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Vorerst keine Lockerungen: Frankreich verharrt im absoluten Stillstand / dpa

Corona-Rede von Emmanuel Macron - Nur Blut, Schweiß und Tränen – aber keine Perspektive

In seiner vierten Rede an das Volk hat Emmanuel Macron angekündigt, dass der Lockdown bis zum 11. Mai verlängert werde. Frankreichs Präsident spielt auf Zeit, um Masken und Schutzbekleidung für Krankenhäuser zu beschaffen. Von einer Rückkehr ins normale Leben ist das Land noch weit entfernt.

Kay Walter

Autoreninfo

Kay Walter arbeitet als freier Journalist in Frankreich

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Zum vierten Male während der Corona-Krise beliebte es dem Präsidenten Macron, zum Volke zu sprechen. Schon im Vorfeld raunten seine Sprecher, diese Rede am Abend des Ostermontag werde eine ganz besondere sein, sie solle Bedeutung und Gewicht von Churchillschem Maße bekommen. Nun ist Emmanuel Macron ganz zweifelsohne ein glänzender Rhetoriker mit deutlichem Hang zum in Frankreich beliebtem Pathos. Aber ob die Damen und Herren wissen, dass Sir Winston Nobelpreisträger war – und zwar für Literatur?

Sicher war damit, schon bevor Macron auch nur ein einziges Wort gesprochen hatte, er würde seinen „chèrs compatriotes“, seinen lieben Landsleuten, erneut Einiges abverlangen. Und damit war zweitens auch klar, das confinement, die Ausgangs- und Kontaktsperre, würde zu Beginn der fünften Woche abermals verlängert werden.

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Klaus Funke | Di, 14. April 2020 - 11:50

Die Gelegengheit ist günstig auf "einem fremden A... durchs Feuer zu reiten" - endlich kann der schöne Emmanuel seine innenpolitischen Probleme bequem mit Corona aussitzen. Keine Gelbwestenproteste, keine Streiks, nicht braucht er mehr zu fürchten. Auch das miserable Gesundheitssystem seines Landes kann er auf diese Weise vertuschen. Macron zeigt in diesen Tagen, wer er wirklich ist - ein reicher Volksfeind, ein neuer Louis XVI. Am liebsten hätte er natürlich, dass die Deutschen, die Niederländer, die Österreicher und alle, die ihre Wirtschaft im Griff haben, jetzt seine Schulden bezahlen, als "Corona-bons" getarnt. Hoffentlich wird daraus nichts. Irgendwann, dessen bin ich gewiss, wird das französische Volk diesen falschen Schöngeist zum Teufel jagen, trotz Corona oder wegen des Virus, egal...

Was an M(onsieur)M schön ist oder schön sein soll, habe ich
nie begriffen - aber als Mann sollte ich mir bei einer solchen
Frage besser Zurückhaltung auferlegen. Sonst nur d'accord,
lieber Herr Funke. Vielleicht noch der Hinweis auf den in Paris
lebenden Manfred Haferburg, der auf der Achse über diese
unsäglichen Zustände schreibt - nicht nur über diese.

...aber nicht Ihre Hoffnung darauf, daß Deutschland nicht dazu herangezogen wird,
die französischen Schulden mitzutragen.

Wer soll denn die Euro-Zone noch retten, an der auch unsere Parteien (außer der AfD) auf Biegen und Brechen festhalten wollen, wenn es nicht die Geberländer sind, die weltweit noch Glaubwürdigkeit auf Grund ihrer geordneten Haushalte besitzen?
Dies sind Deutschland, Österreich, die Niederlande, Finnland und Luxemburg.

Das Vertrauen in den Euro steht und fällt mit der Bereitschaft dieser Länder, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.
Daher wird es entweder eine Gesamthaftung geben (d.h. die Deutschen werden ab
jetzt v o l l als Bürgen für a l l e Euro-Länder den Buckel hinhalten) oder wir bekommen schon j e t z t eine Inflation (später kommt die sowieso mal).
Kurz: Es gibt nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Da unsere Regierung aber - So lange es eben geht! - auf Zeit spielt (wie es die EZB
seit Jahren vorexerziert), wird sie erneut in die Haftung gehen.

gabriele bondzio | Di, 14. April 2020 - 14:11

wer hat das bestellt?...tut mir leid, wenn ich es mir nicht verkneifen kann. Auch wenn das Argument,(...)profitiert von Europa und seiner engen Zusammenarbeit so sehr(...), steht. Wenn am Ende raushängt, dass etwa das Vermögen des mittleren Franzosen gut doppelt so hoch ist wie das des mittleren Deutschen. Muss man sich doch die Frage gefallen lassen, wo denn der Profit für Bürger in DE bleibt?

