Lwiw
Rauchwolken über Lwiw in der Westukraine / dpa

Der Westen und Russland - Was, wenn Putin den Krieg gewinnt?

Die ukrainische Armee und die Bürger der Ukraine leisten weiterhin tapferen Widerstand. Das hält zwar die Hoffnung auf einen günstigen Ausgang am Leben, aber die militärischen Chancen stehen nach wie vor sehr schlecht für das Land. Das wahrscheinlichste Ergebnis ist immer noch, dass Russland diesen Krieg gewinnt. Dann aber steht die Zukunft der liberalen Demokratie auf dem Spiel.

Ruud Koopmans ©David Ausserhofer

Autoreninfo

Ruud Koopmans ist Direktor der Abteilung „Migration, Integration, Transnationalisierung“ am Wissenschaftszentrum Berlin sowie Professor für Soziologie und Migrationsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin und nimmt daneben wichtige beratende Funktionen wahr, etwa als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. / Bild: David Ausserhofer

So erreichen Sie Ruud Koopmans:

Manche meinen, Putin habe den Krieg bereits verloren, weil er den ukrainischen Widerstand ernsthaft unterschätzt, Russlands eigene militärische Bereitschaft überschätzt und wahrscheinlich auch mit einer weniger starken Reaktion der europäischen Demokratien gerechnet hat. Doch trotz dieser Fehleinschätzungen sind alle Kriegsziele Russlands immer noch erreichbar, entweder auf dem Schlachtfeld oder durch einen ausgehandelten Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen: Die Anerkennung der russischen Souveränität über die Krim, die Anerkennung der separatistischen „Volksrepubliken“, die Aufgabe der Ambitionen der Ukraine auf eine Nato- und EU-Mitgliedschaft, selbst maximalistische Ziele wie die Errichtung einer „Noworossija“, die den Donbass, die Krim und Transnistrien miteinander verbindet, oder die Absetzung und Ersetzung der ukrainischen Regierung liegen noch im Bereich des Möglichen. Jede strategische und normative Überlegung darüber, was „der Westen“, was die EU, was die Nato und was ganz allgemein das Bündnis der liberalen Demokratien in Bezug auf den Krieg tun sollte, muss daher zuallererst die Auswirkungen des Szenarios berücksichtigen, in dem dieser Krieg für Russland günstig endet.   

Der Schlüssel zur Beantwortung dieser Frage liegt darin, diesen Krieg nicht nur oder nicht einmal in erster Linie als einen Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu betrachten. Es gab nie eine Zeit, in der die Folgen von Kriegen nur die kriegführenden Parteien betrafen, aber in einer globalen und vernetzten Welt ist dies noch weniger der Fall als früher. Die überwiegende Mehrheit der Kriege der letzten Jahrzehnte waren Bürgerkriege – viele davon, wie die Kriege in Syrien und Jemen, mit ausländischer Beteiligung, aber keine direkten Konfrontationen zwischen Staaten. Die wenigen zwischenstaatlichen Kriege der letzten Jahrzehnte – etwa zwischen Eritrea und Äthiopien – fanden alle an der Peripherie des globalen Systems statt.

Der russisch-ukrainische Krieg hingegen findet im Zentrum statt, direkt an den Grenzen der Nato und der EU, er betrifft eine der größten Mächte der Welt, und, was besonders wichtig ist, im Gegensatz zu praktisch allen Bürgerkriegen und zwischenstaatlichen Kriegen der letzten Jahrzehnte wird hier eine Demokratie von einer Autokratie angegriffen. Sicherlich eine aufkeimende und unvollkommene Demokratie, aber ganz klar ein Land, das sich in das Lager der liberalen Demokratien einreihen möchte.  

Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass die Welt demokratischer wird

Nach einem Demokratisierungsschub in den 1980er- und 1990er-Jahren ist die Zahl der Demokratien weltweit in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten ins Stocken geraten oder sogar etwas zurückgegangen; Autokratien haben an Durchsetzungsvermögen gewonnen, und antidemokratische Kräfte haben sogar innerhalb der etablierten Demokratien Boden gutgemacht. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass die Welt demokratischer wird oder dass die Länder, die demokratisch sind, es auch bleiben.

Vor diesem Hintergrund wird der Ausgang eines Krieges im Herzen Europas zwischen der wahrscheinlich lautstärksten und expansivsten Autokratie der Welt und einer aufstrebenden Demokratie an den Grenzen von EU und Nato von Demokraten und Autokraten in aller Welt aufmerksam beobachtet. Es wird als ein starkes Signal dafür gesehen und interpretiert werden, was die demokratische Welt bereit ist zu tun, um ihre Lebensweise zu schützen, und umgekehrt, womit Autokratien davonkommen können, wenn sie die Regeln des Völkerrechts ignorieren und sich ihren Nachbarn mit Gewalt oder der Androhung von Gewalt aufdrängen.   

