zu nutzen, um sich im Schwarzen Meer durchzusetzen und gleichzeitig die ukrainischen Streitkräfte, die mit Anti-Schiffs-Raketen bewaffnet sind, auszuschalten oder weiter von der Küste wegzudrängen. Ein solches Ergebnis würde aber auch eine potenzielle Bedrohung für die Türkei darstellen. Die Türkei ist Mitglied der Nato, und Russland könnte die türkische Flotte irgendwann als Bedrohung empfinden und ihre Schiffe und Häfen angreifen. Die Türken sind ins Schwarze Meer vorgedrungen, um einem russischen Angriff zuvorzukommen, indem sie die Risiken über das hinaus erhöhen, was Russland unternehmen kann. Gleichzeitig erfordert dies ein gewisses Maß an Koordination mit der Ukraine.

Indem sie Russland im Schwarzen Meer herausfordert, eröffnet sich für die Türkei eine weitere Möglichkeit. Das Land hat bedeutende Interessen sowohl im Südkaukasus als auch in Zentralasien. Russland wiederum hat seine Interessen dort zur Besorgnis der Türkei vorangetrieben. Die Russen sind derzeit nicht in der Lage, die Türkei militärisch herauszufordern, und es ist auch nicht zu erwarten, dass die Türkei militärisch vorgehen wird. Verdeckte Aktionen und Diplomatie sind der Schlüssel. Und angesichts des Verhaltens Russlands in der Ukraine könnten Länder wie Aserbaidschan und Kasachstan ihre Beziehungen zu Russland überdenken. Die Schwäche Russlands bis zu diesem Punkt öffnet die Tür für strategische Neuausrichtungen, zwingt die Türkei, sich im Schwarzen Meer zu behaupten, und macht ihr möglicherweise den Weg frei, um andere Interessen zu verfolgen.

Problemfall China

Und dann ist da noch China. China ist eine Beziehung zu Russland eingegangen, um ein massives Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten zu schaffen. Doch trotz ihrer öffentlichen Erklärungen haben die Chinesen erkannt, dass eine derartige Beziehung zu Russland eine Belastung und kein Vorteil ist. Russland hat nicht das Gewicht, um die USA von einer Bedrohung Chinas abzuhalten. Es verfügt offenkundig nicht einmal über die militärische Kraft, um den Ukrainefeldzug durchzuführen, ohne Verstärkung aus Syrien anzufordern.

China selbst ist nicht in der Lage, Truppen zur Unterstützung Russlands zu entsenden. Erstens würde eine Unterstützung des russischen Feldzugs den Chinesen keinen direkten Nutzen bringen, und eine chinesische Intervention könnte katastrophale Folgen haben. Zweitens, und das ist noch wichtiger, hat China die Auswirkungen des von den USA geführten Wirtschaftskriegs zu spüren bekommen. Wenn es in der Ukraine aktiv wird oder Russland in erheblichem Umfang unterstützt, könnte dies einen ähnlichen ökonomischen Angriff auf China auslösen.

China ist – ebenso wie Russland – nicht annähernd so mächtig, wie es scheint. Sein Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt liegt auf Platz 81 der Weltrangliste (Russland liegt auf Platz 85). Der Inlandsmarkt für anspruchsvolle Waren ist begrenzt. Das Land muss in der Lage sein, zu exportieren, und ohne diese Fähigkeit wird es destabilisiert. Die Vereinigten Staaten sind trotz der Zölle auf chinesische Waren Chinas größter Kunde. Ein Exportverlust und ein Wirtschaftskrieg in einer Zeit, in der Chinas Wirtschaftswachstum zurückgeht und die sozialen Spannungen wegen der Wohlstandsunterschiede zunehmen, wären gefährlich. Eine Invasion Taiwans wäre wahnsinnig, da sie China das einzige geben würde, wovon es genug hat – Land. Sie könnte auch scheitern. Und die wirtschaftliche Reaktion der USA wäre heftig; das alles zu einer Zeit, in der Chinas Wirtschaft dies nicht verkraften kann.

Wir sehen also, dass Polen und die Türkei durch den Krieg an Bedeutung gewinnen, während China an Bedeutung verliert. Es gibt noch viele andere Auswirkungen, und ich habe diese drei Fälle auch deshalb ausgewählt, weil ich in meinem Buch „Die nächsten 100 Jahre“ den Aufstieg Polens und der Türkei und den Niedergang Chinas vorausgesagt habe. Natürlich existieren noch viele andere Auswirkungen, aber es gibt keinen Grund, nicht mit diesen zu beginnen.

