Frankreich - „ Die Linke protestiert für sich selbst “

Der französische Geograf und Gesellschaftsanalyst Christophe Guilluy über die innere Spaltung seines Landes, das mangelnde Problembewusstsein der Eliten gegenüber der Immigration – und über den zweifelhaften Erfolg des jungen Staatspräsidenten Emmanuel Macron

Christophe Guilluy
„Mit einem Monatseinkommen von 1000 Euro stellt sich Multikulturalismus ganz anders dar, als wenn man 10.000 Euro verdient“ / arte.tv

Autoreninfo

Björn Rosen arbeitet als freier Journalist in Berlin. Sein Schwerpunkt ist Ostasien, wohin er regelmäßig reist.

So erreichen Sie Björn Rosen:

Herr Guilluy, die Tageszeitung Figaro nennt Sie „den Mann, der alles vorausgesehen hat“ … 
… (lacht) Das ist wohl ein bisschen übertrieben.

Schon Anfang der 2000er-Jahre beschrieben Sie die Spaltung Ihres Landes: in ein neues urbanes Bürgertum und ein abgehängtes „peripheres Frankreich“. Letzterem verdankte der Front National in jüngster Zeit seinen Aufstieg. Erkennen Sie eine ähnliche Dynamik hinter dem Erfolg von Trump oder der AfD?
Ja. Es gibt deutliche Parallelen, weil alle westlichen Länder historisch die gleichen Vorzüge und nun die gleichen Probleme haben. Mit dem globalisierten Wirtschaftssystem kommt die Welt zu uns. Die einheimische Mittelschicht wird nicht länger gebraucht, um Wohlstand zu schaffen; dank der internationalen Arbeitsteilung übernehmen das Menschen in China oder Indien. Die Leute haben Probleme, einen Job zu finden, für sie gibt es keinen Platz mehr in der Gesellschaft. Angehörige dieser Schicht wurden aus den Metropolen verdrängt, wo die Gewinner der Globalisierung zu Hause sind. Man findet sie stattdessen auf dem Lande, in kleinen und mittelgroßen Städten. Der Populismus ist ein Symptom dieser Entwicklung. Für den Brexit hat das „periphere England“ gestimmt, für Geert Wilders das „periphere Holland“.

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Christa Wallau | Mi, 10. Januar 2018 - 19:09

Christophe Guilluy bringt es auf den Punkt:
Merkels Politik im September 2015 war "ein Akt
enormer Brutalität" gegenüber den Menschen, deren Wohl zu mehren sie sich per Eid verpflichtete.
Weiter sagt er: Nur mit einem "STOP" bei der EInwanderung könnte man jetzt der Unter- und Mittelschicht noch vermitteln, daß die Folgen dieses brutalen Aktes zu bewältigen sind.
Völlig korrekt!
Was erdreistet sich stattdessen A. Merkel?
"Ich sehe nicht, was ich hätte anders machen können." Ergo: Weiter so!

"Die Eliten müssen aufhören, die Realität zu verleugnen und jede Meinung, die ihnen nicht paßt, mit einem moralischen Diskurs abzuwürgen."
GENAU!
Diese Aussage oder eine ähnliche, etwas anders formuliert, wiederholen unzählige Menschen, u. a. viele Kommentatoren beim CICERO, seit langem - fast verzweifelt.
Aber dieser bedeutende Satz kommt kaum bei den Verantwortlichen in Politik und Medien an.
Der Zug rollt weiter auf dem falschen Gleis in die
falsche Richtung, jedenfalls in D.

Holger Stockinger | Mi, 10. Januar 2018 - 21:18

Die Brüsseler Bürokratie dominiert nicht nur die EZB, der "Sozialdemokratismus" verbietet per Maas für Maß demnächst das Lesen von Schüttelbier, es könnte Shakespeare drauf stehen ...

Holger Stockinger | Mi, 10. Januar 2018 - 21:29

Morgens müde denkt Mutti, ach Heintje, wärst du kein Holländer, frau müsste Haifisch zu Heiko erfinden, um der SPD gerecht zu werden ...

Martin Böhm | Mi, 10. Januar 2018 - 23:27

Wieder mal ein sehr neutraler und zutreffender Artikel der die tatsächlichen Probelme beschreibt. Bei Cicero findet man solche Analysen zum Glück auch innerhalb des Teams , dennoch ist es gut zu lesen, dass diese Meinung auch bei den intellektullen ausserhalb zu finden ist. Bravo weiter so, Cicero ist für mich das mit Abstand Beste was man zur Zeit in DE an politischem Magazin finden kann. also das was früher mal Spiegel oder Zeit waren.

Peter Lieser | Do, 11. Januar 2018 - 08:29

Herr Herr Guilluy, davon gibt es auch in Deutschland Millionen, die alles voraus gesehen haben. Und dazu gehört noch nicht mal viel Grips. Die wohnen allerdings nicht in den Elfenbeintürmen der Politik oder den abgeschotteten und bewachten Villen in previligierten Lagen. Mit 2 /3 Wohnsitz und Schiffchen im Mittelmeer und Konto in Panama.
Aus dem Fond einer S Klasse, A8 oder RR sieht die Welt ganz anders aus, als hinter dem Steuer eines Golf - morgens auf dem Weg zur Arbeit.

Werner Peters | Do, 11. Januar 2018 - 12:01

Schade, dass Sie meinen Kommentar zu Frankreich gelöscht haben. O.k. ich Böser habe da die "altehrwürdige" ZEIT kritisiert, das darf man offensichtlich auch bei CICERO nicht. Zu Ihrer Freude: die SZ hat ihn auch gelöscht.

Kostas Aslanidis | Do, 11. Januar 2018 - 15:40

In reply to by Werner Peters

ist ein trauriges Beispiel. Die sogenannten Qualitätszeitungen, die sich noch mit Mühe über Wasser halten, denken. Wenn sie zensieren, erfährt es keiner. Bei SZ kann man noch kommentieren? Diese Kriegstreiber Zeitung, ist nicht mal zu Fischeinpacken gut. Es riecht nach verdorbener Ware.
Cicero ist etwas Objektiver als der Mainstream. Das ist in Deutschland eine Nachricht wert.

Karin Zeitz | Do, 11. Januar 2018 - 15:34

ist nicht nur im Bereich von Nachricht und Talkshow geflissentlich bemüht, die Bevölkerung zu belehren, wie wichtig und gut die Migrationspolitik der Regierung sei und wie gut sich Flüchtlinge integrieren würden. Auch die Unterhaltungssendungen und die Filme werden dazu benutzt. Mich erinnert das fatal an manche Lehrfime der DDR vom Heldentum der sozialistischen Arbeit und der “Kundschafter des Friedens“, sowie der Verwerflichkeit des kapitalistischen Systems. Die Krönung leistet sich neuerdings Kika mit einem Beitrag, in dem die Liebe einer 15-jährigen zu einem ebenfalls angeblich minderjährigen Muslim romantisch verklärt erzählt wird. Dem Mädchen wird die Kultur des Mannes und seine Wünsche bezüglich ihres Outfits und ihres Benehmens nahegebracht. Warnung, dass unterschiedliche Auffassungen später zu ernsthaften, ggf. tätlichen und sogar blutigen Auseinandersetzungen führen könnten gab es nicht.

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