Zwei Männer in traditioneller arabischer Kleidung gehen nebeneinander, draußen, ernstes Gespräch. Foto.
Nicht immer einig: Der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani (l.) und der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, bei einem Treffen in Abu Dhabi am 31. März 2026 / picture alliance / SIPA | Emiri Diwan Office

Die Golfstaaten, die USA und der Iran-Krieg - Böses Erwachen in die geopolitische Pubertät

Vom OPEC-Austritt der VAE bis zur Ohnmacht Brüssels: Das Schicksal der Golfstaaten spiegelt das Europas. Ohne eigenen Schutzschirm und intern zerstritten, bleibt nur die Flucht in völkerrechtliche Floskeln und panische Ersatzmaßnahmen.

Autoreninfo

Shantanu Patni studiert Osteuropa-Studien an der Freien Universität Berlin. 

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Über Jahrzehnte hinweg folgten die Petro-Monarchien auf der arabischen Halbinsel einem verlockenden Irrtum: dass Sicherheit nicht zwingend das Ergebnis eigener militärischer Kraft sein muss, sondern als Dienstleistung bezogen werden kann – ein Gut, das auf den Märkten einer blühenden, tief vernetzten Weltwirtschaft durchaus verfügbar und käuflich sei. Der beste Anbieter dieser Dienstleistung war ohne Frage Uncle Sam. 

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Markus Michaelis | Fr., 1. Mai 2026 - 17:53

So sehe ich das auch: der Artikel ist gut und weist, wie angedeutet, auf einen grundlegenderen Punkt. Die Vormacht des Westens und der USA zerfällt und damit auch diese Ordnung. In der alten Ordnung haben sich alle billig darin eingerichtet auf die USA, den Westen oder Derivate davon zu schimpfen. Man hat seine eigenen Superwerte dagegengestellt, mal mehr Völkerrecht, Menschenrechte und Demokratie, mal mehr Koran oder Nation oder postmodernes Irgendwas. Aber immer billig, wirklich verteidigen musste man das nicht, nicht militärisch und mehr noch nicht, wie man die immer vorhandenen eigenen inneren Widersprüche gedenkt auszubalancieren. Alle meinten, dass es reicht aus dem Untergang einer alten Ordnung und Moral zu profitieren (sei es mit der eigenen Supermoral oder wirtschaftlich).

Das im Umbruch alter Ordnungen sich alles neu sortiert und es erstmal offen ist, wer da wo seinen Platz findet, welche Einheiten überleben oder zerfallen ... da ist man eher blank. Scheint mir.

Wolfgang Borchardt | Fr., 1. Mai 2026 - 18:33

Analogien! Auch wenn die Lösung nicht vor der Tür steht. Es wäre eine Chance für Deutschland, mal in einer nützlichen, realpolitischen und ideologieentkernen Richtung voranzugehen.

Einfach, weil es nicht zur deutschen Risikoscheu passt. Und wenn Deutschland mit einer neuen Ideologie voran ging, dann lief das mächtig aus dem Ruder. Also besser nicht.

C. Schnörr | Fr., 1. Mai 2026 - 19:25

… den Faden dieses guten Artikels ein wenig weiter, dann charakterisiert er treffend auch den tieferen Grund der naiv tolerierten Arabisierung/Islamisierung Europas - und speziell auch Deutschlands - als logische Konsequenz der unsäglichen Dummheit ideologischen Verbohrtheit der regierenden Politiker.

Karl-Heinz Weiß | Fr., 1. Mai 2026 - 19:47

Militärischer Schutzschirm als Dienstleistung-hier besteht eine Gemeinsamkeit zwischen den Golfstaaten und Deutschland. Nur: unter Schröder und Merkel wurde trotz US-Warnungen massiv auf russische Energielieferungen gesetzt. Und Kanzlerin setzte noch einen drauf: demonstrativ wurde das 2%-Ziel ignoriert. Die Golfstaaten agierten hier deutlich zurückhaltender.

Hans Süßenguth-Großmann | Fr., 1. Mai 2026 - 21:59

und keine Menschen, für Katar, Bahrain und Kuwait gilt dasselbe. Einzig Saudi Arabien hat eine nennenswerte Anzahl an Staatsbürgern. Da ist die Sicherheit gegen Iran, Irak schwer zu garantieren.
Die USA haben sich dreimal in dieser Region eingemischt, wobei das Ergebnis immer dünner ausfiel und jetzt nicht abzusehen ist, was dabei herauskommt. Die VAE wollen jetzt ihre Sicherheit an Israel outsourcen, was m.E. keine gute Idee ist. Vielleicht brauchen sie alle einen neutralen Vermittler, China vielleicht. Die werden sich nicht aus dem Golf rausdrängen lassen.

Hans Süßenguth-Großmann | Sa., 2. Mai 2026 - 09:46

was ist eine unbewältigte Zukunft? Ich habe schon mit der Vergangenheitsbewältigung meine Schwierigkeiten. Die Zukunft Europas kann nur in einer Neuauflage des Helsinki Prozesses bestehen.
Irgendwelche Hoffnungen, dass mit der Implosion Russlands das goldene Zeitalter anbricht halte ich für unrealistisch und gefährlich. Das die Dinge anders kommen als geplant, sehen wir z.Z. am Golf.

Robert Hans Stein | Sa., 2. Mai 2026 - 11:43

Antwort auf von Hans Süßenguth…

"Die Zukunft Europas kann nur in einer Neuauflage des Helsinki Prozesses bestehen."
In dem sehr guten Artikel geht es letztlich um die Fähigkeit, sich gegebenenfalls militärisch verteidigen zu können, neudeutsch ausgedrückt um Resilienz. Und zwar ohne Wenn und Aber um militärische Resilienz als wesentlicher Teil der politischen (Clausewitz ist, wie man derzeit beobachten kann, brandaktuell - persönlich habe ich nie an seiner diesbezüglichen Aussage gezweifelt).
Nun frage ich mich oder besser Sie, was das mit dem Helsinki-Prozess zu tun hat??? Es geht nicht nur um die Zukunft Europas sondern um eine Neujustierung globaler Verhältnisse, in der militärisches Potenzial inklusive der Fähigkeit zur nuklearen Abschreckung eine wichtige, wahrscheinlich die wichtigste Rolle spielen wird. Ob Ihnen der Gedanke gefällt (mir gefällt er auch nicht), ist sekundär. Für die Tatsache, dass ein Staat immer nur soviel Wert ist, wie sein Militär, öffne Herr Shantanu Patni die Augen.