picture alliance / AP Photo/Antonio Sempere | Antonio Sempere
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Exklave in Nordafrika - Sánchez: Migrantenandrang in Ceuta ist „Angriff“ auf Spanien

Kaum hat Spanien die schwersten Waldbrände der vergangenen Jahre überstanden, da erschüttert bereits die nächste Krise das Land. Doch warum strömen plötzlich Zehntausende Migranten nach Ceuta?

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Der Andrang Zehntausender Menschen auf die Nordafrika-Exklave Ceuta hat Spanien in eine Krise gestürzt – und auch Europa in Alarmbereitschaft versetzt. Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach bei einem Besuch in Ceuta von einem „Angriff“ und „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“. Die Regierung in Madrid setzt in der Exklave erstmals seit 2021 wieder Militär zur Unterstützung der Grenzsicherung ein. Mindestens 34 Menschen kamen nach Behördenangaben bei dem Versuch ums Leben, Ceuta schwimmend zu erreichen.

Fast 50.000 Migranten seien in den vergangenen Tagen irregulär in die Exklave an der Meerenge von Gibraltar gelangt, berichtete der staatliche Rundfunksender Radio Nacional unter Berufung auf die Regierung. Regionalpräsident Juan Jesús Vivas sprach sogar von 60.000. Unter den Ankömmlingen sind viele Minderjährige und Kinder, es gebe auch einige ältere Personen, hieß es.

Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer Fläche von nur 18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. Pedro Mariscal von der Lebensmittelbank in Ceuta sagte dem staatlichen TV-Sender RTVE, seine Organisation sei nicht in der Lage, alle Neuankömmlinge zu versorgen.

Medien: Lage entspannt sich etwas

In der Nacht auf Freitag übernachteten in Ceuta Tausende Migranten auf den Straßen. Die Aufnahmelager CETI sei mit mehr als 1000 Bewohnern bei einer Kapazität von 512 Plätzen bereits seit Mittwoch überfüllt, hieß es in RTVE. Zwar kamen auch in der Nacht und am Morgen weitere Menschen an, laut Medien aber deutlich weniger als am Vortag. Zugleich sollen Tausende Migranten freiwillig über den Grenzdamm nach Marokko zurückgekehrt sein, wie RTVE berichtete. Bis zum frühen Nachmittag seien es 25.000 gewesen, hieß es.

Der Aufforderung von Vivas, den Notstand auszurufen, war die Regierung nicht nachgekommen. Sánchez reiste aber nach der Anordnung des Militäreinsatzes in die Exklave und kündigte dort weitere Maßnahmen an. So sollen am Grenzdamm zwischen den Küsten Marokkos und den Ceuta-Strand Tarajal Schwimmbojen installiert werden, um eine „physische Barriere“ zu schaffen.

Zudem sollen Verfahren beschleunigt werden, um die Rückführung irregulär eingereister Migranten zu erleichtern. „Die Ausreise vieler Migranten findet bereits statt“, sagte Sánchez. Er hob die gute Zusammenarbeit mit Marokko hervor.

Medien und Politiker beklagen eine „Invasion“

Die Ereignisse haben in Europa kurz nach der lang erstrittenen Asylreform heftige politische Debatten ausgelöst. Konservative Zeitungen wie ABC und La Razón sprachen von einer „Invasion“. Oppositionsführer Alberto Nuñez Feijóo kritisierte Sánchez: Die Regierung dürfe „nicht wegsehen, denn wir befinden uns in einer Krise der nationalen Sicherheit“.

Am Donnerstagabend demonstrierten zahlreiche Einwohner Ceutas gegen den Andrang und warfen der Zentralregierung vor, die Kontrolle verloren zu haben. Aus Sorge vor Plünderungen blieben zahlreiche Geschäfte geschlossen. RTVE zitierte Bewohner: „Wir hoffen, dass sie sie bald wegbringen“, oder: „Viele Menschen trauen sich aus Angst nicht mehr aus ihren Häusern.“

In Europa schrillen die Alarmglocken

In anderen EU-Ländern werden Forderungen nach Konsequenzen laut. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni brachte den Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum ins Spiel und bekommt dafür Zuspruch der finnischen Innenministerin Mari Rantanen. In den EU-Regeln ist der Ausschluss eines Landes vom kontrollfreien Schengen-Raum gegen dessen Willen nicht vorgesehen.

