- Frankreich scheint unwillig, seine Krise zu lösen
Frankreich bekommt nun also doch eine Lecornu-Regierung. Ihr Ziel ist minimal: Abwendung der unmittelbaren Krise durch einen Haushalt. Ein Weg aus der Schuldenkrise ist nicht sichtbar. Das einzige, was die Franzosen noch vereint, ist ihr Unwille zu sparen.
Frankreich scheint eine neue Methode erfunden zu haben, Regierungskrisen zu überwinden: Die zurückgetretene Regierung wird einfach noch einmal ernannt. Der zurück ins Amt geholte Premier Sébastien Lecornu hält an Außenminister Jean-Noël Barrot, Justizminister Gérald Darmanin und dem vor einer Woche erst ernannten neuen Wirtschafts- und Finanzminister Roland Lescure fest, wie das Amt des Staatspräsidenten Emmanuel Macron am Sonntag mitteilte. Die bisherige Arbeitsministerin Catherine Vautrin wird Verteidigungsministerin, den Posten hatte zuvor Lecornu inne. Der Pariser Polizeipräfekt Laurent Nuñez wird neuer Innenminister.
Die Änderungen sind Details. Die von den Parteien der Linken verlangte Linksverschiebung der Regierungsmannschaft gibt es offenkundig nicht. Das ist die einzige gute Nachricht dieses Wochenendes aus Paris. Aber an der völlig verfahrenen Lage der französischen Politik, der über dieser wie ein Damokles-Schwert pendelnden Staatsverschuldung und generell der miesen bis katastrophalen Stimmung in Frankreich ändert sich auch nichts. Thomas Mayer hat es in Cicero so formuliert: „Die Staatsfinanzen sind außer Kontrolle, und die Hoffnung, sie in absehbarer Zeit wieder einhegen zu können, ist sehr gering.“ Gemessen an der Wirtschaftsleistung hat Frankreich mit 114 Prozent die dritthöchste Schuldenquote in der EU nach Griechenland und Italien. Aber im Gegensatz zu den beiden Ländern hat Frankreich keine starke Regierung und keinen Plan, den Bankrott abzuwenden.
Lecornu gab selbst zu, was jeder weiß: „Eine Übergangsregierung wird ernannt, um noch vor Jahresende einen Haushalt für Frankreich vorzulegen.“ Das ist das Mindestziel, um wenigstens die akute völlige Agonie der Fünften Republik – und damit letztlich der Eurozone und der ganzen Europäischen Union – abzuwenden. Mehr ist nicht drin.
Macron fliegt lieber nach Ägypten
Eigentlich war zu erwarten, dass Lecornu am heutigen Montag einen Haushaltsentwurf ins Parlament einbringt. Dafür wäre aber eine Kabinettssitzung erforderlich. Doch Präsident Emmanuel Macron hat wichtigeres zu tun: Er reist zum Gaza-Gipfel nach Ägypten. Womöglich will er sich das letzte Mal in seiner Rolle als international bedeutender Staatsmann sonnen, während er zuhause längst als völlig gescheitert gilt. Also wird die erste Sitzung des neuen Kabinetts erst am Dienstag stattfinden.
Vielleicht wollen Macron und Lecornu aber auch absichtlich den ohnehin schon großen Zeitdruck noch verschärfen, damit die Abgeordneten gar keine Zeit haben, am Haushaltsentwurf noch etwas zu ändern. Diesem Zweck gilt natürlich auch die theatralische Rhetorik von Lecornu: „Nur eines zählt: das Wohl des Landes.“
Die beiden einzigen Parteien, die Macron nicht zu seiner wochenendlichen Großkrisensitzung geladen hatte – die linke „La France Insoumise“ (LFI) von Jean-Luc Mélenchon und der rechte „Rassemblement National“ (RN) von Marine Le Pen – haben bereits einen Misstrauensantrag angekündigt. Es gibt allerdings einen (ähnlich wie in Deutschland) entscheidenden Unterschied zwischen der Behandlung der beiden: LFI ist mit den Grünen, den Kommunisten und den Sozialisten mehr oder weniger verbündet, die von Macron eingeladen und somit auch eingebunden wurden. Le Pen hat keine Verbündeten mit Zugang zur Regierung.