In Kooperation mit

GPF

Tomas Poth | Mi, 20. April 2022 - 14:18

Was sehen wir derzeit?
Mit Gründung 1991 wurde auch die Neutralität in der Verfassung der Ukraine festgelegt. Mit der atomaren Entwaffnung der Ukraine gemäß Budapester Vertrag von 1994 sind Russland, die USA & England die Garantiemächte für die Eigenständigkeit der Ukraine.
Seitdem versuchen die USA & die EU die Ukraine auf ihre Seite zu ziehen, zu einem Vorposten der US-Politik zu machen, die darin besteht Russland endgültig niederzuringen.
Mit der Marionette Selenskij & einiger ukrainischer Oligarchen wurde dieser Politik ein neuer Schub erteilt.
Die russische Antwort ist der Krieg den wir jetzt erleben.
Wie dieser Konflikt endet wissen wir derzeit nicht. Die USA werden aber nicht zaudern, mit Unterstützung anderer Nato-Staaten, ihre Ziele zu erreichen, egal wie sehr das ukrainische Volk unter diesem Krieg leidet!
Die europäischen Klein-Staaten müssen sich durch eigene Wehrfähigkeit, von der US-Politik emanzipieren, ansonsten werden auch sie nur für US Interessen verheizt.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 20. April 2022 - 17:11

In reply to by Tomas Poth

Eigentlich wollte ich diesen Artikel nicht kommentieren, tue es jetzt aber doch. Ich mag diese Art Glaskugel Artikel nämlich nicht. Als ich Ihren Kommentar las, wollte ich wenigstens die Gelegenheit nutzen Ihnen zu zustimmen. Alles was Sie geschrieben haben sind Fakten, die derzeit ausgeblendet werden, weil sich viele insgeheim mitschuldig fühle, zu feige es zu sagen. Nur derzeit scheint keine Diplomatie erwünscht, ich lese nichts von Lösungsansätzen. Das ist zermürbend, während in der Ukraine Menschen getötet, verletzt und vertrieben werden, gar entführt nach Russland und hier macht man sich Gedanken, welcher Staat von diesem widerlichen und verbrecherischen Krieg einen Vorteil haben könnte. Vielleicht ist Herr Friedman genauso ideenlos, Lösungsansätze zu entwickeln, wie die Politiker. Obwohl, derzeit scheint keine Seite an Diplomatie wirklich interessiert zu sein. Man mag gar nicht mehr zu diesem Krieg kommentieren, weil man selbst keine Lösung erkennt, das gebe ich offen zu.

Richard Schneider | Mi, 20. April 2022 - 18:01

In reply to by Tomas Poth

Waffel, Sprung, Schüssel, Tassen, Vögel, es sind so viele Worte, die mir gerade durch den Kopf schwirren. Also wirklich, wo haben Sie denn das aufgeschnappt? Natürlich sind die USA interessenmäßig mit von der Partie, aber bei ideologisch so festgefahrenen Leuten hilft nur Lernen durch Wiederholung:

Der russische Lebensstandard ist so schlecht, dass halbwegs eigenständige Geister dem stets entfliehen wollen. PL, CZ, SK, SLO, HU - niemand hat Bock auf die Russen. Gerade Polen ist ein leuchtendes Beispiel für die Ukraine (wie seinerzeit D für PL). Zur Wende waren PL+UA vergleichbar. Nun steigt Polen auf, entwickelt sich, ist selbstbewusst, teilweise reich.

Das will die Ukraine auch.

Aber wenn Sie weiterhin Angst schüren wollen vorm pöhsen Ami, nur zu, HIER dürfen Sie's.

Ideologisch festgefahrene Ukraine/USA oder wie?
Was soll das Kriegsziel der Ukraine/USA und der sie mit Waffenlieferungen unterstützenden Länder sein? Die totale Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur und Industrie (30 bis 60% sollen jetzt schon in Schutt und Asche liegen), weiteres Ausmorden auf beiden Seiten?
Ab wann soll Schluß sein, nach wieviel Jahren, mit diesem Kriegswahn bis man zu Verhandlungen bereit ist?
Gibt es eine realistische Möglichkeit Russland in die Knie zu zwingen ohne einen Großkonflikt, eingedenk des Einsatzes von Atomwaffen, auszulösen?
Klar Russland ist der Aggressor, hat den Krieg angefangen. Man möchte das bestraft wissen, aber wir sind hier nicht vor einem ordentlichen Gericht. Hier geht es um Macht- und Geopolitik mit ihren eigenen Regeln.
Selenskij und seine Unterstützer entscheiden welchen Preis sie zahlen wollen!
Ich empfehle Nachgiebigkeit statt Kohlhaasche Selbstzerstörung!