Putin hat den Fehdehandschuh hingeworfen, und Autokraten weltweit, in China, in der Türkei, im Iran, aber auch viele kleinere regionale Machthaber sowie Populisten innerhalb der liberalen Demokratien warten mit hoffnungsvoller Neugier auf das Ergebnis. Demokraten und Demokratien weltweit schauen mit Angst und Verzweiflung zu. Natürlich können wir nur mit großer Unsicherheit vorhersagen, wie bestimmte Akteure auf den Ausgang dieses Krieges reagieren würden. Würde Putins Russland als nächstes die Republik Moldau ins Visier nehmen? Würde es sogar beginnen, die baltischen Staaten unter Druck zu setzen? Würde China auf Taiwan oder auf die umstrittenen Inseln im Südchinesischen Meer vorstoßen? Würden Iran und Nordkorea die Lehre ziehen, dass man seinen Willen durchsetzen kann, wenn man mit Atomwaffen droht? Würde die Türkei die Teile Syriens annektieren, die sie besetzt hat?

Der Westen wird geopolitisch an den Rand gedrängt werden

Während verlässliche Vorhersagen über die strategischen Entscheidungen bestimmter Akteure und Konflikte sehr schwer zu treffen sind, gilt dies für die Auswirkungen auf die Gesamtheit der Staaten auf der Welt noch viel mehr. Wenn Putin gewinnt – und zwar in einer Weise, die sich im Inland und gegenüber Autokraten im Ausland als ein Ergebnis verkaufen lässt, bei dem Russland seine Forderungen mit Gewalt durchsetzen konnte –, wird dies als ein Signal der Niederlage und Schwäche „des Westens“ und der liberalen Demokratie gewertet werden. Wenn der Westen die Vernichtung eines souveränen Staates und das Abschlachten von Zivilisten bei einer völlig unprovozierten Invasion einer aufstrebenden Demokratie, eines assoziierten Mitglieds der Europäischen Union, direkt vor der Haustür der EU und der Nato nicht verhindern kann und will, wie können dann eine demokratische Bewegung oder ein Staat anderswo noch auf Unterstützung hoffen, wenn sie unterdrückt oder angegriffen werden?

Wenn der Westen oder die Allianz der liberalen Demokratien nicht willens und in der Lage sind, Russland hier und jetzt zu stoppen, warum sollte dann ein Autokrat anderswo davor zurückschrecken, die gleichen Einschüchterungs- und Gewaltstrategien wie Russland anzuwenden? Die Welt, in der Russland diesen Krieg gewonnen hat, wird kein angenehmes Leben bieten. Sie wird weniger liberal, weniger demokratisch und gewalttätiger sein. Das westliche Bündnis wird in dieser Welt überleben, hinter den Mauern der Nato-Grenzen, der einzigen roten Linie, für die es bisher seine Bereitschaft signalisiert hat, sie zu verteidigen und echte Risiken einzugehen. Aber es wird geopolitisch an den Rand gedrängt werden und sich mit ermächtigten Feinden der Demokratie in den eigenen Reihen auseinandersetzen müssen. Sie wird nicht länger ein Leuchtturm der Freiheit und ein bedeutender Verbündeter der liberalen Demokraten weltweit sein, und die liberale Weltordnung, die sie zu errichten gehofft hatte, wird weiter entfernt sein denn je.

Deshalb müssen wir die Ukraine mit allen Kräften unterstützen, nicht nur aus moralischen, sondern auch aus strategischen Gründen. Das bedeutet natürlich nicht die Bereitschaft, jeden Preis zu zahlen und jedes Risiko einzugehen. Aber es bedeutet, viel mehr zu tun, als die liberal-demokratische Allianz im Allgemeinen und Europa und Deutschland im Besonderen derzeit tun. Zunächst sollten die Wirtschaftssanktionen auf diejenigen ausgeweitet werden, die den russischen Staat und seine Kriegsmaschinerie am unmittelbarsten und schnellsten treffen. Erstens: ein vollständiger Ausschluss russischer Banken aus dem Swift-System und ein Ende der Ausnahmeregelung für mehrere Banken, die für den russischen Staat von zentraler Bedeutung sind. Zweitens: ein sofortiger Stopp der Öl-, Gas- und Kohleimporte aus Russland, die dem russischen Staat seit Beginn des Krieges Milliarden von Dollar eingebracht haben. Dies wird auch den westlichen Volkswirtschaften schaden, aber der Preis ist gering im Vergleich zu dem eines russischen Sieges in diesem Krieg.