Lecornu und Macron werden also hoffen, dass sie die linken Abgeordneten wenigstens zum großen Teil doch irgendwie zur Zustimmung zum Haushalt und zur Ablehnung des Misstrauensantrags bewegen können. Das bedeutet aber, dass Lecornu nicht wirklich am Sozialstaat – konkret an den Renten – wird sparen wollen/können. Das Ziel aller linken Parteien ist nicht die Wiederherstellung finanzieller Stabilität, sondern im Gegenteil: die Verhinderung der Beschränkung des Sozialstaats.
Die Républicains stecken in ihrer eigenen Krise
Die Parteien der gemäßigten bürgerlichen „Rechten“ („la droite“ ist in Frankreich nicht so pejorativ belegt wie „rechts“ in Deutschland), vor allem die „Republicains“, sind zwar einerseits die einzige politische Kraft, die wirklich auf eine Reform des Sozialsystems drängt, ohne die keine wirkliche Lösung der Schuldenkrise denkbar ist. Andererseits stehen die Républicains selbst vor einer inneren Zerreißprobe. Ihr bisheriger Innenminister Bruno Retailleau hatte mit Rückzugsdrohungen vor einer Woche den Rücktritt von Lecornu, also die akute Krise, ausgelöst, weil sie sich in der Regierung missachtet sahen. Die Minister, die auch weiterhin mit Lecornu regieren wollen, wurden nach Presseberichten nun sogar aus der Partei ausgestoßen. Die Abgeordneten der Républicains wollen aber Reformgesetze (so es sie denn geben sollte) mittragen.
Macron und seine „Macronistes“ können eigentlich nur noch hoffen, irgendwie einen Haushalt zustande zu bringen und die Zeit bis zur nächsten Präsidentenwahl 2027 irgendwie halbwegs würdevoll über die Bühne zu bringen. Der offizielle Name der Macron-Partei „Renaissance“ klingt längst anachronistisch. Von einer Wiedergeburt kann man dort nicht einmal mehr träumen.
Dilemma der französischen Mentalität
Hinter dieser völlig verfahrenen Lage der französischen Politik stehen anscheinend unauflösbare Dilemmata nicht nur der politischen Klasse, sondern der Mentalität der gesamten französischen Gesellschaft. Vor allem eines: Es gab zwar im modernen Frankreich mehrfache historische Erfahrung mit überbordender Staatsverschuldung und extremer Inflation (1958 ließ Charles de Gaulle zwei Nullen streichen und erklärte 1968 den „neuen Franc“ für „so gut wie Gold“, was schon bald darauf zu einem Witz wurde).
Doch anders als die durch die Hyperinflation von 1923 belehrten Deutschen entwickelten die Franzosen auch nach 1945 kein kollektives Bewusstsein für die Notwendigkeit einer unabhängigen Notenbank und an die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft angepasster Staatsausgaben. Man bewunderte Deutschland zwar für seine harte D-Mark („die Atombombe der Deutschen“), machte aber weiter eine Weichwährungspolitik und musste den Franc mehrfach abwerten. Die Währungsunion mit der harten Mark schien schließlich die bequemere Lösung.
Auch heute scheint – unausgesprochen – hinter der Reformverweigerung bei vielen die stille Erwartung zu stehen, dass die EZB im Zweifelsfall den Bankrott durch Aufkauf neuer Anleihen, also eigentlich die Schaffung neuen, ungedeckten Geldes beheben wird. Dass das unvermeidlicherweise zu noch höherer Inflation nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa führen muss, scheint den meisten Franzosen entweder nicht bewusst zu sein, oder das geringere Übel im Vergleich zu Sozialkürzungen. Alle Europäer sollen also für Frankreichs Rentner und Sozialhilfeempfänger bezahlen.
Wirklich beschweren können sich die Deutschen allerdings nicht (mehr): Schließlich machen sie es nun den Franzosen mit gigantischer Neuverschuldung nach. Wer in Berlin glaubt, dadurch das Land zukunftstauglich und stabil zu machen, sollte einfach nur über den Rhein blicken.
