EU und Flüchtlinge - „Da stehen doch keine Invasoren!“

Gibt Europa an den Außengrenzen seine Werte preis? Hat der Liberalismus eine Zukunft? Darüber streiten der ungarische Botschafter Péter Györkös und der ehemalige Grünen-Politiker Ralf Fücks.

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Verliert die EU ihren moralischen Kompass? / dpa

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Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Alexander Marguier

Herr Györkös, an der griechisch-türkischen Grenze spielen sich dieser Tage wieder Dramen ab, der Migrationsdruck belastet die Außengrenzen der EU. Aber im Gegensatz zum Jahr 2015 scheint Europa diesmal die Schotten dicht zu machen. Ist das eine Bestätigung von Viktor Orbáns Antimigrationspolitik?
Péter Györkös: Ich würde Viktor Orbáns Ansatz nicht als „Antimigrationspolitik“ bezeichnen, sondern schlicht als europäische Politik. Europa kann nur überleben, wenn es die Kontrolle an seinen Außengrenzen aufrechterhält – nichts anderes hat die ungarische Regierung seit dem ersten Krisengipfel im April 2015 ständig gesagt. Leider hat es mehr als viereinhalb Jahre gebraucht, bis die damalige ungarische Position endlich Mainstream geworden ist.

Sie sehen die ungarische Position jetzt also bestätigt?
Györkös: Absolut. Und ich weiß, dass diese Position durch die Macht der Bilder moralisch permanent herausgefordert wird. Aber Grenzschutz ist nun einmal keine schöne Aufgabe.
Ralf Fücks: Das sind doch keine Invasoren, die da an unserer EU-Grenze stehen!

Herr Fücks, verliert die EU in Griechenland oder generell an der Migrationsfront ihren humanistischen Kompass?
Fücks: Ja, ich sehe die Gefahr, dass wir vollständig auf Abwehr von Flüchtlingen umschalten und nebenbei das Asylrecht und die Genfer Flüchtlingskonventionen über Bord werfen. Wenn wir aus einer mutigen Entscheidung von Angela Merkel im Jahr 2015, die wir in Deutschland trotz aller Unkenrufe ganz gut verkraftet haben, jetzt in eine Politik der „Festung Europa“ verfallen, wäre das ein dramatischer Rückschritt. Und zwar nicht nur ein humanitärer, sondern auch ein völkerrechtlicher Rückschritt. Gegenwärtig werden wir an der türkisch-griechischen Grenze unseren europäischen Werten untreu.

Ihrer These, Deutschland habe die Massenzuwanderung gut verkraftet, kann man mit guten Gründen auch widersprechen. Nicht zuletzt ist deswegen die AfD so groß geworden.
Fücks: Natürlich ist Masseneinwanderung mit Konflikten verbunden. Aber bis hin zur Integration in den Arbeitsmarkt hat sich die Zuwanderung seit 2015 erfolgreicher entwickelt, als viele befürchtet haben. Viele Betriebe sind froh über die neuen Mitarbeiter. In den Kommunen funktioniert das Zusammenleben in der Regel passabel bis gut. Fraglos gibt es unter Flüchtlingen wie unter Einheimischen unangenehme Menschen – es gibt kriminelle Elemente, es gibt religiöse Fundamentalisten und politische Extremisten. Aber das ist eine kleine Minderheit. Daraus ein Schreckensgemälde von der Bedrohung Europas durch Migranten zu machen, empfinde ich als demagogisch.

