Europas Sorge - Kalter Krieg mit China?

Mit dem 21. Jahrhundert kommt eine neue Weltordnung, die China heißt. Während die Chinesen auf der wirtschaftlichen Überholspur sind, hat Europa verschlafen. Es ist an der Zeit aufzuwachen, findet unser Gastautor Finn Wandhoff.

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Chinas Staatspräsident Xi Jinping – der vielleicht mächtigste Mann des 21. Jahrhunderts? / dpa

Autoreninfo

Finn Wandhoff ist seit 2017 Vorsitzender der Schüler Union, die rund 5.000 Mitglieder hat. Wandhoff hat 2019 in Plön, Schleswig-Holstein sein Abitur gemacht und arbeitet derzeit im Bundestag.

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Finn Wandhoff

Wenn der Mensch nicht über das nachdenkt, was in ferner Zukunft liegt, wird er das schon in naher Zukunft bereuen. – Konfuzius 

Vor 30 Jahren proklamierte Francis Fukuyama das „Ende der Geschichte“, als der Eiserne Vorhang fiel und meinte damit den vermeintlich endgültigen Sieg der westlichen Demokratien über die staatlich organisierte Unfreiheit in den Ländern des ehemaligen Ostblocks. Doch wer sehen will, wie die Geschichte der Unfreiheit weitergeschrieben wird, muss lediglich über die historische Route der alten Seidenstraße blicken, in einen jener damaligen sozialistischen Staaten, der von uns allen zu lange unterschätzt wurde.  

Lange schien der Westen in wirtschaftlichem Erfolg und globalem Einfluss konkurrenzlos. Die neunziger Jahre beendeten den letzten politischen Großkonflikt des 20. Jahrhunderts und leiteten zeitgleich eine neue wirtschaftliche und sogar gesellschaftliche Ära ein – die der Digitalisierung. Von beidem profitierte der Westen gewaltig, namentlich Europa und vor allem die USA. Die Hauptschauplätze weltpolitischer Konflikte verkleinerten sich – geographisch und in ihrer Wirkung. Sie verlagerten sich von Berlin nach Bagdad, Kuwait und Kabul und entfernten sich damit auch von unserer Lebenswirklichkeit. 

Das ökonomische Trinkgelage des 20. Jahrhunderts

Die Welt war high, betrunken von wirtschaftlicher Sorglosigkeit und gesellschaftlicher Harmonie. Höchstens hier und dort kleinere Störungen. In diesem ökonomischen Trinkgelage waren wir lange gleichzeitig der größte Gönner und Genießer, besonders im Umgang mit den Schwellenländern des fernen Ostens, wo man sich die längste Zeit dankbar zeigte für die launige Festgesellschaft aus Europa und Nordamerika. So konnte in dieser Hinsicht in übergroßem Maße voneinander profitiert werden. Wirtschaftlich gesehen war dieses Verhältnis also absolut sinnvoll. Nur haben wir, die Europäer, die politische und historische Dimension unserer schier grenzenlosen Investitionsbereitschaft offenbar unterschätzt und in beinahe eurozentristischer Arroganz fehlinterpretiert. Wir waren, so scheint es, in einem wohligen Rausch – und warum ausnüchtern, wenn man sich doch wohl fühlt?

Inzwischen ist China in der Poleposition für das machtpolitische Rennen des 21. Jahrhunderts. Im Fernen Osten gibt es Wirtschaftswachstumszahlen, von denen die Länder des Westens nur träumen können, eine ebensolche Demographie, ein riesiger Binnenmarkt, der täglich aus europäischer Sicht in nicht begreifbaren Dimensionen wächst, und einen ebensolchen geopolitischen Einfluss.

Zudem hat China eines nicht, worauf wir gut verzichten könnten – nämlich jenen schweren, sperrigen Klotz am Bein, der zuweilen selbst einigen Staaten des Westens lästig zu werden scheint: den demokratischen Rechtsstaat. Das alles sind Realitäten, die überwiegend weder die westliche Öffentlichkeit noch ihre Politik hinreichend realisiert zu haben scheinen. Letztere wähnt sich viel lieber noch immer im Glanz der Nachkriegsepoche, wie ein alter Hollywoodstar, der das Ende seiner Karriere nicht begreift, weil die Sonne noch immer jeden Tag so schön auf seine Villa in den Beverly Hills scheint. 