Ich sehe es ähnlich wie Gabriele. Zutreffend ist, daß Deutschland als Exportnation von einem europäischen Binnenmarkt profitiert. Dazu bedarf es allerdings nicht einer EU unter der politischen Führung Frankreichs (oder von der Leyens😀). Es ist doch bekannt, daß das Verständnis der
„Grande Nation“ von Europa im allgemeinen und der Rolle Deutschlands darin im speziellen nicht dasselbe ist wie jenes der Deutschen. Das war schon unter de Gaulle so, und es ist unter Macron nicht anders. Alle Vorschläge von Macron laufen nur auf eines hinaus: Deutschland tiefer in die Spirale aus immer neuen gemeinsamen Schulden hineinzuziehen, um die Rechnung für pleite gehende Mitgliedsstaaten der EU oder - sehr aktuell - französische Banken nicht allein bezahlen zu müssen. Die Bilanzen letzterer sind in weitaus geringerem Maß von wertlosen Anleihen bereinigt als jene der deutschen, britischen und amerikanischen Kreditinstitute.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 14. April 2020 - 14:15

nicht auch etwas anderes herunterfahren könne?
Seien wir ehrlich, mit dem Virus hat eben niemand gerechnet. Katastrophenszenarien haben zu wenig Priorität.
Die Ausgangslagen sind unterschiedlich und deshalb MUSS MAN den europäischen Regierungschefs* vertrauen, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen handeln.
Gleichwohl kann die europäische Kommission Richtlinen für ganz Europa ausarbeiten und empfehlen?
Vorschreiben in dieser schwierigen Lage ist schwierig und besser auch kein Reinreden in Modalitäten des Wiederanfahrens der Wirtschaft. Wer fährt denn schon sein Land mit Absicht vor die Wand? <- Rhetorische Frage!
Da aber erhebliche Unterschiede zu erwarten sind, darf kein Land über Coronabonds verfügen ausser über EU/EZB.
Es müßte also Regeln der EZB für die Inanspruchnahme dieser Bonds durch die EU-Staaten geben.
Ich radebreche hier, es gibt doch Herrn Weidmann als Mitglied im EZB-Rat.
Meine Frage an Herrn Macron, wann betreibt "Esprit" Massenproduktion von Mund-,Nase-Masken?

Bernd Windisch | Di, 14. April 2020 - 14:39

Ein rechter Dampfplauderer der Herr Macron.

* künstlich hergestellte [Schreck]gestalt, besonders ausgestopfte Gestalt, Puppe.

Ernst-Günther Konrad | Di, 14. April 2020 - 14:40

Auch Frankreich hält sich beim Thema Euro-Bonds vornehm zurück. Ablehnen tun sie diese nicht, fordern sie auch erstmal nicht. Wenn die anderen sich durchsetzen, gewinnt auch Frankreich ist doch klar. Dann wollen sie die natürlich auch, wenn Italien und Spanien und GR sie doch erstreiten können. Für mich ist es sehr einseitig in der Argumentation. Weil wir Exportweltmeister sind, sollen wir die Empfängerländer finanziell schuldenfrei stellen oder irgendwie aufpäppeln, damit sie unsere Waren bezahlen können?
Wenn DE untergeht ist ganz Europa am A...
Niederlande und Österreich können die EU und den Euro jedenfalls nicht retten, auch wenn es Geberländer sind und Finnland mit seinem nein dann sehr allein auch nicht.
Herr Finke hat völlig recht. So wie das DE-Desaster in anderen Politikbereichen derzeit von der Corona Hysterie verdeckt wird und die Maßnahmen dazu Proteste weitgehend erstmal eindämmen, zieht auch Macron derzeit seinen Nutzen daraus.
Was kommt nach Cornoa? Wirtschaftshysterie?

Manfred Sonntag | Di, 14. April 2020 - 14:57

Ich frage mich, wo bei dem ganzen Dilemma die EU entsprechend ihrer eigenen Vorgaben im Vertrag von Maastricht: "Das Ziel, ein hohes Gesundheitsschutzniveau zu erreichen ,.." in der Vergangenheit wirksam war? In Wirklichkeit wurde doch durch Druck der EU und eigener Inkompetenz das Gesundheitswesen in Italien, Spanien etc. kaputt gespart. In Deutschland war das ebenfalls geplant (siehe Bertelsmannstudie & Herr Lauterbach: "Zahl der Spitäler in D halbieren"). Hier im Artikel müssen wir lesen: "Frankreich, das tatsächlich zu den am stärksten betroffenen Staaten gehört, sei auf die Pandemie nicht ausreichend vorbereitet gewesen und habe Fehler gemacht, gab der Präsident zu. " oder "Drittens ist die Misere im Gesundheitswesen zum Teil auch auf Auflagen aus dem ESM zurückzuführen". Hier hätten doch die "Fachleute" in Brüssel ihre Kompetenz für das Wohl der Bürger beweisen können. Was wollen die Eliten mit Hilfe der EU und in der EU eigentlich erreichen?