Péter Györkös / privat
Péter Györkös / privat

Györkös: Nein, das hat nichts mit Demagogie zu tun, sondern mit Tatsachen. Zur rechtlichen Ebene, also zu dem Punkt, ob Völkerrecht und Genfer Flüchtlingskonvention preisgegeben werden, möchte ich festhalten: Artikel 31 der Genfer Flüchtlingskonvention legt ganz klar fest, dass Menschen die grüne Grenze dort überqueren dürfen, wo sie direkt aus einer Region kommen, in der ihr Leben in Gefahr ist. Genau das ist aber in der Türkei nicht der Fall. Zweitens: Europa muss eine Festung werden, weil es um die Kontrolle der eigenen Außengrenzen geht. Das ist nicht nur aus sicherheitspolitischen Aspekten wichtig, sondern auch aus wirtschaftlichen Erwägungen. Es geht um den Schutz des europäischen Wirtschafts- und Lebensmodells.

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Tomas Poth | Mi, 1. April 2020 - 18:22

Es war und ist eine "Invasion" in unsere Sozialsysteme!
Die Probleme dieser Menschen können nur durch Lösungen in ihren Herkunftsländern gelöst werden.
Wer ständig nur der augenblicklichen Lage folgt macht keine Politik für die Zukunft, weder für die Migranten noch für uns, sondern stabilisiert ausschließlich die Ursachen des Chaos!

Karl Müller | Mi, 1. April 2020 - 20:10

In reply to by Gast

erstmal nur in die Sozialsysteme.
Das sind in der TR Menschen die weder auf der Flucht noch sonst wie gefährdet sind. Keine Konvention rechtfertigt den illegalen weil bewusst anonymen und gewaltsam erzwungenen Grenzübertritt. Solche Personen sind gewöhnliche Straftäter, nichts sonst.

D. Gabs | Mi, 1. April 2020 - 20:37

In reply to by Gast

die Migrantenflut von 2015 in einem sehr positiven Kontext zu sehen, man könnte auch unhöflicherweise von Schönreden sprechen, gewisse Realitäten ausblenden. Nicht alle Migranten stellen ein Problem dar, aber einfach ist es auch nicht und die AfD verdankt ihren Platz im Bundestag Frau Merkel. Und dann der Satz "mutige Entscheidung" von Frau Merkel. Sie stand unter Zugzwang, sie war in einer verzweifelten Lage. Sie stand vor Wahl, Militär und Polizei aufzubieten oder ein hundertfaches Calais an den Grenzen entstehen zu lassen - mit zweifelhaftem Ausgang. Die Leute hätte auf jeden Fall versucht, mit Gewalt über die Grenze zu kommen, wie jetzt an der türkisch-griechischen Grenze. Man hätte das Ganze rechtzeitig vorhersehen können - "gouverner c'est prévoir".

Gerhard Lenz | Do, 2. April 2020 - 09:52

In reply to by Gast

Eroberer, eindringender Feind,
Synonym: Eindringling; Einbrecher, Störenfried.

Wer Menschen, deren Hintergrund und bisherige Lebenssituation er nicht kennt, dermassen betitelt, handelt menschenverachtend, diffamierend, lebt seine Vorurteile aus.

Sicher gibt es unter jenen Menschen auch solche, die aus simplen materialistischen Gründen nach Europa wollen, und nicht auf der Flucht sind. Dies zu differenzieren, sollte Aufgaben der jeweiligen öffentlichen Stellen sein. Sicher ist es nicht Aufgabe dieser Stellen, Menschen pauschal mit einem Makel zu behaften.

Siebzehn Kommentare, und alle - wie zu erwarten - im Chor migrationskritisch bis offen feindlich. Kontroverse findet im Forum des "Kontoversenmagazins" mal wieder nicht statt.

Was natürlich zu erwarten war.

und Ihr dürftiges Moralisieren ersetzen eben keine Sachargumente. Zudem sind Ihre, wie meist sachgrundfreien Wortverdrehungen zu 100% umkehrbar

Die beschriebenen Gruppen sind nicht einml nach Konvention Flüchtlinge, es sind einfach kriminelel Radalierer und Grenzverletzer die keinerlei Schutzanspruch haben.