Die Bilder aus Ceuta seien unzumutbar, heißt es von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Sie fordert ein hartes Vorgehen gegen Schmugglernetzwerke und schnelle Rückführungen. In Brüssel werde an Unterstützung für Spanien gearbeitet, auch durch die EU-Grenzschutzbehörde Frontex.

Warum der beispiellose Andrang, und warum jetzt?

Es gibt mehrere Erklärungsversuche für die Lage. Verwiesen wird auf Armut und fehlende Perspektiven für junge Marokkaner. Als ein möglicher Auslöser wird ein Beschluss des Obersten Gerichts in Madrid genannt, wonach die sofortige Zurückweisung von Migranten nur dann zulässig ist, wenn diese beim irregulären Grenzübertritt einen Zaun oder eine andere Sperre überwunden haben. Für Menschen, die über einen unbefestigten Abschnitt wie das Meer nach Spanien gelangen, sei eine Einzelfallprüfung nötig. Deshalb auch die Entscheidung Madrids, im Meer nun Bojen zu installieren.

Setzt Marokko Migranten als Druckmittel ein?

Die Zeitung El País und andere Beobachter betonen jedoch, dies erkläre die Krise nicht vollständig. Vielmehr duldeten die marokkanischen Behörden die Ausreisen nach Ceuta allem Anschein nach plötzlich. Dadurch entstehe erneut der Verdacht, Rabat könne Migration, wie bereits während der Ceuta-Krise 2021, als politisches Druckmittel gegenüber Spanien einsetzen – um dem Anspruch auf Ceuta und der anderen von Marokko umschlossenen Exklave Melilla Nachdruck zu verleihen oder aber aus Ärger wegen einer Algerien-Reise von Sánchez letzte Woche. Das Land liegt wegen des Westsahara-Konflikts mit Marokko im Clinch.

Aus Rabat gab es zunächst keine offizielle Reaktion. Die Botschafterin in Madrid, Karima Benyaich, betonte aber, ihr Land wolle die Rückkehr seiner Staatsangehörigen und setze auf eine „legale, geordnete und sichere Migration“. Die Bilder aus Ceuta wecken Erinnerungen an Mai 2021, als innerhalb von 36 Stunden mehr als 8000 Menschen in die Exklave gestürmt waren.

Quelle: dpa

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Markus Michaelis | Fr., 31. Juli 2026 - 15:52

Hat Sanchez wirklich von einem „Angriff“ und der „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“ gesprochen?

Wie passt das mit all den Menschenrechten und der positiven und wichtigen Rolle der Migranten in Spanien zusammen, die er sonst nicht nur als eine politische Option, sondern nach meinem Eindruck eher als unverhandelbar ansieht.

Vielleicht kann der Cicero mal ein politisches Portrait zu Sanchez erstellen: was will er eigentlich, welche Werte vertritt er, welche Kräfte stehen dahinter? Es wäre interessant, das besser zu verstehen.

Der Mann ist Sozialist und handelt wie alle Linken nach dem Motto: "One World, no Border". Mehr braucht's nicht als Beschreibung seiner Persönlichkeit. Dass er dafür sein ganzes Land in Geiselhaft nimmt: kein Mitleid mit den Spaniern, warum wählt ihr sowas.

und wird wohl früher-oder-später nur noch auf dem Papier existieren... ...

5Spätestens wenn in Frankreich und Deutschland Rechtskonservative regieren - und das werden sie. In Italien und Griechenland ist es ja bereits so... - alles nur noch eine Frage der Zeit, zwangsläufig.

Mir soll's Recht sein... Grenzen wurden über Jahrhunderte eingeführt um solche 'Probleme' zu lösen, wie wir sie jetzt! ganz Europa haben.

Beim Reisen in Europa haben mich die Grenzen vor Schengen nie persönlich gestört... >> Null Probleme!! (in den 90ern z.B.)