Die Transformation zur Klimaneutralität bedeutet auch den Verlust materiellen Wohlstands
Die Transformation zur Klimaneutralität bedeutet auch den Verlust materiellen Wohlstands / Illustration: Marie Wolf

Populisten sind die Folge, nicht die Ursache des Niedergangs - Der lahme Westen

Seit Jahrzehnten wirken politische Kräfte im Innern westlicher Gesellschaften, die Selbstaufgabe zur moralischen Pflicht erklärten. Nun klagen sie über ausufernden Populismus und machen Trump zum Sündenbock. Doch die Misere ist das Ergebnis ihres eigenen Erfolgs.

Ferdinand Knauß

Autoreninfo

Ferdinand Knauß ist Cicero-Redakteur. Sein aktuelles Buch: „Der gelähmte Westen. Chronik einer Selbstaufgabe“ ist im März 2026 erschienen. 2018 erschien „Merkel am Ende“.

 

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Als vor über 100 Jahren „Der Untergang des Abendlandes“ von Oswald Spengler erschien, war das ein literarisches Großereignis. Heute sind Bücher, in denen es um das „Ende“ oder den „Niedergang“ des Westens geht, fast schon ein eigenes Genre, das den Markt der politischen Sachbücher prägt. Und die Zeitungen und Zeitschriften sind voll von Überschriften wie „Sind wir im Westen am Ende?“. Selbst Berufsoptimisten, wie es regierende Politiker eigentlich sein müssen, widersprechen dieser Diagnose kaum noch vehement.

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Thomas Veit | Mo., 22. Juni 2026 - 21:03

"Aber der Westen ist nicht am Ende, solange Menschen... ff." - woher nimmt der Autor diese Gewissheit? Aus seinem Artikel ist dies nicht zwingend abzuleiten..., m.E..

Wenn der alte Westen komplett zusammenbricht, sei es wirtschaftlich oder militärisch durch andauernde Konflikte mit großen Autokratieen wrlche er verliert z.B., oder beides..., dann 'war's das' ganz trivial... - warum sollte das nicht passieren...?

In einem anderen Artikel hier wird gerade 'die Verzwergung der USA durch Trump' beschworen... ...!?? 🤔

Ich könnte mir einen Zusammenbruch der EU-Strukturen z B. mittelfristig sehr gut vorstellen... - auch als längeres Siechtum..., nach bisherigen Erfahrungen damit...!?

Aber selbst wenn die EU zusammenbrechen sollte, wäre das denn so schlimm? Denn die EU und ihre Institutionen sind nicht deckungsgleich mit Europa und dessen Ländern, deren Menschen, Völkern möchte ich glatt behaupten.

So ein richtig schöner Zusammenbruch eröffnet doch viele Optionen aus denen Neues hervorgehen kann.

Komplettzusamnenbruch wäre wahrscheinlich nicht so dolle..., zu sehr verwoben usw. alles bereits - siehe die Währung z.B. ... - bräche die weltweit massiv und auf mittelfristige Sicht deutlich ein..., das hätte schon negative Auswirkungen, selbst wenn man die Gelddruckmaschine für die neue FDM (Future Deutsche Mark) sofort anwerfen täte... ... 🤔

Mit 10 Jahren echten/drastischen Niedergang müsste man in der Eurozohne wohl dann schon rechnen, bevor es wieder aufwärts geht bzw. gegen könnte... - 'könnte' deshalb, weil das, 'der neue europäische AUFSCHWUNG' nach der Trennung, bei weitem nicht sicher ist und z.B. durch einen großen Konflikt USA <> China, welcher parallel laufen könnte, rein zeitlich nicht unwahrscheinlich...🤔, unmöglich ist/wäre - aus weltwirtschaftlichen Gründen sozusagen.

Dann wären wir vielleicht für 20 bis 30+ Jahre echt 'am Popo', hier in Europa...? 🤔☹

MMn wäre ein GEORDNETER RÜCKBAU auf eine weitestgehnde Wirtschaftsunion die einzige realistische Radikalreform.

DAZU wären auch die Strukturen weitestgehend bereits vorhanden..., müssten natürlich trotzdem verschlankt werden... - klar.

Dann holen wir auch GB wieder mit ins Boot..., und schließen einen (wirtschaftlichen) Assoziierungspakt mit Kanada UND RUSSLAND... (und wenn gewünscht auch mit den USA, China... und dem Rest der Welt... 😉) - und schon läuft der Laden wieder - wirtschaftlich.

Militärisch gibt es dann im konventionellen Bereich eine 'europäischen Nato' o.ä. ..., und zusätzlich einen europäischen nuklearen Schutzschirm, welcher beigetretenen und zahlenden Ländern die nukleare Vergeltung (aka nukleare Abschreckung) bei einem nuklearen!! Angriff auf das eigene Territorium zusichert, mit einer nicht-nationalen Kommandostruktur unabhängig von den evtl. konventionellen Verteidigungsstrukturen, und wie gesagt nur für Mitglieder bei Nuklerangriff..., dann aber 'automstisch'... - so der (Küchentisch-) Plan!☝😉

Na-ja... ... - Träume.

Jens Böhme | Mo., 22. Juni 2026 - 21:17

Wenn über Jahrzehnte gutfunktionierende Systeme einen Sündenbock für die grassierend eigene Verantwortungslosigkeit suchen und finden, signalisieren diese ihre Hilflosigkeit.

Markus Michaelis | Mo., 22. Juni 2026 - 22:14

Diese Diskussionen sollte "wir Westler" mehr führen. Ob alle Migranten diese Diskussionen auch so führen wollen und ob man eine neue gemeinsame Linie findet, ist offen.

