Drogen in Acapulco - Überall lauert der Tod

Die Pazifikmetropole Acapulco war einst Mexikos mondänster Ferienort. Doch mittlerweile ist die Stadt zu einem Moloch der Kriminalität verkommen. Wie konnte es soweit kommen?

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Tropfen auf dem heißen Stein: Das mexikanische Militär vernichtet ein Schlafmohn-Feld / dpa

Autoreninfo

Andrzej Rybak, geboren 1958 in Warschau, ist Journalist und lebt in Hamburg. Er arbeitete mehrere Jahre als Redakteur und Reporter für Die Woche, den Spiegel und die Financial Times Deutschland, berichtete als Korrespondent aus Moskau und Warschau. Seit vier Jahren schreibt er als Autor vor allem über Lateinamerika und Afrika u. a. für Die Zeit, Focus und Capital.

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Wenn Socorro Gil Gusman über ihren Sohn spricht, wird ihre Stimme brüchig. Tränen laufen ihr über das Gesicht. „Jonathan hat Jura studiert, er wollte eine eigene Kanzlei eröffnen und den kleinen Leuten helfen“, sagt die Näherin. „Er hat nie jemandem etwas Böses angetan.“ An diesem Dezemberabend ging er zum Sportplatz, um mit Freunden aus dem Caleta-Viertel in der mexikanischen Pazifikstadt Acapulco Fußball zu spielen. Als er um 22 Uhr immer noch nicht nach Hause kam, ahnte seine Mutter: Es ist etwas passiert. 

Eine Nachbarin beobachtete, wie der 26-jährige Jonathan Romero Gil mit einem anderen jungen Mann am Malecón von der städtischen Polizei verhaftet und abtransportiert wurde. Auf dem Revier sind sie aber nie angekommen. Am nächsten Tag wurde Romeros Freund tot aufgefunden. Gil Gusman hat Wochen und Monate nach ihrem Sohn gefahndet, jede Polizeidienststelle in der Stadt aufgesucht, die zuständige Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Sie ist sogar nach Mexiko-Stadt gefahren und sprach bei der Generasstaatsanwaltschaft der Republik vor. Alles umsonst.

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gabriele bondzio | So, 25. Oktober 2020 - 17:56

zum Schlachtfeld der Drogenkartelle geworden.“...wenn ich mir die Schilderung der Mutter vorstelle und die allgemeine Entwicklung von Acapulco, bekommt man Sorgen. Weil in unseren Großstädten ebenfalls die Drogen (als kurzer Glücklichkeitsersatz) eine immer größere Rolle spielen. Die Entstehung von Drogenkartellen in Mexiko, ist dem größten Absatzmarkt, illegalen Transfer in die USA, geschuldet. Untereinander und gegen die Bevölkerung mit brutalster Gewalt vorgehend. In nur wenigen Jahren zu den mächtigsten und gefährlichsten Formationen des organisierten Verbrechens aufgestiegen. Weil man hier die Dinge vom Staat her laufen gelassen. Und die nun völlig aus dem Ruder gelaufen sind.
Aber auch unsere Clans lassen grüßen. Die taz schreibt über Vermüllung, Verwahrlosung, Spritzen auf Spielplätzen, viele Orte in so vielen Kiezen und Bezirken in der gesamten Stadt (Berlin) sind mittlerweile betroffen. Eben da wo die sogenannten Verlierer leben und sie nehmen weiter zu.

Für Mexiko und Zentralamerika ist es die Nachfragemacht der US-Konsumenten die aus den Ländern, ganz oder teilweise, Narko-Staaten gemacht hat. Ich war vor mehr als 40 Jahren einmal in Acapulco, es war schön, aber ein Portofino war es schon damals nicht. Bei uns sind es unsere Konsumenten, die das Geld auf den Tisch legen. Kokain wird primär von der ökonomischen Oberschicht konsumiert wie sich aus den Abwässern in allen Großstädten nachweisen lässt. Die Konsumenten sind die Täter.

Dem Satz würde ich nicht ganz zustimmen. Es ist oft zu beobachten dass schon Kinder und Jugendliche angefüttert werden. Die wissen nicht was sie tun. Und das Zeug (je nach Stoff) macht auch sehr schnell süchtig. Denken Sie bitte an die ganzen Probleme (familiär und gesellschaftlich) was auf so maches Kind und Jugendliche zukommt. Da wird schnell mal was eingeworfen , um der Problematik auszuweichen. Und es ist ja u.a. voll cool bei Partys unter Jugendlichen auch was zu schlucken, schnupfen usw.
Die Dealer (meist Kleinkriminelle, welche sich selbst ihren Stoff finanzieren) sorgen schon für Nachschub, um ihren Absatz zu gewährleisten.

Bernd Muhlack | So, 25. Oktober 2020 - 18:33

Acapulco ist mir unbekannt.
Ich habe es gegugelt - landschaftlich sehr schön, abgesehen von den üblichen Betonburgen.

Ein markanter Satz:
"Man konnte damals nachts durch jedes Viertel laufen, die Stadt war sicher“, erinnert sich Javier Trujillo, Experte für organisiertes Verbrechen beim Fernsehsender Milenio.

Das ist inzwischen in Deutschland, Europa ebenso.
Man erinnere sich nur an die tagelangen Straßenschlachten in Dijon im Juni 2020.
Tschetschenen und Afrikaner/Maghrebiner kämpften ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung.
Pumpguns, Sturmgewehre, Macheten usw..
Es ging um Gebietshoheit wegen Drogen, Prostitution usw.
Nach drei (!) Tagen 250 Spezialkräfte und CUT!

Brüssel Molenbeek, Duisburg Marxloh, Teile Berlins: alles no go areas.
Acapulco ist omnipräsent!

Das alles sind Petitessen, Kollateralschäden.

Wichtig sind Gendersternchen, "Gleichschaltung", gegen Rassismus/Rechts und HALTUNG - MORAL!

Mexiko?
WM 1970, wir wurden 3.
Speedy Gonzales.
Tequilla.

OLA! - sagt man so?

Erst dann, wenn die Zustände so schrecklich werden wie in Mexiko und anderen
Ländern Mittelamerikas oder Afrikas, wird den letzten Illusionisten klar, daß
man v i e l früher hätte hart durchgreifen müssen, um die Macht des Verbrechens
einzudämmen.
Man brauchte jetzt in Mexiko einen Herkules, um den Augiasstall auszumisten. Den gibt es aber nur in der Mythologie.

Wir nähern uns in unserem Europa - vor allem in Deutschland u. Frankreich - , wo es
seit 1945 so relativ friedlich zu ging, mit großen Schritten und aus e i g e n e r Schuld den chaotischen u. grausamen Verhältnissen, die entstehen, wenn die Bürger nicht wachsam sind und Politiker wählen, die naiv bzw. egoistisch und verantwortungslos sind.

Fritz Elvers | Mo, 26. Oktober 2020 - 23:26

dass in einem schwachen Staat irgendwann eine Mafia herrscht und dass Staat und Mafia irgendwann eine symbiotsche Einheit bilden.

Aber Mafia kommt nicht immer blutig daher, manchmal auch als sog. freier Markt.