... konnte man schon den Eindruck gewinnen, dass es sich dabei auch(!) um kriminelle Randalierer und in der Mehrzahl um Grenzverletzer handelt ... offensichtlich indirekt unterstützt von Erdogan & Co.
Aber wir Deutschen werden (früher oder später) auch solche aufnehmen und bei Straftaten selbiger hier in Deutschland durch das diesbezügliche Schweigen der meisten Medien so gut wie nichts davon erfahren ... oder denk ich da falsch?

tun Sie nur so naiv, oder sind Sie's wirklich? Ich vermute Ersteres.
Kennen Sie nicht die Rede des türkische Neo-Sultans?
»Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind.
Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.«

Türkischer Ministerpräsident Tayyip Erdogan

„Macht nicht drei, sondern fünf Kinder, denn ihr seid die Zukunft Europas“, sagte Erdogan am Freitag im westtürkischen Eskisehir. „Das wird die beste Antwort sein, die ihr auf die Unverschämtheiten, Feindseligkeiten und Ungerechtigkeiten, die man euch antut, geben könnt.“

Eines wird man Erdogan und Ihnen, Herr Lenz, nicht vorhalten können, dass Sie nicht klar gesagt hätten, was Sie vorhaben.

immer wieder Ihre Anspielungen auf die angebliche Ausrichtung des CICERO.
Kaum jemand ist so vertreten hier wie Sie und kaum jemand schafft es, fast ausschließlich nur mit Unterstellungen und Abwertungen andere direkt und persönlich anzugehen.

Niemand verhindert hier eine kontroverse Diskussion. Aber niemand kann Leute zwingen zu schreiben.
Dass sich hier viele einig sind ist eine Tatsache. So wie in anderen Foren auch, nur dass dort „Querschießer“ gar nicht veröffentlicht werden.
Hier schon, was Ihre Beiträge ja beweisen.
Sie sind halt einfach in der Unterzahl hier und baden dies aber genüsslich aus, da bin ich mir sicher.

Also weitermachen, aber dann nicht den Beleidigten spielen, wenn die Leute sich wehren.

Zum Thema: Vielleicht sind Sie aufgrund Ihrer persönlichen Situation in der Lage, sich über die Zukunft dieses Landes keine allzu großen Sorgen machen zu müssen.

Mir macht dieser Migrationsirrsinn große Sorgen.
Anderen offensichtlich auch.

Gerhard Lenz | Do, 2. April 2020 - 10:59

In reply to by Gast

dass Ungarn, Polen und Tschechien europäisches Recht gebrochen haben.

Ich hoffe, dass der selbsternannte Anführer der Flüchtlingshasser, Viktor Orban, voranschreitet und den Austritt aus der EU einleitet.

Denn das könnte sich sein Land auf keinen Fall leisten - und seine Ungarn würden ihm vermutlich - endlich - die Gefolgschaft verweigern.

Der EuGH kann viel entscheiden...., nur was hat das mit den ganzen illegalen Migranten zu tun?

Romuald Veselic | Do, 2. April 2020 - 15:26

In reply to by Gast

und es basiert an der sog. Mehrheit der EU-Mitglieder, und nicht an der Einstimmigkeit, Herr Müller. Dabei diese Einstimmigkeit, der tragende Element der EU-Jurisprudenz ist. Damit ist die ganze Sache nur propagandistische Makulatur, um die Leute wie Jean Asselborn vor dem Amoklauf zu bewahren; denn keiner der West-EU es wagen wird, sich mit Ost-EU-Ländern zu verscherzen. Dann können die Ost-EU Jungs bös werden, und die West-EU Bunt-Pazifisten, können mit ihrer "transparenten" Robustheit nichts dagegen ausrichten. Die physische Fertigkeiten der D-Jugendlichen, kann man nur mit verspeisten Kartoffel-Chips-Tüten anrechnen. Was der Anstrengung im Ernstfall nicht zuträglich sei.