China in der Poleposition des 21. Jahrhunderts

Am Rausch ist nicht der Wein schuld, sondern der Trinker. – Konfuzius

Fukuyama hat also Recht behalten, zumindest was den Westen betrifft. Denn die Geschichte wurde weitergeschrieben, nur nicht hier. Aber worin liegen die Gründe für die selbstverschuldete globale Umordnung – und vor allem: Was ist eigentlich so schlimm daran? Ist das, was wir erleben, nicht einfach der Lauf der Zeit? So wie er immer war? 

Helmut Schmidt hat als Wirtschafts- und Finanzminister und später als Bundeskanzler bereits erkannt, welche ökonomische Gewalt im fernen Osten erwacht. Was nicht heißt, dass er eine Gefahr darin sah, im Gegenteil: Zeit seines Lebens zeigte er sich im positiven Sinne beeindruckt von der Expansionskraft des Konfuzianismus (den er nebenbei für das chinesische System als ideologisch viel entscheidender sah als etwa den Sozialismus).

Bei Schmidt drückte sich das in der Überzeugung aus, man dürfe mit den eigenen Moralvorstellungen nicht zu überheblich sein und vor allem gegenüber China nicht ökonomisch missgünstig werden. Ohne bei Schmidt hängenzubleiben – dessen politisches Vermächtnis ein ganz anderes ist – verdeutlicht diese Geschichte ein historisch mal schneller, mal langsamer gewachsenes Problem deutscher, mittlerweile europäischer Außenpolitik: eine prinzipielle, globale Systemtoleranz unter Aufgabe eigener freiheitlicher Überzeugungen und zu Gunsten einfacher und ökonomisch ergiebiger Beziehungen.

Die Zementierung Deutscher Außenpolitik

Dieser Ansatz strahlt heute über politische Lager hinweg bis in die aktive deutsche Außenpolitik und wurde in den vergangenen Jahren beinahe zementiert. Unter anderem, weil der gegensätzliche Versuch Amerikas, westliche Werte in einige unfreie Systeme des Nahen Ostens zu exportieren, großartig gescheitert ist. Aber auch bei dem Versuch einer sogenannten Nationenbildung standen kurzfristige, ökonomische Interessen im Vordergrund anstelle von freiheitlichen Bestrebungen. Trotzdem hat diese Randnotiz der jüngeren Geschichte völlig dafür ausgereicht, jene moralische Zurückhaltung in der Außenpolitik zu festigen. 

Für uns hatte das bisher kaum negative Folgen, denn es ging fast ausschließlich um Zustimmung oder Ablehnung der außenpolitischen Agenda der anderen. Dass aber Europa in den kommenden Jahren – um nicht von Monaten zu sprechen – in jeder Hinsicht laufen lernen muss, wird momentan durch abziehende US-Truppen aus Deutschland verbildlicht. Dass im Übrigen chinesische Coronahelfer in Italien und Griechenland dafür nicht ausreichten, verdeutlicht den immensen Handlungsdruck.  

Die neue Weltordnung

Glatte Worte und schmeichelnde Mienen vereinen sich selten mit einem anständigen Charakter. – Konfuzius 

Wollen wir also in der neuen Weltordnung bestehen, müssen wir unser außenpolitisches Denken neuordnen, mehr noch: Wir müssen ein globales Leitmotiv formulieren. Dieses Leitmotiv kann und darf sich nicht im deutschen Nachkriegspragmatismus und seinen primär wirtschaftlichen Interessen begründen, wie es sich einige Konservative wünschen. Es darf aber genauso wenig vor lauter unumstößlicher Moral, wie sie einige Linke gerne einfordern, ein praktisch unanwendbares Motiv sein.

