Qassam-Brigaden
Kämpfer der Qassam-Brigaden der Hamas Anfang November in Gaza-Stadt / picture alliance / Anadolu | Khames Alrefi

Diplomatischer Balanceakt in Gaza - Wie soll man die Hamas entwaffnen?

Das von den USA vermittelte Friedensabkommen sieht die Entwaffnung der Hamas und den Einsatz einer internationalen Stabilisierungstruppe für Gaza vor. Doch die Hamas ist tief verwurzelt im sozialen Gefüge Gazas und bereits dabei, die Kontrolle über die von Israel geräumten Gebiete zurückzuerlangen.

Autoreninfo

Tal Leder lebt als Journalist und Dokumentarfilmer in Israel.

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Seit Jahren gehört der Nahe Osten zu den instabilsten Regionen weltweit. Die Kultur ist geprägt von sozialen und ethnischen Spannungen, politischer Instabilität und Religionskriegen. Selten bieten geopolitische Bedingungen die Möglichkeit einer grundlegenden Neuordnung regionaler Allianzen, die zu dauerhaftem Frieden und Wohlstand führen können. Mit dem Ende des zwei Jahre lang tobenden Kriegs zwischen Israel und Irans Stellvertretern in Gaza und im Libanon stehen jetzt auch brüchige Waffenstillstände mit der Hamas und Hisbollah auf dem Spiel. Nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023, bei dem über 1200 Menschen brutal abgeschlachtet wurden, und dem daraus resultierenden Gaza-Krieg wird die Forderung nach der Entwaffnung der Hamas zum Prüfstein jeder künftigen Friedensordnung.

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Stefan | Fr., 7. November 2025 - 18:11

Was glaubt der interessierte Leser,
wen die Bevölkerung im Gazastreifen bei künftigen freien Wahlen eigentlich wählen wird ???
Ich habe da so einen Verdacht.
Desweiteren glaube ich persönlich nicht an eine Entwaffnung.

Peter William | Fr., 7. November 2025 - 18:57

eure Waffen niederlegen und euer Land wieder aufbauen? Ich kann mich in eine derartige Lage nicht hineinversetzen, ich weiß nicht was ihr alles erleiden musstet, wen ihr alles verloren und was ihr durchgestanden habt. Gebt auf, baut den Gaza Streifen wieder auf. Könnt ihr auch Bauarbeiter sein, nicht "nur" Soldaten?

Keine Ahnung.

Ernst-Günther Konrad | Sa., 8. November 2025 - 10:07

Israel und auch die UN werden da nichts ausrichten. Wenn es jemand vielleicht könnte, wäre es die USA. Aber würde das Trump wirklich wollen? Große Töne spucken, drohen ist eine Sache, aber dann die eigenen Leute dorthin schicken, eine andere. Sie beschreiben es ja Herr Leder. Die sind tief verwurzelt, Familien/Clans haben fast in allen Hamas Ablegern Angehörige. Wo käme denn sonst der menschliche Nachschub her? Und würde USA dort einmarschieren, versuchen Tabula rasa zu machen, könnten sie nicht verhindern, dass die Hamas Kämpfer in Nachbarländer fliehen und warten bis die USA wieder außer Landes wären oder will man ein weiteres Mal als USA einem Krieg beiwohnen, der nicht zu gewinnen ist und Jahrzehnte dauern kann. Und das die Hamas sich nicht so einfach ergeben wird war absehbar. Trumps Erfolg war ein Pyrrhussieg, mehr nicht.

Karl-Heinz Weiß | Sa., 8. November 2025 - 10:55

Wie man auf US-Seite nach den Erfahrungen im Irak und in Afghanistan so euphorisch von einer Entwaffnung der Hamas ausgehen will, erschließt sich nicht ganz. Wahrscheinlich soll, wie seinerzeit für Obama, ein Friedensnobelpreis für „nichts" verliehen werden. Nach den zehntausenden zivilen Opfer sind der Hamas sicherlich tausende junge Familienangehörige als Kämpfer beigetreten. Auch dutzende "Denkfabriken" oder ein Dealmaker lösen keinen "biblischen " Konflikt mit reinen Lippenbekenntnissen. Wenn das die Blaupause für die Ukraine sein soll, ………

Herr Weiß, die Bevölkerung in Gaza war schon vor dem Krieg mit der Hamas gleichzusetzen.
Es gab diese angeblich zivilen Opfer nicht in der Form. Die Zahlen über die Opfer stammen von der Hamas. Niemand hat sie geprüft. Alle, ob ZDF, ARD, BBC usw. haben ihre Zahlen und alle Daten von der Hamas ungeprüft übernommen. Sie hatten sogar Mitarbeiter, die bei der Hamas führende Rollen hatten.
Wie kann man nur so blind und blauäugig sein.
Das es mit der Hamas keinen Frieden geben würde, war mir schon vorher klar.
Daß es bei uns ähnlich laufen wird, ist auch absehbar.
Viele Bürger des "Wertewestens" sind bedauerlicherweise nach "Links" (links
in allen Arten) abgedriftet.

Christoph Kuhlmann | Sa., 8. November 2025 - 13:26

Diese Staaten entstanden zu großen Teilen erst im 19. Jahrhundert. Vorher waren die Gebiete Teile großer Imperien. Persien, Karthago, Rom, Byzanz, Islamische Reiche, Mongolen und andere Intermezzo. Nationalsaaten entstehen jedoch nur, wenn Jahrhunderte oder Jahrtausende eine gewisse ethnisch-kulturelle Homogenität entsteht, da Konflikte normalerweise Gewaltsam und zu Lasten der Schwächeren ausgetragen werden. Imperien dagegen nutzen oft die kulturelle und ethnische Inhomogenität. Das fängt beim Sklavenhandel und hört beim klassischen - Divide et Impera - auf. Imperien dulden also inhomogene Identitäten in bestimmten Regionen ganz bewusst, solange sie Ihren Interessen dienen. Im Laufe der Jahrtausende sammeln sich in bestimmten zivilisierten Regionen jede Menge multiethnische und multikulturelle Konflikte an. Sippen und Stämme lösen sich nicht auf, eine nationale Identität entwickelt sich kaum, während es viele Zuwanderer mit eigenen Identitäten gibt. Im Schutz der imperialen Macht.