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 14. April 2020 - 15:19

"Ein Lackmustest für europäische Solidarität".
Michael Hüther im Gespräch mit Philipp May.
Deutschlandfunk vom 28.03.2020
GANZ SICHER muss man in diesem Zusammenhang keine besondere Angst haben vor der AfD, vor rechtsliberalen/konservativen Kräften in anderen Ländern auch nicht, besonders nicht in den besonders gebeutelten Südländern, denn ihnen wird ja geholfen.
Die AfD ist entstanden aus Kritik an den Eurorettungsmassnahmen, groß wurde sie durch zuletzt von Frau Merkel verantwortete Flüchtlingspolitik, die für Manche nicht ganz klar war in Definition und Regelung.
Es sollte mich wundern, wenn so etwas jetzt über Coronabonds durchgesetzt werden könnte, höchstens doch durch Ausweitung.
Dem kann man aber vorbeugen durch wie Herr Prof. Hüther sagt, einmalige Faszilität, d.h. hoffentlich Gebundensein an einen Zweck.
Ich gehe davon aus, dass sich ALLE europäischen Länder auf ein Konzept einigen können.
Intelligenz ist sozial oder sie ist nicht.

Dennis Staudmann | Di, 14. April 2020 - 15:35

"Niemand profitiert von Europa und seiner engen Zusammenarbeit so sehr, wie die Deutschen" , kann ich mich bloss wundern. Das ist eine Phrase, die immer wieder gebetsmühlenartig aufgesagt wird, wenn es darum geht, die Deutschen zu Kasse zu bitten. Fakt ist, dass die wirtschaftliche Stärke unseres Landes nicht vom Himmel gefallen ist. Unter anderem wurde diese auch durch tiefgreifende Sozialreformen, einem flexiblen Arbeitsmarkt und einem gesetzlichen Renteneintrittsalter ermöglicht, welches schon jetzt wesentlich höher als in den meisten anderen EU-Staaten liegt. Aber auch in der aktuellen Krise gibt es grosse Unterschiede. Wir sind Schlusslicht in Europa, wenn es die Höhe des Kurzarbeitergeldes geht. Es ist eben nicht so, dass die Betroffenen mit 60% bzw. 67% ihres regulären monatlichen Einkommens gut abgesichert sind. Bezeichnend ist doch, dass unser Bundespräsident diesen Missstand mit keiner Silbe bei seiner Rede erwiderte, aber lang darüber sprach, dass wir solidarisch sein müssen

Hans Jürgen Wienroth | Di, 14. April 2020 - 17:39

Wieder ist Deutschland an allem Elend dieser Welt Schuld und profitiert davon. Darum muss unser Land zur „Wiedergutmachung“ für die Schulden der €-Welt aufkommen. Warum haben manche Länder ihre wahren Verhältnisse geschönt, um „dabei“ zu sein? Unser Land und vor allem seine Bürger haften jetzt schon für gigantische Kredite, finanzieren große Teile des EU-Haushalts. Jetzt sollen wir den €-Ländern einen Freibrief ausstellen, mit unserer Bürgschaft unbegrenzt Kredite aufzunehmen? So kann Macron auch Monate eines Wirtschaftsstillstands finanziell überstehen. Die Konsumförderung nach dem „Lockdown“ finanzieren dann wieder die Deutschen, sie wollen ja schließlich ihre Waren „verkaufen“. Profitiert kein anderes Land auf der Welt von dieser Förderung?
Frage am Rande: Warum sind die Zahlen der Infizierten und Toten trotz weniger Tests und schärferer Maßnahmen in Frankreich so viel höher? Was machen die anders als wir?