Das 21. Jahrhundert wird für Europa nur einen Kanon aus beidem zulassen. Was wir benötigen, ist also eine konsequentere Umkehr der alten Außenpolitik der interessegeleiteten Prinzipien hin zu einer Politik der prinzipiengeleiteten Interessen. Die Konfrontation mit China wird auf allen Ebenen so groß sein, dass man zu praktischen Entscheidungen gezwungen sein wird, gleichzeitig stehen unsere ureigenen Grundwerte aber derart unter Beschuss, dass wir uns Entscheidungen ohne klare Prinzipien nicht werden leisten können. Die Verbindung von Pragmatismus und Moral ist im Umgang mit China sogar Voraussetzung, denn China wird einen Partner kaum ernst nehmen, der sich und seine eigenen Werte nicht konsequent vertritt. 

Angst vor einem neuen Kalten Krieg mit China

Um zu erkennen, wie dringend eine solche Veränderung in der deutschen und Europäischen Außenpolitik ist, muss man China nicht einmal totale Weltmachtbestrebungen unterstellen, die Peking ja natürlicherweise immer wieder von sich weist. Es reicht völlig aus zu erkennen, dass China seit Jahren die Ressourcen und den Willen aufbringt, überall dort freien Raum einzunehmen, wo andere Platz lassen. Und das genügt in einer Welt, in der kein anderer in der Lage ist, diesen Raum zu verteidigen. Das trifft auf die chinesische Einflussnahme in Afrika zu wie auch auf das häufig angeführte Konjunktur- und Infrastrukturprojekt der Neuen Seidenstraße und letztlich auch auf jene chinesischen Hilfslieferungen nach Südeuropa während der Corona-Pandemie. 

Wem China Angst vor einem neuen Kalten Krieg macht, der liegt vermutlich nicht falsch. Aber der größte Fehler im Umgang mit Peking wäre Harmonie um der Harmonie Willen. Abgesehen davon, dass es keine positiven historischen Beispiele für Appeasement gibt, geht es im Angesicht der gewaltigen politischen Expansion Chinas nicht mehr einfach um Freundschaft oder Feindschaft, sondern um nicht weniger als Individualismus oder Kollektivismus, Menschenwürde oder Ressource Mensch, Freiheit oder Unfreiheit. In diesem Konflikt hat die Harmonie keinen alleinstehenden Wert, sondern muss unbedingt an Bedingungen geknüpft werden, die wir vorgeben müssen. Eine neue bipolare Weltordnung darf nicht zu einem Dogma oder gar forciert werden, aber ihre drohende Gefahr kann niemals zum Argument für die Akzeptanz chinesischer Narrative werden. 

Kant und nicht Konfuzius

Europa steht vor der historischen Aufgabe, sich als Gemeinschaft neu zu erfinden und seinen souveränen Platz in einer neuen politischen Ordnung einzunehmen. Was die USA in der Nachkriegsepoche waren, werden sie in diesem Jahrhundert mit steigender Wahrscheinlichkeit nicht mehr sein können. Der neue systemische Rivale wird anders sein als Sowjetrussland – genauso wie die Konflikte andere sein werden. In diesem veränderten Gefüge müssen wir einen unverrückbaren Platz für die moralischen Werte des Westens einnehmen, weil es sonst keiner tun wird. In dieser Aufgabe liegt die Chance, uns über innereuropäische Konflikte hinaus als Gemeinschaft zu identifizieren, die einiges mehr teilt als eine Währung und eine Gurkenkrümmungsnorm – und deren Philosophen Kant oder Descartes heißen und nicht Konfuzius.
 

Rainer Mrochen | Mi, 17. Juni 2020 - 13:28

... wieder ein 17 Jähriger Abiturient, der diesmal weltpolitische und - ökonomische Zusammenhänge erklärt.
Er "arbeitet" im Bundestag, was denn?
An einer Karriere Ala Amthor? So wird das nichts.
China ertrinkt in Schulden und auch diese werden zurückgezahlt werden müssen. Die Macht der Gläubiger ist nicht zu unterschätzen.
Aufstieg und Fall gehören zum historischen, chinesischen System. Eine Gesellschaft
lässt sich darüber hinaus durch permanente Unterdrückung und Überwachung nicht ewig zusammenhalten. Chinas Ansprüche mögen weit gesteckt sein, daß waren die des tausendjährigen Reiches und der UDSSR auch.
Keine unnötige Angst also.

alf graef | Mi, 17. Juni 2020 - 14:41

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Herr Mrochen, das Ganze haben gut auf den Punkt gebracht. Als ich die Vorgänge um - den CDU Jungstar - Amthor gelesen habe wurde mir auf Anhieb übel.