Kein Bewusstsein für den sparsamen Staat
In Frankreich herrschte anders als in Deutschland immer und herrscht auch offenkundig heute noch die Vorstellung, dass die Politik auf finanzökonomische Gefahren keine Rücksicht zu nehmen braucht. Und dass stets eine starke politische Macht über die finanziellen Krisen hinweg zu regieren hat. So hat auch heute im Angesicht der Herabstufung der Bonität die französische Öffentlichkeit und die politische Klasse von ganz links bis ganz rechts mehrheitlich kein Bewusstsein für die unbedingte Notwendigkeit, die Staatsausgaben radikal zu beschneiden.
Wer fordert, dass die Franzosen länger arbeiten oder weniger Rente beziehen müssen, wird von den meisten Franzosen für einen asozialen Unmenschen gehalten. Den Zusammenhang zwischen überhöhten Staatsausgaben, Inflation und daraus resultierender politischer Instabilität zu ignorieren, ist offenbar ein erbliches Talent der Franzosen.
Die Krise Frankreichs geht aber über die verfahrene Finanzlage hinaus. Anders als in der Nachkriegszeit fehlt Frankreich heute zweierlei, das damals die Ausweitung finanzieller Krisen zu allgemeinen Staats- und Gesellschaftskrisen verhinderte: Frankreich war wie die anderen westeuropäischen Länder in den „trente glorieuses“ genannten Jahrzehnten ein wirtschaftlich aufstrebendes Land, in dem die Söhne und Töchter erwarten konnten, dass es ihnen trotz Dekolonisierung, Währungskrisen und 68er-Unruhen besser gehen würde als ihren Müttern und Vätern.
Fortschreitende Desintegration in Politik und Gesellschaft
Abhandengekommen ist nicht nur diese ökonomische Wachstumsgewissheit. Was Frankreich wie die meisten anderen westlichen Gesellschaften verloren hat: die sogenannte „vorpolitische Loyalität“, eine Vorstellung von einem kollektiven „Wir“, das über der normalen Politik steht und das Land trotz aller Interessengegensätze zusammenhält. Natürlich ist die Krise Frankreichs auch die Krise einer gescheiterten Einwanderung, die mehr zusätzliche Empfänger von staatlichen Wohltaten als neue Steuerzahler hervorgebracht hat.
Ähnlich wie die deutsche Gesellschaft, aber vielleicht noch tiefer, ist die französische bereits fortschreitend desintegriert. Vor 60 Jahren und vielleicht auch noch vor 30 Jahren konnten sich ein Kommunist und ein Gaullist vermutlich immer noch darauf einigen, dass beide Franzosen waren und sich darum irgendwie zusammenraufen mussten. Heute haben sich Mélenchons Islamogauchisten und die Lepenisten so gut wie nichts mehr zu sagen außer Kampfansagen. Und den Alltag eines arabischstämmigen Bewohners der Banlieue verbindet so gut wie nichts mit dem Alltag eines Bauern in einem Dorf, wo jedes zweite Haus leersteht – außer vielleicht die Abneigung gegen Macron und die Erwartung weiterer staatlicher Hilfszahlungen.
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Deutschland hätte damals niemals mit der treibenden Kraft Frankreich den Euro einführen dürfen.
Jetzt kommt es vielleicht wieder soweit, daß Rettungspakete für eine Atommacht geschnürt werden müssen.
Dagegen wären die Schirme für Griechenland ein Witz, aber warten wir mal ab, was man aus europäischer Sicht da noch aus dem Hut zaubert.
Auch unser Land steht am Abgrund und der freie Fall ist durch Friedrich Merz im Grunde genommen schon vorprogrammiert.
Eine Neugestaltung der EU und die Rückkehr zur D-Mark tut Not.
Wenn sie jetzt noch in dieser Lage in Brüssel die gemeinsame Verschuldung aller Mitglieder beschließen, sind alle Spatzen gefangen und Deutschland selbst trotz seiner prekären Lage noch etwas mehr der Dumme.
Ich hoffe, daß wir nicht den gleichen Weg einschlagen wie dieser Macron in Frankreich.
Der Kanzler und sein Vize lassen allerdings nicht sehr hoffen.
Möglicherweise schafft der Euro sich auch selbst ab.
Das BESTE was passieren könnte.
so wie das seit der Griechenlandkriese läuft (versteckte Gemeinschaftsschulden). Nur eine Frage der Zeit... ...
