Peter Magyar
Ungarischer Wahlsieger Péter Magyar / picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Denes Erdos

Reaktionen auf Ungarn-Wahl - Warum Brüssel nach jeder Wahl sofort weiß, wer die Guten sind

„Europafreundlich“ ist keine nüchterne Beschreibung. Es ist ein Gütesiegel. Vergeben wird es von jenen, die sich selbst gern mit Europa verwechseln. Dabei taugt Péter Magyar überhaupt nicht für die schlichte Erlösungserzählung, die man ihm nun überstülpt.

Florian Hartleb

Autoreninfo

Dr. Florian Hartleb ist Professor für International Relations an der Modul-Universität Wien sowie Autor des im Herbst 2025 erschienenen Buchs „Teenager-Terroristen. Wie unsere Kinder radikalisiert werden – und wie wir sie schützen können“.

 

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Kaum ist in Ungarn gewählt, ist die Deutung schon fertig. Péter Magyar ist der Europafreund, Viktor Orbán war der Europafeind, und Brüssel weiß wie immer erstaunlich schnell, wer nun wieder auf der richtigen Seite der Geschichte steht. Kaum irgendwo fällt eine Wahlentscheidung nicht in den gewohnten Erwartungskorridor, beginnt in der europäischen Öffentlichkeit das bekannte Schauspiel: Hier die Guten, dort die Problemfälle, hier die Rückkehr der Freiheit, dort der Schatten des Autoritären. Aus einem politischen Vorgang wird binnen Stunden ein moralisches Lehrstück. Europa erscheint dann nicht mehr als Raum widerstreitender Interessen, sondern als pädagogische Veranstaltung mit angeschlossenem Benotungssystem.

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Markus Michaelis | Di., 14. April 2026 - 18:29

Ja, so kommt einem das manchmal vor. Europa wird von vielen zuerst als Werteprojekt verkauft, von vielen auch zuerst so gesehen. Kann man machen, nur sollte man dann so ehrlich sein, nicht die Demokratie in den Vordergrund zu stellen. Demokratie ist einfach ein anderer Aspekt. Wenn es zuerst um Werte geht und sich gewisse Gruppen dabei durchsetzen, ist das ja auch ok - in Gesellschaften ist das wahrscheinlich meist der Fall. Aber man sollte dann auch ehrlicher darüber reden und nicht alles durcheinandermischen, und nicht so tun als verträte man vor allen anderen DIE richtigen, gar einzigen Werte. Man sollte auch nicht so tun, als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die ganze Welt und alle Menschen die Werte und Sichtweisen der EU übernähmen, oder sich herausstellt, dass eigentlich alle schon immer dasselbe gedacht haben. Das scheint mir zu weltfremd.

Ingofrank | Di., 14. April 2026 - 20:11

Was für ein Charakter ?
Der als Spitzenkandidat eines Parteienbündnisses zur EU Wahl antritt, dieses Bündnis zum Sieg führt, und einem Hinterzimmer- Deal vom „schönen Franzosen“ und Merkel ohne mit der Wimper zu zucken abserviert wird und der Inthronisierung von v d L auch noch zustimmt …..
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik

Bernhard Kaiser | Di., 14. April 2026 - 20:54

… wird Mgyar die Grenzen wieder öffnen und damit die Balkan-Route für weitere Massenmigration frei geben, das Veto für die 90 Milliarden an die Ukraine zurück nehmen, künftig auf russisches Öl und Gas, das 90% des ungarischen Energiebedarfs deckt, verzichten, die traditionelle Familienpolitik Orban‘s rückabwickeln und durch Gender-Gaga ersetzen und Ungarn letztendlich finanziell und physisch in den Ukraine Konflikt reinziehen, kurz und gut, ALLES, was Orban gegen Brüssel durchgesetzt hat, zerstören und das Land genau so gegen die Wand fahren wie unsere EU-Vasallen in Berlin unser Land …

Hans Jürgen Wienroth | Di., 14. April 2026 - 21:15

Das Prinzip der EU ist das aller Autokratien: Nur kein Widerspruch. Da ist kein Platz für konstruktive Diskussionen, insbesondere dann nicht, wenn es um ideologische Projekte wie den Green Deal oder das der „Ever-Closer-Union“ geht. Da gibt es nur Gut und Böse, da gibt es keine konstruktiven Debatten, denn deren Ergebnis könnte dem eigenen Ziel widersprechen.

Ob Magyar wirklich der „kritisch-konstruktive Europäer mit nationalem Interesse“ sein wird oder ob ihn die „erfahrenen Staatschefs“ gleich „einnorden“ wird die Zeit zeigen. Bisher scheint es mir so, als wäre Magyar bereits von der Kommissionspräsidentin mit der Freigabe Brüsseler Gelder „geködert“ zu sein.

Hatte Orban wirklich keine Argumente oder war die Runde der Regierungschefs wie die Talk-Shows im dt. Fernsehen: Alle gegen einen?

Wolfgang Borchardt | Di., 14. April 2026 - 22:33

Wünsche wahr werden und Ungarn 'künftig bei allem mitmacht, was sich Brüssel ausdenkt. Woher weiß man das? Es gab keinen Sieg der Demokratie, die Wahlen waren Ausdruck einer funktionierenden Demokratie, die Veränderungen bewirkt. Wenn Frau vdL das mit 1956 oder 1989 vergleicht, dann ist das kein Zeugnis eines ausgeprägten Geschichtsverständnisses und wird den Ungarn gar nicht gefallen

Thomas Veit | Mi., 15. April 2026 - 00:15

bisschen wie Frau Meloni mit der EU-Administration in Brüssel umgehen wird...? Man weiß es (noch) nicht, aber in Georgia Meloni haben sich in Brüssel auch viele verschätzt... 🤔

Wenn sich dann in Frankreich 'die Verhältnisse' noch deutlich ändern werden..., spätestens dann ist Brüssel auch nicht mehr dasselbe wie bisher. Man wird sich nicht auf Dauer den Entwicklungen in den Mitgliedsländern entziehen können..., und sollte in Deutschland die AfD... ... ...!?? 🤔 😨

Interessant war auch neulich die Aussage des allseits bekannten Prof. Sönke Neitzel im FAZ-Gespräch (auf YT), der da meinte: seiner Meinung nach sei die EU an den Grenzen ihrer Reformfähigkeit angekommen..., da sei nichts Wesentliches mehr zu erwarten... - heißt nach meiner (und anderer) Interpretation: langsamer Niedergang bzw. Siechtum..., im günstigsten aller Fälle Stagnation.

>> Das sind die Aussichten... (ganz allgemein)

Theodor Lackner | Mi., 15. April 2026 - 07:11

"Der Apparat lebt von der Suggestion, dass es am Ende eine richtige europäische Haltung gibt und dass man sie auch zuverlässig erkennt."

Das nennt man Ideologie.

"Europa" ist wie "Demokratie" oder "Gerechtigkeit" einer jener Begriffe, die wegen ihrer grundsätzlich positiven Konnotation von einer politischen Seite gekapert wurden und als politisches Kampfmittel zwecks Ausgrenzung Andersdenkender verwendet werden.

Man hüte sich vor Leuten, die behaupten, das Richtige, Gute, Wahre zu kennen und jegliche Skepsis vermissen lassen. Von der Leyen, Merkel und die gesamte grüne Bewegung sind Musterbeispiele dafür.