Jetzt lese ich im Cicero den Kommentar eines- Vorsitzenden einer Schüler Union zum Thema "Kalter Krieg mit China?". Wenn ich jetzt schreiben würde was ich darüber denke, wäre dieser Eintrag sicherlich gesperrt worden...

Von daher empfehle ich "Meyers Blick auf China und seine Stärke".
Mein Bruder lebt uns arbeitet in Shanghai, also vor Ort. Er bestätig im wesentlichen dessen Aussagen.

Wer es noch nicht kennt und interessiert, ist bitteschön:
https://www.cicero.de/meyers-blick-china-meinung-kreativitaet-oekonomie…

MfG

Fundiert, kenntnissreich und sachlich.

Bernhard K. Kopp | Mi, 17. Juni 2020 - 17:37

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Die " Junge Stimme " sagt es natürlich nicht so, aber es geht um Vergemeinschaftung der Staatsschulden, der Staatsfinanzierung durch die EZB, der gemeinsamen Arbeitslosenunterstüthung uvam. - um das gute Gefühl der " ever closer union ", mit Beethoven natürlich, um als " Gemeinschaft " die eigenen Interessen gegenüber China besser formulieren zu können. Der Autor kapiert natürlich nicht, dass die EU nicht gleichzeitig mit Vollgas gegen die Wand fahren und gegen China erfolgreich sein kann.

Robert Müller | Do, 18. Juni 2020 - 07:47

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Ich habe mir das angesehen. Schon vor China war es so, dass viele Dinge in Deutschland erfunden wurden und dann die Japaner ein Geschäft daraus gemacht haben. Oft genanntes Beispiel ist der mp3-Player. Heute ist es China das z. B. 90% der Produktion von Smartphones übernommen hat. Allerdings gehen 90% der Gewinne an US-Unternehmen. In der Corona-Pandemie sahen wir, dass das bei vielen Produkten ähnlich ist. Halte ich für keine gute Situation, insbesondere weil die Chinesen dadurch lernen und zumindest für ihren eigenen Markt das Geschäft nun selber machen. Auch die deutsche Automobilwirtschaft wird ständig mehr chinesisch, von den Kunden und den Aktionären her betrachtet. Trump wird das von außen nicht ändern können, so wie auch Großbritannien nicht Deutschland vor 150 Jahren zurück halten konnte. Nur China selber kann das. Ob das wünschenswert ist? Aktuell würde ich nein sagen.

Robert Müller | Mi, 17. Juni 2020 - 14:47

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Schulden müssen nicht zurück gezahlt werden. Solange man die Zinsen zahlt und Kreditwürdig ist, gibt es dazu keine Notwendigkeit. Zum anderen: Ich stimme dem Autor voll zu, aber solange die Potiker der Bonner Republik noch alles bestimmen, wird es bei der überholten Politik bleiben. China eilt Deutschland und insbesondere Europa mit großen Schritten davon. Der Abstand wird Jahr für Jahr größer.

Rainer Mrochen | Mi, 17. Juni 2020 - 21:41

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...müssen nicht zwangsläufig zurückgezahlt werden. Sie haben Recht.
Denn in ihnen dokumentiert sich ja nichts Anderes als das Vertrauensverhältnis
Gläubiger zu Schuldner. Der Schuldner arbeitet für gewöhnlich, in Zukunft, seine Schuld ab.
Allerdings gilt es den Zinssatz zu beachten. Sollte der Nominalzinssatz ( die auf Rückzahlung zu zahlenden Zinsen ) sich ändern ( z.Bsp. erhöhen ) und Zentralbanken können das, wird das eine kumulative Verschuldung entstehen lassen ( öffentliche Verschuldung, der Staat ; "äußere", die Gemeinden ).
Auf diese Weise kann ein Dispositiv extrem proportionierter Polarisierung zwischen Gläubiger und Schuldner entstehen, das sich immer zugunsten der Gläubiger auswirkt. Die staatlichen Refinanzierungssätze hängen also sehr von dessen Glaubwürdigkeit, in seine wirtschaftliche Fähigkeit ab. China ist auch nur ein Wettbewerber.