Albert Schultheis | Mi, 1. April 2020 - 19:40

"Das sind doch keine Invasoren, die da an unserer EU-Grenze stehen!" - Zum Teil benehmen sie sich durchaus wie Invasoren, besonders dann wenn sie erst einmal in Deutschland sind.
Und im Übrigen hat die Bundesregierung "nebenbei das Asylrecht und die Genfer Flüchtlingskonventionen über Bord" geworfen, indem man die Leute an den Grenzen nicht nur im September 2015, sondern seitdem kontinuierlich einfach durchgewunken hat, ohne zu prüfen, wer, da kommt, woher er kommt und warum er kommt. Dieses Vorgehen führt deutsches Asylrecht ad absurdum. Dass Deutschland nicht nur uns Bürgern, unseren Kindern und Enkeln, aber auch der europäischen. Gemeinschaft einen nicht wieder gut zu machenden Schaden zugefügt hat, kann man am Brexit der Engländer und an der Distanzierung der Oststaaten ablesen.

Bernhard Mayer | Mi, 1. April 2020 - 19:42

Da wäre ich mir nicht wirklich sicher.

Der König von Marokko hat dereinst auch 300.000? Tausend Zivilisten vorgeschickt um die West-Sahara zu erobern!

Urban Will | Mi, 1. April 2020 - 19:46

Zeigt es einem doch klar den Unterschied zwischen konservativer Realpolitik und grün – linker Träumereien, bei denen immer wieder zwischen den Zeilen diese unsägliche Arroganz mitschwingt.
Fücks versucht, seine moralische Überheblichkeit durch die üblichen Anti – Orban – Sprüche und den natürlich nicht auszulassenden Rassismus ins Spiel zu bringen, aber es tat richtig gut, die nüchternen, faktengebundenen Entgegnungen von Herrn Györkös zu lesen.

Als Fücks vom „auf Linie“ gebrachten „Staatsfernsehen“ Ungarns sprach, musste ich laut lachen.
Vielleicht hat er keinen Fernseher zuhause, sonst hätte er sich diesen Satz wohl verkniffen.

Fücks sieht sich offensichtlich als Teil der „berühmten liberalen Eliten“, welche die „fundamentalen Veränderungsprozesse“ (u.a. Auflösung der patriachalen Familie) begrüßen.
Wie er das mit dem Familienbild des mehrheitlich hier einwandernden, meist fundamentalen Islam verbinden möchte, würde ich gerne wissen.

Rob Schuberth | Mi, 1. April 2020 - 19:57

Ganz im Gegenteil.

Jetzt, indem die EU ihre Außengrenzen endlich wirklich "verteidigt" (d. h. illegale Grenzübertretungen abwehrt), zeigt die EU, dass sie ihre Regeln auch durchsetzen kann.
Zumindest die Länder die nicht breit sind einfach den Begriff "Asyl" als Freifahrtschein für eine Einreise in die Sozialsysteme der EU weiterhin missbrauchen zu lassen.

Die wenigen Politiker die das noch immer wollen (den Missbrauch) werden das auch noch lernen, denn die Mz. der EU-Bevölkerungen will keine weitere Migration (meist ungebildeter Massen).

Lieber Herr Schuberth,
da haben sie aber sehr viel Vertrauen in "die EU, dass sie ihre Regeln auch durchsetzen kann." Es geht nicht um Regeln durchsetzen zu können, sondern um Regeln durchsetzen zu wollen! Wo es opportun ist, kann die EU Vieles, zB Geld drucken lassen durch die EZB. Aber da die gleichen Pappnasen wie in Berlin auch in Brüssel sitzen, wir das Geiere um sog. Seenotrettung und Rettung aus selbst herbeigeführter Not einfach weitergehen. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass Linke und Grüne über Nacht ihre Ziele, der Zersetzung der deutschen Demokratie und der Abschaffung des bewährten Wirtschaftssystems beiseite legen werden.