Armin Latell | Di, 14. April 2020 - 18:05

leidet an Schwindsucht, und zwar schon vor Corona. Der Teich, den De zu 27% füllt, trocknet langsam aus, weil Wasser in großen Mengen entnommen wird, um vollkommen trocken gelegte, immer weiter entfernte, verdorrte Regionen zu wässern. Der dickste Karpfen im Teich war schon Exportweltmeister vor Euro Zeiten, TargetII Salden gab es nicht, genauso wenig wie Bankenrettung, Griechenlandrettung,
Weltenrettung, keine Gelbwestenptoteste in Frankreich, eine Sozialgesetzgebung dort, die potentielle Arbeitgeber dazu zwingt, besser keine Leute einzustellen, weil er sie sonst nie mehr loskriegt. Um wieviel besser war De vorbereitet? Um wieviel besser geht es der Bevölkerung hier?
Die Großen der Welt sind auch nicht besser dran, aber ich bin sicher, die Kakophonie innerhalb der EU erkennen sie als Chance, ganz besonders Xi Jingping .

können, habe ich China und hier besonders Xi Jinping auf dem Kiecker, Herr Latell!
Ich habe da auch mittlerweile eine ganz eigene Ansicht zu Corona & China. Dies würde aber hier den Rahmen sprengen.
Europa spielt doch den Chinesen förmlich den Ball zu auf dem sie so sehnsüchtig warten. Die machen das alles aus Strategie und mit Plan („Made in China 2025“).
Wie war es denn z.B. mit dem Hafen von Piräus? Auf Druck der EU-Kommission (rigider Sparkurs) mußte GR den Hafen verkaufen. Der chin. Konzern Cosco übernahm den dann (Tafelsilbers) freudestrahlend!
Weitere Bsp. in Europa: Neue Seidenstraße, Huawei, Kuka usw. Auch Weltweit sehr aktiv: Sri Lanka, Kenia (Hafen von Mombasa) usw.
Bereits 2012 rief China gem. mit mittel- und osteuropäischen Ländern den alljährlich tagenden 16+1-Gipfel in Leben!
Wie sagte doch AM in ihrer Regierungserklärung von 21.3.2019 so lapidar: "China sei nun einmal „auf der einen Seite (…) strategischer Partner, auf der anderen Seite (…) strategischer Wettbewerber“!

Alexander Mazurek | Di, 14. April 2020 - 19:49

… ein neuer Napoleon ...

Gerhard Schwedes | Di, 14. April 2020 - 20:10

27 demokratische Staaten mit je einer eigenen Identität und Kultur, mit zumeist eigener Sprache in einen Einheitsstaat und eine Einheitswährung zusammenzwingen zu wollen, ist einfach nur absurd. Um dies einzusehen, müsste bereits ein gewisses Quantum an Lebenserfahrung und etwas Studieren der Geschichte ausreichen. So etwas ginge nur mit einer Holzhammermethode, sprich mit Gewalt. Selbst ein Bismarck hat ein solches Husarenstück mit den deutschen Staaten nicht ohne Gewalt zustande gebracht. Mit Corona als Brandbeschleuniger wird nun der Euro schon bald zu Grabe getragen werden. Das Gleiche wird auch mit der Idee eines europäischen Einheitsstaates geschehen. Bleibt zu hoffen, dass danach ein Gesundschrumpfen auf einen praktibablen, gemeinsamen Weg gangbar wird. Eine Kritik zum Schluss: Es ist die Vorstellung eines funktionierenden perpetuum mobile, zu glauben, dass man sich einen Absatzmarkt dadurch schaffen könne, indem man dem Käufer das ihm fehlende Geld in die Tasche steckt.

Gisela Fimiani | Mi, 15. April 2020 - 12:28

Es gibt Staatsmänner und Politiker. Es gibt authentische Personen, denen Volk und Land „am Herzen liegen“ und es gibt politische Sozial-Ingenieure, denen jeder „Schraubenzieher“ zur kurzfristigen Rettung ihrer selbst dient. Die „Corona-Krise“ stellt gewiß eine extreme Herausforderung dar. Churchill hat seinen Landsleuten im WWII nicht den Sieg versprochen. Er gewann ihr Vertrauen mit Aufrichtigkeit und Authentizität. Er konnte glaubwürdig versichern, für das Land, das Volk und deren Werte unbeirrbar einzutreten. Unsere derzeitigen politischen „Eliten“ wollen Helden auf der Bühne eines politischen Zeitgeistes sein. Die „Corona-Krise“ entlarvt erschlaffte politische Personen, die der Gedankentiefe und der Glaubwürdigkeit mangeln. Nicht jeder kann ein Churchill werden. An seiner Geisteshaltung sollten sich ernsthafte Politiker zumindest orientieren. In Deutschland, in Frankreich, in Europa, zumal es ein „Nach-Corona“ geben wird und andere Krisen warten.