Brigitte Simon | Do, 18. Juni 2020 - 15:29

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China macht sich keine Sorgen über die Rückzahlungs seiner Schulden an Deutsch-land. Wozu auch?
Entwicklungsminister Gerd Müller stand am 20. Juni 2019 in Erklärungsnot. Nur ungern bestätigte er Deutschlands Entwicklungshilfe an China. Seit 1979 summieren sich die Mittel aus Deutschland auf fast 10 Milliarden Euro. 2017 flossen tatsächlich noch 630 Millionen Euro an China. Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor. Doch China steht nach wie vor auf Nummer 3 im Ranking der Entwicklungshilfe. Kritik äußert die OECD. Sie möchte China den Status eines Entwicklungslandes entziehen. Das möchten Merkel und Müller verhindern. Lediglich die FDP unterstützt das Vorhaben der OECD. Deutschlands Angst vor China läßt dies nicht zu. Doch unsere Regierung geht nicht leer aus. Wieviel Meter der neuen Seidenstraße gehören nunmehr Deutschland?

Robert Müller | Fr, 19. Juni 2020 - 09:15

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Nicht "wird eine kumulative Verschuldung entstehen lassen", sondern "würde... ". Natürlich ist den Zentralbanken diese Gefahr bewusst und deshalb schweißen sie den Zinssatz unten fest. Trotzdem steigt die Verschuldung weiter stark. Selbst in Deutschland, wo man es anders machte, ist man nun wieder zu den alten Gewohnheiten zurück gekehrt. Meiner Meinung nach braucht man keine Angst vor steigenden Zinsen haben, doch heißt das nicht das es ungefährlich wäre. Allerdings ist das eine neue Gefahr. Beschreiben kann die noch niemand, ich auch nicht. Gelegentlich lese ich von der Zombifizierung der Wirtschaft. Mag sein, dass diese Diagnose stimmt. Wir wissen es nicht. China hat auch massig Schulden, allerdings gut versteckt. Und nicht alles was dort glänzt ist Gold.

Hans Jürgen Wienroth | Mi, 17. Juni 2020 - 14:48

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Nein, Herr Mrochen, langfristiges und strategisches Denken sind eine der aktuell herausragenden Eigenschaften der chin. Führung. Bei uns gibt es dagegen nur „alternativloses“ Handeln, wenn das Kind eigentlich schon im Brunnen ist. In der Technik wird die FMEA für systematische Zuverlässigkeitsprognose angewandt. Diese Systematik fehlt für mich in der europäischen Politik.
China braucht Wirtschaftswachstum für Wohlstand und Ernährung seines gr. Volkes und kennt dabei keine Freunde. Wir opfern unseren Wohlstand für das Wohlergehen der Welt, während wir alten Freunden (GB + USA) vor den Kopf stoßen. Während China militärisch im Pazifikraum (und woanders) immer bedrohlicher auftritt, erheben wir den Pazifismus zu unserer neuen Religion. Dabei würde eine strategische Allianz eines „Nichtangriffs- und Verteidigungspaktes“ der EU mit RUS, USA (mit oder ohne China!) nach Muster Bismarcks f. m. Chinas Expansionsgelüste eindämmen. Das fordert jedoch auch eine Verteidigungsbereitschaft der BRD!

Das Problem bei der chinesischen Führung ist, dass sie, wenn es um die politische Macht geht, auch über Leichen geht. Solange das Chinesen sind, kann man anderswo wegsehen, nur das muss so nicht bleiben. Die chinesischen Kommunisten wissen das früher oder später auch für sie das Ende kommen wird, weshalb sie alles tun, damit es später sein wird.