Jürgen Keil | Mi, 1. April 2020 - 20:22

Herr Fücks ist einer von den ewig Zukünftigen, die mit grünen Siebenmeilenstiefeln so schnell vornweg stürmen, das sie meinen, die Zukunft sei die Gegenwart. Besserwisser, die zwar viele neue zusätzliche Geschlechter konstruieren, aber bisher versäumen, vor Abschaltung der grundlastsichernden Kern- und Kohlekraftwerke eine großtechnische, effektive und funktionsfähige Speichertechnologie für Elektroenergie zu schaffen. Einige seiner Ausführungen lassen eine erschreckende Realitätsverdrängung erkennen. Einmal aber sagt er etwas Richtiges: „Während ein Teil der Gesellschaft – die berühmten liberalen Eliten – diese Veränderung als Fortschritt empfindet, sehen andere ihren sozialen Status, ihren Lebensstil, ihre kulturellen Identitäten bedroht. … Wir sind zu ersten Mal an einen Punkt, wo eine Mehrheit der Bevölkerung die Zukunft ihrer Kinder düsterer sieht als die eigene Gegenwart." Hat er für diese Verständnis oder gar Lösungen? Nein, er stürmt weiter.

PHILIPP KEMLER | Mi, 1. April 2020 - 20:33

Kein LAND will solche Leute.Es sind Eindringlinge und Invasoren.

Karl Müller | Do, 2. April 2020 - 10:59

In reply to by Gast

keine Sachargumente haben um kriminelle Grenzverletzter in Personen mit Anspruch auf Konventionsschutz umzudeuten.

Romuald Veselic | Mi, 1. April 2020 - 21:01

die ganze Welt zu retten.
Ich glaube nicht, dass diese Zustände irgendwann besser werden. Wodurch?
Und: Migranten interessiert die Klimarettung am wenigsten. Weil dies Gottes Wille sei.

Gerhard Schwedes | Mi, 1. April 2020 - 21:14

Was ein Herr Fücks da von sich gibt, ist reinste Schönfärberei. Durch ein Übermaß an Migranten haben wir uns Parallelgesellschaften ins Land geholt, sind die Schulen aus dem Gleichgewicht geraten, wurden die Innere Sicherheit ramponiert und die Sozialsysteme überlastet. Völlig außer Acht wurde in diesem Interview gelassen, was uns erst noch drohen dürfte, wenn die Wirtschaftskrise, die gerade ihre Kinderschuhe auszieht, den Haushalt und die Sozialkassen in den Ruin treiben wird. Erst dann wird allen vor Augen geführt, wie sehr das Gebot von Maß und Mitte, von Zukunftsvorsorge durch diese links-grüne Politik vernachlässigt wurde. Man ist seit Jahren nur auf Sicht gefahren, als ob es kein Morgen gäbe. Und nun haben wir den verdorbenen Salat. Diese Krise bietet aber wenigstens einen Trost. Die links-grüne Politik wird sich so viele Beulen im Zusammenprall mit der wirtschaftlichen und sozialen Realität holen, dass sie sich davon niemals wieder erholen wird. Das ist absolut sicher.

Heidemarie Heim | Mi, 1. April 2020 - 21:22

Für manche politisch anders gepolte grenzt so was scheinbar noch immer an Majestätsbeleidigung?
Eine interessante Diskussion! Vonseiten Herrn Fücks, wenn auch in etwas gemäßigteren Form wie sonst üblich bei diesem Thema ,leider wieder der immer gebrauchte Argumentationsstrang bis hin zu Rassismus-Vorwürfen gegen einen anderen Staat und seine Vertreter. Botschafter Györkös hingegen mit seinen unbeirrt sachlichen, jedoch deutlichen Ansagen an die lieben Freunde, erinnert mich auch von der Gestalt her an den berühmten deutschen Baum, dem es wenig ausmacht wenn er zur Pflege irgendwelcher Schwarten benutzt wird. Angesichts der ersten und damals einzigen ungarischen Lücke im eisernen Vorhang, sollte man sich was Vorgehen und Verständnis der Ungarn von Grenzüberwachung betrifft m.E. nicht dermaßen arrogant aus dem Fenster lehnen. Vielleicht hätte der von Jean-Claude Juncker so liebevoll begrüßte "Diktator" Viktor Orbàn noch ein paar Hunderttausend zu uns durchziehen lassen sollen? MfG