Die Welt wird nach diesem Krieg nicht mehr dieselbe sein

Ein schrittweiser Ausstieg aus der Abhängigkeit von russischen Energieimporten wird nicht ausreichen, da die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass der Krieg zu diesem Zeitpunkt bereits beendet ist, höchstwahrscheinlich in einer für Russland günstigen Weise. Drittens sollte die militärische Unterstützung für die Ukraine erheblich und rasch ausgeweitet werden, möglicherweise auch durch die Stationierung von Militärpersonal aus europäischen Nachbarländern in Teilen der Ukraine außerhalb der derzeitigen Kampfzone und zu rein defensiven Zwecken. Zum Beispiel, um das ukrainische Militär für den Einsatz von Patriot-Raketenabwehrsystemen um Städte wie Lemberg zu schulen.

Und viertens: Obwohl eine vollständige Flugverbotszone über der Ukraine ohne eine totale Konfrontation zwischen der Nato und Russland unmöglich wäre, sollten wir die Einführung einer solchen Zone im westlichen Teil der Ukraine, der bisher noch außerhalb der direkten Kampfzone liegt, ernsthaft in Betracht ziehen. Nicht nur, um zu verhindern, dass Krieg, Zerstörung und Massaker an der Zivilbevölkerung diese Teile der Ukraine erreichen, sondern auch, um einen sicheren Zufluchtsort für Flüchtlinge aus den Teilen der Ukraine zu schaffen, die unter direktem russischen Beschuss stehen. Die Rettung der Westukraine vor den Schrecken, die sich jetzt im Osten und Süden des Landes abspielen, ist keine Eskalation, sondern die Verhinderung einer Eskalation und von weiterem, unumkehrbarem menschlichem Leid und der Zerstörung einer ganzen Nation.

Wir müssen mehr tun, und wir müssen es schnell tun, denn die Zukunft der Ukraine ist auch die Zukunft der liberalen Demokratie. Die Welt wird nach diesem Krieg nicht mehr dieselbe sein, aber wir haben immer noch die Möglichkeit, zu bestimmen, in welcher Weise sie anders sein wird. Auf eine Weise, die die Putins, die Xis und die Erdogans dieser Welt begünstigt. Oder auf eine, die die Liberalen und Demokraten dieser Welt ermutigt? Wenn es jemals eine Zeit gab, nach dem Motto „Nie wieder“ zu handeln, dann ist diese Zeit jetzt gekommen.

Norbert Heyer | Do, 24. März 2022 - 07:43

Wie lange wird schon über eine politische Lösung geredet und verhandelt? Warum konnte bei diesen Gesprächen nie eine Einigung erzielt werden? Haben die USA aus geostrategischen Gründen der Ukraine Versprechungen gemacht, die geradezu eine Eskalation herausfordern? Jetzt ist schon die erste Stufe einer sich anbahnenden Katastrophe gezündet und ich habe Angst, das Deutschland wieder einmal in einen Krieg hineingezogen werden soll, der uns - wenn er sich ausweitet - als Nation und auch die EU zerstören wird. Der Krieg ist schlimm, Putin hat ihn angefangen, viele Menschen sterben - aber trotzdem muss alles unternommen werden, dass dieser Krieg nicht zum Weltenbrand wird. 1914 gingen begeistete junge Männer in einen Krieg, der angeblich nur einige Wochen dauern sollte - sie kamen entweder über nicht mehr zurück oder als körperliche und geistige Krüppel. Es muss wirklich alles unternommen werden, um dieses schreckliche Szenario zu vermeiden - oder steht eine neue Zeitenwende vor der Türe?

Wieder einmal droht ein Weltkrieg, weil alle verantwortlichen Politiker leichtfertig und arrogant gezündelt haben!
Die Devise darf jetzt nicht lauten: "Hinein in den Kampf für unsere gute Sache!", sondern alles Menschenmögliche muß getan werden, um den bereits entstandenen Brandherd auszutreten.
Die Rettung der West-Ukraine, die Herr Koopmans unter Einsatz von noch mehr Waffen jetzt fordert, hätte man längst o h n e Krieg haben können, wenn man seitens der - ach so guten - Demokratien (besoders der USA) auf Putins
Neutralitäts- und Autonomie- Forderungen für die Ost-Ukraine eingegangen wäre.
Wer sein Selbstverständnis nicht nur auf MACHT/MIlitär gründet, sondern auf die Freiheit der Bürger, muß auf umso mehr auf vorausschauendes Denken setzen u. im Zweifelsfall lieber drei Schritte zurückgehen als einen Schritt zu weit nach vorne.
Ist ein solches Verhalten in den westlichen Demokratien zu beobachten gewesen in den vergangenen Jahren u. Jahrzehnten?
Ich habe davon nichts gesehen.