Wie immer ist alles vielschichtig und gegensätzlich: es war auch nicht nur Selbsthass. Das war auch gemischt mit einer blinden Selbstüberhöhung. Eine wertegeleitete Außenpolitik ist auch ein Affront und eine Anmaßung: wie tritt man der Welt da gegenüber: "Wir haben die Werte. Ihr folgt entweder oder ihr seid Menschenfeinde." Diese Ansätze waren nicht nur Selbsthass, das war auch zu selbstverliebt und krass. Das Konzept für die Innenpolitik war zunehmend ähnlich: "Wir vertreten: GG, Menschenrechte, Rechtsstaat, Demokratie, Gerechtigkeit etc.: Ihr seid entweder mit uns oder Menschenfeinde". Dieses politische Konzept war auch nicht zuerst Selbsthass, es war zu anmaßend und weltfremd.

Axel Gerold | Mo., 22. Juni 2026 - 22:46

Antwort auf von Markus Michaelis

Dass sich da auch eine neue westliche Arroganz entwickelte, ist eine richtige Feststellung. Das wird im Text als der neue Westen bezeichnet. Die Idee davon musste als Folge des erfolgreichen Marsches durch die Institutionen entwickelt werden, weil die Protagonisten schlussendlich nicht gegen sich selbst rebellieren konnten. Mit deutscher Gründlichkeit, also auch viel Sekundärtugend, wurde das bis zu Frau Baerbock so entfaltet.

Ferdinand Knauss | Di., 23. Juni 2026 - 16:28

Antwort auf von Markus Michaelis

Genau darum geht es in meinem Buch sehr viel ausführlicher als in diesem Beitrag. 
https://zuklampen.de/buecher/belletristik/essays/der-gelaehmte-westen-9783987370618-buch/

Wolfgang Z. Keller | Mo., 22. Juni 2026 - 22:50

... zumindest ein Ende dieses EU-Konstruktes, wie es auch ein Ende des römischen Reiches oder des Britischen Empire gegeben hat.
Aber ob, wann und wie steht so weit in den Sternen, dass sich eine sinnvolle Deuterei derzeit m.E. erübrigt.
Dennoch spricht Herr Knaus sehr Vieles sehr richtig an. Nur das delikate Detail, dass dieser ehemalige ZK-Sekretär und Chef des KBW, Joscha Schmierer, nicht nur im Beraterstab von J. Fischer einen Haufen Geld verdiente, sondern durch den Verkauf der KBW-Parteizentrale in Frankfurts Mainzer Landstraße - erstanden für rd. 1,5 Mio DM Mitte/Ende der 70er - das Sümmchen von 35 Mio. DM von der Commerzbank kassierte. SO geht Gerechtigkeit!
Aber kurz noch zu Herrn Knaus´ Analyse: gegen die systemimmanenten Krisen, des Kapitalismus wie vorher auch aller anderen historischen Systeme, hilft kein kluges Handeln: es gibt m.M.n. letztlich eine gewaltsame Auseinandersetzung, egal, welchen Ausmaßes - wie bisher bei allen historischen Systemen auch - Ausgang ungewiß.

Wolfgang Dubbel | Di., 23. Juni 2026 - 10:01

für den Artikel

G. Fischer | Di., 23. Juni 2026 - 10:41

dann trabt er aufs Eis...(Hildegard Knef), durchaus hörenswert.
Gilt das nicht für alle ehemaligen Hochkulturen, die im Laufe der Menschheitsgeschichte verschwunden sind und von sogenannten "Barbaren" , die noch von essentiellen Nöten getrieben wurden, überrannt wurden? Wo sich auf Grund des erreichten Wohlstandes eine gewisse Dekadenz breit macht, wird immer auch eine Ermüdung der Verteidigungsbereitschaft beobachtet? Muss man die derzeitigen Entwicklungen nicht in diesem größeren historischen Rahmen bewerten? Es ist nur die Frage, wie geschickt man auf die veränderten Zeiten reagiert. Der "Schuldige" ist nur das kurzfristige Opfer für den Mob, das Festhalten an überhöhter Moral, überholten Strukturen und gewesener Größe ist da eher kontraproduktiv. Herr Trump ist dabei, hier offensiver damit umzugehen, alles zu hinterfragen und neue Bündnisse und Partner zu testen.

Alles hinterfragen, Neues testen, seien das nun Partner oder Bündnisse, ist an sich okay. Wenn dann aber dem Testen und Irren keine Korrekturen folgen, wird es problematisch, im Extremfall existenzgefährdend. MAGA - nicht zu erkennen, dass mit Trumps nicht vorhandener Strategie daraus etwas wird. UND: Everybody's darling = everybody's boss funktioniert sowieso nicht.

Walter Bühler | Mi., 24. Juni 2026 - 10:59

In einem klassischen Western treffen brave sympathische Helden auf sauböse Bösewichter, die Gottseidank immer am Ende ihre verdiente Strafe erleiden.
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Joschka Fischer ist für mich der Prototyp des FALSCHEN Helden, der bei der Zerstückelung des Balkans und bei der Förderung des osteuropäischen Nationalismus eine extrem fatale Rolle gespielt hat.

Ursprünglich ausgehend vom "Revolutionären Kampf" der RAF hat Fischer wesentlich dazu beigetragen, dass die Grünen in jene kopflose pro-NATO und pro-USA Position hineingerutscht sind, wie sie heute die liebe Frau Baerbock vertritt, wenn auch dekoriert mit feministisch-islamistischem Kopfschmuck.

Das verbindende Element zwischen RAF und NATO ist die Heroisierung der Gewalt.