Markus Michaelis | Mi, 1. April 2020 - 23:56

"Fücks: Es plädiert doch niemand für völlig offene Grenzen oder völlig unkontrollierte Zuwanderung!"

Dann sollten sich die Grünen auch offen zu Grenzen bekennen. Es wird aber herausgestellt, dass man mehr aufnehmen will. Grenzen setzen andere und werden dafür übelst beschimpft, grundlegendste europäische, menschliche Werte etc. abgesprochen. Das ist erbärmlich.

Selbstverständlich kommen auch keine Invasoren. Es kommen auch keine zu betüttelnden Hilfsbedürftigen. Es kommen zukünftige gleichberechtigte Mitbürger, die hier oder pendelnd leben wollen. Sie wollen mitgestalten und denken, meiner Einschätzung nach, zu einem hohen Anteil nicht Grün. Und die Grünen kommen schon mit Osteuropa nicht zurecht. Welche Welt stellen sich dann die Grünen vor? Man lädt alle ein, geht selbstvertsändlich davon aus, dass alle so denken wie man selbst - und wenn nicht, dann beschimpft man sie auf das übelste. Mich stößt das ab.

Wer die ganze Menschheit vertritt, sollte die Menschen fragen.

Markus Michaelis | Do, 2. April 2020 - 00:25

Stehen die Grünen wirklich für liberale Werte? Klar tun sie das relativ zum dritten Reich oder anderen Diktaturen. Aber relativ zu dem, wo unsere Gesellschaft herkommt, stehen die Grünen in vielem eher für die "Wahrheit". Sie stehen zuallererst für einen Kampf gegen den Klimawandel als höchstem Menschheitsziel. Sie stehen für eine Gesellschaft der universellen Menschheitswerte - diese kommen aus Sphären jenseits menschlicher Vorlieben. Da es um solche absoluten Menschheitsthemen geht, sind diese auch nur global und solidarisch zu lösen, also nur von einer die ganze Menschheit in den wichtigen Fragen einheitlich vertretenden Politik. Und globale Solidarität heißt auch globale Mitsprache und Einmischung in den wichtigen Dingen - das geht synonym zusammen.

Das ist alles gut, es vertritt die ganze Menschheit, aber es ist nicht liberal. Man kann nicht beliebig alle Begriffe zusammenkippen und zu einem widerspruchsfreien, positiv besetzten Brei vermengen.

Wolfgang Tröbner | Do, 2. April 2020 - 07:18

Unser Land hat seit 2015 umfangreiche Erfahrungen sammeln können, die nicht von allen als nur positiv gesehen werden. Wenn uns jetzt Herr Fücks erzählen will, dass es Raum für kulturelle Vielfalt innerhalb der EU brauche, was will er damit genau sagen? Haben wir nicht schon die ganze kulturelle Vielfalt der ganzen Welt hier? Brauchen wir noch mehr Vielfalt und noch mehr Zuwanderung? Vielleicht ist es an der Zeit, mal Bilanz zu ziehen, was die Zuwanderung der letzten Jahrzehnte und insbesondere nach 2015 und später eigentlich gebracht hat? Müsste Deutschland angesichts der Corona-Pandemie nicht einfach mal nur an sich selber denken? Denn so reich, wie behauptet, sind wir schon seit längerer Zeit nicht mehr