Frau Wallau, unsere gute Sache? Welche gute Sache meinen Sie? Ist damit möglicherweise unsere Demokratie gemeint bzw. was wir derzeitig in D als Demokratie verstehen? Ich würde meinen Sohn kräftig in den Hintern treten würde er dafür in den Krieg = für d i e s e gute Sache ziehen wollte. Das hat doch alles an System verloren. ziellos, planlos, kraftlos, sonst nichts.
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik

Romuald Veselic | Do, 24. März 2022 - 07:45

Eins muss klar sein, dass die Ukrainer werden nicht zuerst die deutschen Putinversteher fragen, was eine souveräne Selbstbestimmung ist, o. was sie dürfen/nichtdürfen, aus Sicht der D-Polittrickser. Was nicht ohne Folgen bleibt. Egal, wie der Krieg zu Ende geht, die D sind immer die Verlierer. Die Flüssigseife-Mentalität hat fertig. 🤣

Der politische Hundegebell gg. Trump zeigt, wie dämlich die "westliche" Logik ist, indem nach einem Jahr ohne Trump, die Welt nicht besser wurde, sondern noch schlimmer. Man ließ den Kremldespot außer Acht. Denn, man denkt so, indem die Wünsche zur Realität transformiert wurden, ohne die sichtbaren/gefühlten Tatsachen vor Augen, als solche wahrzunehmen. Denn der Kampf für Klimaschutz in seinem abstrakten Volumen, zur primären Gefahr erklärt wurde, was jedem Aggressor kaum besser passen kann, was die Ablenkung angeht. Aus diesem Sichtwinkel, tut mir der "Westen" kein Leid. Wehrkraft kann man durch Liberalsein nicht ersetzen.

"Der politische Hundegebell gg. Trump zeigt, wie dämlich die "westliche" Logik ist, indem nach einem Jahr ohne Trump, die Welt nicht besser wurde, sondern noch schlimmer ... Die Flüssigseife-Mentalität hat fertig. 🤣."
Dem kann ich nur zustimmen. Aber es ist ein geplantes Werk derer, denen unsere freiheitliche Demokratie von Anbeginn ein Dorn im Auge war. Die Frau im roten Hosenanzug hatte 16 Jahre Zeit, unser Land in den Zustand zu bringen, in dem es jetzt ist: destabilisiert durch millionenfach Flüchtlinge aus dem Islam, die sich nicht integrieren werden, sondern erwarten, dass wir uns in ihre Ideologie (die sie Religion nennen) integrieren. Bundeswehr blank und nicht verteidigungsfähig ... AKW abgeschaltet ... von Putins Öl und Gas abhängig gemacht. Ich bin überzeugt, dass war von Schröder vielleicht blauäugig, aber von der nämlichen mit Fleiß so gewollt.
Die linXen Revanchisten freuen sich und reiben sich die Hände: Ziel bald erreicht!

ich glaube, dass KGB Major a.D. Wladimir P, war auch Ehrenmitglied der MfS-Truppe. Womöglich, in seiner Evidenz gibt's auch eine Akte, unter dem Krypto - IM Erika.
Und diese Akte kann man natürlich auch post-politisch verwenden. Zum Nachteil der Dame, mit diesem Titel.
Übrigens; seit einiger Zeit gibt's bei den Geheimdiensten indifferente Krypto-Titel, damit die IM-s, Geschlecht unspezifisch bleiben. Man könnte fast denken, dass auch die Schlapphüte, ihr eigenes Gendern anwenden. 😆

Urban Will | Do, 24. März 2022 - 08:06

ist für mich die weit bedeutendere.
Diesen Krieg als Krieg der Systeme (Autokratie – Demokratie) zu betrachten, ist populistisch und in gewisser Weise Folge einer gehörigen Portion Weltfremdheit. Ausdruck eines infantilen Beleidigtseins.
Die westlichen Demokratien verlieren täglich ihren „Leuchtturm – Status“, versinken in Dekadenz und kultureller Selbstaufgabe. Alleine die Verfilzung (siehe v.a.D) von Politik, Justiz und Medien unterscheiden sie kaum mehr von Autokratien.
Zurück zum Krieg: wenn man ihn als Resultat von 30 Jahren falscher Politik sieht, als Fortsetzung von Putins Politik mit nun anderen Mitteln, dann käme man einer Lösung näher.
Die Welt wird keine bessere, wenn Putin „verliert“ (militärisch), sie wird eine kolossal schlechtere. Komplette Unberechenbarkeit dieses so bedeutenden Landes. Wie kann man so etwas wollen?
Die Welt kommt dann am besten davon, wenn man Putin politisch entgegen kommt, was schmerzlich ist angesichts dieser Eskalation, aber unvermeidlich.