Ja, das nehme ich auch so wahr. Wenn ich "links-bürgerliche" Freunde in FR frage, ist mein Gefühl, dass sie oft dominant immer noch eine elitäre Führungsschicht in Wirtschaft und Politik als Hauptproblem sehen, und wenn man der nur endlich mal kräftig genug entgegenträte, würden sich die Probleme lösen und Geld sei da. Ich bin da nicht so überzeugt - das mag immer auch ein Grund sein, aber in der Größenordnung verschätzt man sich da denke ich, wie diejenigen, die sich auch hier von "tax the Rich" eine signifikante Verbesserung erwarten.
Im Privaten nehme ich einerseits auch eine starke Trennung zwischen alten bürgerlichen Kreisen und Migranten wahr, aber dann gibt es doch wieder Dinge wie letztens beim Rugby-Spiel oder Fete de la Musique im Sommer, wo man schon das Gefühl hat, dass sich alle möglichen Gruppen fröhlich vermischen.
Schwer zu sagen, wo das mal hinführen wird. Die Pleite jedenfalls scheint kaum abwendbar.
Unversöhnliche politische Lager, und trotzdem immer wieder der Wunsch nach einem starken "Anführer". In Frankreich wird das offenbar nicht als Widerspruch empfunden. Die Messias-Begeisterung von 2017 ist noch deutlich in Erinnerung. Und nun ist das rhetorische Naturtalent Macron auf ganzer Linie gescheitert. Aber Deutschland braucht den Exportmarkt Frankreich, sonst gehen hierzulande die Lichter in der Maschinen-und Autoindustrie noch früher aus.
deshalb wurde Madame Lagarde ins Amt geschickt (der Preis für Uschi). Und so wird denn bald vom Main ein lautes „Quoi qu'il en coûte“, so wie einst das berühmte „whatever it takes“ zu hören sein und der Hahn für ungedeckte Anleihen in unbeschränkter Höhe geöffnet.
Und wenn auch das nichts hilft, wird irgendeinem Franzosen einfallen, dass die Deutschen ja gar keine Reparationszahlungen für WK II geleistet haben. Ist auch egal, denn die Rettung Frankreichs bezahlen wir so oder so, wenn Fritzchen noch im Amt sein sollte.
(Plus Gaza und die Ukraine, versteht sich, wir haben's ja).
Sollte also der Schlafmichel nicht so langsam mal aufwachen und endlich eine vernünftige Politik in diesem Lande wählen, wird es „lustig“... Dann kommt der Eisberg in Windeseile.
Letztendlich kann man aber kein sinkendes Schiff retten, indem man Stroh in die Löcher stopft. Die EU hat fertig. Frankreich wäre ein guter Anfang, sie abzuwickeln und für die Franzosen ein ebenso guter, wieder auf die Füße zu kommen.
Ich gebe zu, ich kann zur französischen Innenpolitik nicht all zu viel sagen …ob die französischen Probleme denen der Deutschen ähneln oder gar gleichen?
Ich bin der Meinung, dass es dem deutschen, hier länger Lebenden Bürger, gar nicht ums „Sparen“ geht, sondern sein Groll gegen die seit 2015 Regierenden geht ehr in Richtung „Ungleichbehandlung“ derer die diesen Staat am laufen halten. Für jeden und für alles ist Geld vorhanden, werden Unsummen an Kredit aufgenommen die letztlich im Sand verlaufen werden, die halbe Welt wird großzügig unterstützt, in einen Green Deal investiert, die die Wirtschaft zu Grunde richtet um das, was derzeit noch funktioniert, den Mittelstand, schlussendlich auch noch in die Knie zu zwingen.
Eine Reform die einige ganz wenige Säumige betrifft, aber den Pudels Kern (Ukrainer und wiederrechtlich hier Lebende) nicht angeht……
Noch gehen die Leute zur AfD, statt gegen die Missstände zu demonstrieren. Bloß, wie lange denn noch ?
