Fußball-WM in Brasilien - Zu Gast im Land des schönen Spiels

Die ganze Welt feiert die Fußball-WM in Brasilien. Doch wer sind eigentlich die neuen Gastgeber und was denken sie über das jogo bonito, das "schöne Spiel", das endlich heimgekehrt ist? Ein Hausbesuch

Die Gastgeber der Fußball-WM 2014 in Brasilien
Isabela Pacini

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Sarah Maria Deckert ist freie Journalistin und lebt in Berlin. Sie schreibt u.a. für Cicero, Tagesspiegel und Emma.

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An den Stränden von Copacabana und Ipanema schmiegt sich der Atlantik in die sanft geschwungene Promenade vor den Hügeln Rio de Janeiros. Schöne Menschen mit schönen Körpern tragen hier das schöne Leben zur Schau. Als die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 Brasilien zugesprochen wurde, tanzte das ganze Land. Endlich sollte auch das schöne Spiel, das jogo bonito der Fußball‑Nationalhelden Garrincha und Pelé, heimkehren.

Doch wenige Wochen vor dem Eröffnungsspiel am 12. Juni in São Paulo erstickte Nervosität die Vorfreude. Schon bei der WM-Vergabe herrschte Zweifel, ob das Land mit den prekären sozialen Verhältnissen bereit sei für das aufgeblähte Spektakel der Fifa. Milliarden Dollar flossen, um Brasilien westeuropäischen Standards anzugleichen. Dennoch stockten die Bauarbeiten an den zwölf Stadien. Die Befriedung der strategisch wichtigen Armenviertel durch die Militärpolizei glichen einem Krieg. Polizisten lieferten sich Schießereien mit Drogenkartellen und Straßenschlachten mit Demonstranten, die gegen Willkür, Korruption, Verschwendung und das Verkehrschaos protestieren.

Isabela Pacini, vor 40 Jahren in Rio geboren, lebt heute in Hamburg. Im vergangenen Jahr reiste die Fotografin in ihre alte Heimat, um sich vor der WM ein Bild von den Gastgebern zu machen. Für ihre Porträtreihe besuchte sie 22 Cariocas, wie die Einwohner Rios genannt werden, in ihren Wohnzimmern. „Bei allen sozialen und kulturellen Unterschieden, die es in diesem Land gibt, verbindet uns doch die Geselligkeit“, sagt Pacini. Mit ihrer Serie zieht sie einen Querschnitt der Protagonisten des Alltags in Rio, von den abgeschotteten Villenvierteln der Superreichen bis in die Elendsquartiere der Favelas.

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Zwischen der Vorfreude hörte Pacini immer wieder die Unzufriedenheit der Menschen heraus. Vor allem den Ärmeren sei klar, dass der Vorwand, die WM spüle Geld ins Land, nicht für sie gelte. Trotzdem sei heute jeder stolz. Stolz darauf, der Welt ihre Welt zu zeigen. Das schöne Leben. Den Fußball. Es ist ihr Spiel.

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