Jacqueline Gafner | Mi, 17. Juni 2020 - 15:59

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sind die Ausführungen des jungen Artikel-Verfassers in meinen Augen allemal, auch wenn ich mit Ihnen durchaus einig gehe, dass sich Europa (und der Westen allgemein) von Chinas wirtschaftlich erfolgreicher "Aufholjagd" nicht über Gebühr beeindrucken lassen sollte. Diktaturen jedweder Couleur mögen auf der Kurzstrecke aus einsehbaren Gründen effizienter sein als demokratisch konstituierte Rechtsstaaten, auf der Langstrecke sieht die Geschichte dagegen in aller Regel etwas anders aus. Sich allein auf diese Erfahrung zu verlassen, wäre indessen ebenso kurzsichtig wie riskant, denn ein "Naturgesetz" ist das leider nicht. Ergo ist es nie falsch, an der eigenen Fitness zu arbeiten, sondern schlicht ein Gebot der Vorsicht, will den Marathon gewinnen, um im Bild zu bleiben. Mit Angst hat das denkbar wenig zu tun, mit Risikopräventation dagegen einiges. Und Vorsorge ist nach meinem Dafürhalten stets besser als Nachsorge. Okay?

... wie darf ich dieses "Okay?" verstehen, sehr geehrte Frau Gafner?
Erwarten sie von mir voll, inhaltliche Zustimmung?
Ich sage mal so: Der Gehalt einer überspitzten Polemik, besteht für mich in ihrer Wirkung auf aktuelles Zeitgeschehen. Ich denke das ist auch, ohne Erklärung, zu erkennen. Vielleicht noch soviel: China ist auch nur ein Global Player, wenn auch ein starker, so doch in ein globales System eingebunden. Bisher hat sich China durch Diebstahl geistigen Eigentums und Wettbewerbsverzerrung in Form protektionistischen Marktzuganges einen "Namen" gemacht.
Im, demokratischen, Westen ist dies nicht ohne Wirkung geblieben. Im Zuge von Corona, werden sich die Möglichkeitsverhältnisse ändern.
Wir werden sehen.

Romuald Veselic | Mi, 17. Juni 2020 - 13:51

macht keine Pride Parade, und in chinesischen Fragebogen steht: Mann/Frau & Dame/Herr, am wenigstens Ausdrücke wie Studierende, sich Duschende o. Toleranz der anderen Kulturen - ausgenommen - die Kultur der alten weißen Frauen/Männern. Es gibt zwei Geschlechter sonst nixx. Damit basta. Ansonsten Maulschelle...
Z "Bei Schmidt drückte sich das in der Überzeugung aus, man dürfe mit den eigenen Moralvorstellungen nicht zu überheblich sein und vor allem gegenüber China nicht ökonomisch missgünstig werden."
Genau das ist los in West-EU, wo 1% der "empörten/alternativen/klimarettenden" Öffentlichkeit, versucht ihre Ansichten repressiv, diktatorisch u. undemokratisch (kein Mandat durch Wahlen) den 99% aufzuzwingen. Für solche Verhältnisse, hat man nicht nur in China kein Verständnis. Beim Business Global, gibt's keine Spitzfindigkeiten. Man kann verrückt sein, solange kein Schaden dabei entsteht. In China gilt das Recht des Stärkeren. Das müssen die Links-Liberalniks sehr gut wissen.

Bernd Muhlack | Mi, 17. Juni 2020 - 17:15

Ein sehr lesenswertes Buch von Helmut Schmidt; 1987.
Auch Ihr Artikel ist lesenswert.

Ja, die EU und China.
Diese "Werte - und - Haltung - Bürokraten" haben doch gar nicht den Mumm gegenüber China harsch aufzutreten, vgl. Hongkong.
Lasches Geschwätz, nichts dahinter.

Nach der Münchner Konferenz in 1938 soll Hitler gesagt haben: "Unsere Gegner sind Würmer, ich sah sie in München."
Selbiges werden sich auch die ewig grinsenden Chinesen denken.

Herr Wandhoff, Sie erwähnen den Philosophen Konfuzius. Nicht einmal Maos brutale "Kulturrevolution" vermochte dessen Lehren, Weisheiten "auszumerzen"; und das ist auch gut so!
In Ihrem Schlusssatz taucht Immanuel Kant auf, man sollte seine Werke gelesen haben, zumindest grob informiert sein.
In 2020 wird er von den Berufsbetroffenen als Rassist beschimpft!

Und genau da Herr Wandhoff liegt das Problem: wir haben eine warum auch immer von den Medien gehypte geistig marodierende Soldateska, welche sich die Arroganz des Allwissens anmaßt!

AUS.