Ernst-Günther Konrad | Do, 2. April 2020 - 07:33

Prima Interview Herr Marguier. Nur mit der Formulierung Ihrer ersten Frage bin ich so nicht ganz einverstanden. Sie sprechen von ".... spielen sich dieser Tage wieder Dramen ab,..."
Sind die Zustände nicht schon seit 2015 dramatisch und unzumutbar, nachdem Frau Merkel ihre Einladung ausgesprochen hat?
Da sind mit den beiden Interviewpartnern Realität und Träumerei gegeneinander angetreten.
Füchs spricht von Werten der EU. Welche sollen das denn sein?
Solidärität bis zum Verlust der Muttersprache?
Sozialkasse für den Rest der Welt?
Problemlöser islamistisch geführter Staaten?
Herr Györkös hat im Grunde Herr Füchs verbal ausgezählt. Dessen Geschwafel, Frau Merkel hätte eine mutige Entscheidung getroffen ist absurd. Sie hat D damit gespalten, der AFD zum Aufstieg verholfen, die EU überfahren und versucht auf ihren Kurs zu zwingen. Sie will alle rein lassen, die EU soll dann aber "solidarisch" auch welche nehmen. Wer die Budapester Zeitung liest weiß, dass Herr Györkös recht hat.

helmut armbruster | Do, 2. April 2020 - 09:04

da gibt es die Fragen, die ich gerne beantwortet haben möchte.
Wie viele leben z.Zt. in D?
Wovon leben sie?
Was tun sie den ganzen Tag über?
Haben sie deutsch gelernt?
Bleiben sie unter sich?
Haben sie die Absicht immer hier zu bleiben?
Welche Pläne hat unsere Regierung mit ihnen?
Was geschieht, wenn eine neue Welle kommt?
Was kostet uns das Ganze?
Man erfährt viel zu wenig über diese Dinge und kann sich deshalb kein Bild machen.

Claudia Bender-Jakobi | Do, 2. April 2020 - 09:37

Zitat Herr Füchs: "Wir leben längst ... in einer Realität von Menschen sehr unterschiedlicher religiöser Überzeugungen, sehr unterschiedlicher Lebensstile oder auch sehr unterschiedlicher Vorstellungen von dem, was Familie bedeutet. Das Kunststück besteht darin, aus diesem kulturellen Pluralismus eine politische Gemeinsamkeit zu erzeugen, die meines Erachtens nur auf der Basis der liberalen Grundwerte entstehen kann." Das Problem dieser schönen Theorie sieht Herr Füchs nicht und er wurde leider auch nicht darauf angesprochen. Unterschiedliche religiöse Überzeugen und Vorstellungen von Familie bedeuten IMMER, dass ein Teil dieser Vorstellungen nicht mit den "liberalen Grundwerten" unserer Gesellschaft übereinstimmt. Dies wollen Grüne wie Herr Füchs sich nicht eingestehen. Sie predigen mit anderen Worten eine Vorstellung vom Menschen, die an der Realität vorbeigeht.

Armin Latell | Do, 2. April 2020 - 09:40

zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher gar nicht sein können.
Die erkannte Realität mit dem Anspruch, eigene Interessen zu wahren und durchzusetzen, und die Illusion einer schön gemalten Welt für Träumer, in der „keine Macht für niemanden“ propagiert wird, alle Menschen seien gleich, Phrasen über „Werte“
u.s.w. Damit man das wirklich glauben kann, müssen dafür logischerweise alle Tatsachen des täglichen Lebens, die nicht in das Bild passen, absolut ausgeblendet oder deren Bedeutung ins Gegenteil verkehrt werden. Herr Fücks beweist das nur zu deutlich. Wäre Herr Györkös deutscher Politiker, könnte man sein Schicksal erahnen. Souverän hat er die Argumente und Behauptungen seines Kontrahenten gekontert. Ich wünschte, wir hätten noch mehr solcher Györkös‘ bei uns. Herr Füchs mag ehemaliger Grünenpolitiker sein, seine urgrüne Gesinnung hat er allerdings noch fest verinnerlicht. Danke für den Artikel!