MfG a d Erfurter Republik
Solange dieser Präsident im Amt bleibt, solange bleibt auch die Krise in Frankreich. Die Schuldenkriese, die längst eine ausgewachsene Staatskrise ist, hat einen Namen - Macron. Und solange der das nicht begreift und sich ans Amt klammert, solange bleibt der französisch Staat gelähmt und im Grunde handlungsunfähig. Frankreich braucht einen Kettensägenmann. Aber der ist nicht in Sicht. Nur wer schön lebt, lebt gut. Solange noch was zu verteilen ist, bitte sehr. Doch wir sollten nicht schadenfroh sein, unser Kanzler Merz fährt denselben schrottreifen Karren in die Ecke, unser Schicksal ähnelt dem Frankreichs, nur zeitversetzt. Aber wir kennen den Ausweg, der neue BND-Chef hat ihn verkündet - Krieg mit Russland. Es ist eine Schande, dass ein so hoher Beamter solchen Blödsinn redet. Deutschland, einen Waffengang mit den Russen? Selbst zusammen mit Frankreich, Großbritannien, Polen und dgl. halten wir der kampferprobten russischen Armee nicht einen Tag stand. Das sollte Jäger & Co wissen.
In Frankreich ist es genauso chaotisch wie bei uns. Und hatten wir noch gehofft, das mit der UNION vielleicht eine doch vernünftigere konservative Politik kommen würde, wurden wir getäuscht. Auch bei uns wurden nur ein paar Namen ausgetauscht und es ging weiter und noch schlimmer. Und genau das wird Frankreich auch passieren. Alter Wein in neuen Schläuchen, mehr nicht.
Und wenn ich die Probleme lese in Frankreich, kann man wahrscheinlich die gesamte westliche EU mehr oder weniger gleichsetzen. Das ist und war doch Ziel links-grüner Ideologen in den Regierungen. Ein Volk läßt sich am besten lenken, wenn es gespalten und gegeneinander aufgebracht wurde. Zusammenhalt und eigene Identität ist *verbotener* Nationalismus in deren Augen. Mag das desintegrierte für Frankreich gelten, für Deutschland sehe ich das noch nicht. Ich lese heute Morgen, dass die AFD inzwischen 26,5 % bei Insa hat. Das wird aber nur in Bild im Text zum Politikerranking *versteckt*. Die Deutschen wachen langsam auf.
die EU, dass Frankreich seine Finanzen nicht regelt und scheints keine Antrengungen in die Richtung unternimmt.
Das liest sich in Österreich m.E. ganz anders, obwohl das Land zusammen mit Deutschland nach dem 2. Weltkrieg enormen Veränderungen unterworfen war.
Aber die Österreicher haben vielleicht so etwas wie Nationalwürde, noch resultierend aus der k. u. k. Monarchie, während Frankreich seinen Stolz evtl. vor allem daraus zieht, dass es die sogenannte "absolute" Würde "einen Kopf kürzer gemacht hatte" in der Französischen Revolution?
Stattdessen musste man mit Napoleon Vorlieb nehmen, ein vielleicht doch schwacher Abglanz einstiger royaler Größe?
Ich will nicht für die Monarchie als Staatsform sprechen, sondern für das, was evtl. mit ihr verlorenging, in England aber erhalten blieb als konstitutionelle Monarchie und im Selbstbewußtsein der Deutschen sowieso, die im Prinzip weder Gott, Kaiser noch Tribun brauchen, es reicht der absolute Geist.
DER LÄSST SICH NICHT AUSHALTEN PUNKT
Es ist ja nicht nur Frankreich, das in einer Dauerkrise festhängt, die letztlich durch eine verfehlte Wirtschaftspolitik bedingt ist. Es ist doch hier genau das Gleiche: der Zustand ist ausreichend beschrieben, Lösungsvorschläge sind reichlich vorhanden. Was passiert: Nichts, außer kosmetischen, mit weiterer Bürokratie verbunde Reförmchen wird nichts unternommen.
Neuester , bizarrer Vorschlag aus der SPD: Krankschreibung bis 14 Tage ohne Attest. Begründung: um die Arztpraxen zu entlasten, damit man sich um Kranke (!) kümmern kann, bei vollem Lohnausgleich , versteht sich. Eine Krankheit, was bei 14 Tagen ja schon der Fall sein kann, scheint gar keine Vorraussetzung für eine Krankschreibung zu sein. Gerade bei den Dreitage- Krankheit ist das jetzt schon der überwiegenden Fall.
Ich sehen da keine Unterschied zu den Verhältnissen in Frankreich, wo gerade die dringend notwendige Rentenreform abgesagt wurde. Man hat den Eindruck manche Politiker haben erhebliche , kognitive Probleme.