Bin ganz bei Ihnen, Herr Schneider. Joe Biden mag eine komplette Nulpe sein, aber der Sex-Appeal des Stalin Nachfolgers Putin ist deutlich schmaler. Natürlich orientieren sich die Ukrainer nach Westen. Sie wollen über ihre Zukunft selbst bestimmen und nicht von denen diktieren lassen, die sie vor 90 Jahren durch den Holodomor auszuradieren suchten und heute schon mit einem Vernichtungskrieg überziehen.
Neben dem Völkermord in der Ukraine hat die Sowjetunion im letzten Jahrhundert drei Mal Polen überfallen, mehrmals das Baltikum und Finnland - und sich Dank Hitler Bulgarien, Rumänien, Ungarn und die Tscheslowakei gegriffen. Die hat sie wie Kolonien behandelt, und aktuell verbrennt Putin die letzten Reste von russischem Ansehen. Denn er legt nicht nur die Ukraine in Schutt und Asche, er zerstört auch Russland.
Der Westen mag viele Mängel haben, ganz so krank ist er (noch) nicht.

Martin Falter | Mi, 20. April 2022 - 14:28

mit Putin als Führer nur Scheitern kann egal wie der Krieg in der Ukraine ausgeht.

Aber ob die Türkei und auch Polen davon Nutzen ziehen bleibt abzuwarten.

Beide haben etwas radikale Regierungen und Nutzen opportunistisch den Krieg für ihre Ziele.

Opportunismus führt aber nicht zu Stabilität.

Karl-Heinz Weiß | Mi, 20. April 2022 - 14:37

Der Autor geht -getreu des amerikanischen Politikverständnisses-von rational handelnden Politikern aus. Dieser Umstand erklärt auch die Desaster in Vietnam, Irak, Afghanistan und Libyen. Spätestens seit dem Einmarsch der Russischen Föderation in der Ukraine sollte aber klar sein, dass Putin Wort hält, er hat seine Vision von Groß- Russland lange genug angekündigt. Und so wird es auch im Fall China/Taiwan kommen. Und auch Erdogan hat seine Vorstellungen von Neo-Osmanien lang und breit erklärt.

Norbert Heyer | Mi, 20. April 2022 - 14:40

Die Stationierung von US-Streitkräften in Polen wäre praktisch ein sehr nach Osten
verschobener Eiserner Vorhang, der Deutschland bis zur Wiedervereinigung teilte. Das ist geopolitisch für die USA ein Jackpot, sie sitzen dann praktisch im Vorgarten der Russen, die nach dem Krieg mit der Ukraine militärisch und wirtschaftlich geschwächt sind. Das ist dann genau die Ausgangslage, die sich die USA wünscht. Der Ausgangspunkt für einen großen Konflikt liegt ganz weit von Amerika entfernt und die Polen halten im Kriegsfall die Stellung, bis Nachschub aus USA eintrifft. Polen würde innerhalb der EU mit dem „großen Bruder“ eine andere Wertschätzung erfahren und die Deutschen werden aus lauter Dankbarkeit weiterhin der Golddukaten-Esel bleiben. Grau ist aber jede Theorie: Vielleicht fühlt Russland durch eine solche Konstellation derartig in die Ecke gedrängt, dass Putin lieber in einem großen Finale die ganzen Sandkastenspiele der Geostrategen durchkreuzt. Dann war es das endlich mit Europa.

Walter Bühler | Mi, 20. April 2022 - 15:17

... die möglicherweise schon seit ein paar Jahren im Hintergrund das Handeln der USA bestimmt?.

Der Westen wendet sich dezidiert gegen Russland und China, weil die sich gerade schwach zeigen. Deshalb werden Polen, Norwegen, die Ukraine, die Türkei (und natürlich Großbritannien) zu den Lieblingen der US-Think-Tanks.

Damit werden zwei historische bzw. geopolitische Experimente de facto als gescheitert erklärt: die europäische Union und die Vereinten Nationen.

Die USA werden wieder alleine bestimmen, wie die Welt zu funktionieren hat. Die sog. EU wird reduziert auf die wirtschaftliche Absicherung der militärischen Vormächte an der russischen Grenze.