Martin Hansen | Do, 2. April 2020 - 10:17

"Fraglos gibt es unter Flüchtlingen wie unter Einheimischen unangenehme Menschen – es gibt kriminelle Elemente, es gibt religiöse Fundamentalisten und politische Extremisten. Aber das ist eine kleine Minderheit. "
Was für ein Euphemismus. Bei 2% Bevölkerungsanteil sind Flüchtlinge für 15% aller Gewaltstraftaten in Deutschland verantwortlich...
https://www.zeit.de/news/2019-01/08/faktencheck-sind-auslaender-haeufig…

"Ich glaube, dass das ein sehr verkürztes Verständnis einer multikulturellen Gesellschaft war. Nämlich das einer fragmentierten Gesellschaft, die keine gemeinsamen Werte und Normen kennt, sondern in diverse Parallelgesellschaften zerfällt. Das ist aber aus meiner Sicht ein Zerrbild."
Nein, das ist bereits Realität. Es gibt eigenständige Communitys auf Deutschem Boden in denen weder Deutsches Recht noch die gepriesenen liberalen Werte eine Bedeutung haben. Die Grünen sind naive Träumer, nicht mehr...

Albert Schultheis | Do, 2. April 2020 - 10:23

Zumindest hat die chinesische Corona-Seuche einmal bewiesen, dass es tatsächlich so etwas wie Grenzen gibt, ja, dass man sie sogar schließen kann- wenn man denn will. Und dass dieses ganze Geschwalle der Kanzlerin und ihrer links-grünen Vordenker, dass man Grenzen nicht schließen könne und deshalb aufzulösen seien, einfach dummes Geschwätz war und man damit den Bürgern über ein halbes Jahrzehnt Sand in die Augen gestreut hat.

gabriele bondzio | Do, 2. April 2020 - 10:44

mit Konflikten verbunden"...das will ich wohl meinen! Das Geschrei dubioser Islamverbände in DE, die „Freitagsgebete“ in ihren Moscheen nur bis zum 02.04. aussetzen zu wollen ist nicht zu überhören. Während Kirchen(auch Ostern) geschlossen und Juden ebenso mit ihrem Pessach vom 9. Bis 16. April, in Verordnungen einfügen. Ist es bei Muslimen nicht so. Mir dünkt es auch seltsam, dass die Lockerungen des Ausnahmezustandes am 20. April erfolgen sollen. Eingedenk, dass am 23./24. April Ramadan beginnt und Moscheen dann wieder Hochbetrieb haben dürfen. Da bin ich mal gespannt, wie man die eventuellen Massenzusammenrottungen staatlich begründet.

Nina Azim | Do, 2. April 2020 - 17:41

Als Osteuropäerin kann ich die Argumentation von Herr Györkös, sowie die Motivation der Migrationsbewegung gut nachvollziehen. Es stimmt, dass die absolute Mehrheit deren, die sich auf den Weg gemacht haben, nach Deutschland kommen wollen. Es ist nicht vorstellbar, dass die in Bulgarien oder in Rumänien leben wollen, wo die Einheimische auch kaum über die Runden kommen. Nur wenn die Lage kennt, kann die Mentalität nachvollziehen. Es stimmt auch, dass diejenigen, die hier leben, die daheimgebliebenen nachziehen. Das funktioniert immer noch für den Zufluss aus der o.g. Länder. Bilder und schöne Erfolgsgeschichte werden nach Hause geschickt, viele anderen wollen auch so schön haben und tun alles, nachzukommen. Krieg ist furchtbar und wer es erlebt hat weiß, dass die Menschen, die unmittelbarer Schutz suchen, nicht die Kraft, Mittel und Gedanken haben, über mehreren Grenzen hinweg zu flüchten. Und die meisten von Ihnen, die Anständigen, werden nie ein Grenzzaun stürmen.