Ein guter Artikel und eine gute Definition Chinas. Ich interssiere mich für China seit Jahren. Sie analysieren meine chinesische Charakterisierung. Allerdings kommt Hel-mut Schmidt in Ihrem Artikel "zu gut davon". Helmut Schmidts Liebe zu China war sehr naiv. 1975 in einer Zeit, in der das Reisen nach China, sowohl für Privatpersonen und Politiker noch sehr selten umd exotisch war. 15 oder 16 Mal beglückte er sich und China mit seinen visionslosen Begegnungen. In dieser Zeit war für ihn bereits "China die Weltmacht". Er forderte von Deutschland,
Erstens: Verzicht auf westliche Überheblichkeit
Zweitens: Volle Einbeziehung Chinas als gleichberechtiger Partner in alle multinatio-
nalen Organisationen, in denen globale Fragen - Wirtschaft, Finanzen, Klima, Ab-rüstung - verhandelt werden.
Drittens: Keine Widerstände gegen die Annäherung Taiwans gegen die Volksrepublik China und die daraus ergebende friedliche Wiedervereinigung.
Für Schmidt war China das friedlichste Land weltweit.

Tomas Poth | Mi, 17. Juni 2020 - 22:50

- demokratischer Rechtsstaat auf den wir verzichten können -
Hr. Haldenwang das scheint ein echter Prüfungsfall zu sein.

Urban Will | Do, 18. Juni 2020 - 06:46

wirkt unreif. Zu dicke aufgetragen. Mangel an Lebenserfahrung.

Ernst gemeint? Der demokratische Rechtsstaat als verzichtbarer „Klotz am Bein“?

Chinas Prinzip der kollektiven Unterdrückung und Überwachung seines Volkes, ob das nun Sozialismus oder Konfuzianismus oder sonst was ist, wird nicht das Projekt der Zukunft sein.
Ja, sie werden, weil wir („der Westen“) es aus Eigeninteresse (gute Geschäfte, ...noch) so wollen uns wirtschaftlich vielleicht eine gewisse Zeit lang in die Tasche stecken. Aber auch dort wird sich der Drang nach Freiheit irgendwann Bahn brechen. Und dann zerfällt das Kartenhaus.

Europa soll sich neu erfinden?
Das klingt interessant. Nur ein „Schreibfehler“ oder bewusst formuliert?
Wohl kaum, der junge Mann hat den Polit – Sprech der BT – Gemeinde wohl automatisch übernommen. Europa = EU. Aber die kann sich nicht mehr neu erfinden, die bläst gerade zum großen Geldverbrennen, der nichts, aber auch gar nichts an Reformen folgen wird. Sie schwächt sich nur weiter.

Christoph Kuhlmann | Do, 18. Juni 2020 - 09:51

historisch gesehen. Es wird zum dritten Staat, der die Welt ein Dutzend mal vernichten kann. Sollte nun auch Europa diesem Club beitreten? Wirtschaftspolitisch muss es sicher die gleichen Marktzugangschancen für europäische Firmen durchsetzen, die umgekehrt chinesische Firmen in Europa haben. Das gilt sowohl für Unternehmensgründungen als auch für Käufe von Firmen. Der Patentschutz und andere Fragen müssen geregelt werden. China hat keine unabhängige Rechtssprechung, insofern ist das Terrain für Mittelständler problematisch. Im IT Bereich darf China in Schlüsseltechnologien kein Vorsprung zugestanden werden. Das sind lösbare Aufgaben solange Europa nicht den Kopf in den Sand steckt.

Marianne Bernstein | Fr, 19. Juni 2020 - 09:35

Nicht nur ein paar ewig gestrige oder Rechte sondern die Eliten des Westens glaubten, dass sie die besseren Menschen sind, dass sie die Übermenschen sind, die die Untermenschen weltweit versklaven können und sie für sie produzieren lassen.
China hat sich aufgrund historischer Besonderheiten dem Einfluss des Westen nie wirklich gebeugt sondern an die eigenen Identität und Stärke geglaubt und vor allem umgesetzt. Hätte sich China wie alle anderen z. B. der Weltbank unterworfen, dann wäre China heute nicht das, was es ist.
Es gibt eben keine Ende der Geschichte.