Die deutsche Politik wird sich dem NEUEN Europa wohl klaglos unterordnen. Die Kniefall-Reisen nach Kiew werden bald durch deutsche und EU-Kniefälle in Warschau, Istanbul und Washington ergänzt werden.

Ach, wäre es nicht einfacher und bequemer, in Berlin (wieder) eine amerikanische Militärkommandantur zu installieren? Melnyk ist schlimmer.

etwas von einem einigen Europa. Deutschland ist der Spieler, den alle gerne in ihren Reihen wissen und auf gar keinen Fall in den Reihen der anderen sehen möchte, aber noch weniger möchten sie Deutschland als Nukleus eines 500 Millionen Menschen beheimatenden Staatenbundes. Was die Nato soll, wissen wir alle. Was die UN sollen, dürfte klar werden, wenn man sich den Sicherheitsrat mit und ohne Vetorecht vorstellt: Zementierung der Weltordnung nach dem Weltkrieg II.
Seit der Wiedervereinigung füllen wir die Hosen nicht, die wir damals geschenkt bekommen haben. Die schlimmste Kanzlerschaft war die Angela Merkels in dieser Hinsicht: ängstliche auf der Stelle treten und ja keinen Posten annehmen, der Verantwortung für Europa auf deutsche Schultern geladen hätte, siehe Besetzung des EZB Präsidentenstuhls.
Unsere Politiker sind keine gestandenen Politiker, es sind verantwortungsentwöhnte Weichspüler, die lieber Deutschland in den Bankrott treiben als in Europa den Kurs anzugeben.

Gerrit Sydow | Mi, 20. April 2022 - 15:55

Entscheidend ist auf die Dauer die Demographie.
Die Türkei hat eine junge Bevölkerung und Polen bekommt gerade einen Push aus der Ukraine.
Beide werden daher noch in diesem Jahrhundert in wirtschaftlicher und politischer Bedeutung , in militärischer sowieso, an Deutschland vorbeiziehen.
Auch für Russland siehts nicht gut aus,denn wer will schon in einem Nordkorea 2.0 leben ?

Christoph Kuhlmann | Mi, 20. April 2022 - 17:08

Die Türkei hat momentan über 50% Inflation. Das nenn ich keinen Aufstieg. Es geht eher in die andere Richtung. Ich würde auch nicht auf ein Land wetten, das Probleme mit Korruption und Demokratie hat. Mit ca. 18 Milliarden Militärhaushalt wachsen auch machtpolitisch nicht in den Himmel. In Polen ist die Sache noch offen. Falls die PIS abgewählt wird stehen diesem Land wieder goldene Zeiten bevor. Daran arbeitet die EU seit dem Beitritt dieses Landes. Der Niedergang Chinas zeichnet sich tatsächlich ab. Das hängt a) an der Überalterung der Gesellschaft und b)an einem kommunistisch-kapitalistischen System mit grassierender Korruption. Das Land überschuldet sich zusehends und wird irgendwann die Folgen gravierender Fehlsteuerungen nicht mehr mit Geld verbergen können. Allein schon die Zero Covid Politik der Partei führt zunehmend zur Entflechtung der Lieferketten mit China. Insbesondere vor dem Hintergrund des Risikos, im Falle von Sanktionen, vom US-Markt ausgeschlossen zu werden .

Dr.Andreas Oltmann | Mi, 20. April 2022 - 21:06

Die USA haben noch nie auf eigenem Boden Krieg geführt. Sie wissen nicht, was das für die Menschen bedeutet. Alle Krieg der USA wurden in weit entfernten Ländern und Kulturen geführt.
Die USA können das tun, weil sie die stärkste Macht der Welt sind. Sie benutzen ihre Verbündeten, aber sie brauchen sie nicht.
Auch Selenskij wird vielleicht erfahren, dass er für die USA nur der nützliche Idiot ist und missbraucht wird.
Auch wenn es nicht offiziell verkündet ist, streben die USA offensichtlich zumindest die militärische Niederlage Russlands an, wenn nicht sogar die Vernichtung. Und der Ruf nach schweren Waffen für die Ukraine und die Vorbereitung der Soldaten in Polen auf einen Krieg in der Ukraine, spricht dafür.
In jedem Krieg muss das Ziel klar definiert sein, das man erreichen möchte. Das ist in diesem Konflikt nicht der Fall, zumindest nicht ausgesprochen.
Bei aller Kritik an Scholz bin ich für seine Sturheit dankbar, ebenso Westerwelle in Libyen und Schröder im Irak.