Sehe ich ähnlich. Russland wird, egal ob mit oder ohne Putin, die zweitgrößte Atommacht der Erde bleiben.
Wie will man damit verfahren? Ist es klug, diese Macht zu einem internationalen Pariah mit deutlich angeschlagener Wirtschaft und den sozialen und innenpolitischen Folgen zu machen? Die Schwächung Russlands wird sich an seinen Grenzen wieder als erstes bemerkbar machen, wiederum mit nachfolgender Destabilisierung.
Der Westen muss bereit sein, mit einer Putin-Nachfolge verbindlich erhebliche Abrüstungssbkommen durchzuführen und Russland die vollständige Rückkehr in internationale Organisationen und Wirtschaft zu ermöglichen. Will das der Westen? Nein. Deshalb folgen jetzt Jahre der Dauerkrise rund um Russland.

Die Verrenkungen der Putin-Versteher werden immer absurder und geschmackloser.

Zitat: Die Welt wird keine bessere, wenn Putin „verliert“ (militärisch), sie wird eine kolossal schlechtere. Und weiter: Wie kann man so was (eine militärische Niederlage) wollen?

Mit andern Worten: Lasst ihn nur machen. Auch militärisch, da die Ukrainer keine Anstalten machen, den Empfehlungen rechtslastiger Cicero-Foristen zu folgen. Krankenhäuser bombardieren, Zivilisten, einschl. Kinder, Alte, Frauen ermorden, oder vertreiben, Kriegsverbrechen begehen.

Nur zur Erinnerung: Die Russen sind in die Ukraine eingefallen, nicht umgekehrt. Und Cicero-Foristen beeilen sich, Putin Absolution zu erteilen.
Halt, vielleicht nicht ganz: Aber da man nicht weiss, was nach Putin kommt, soll man ihn ruhig machen lassen.

Gestern schon versuchte sich ein ähnlich positionierter Forist mit folgender Relativierung:
Wenn z.B. Israel Kriegseinsätze wagt, wird dies ohne Empörung hingenommen.

Hochgradig geschmacklos.

lauten, was ist, wenn der Westen verliert.
Es wird nicht leicht für Europa, aber zuletzt wird es das retten, was die Zuordnungen ringsum in Europa sehen, die Ältesten.
"Die bringt man nicht so schnell um".
Möglich, dass dies, die kosmische Wiege Europa nicht allen gegenwärtig war, ich habe mein bestes gegeben, diesbezüglich aufzuklären.
Deshalb wird Putin sich höchstens gegen Europa verteidigen, es aber nicht angreifen.
Die Ukraine nun, der kleinere "Bruder" Russlands braucht nicht die EU, weil es Teil davon wäre, sondern weil es massiv Aufbauhilfe braucht.
Deshalb muss man keine "Familien" auseinanderreissen und ja, die Bundesrepublik darf sich darin besonders hervortun, wenngleich ich "deren" Anrennen gegen Russland durchaus historisch als Teil gesamteuropäischen Sehnens betrachte, siehe Napoleon oder die Kriege Polens und Schwedens ff.
Es gibt aber eben auch die Bewunderung für eine große Kultur und ein mutiges "Volk".
Ich fühle mich auch sicher bei Russland, sogar bei den USA:)

"Die Welt wäre am besten davon gekommen mit einem politischen Entgegen-
kommen Putins". Wie wahr Herr Will.

Diese Chance wurde nach Putins klarer, fulminanter Rede anläßlich der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 nicht wahrgenommen. Die aus Putins Sicht befürchtete Ausbreitung der Nato Richtung Osten, führte zu einem Rußland weiten Narrativ der Mißachtung Rußlands. Seit 1990 ignorieren die Nato-Staaten die Gefahr einer Eskalation.

Doch was erreichten wir seit 2007? Fünfzehn Jahre nichtwiederkommende, gut-zumachende, verlorene Zeit und einem dem Wahnsinn nahen russischen Prä-sidenten Putin.

Was erleben wir heute? Hoffentlich keine Bestätigung der aktuallisierten Aussage des Polonius in Shakespeare´ "Hamlet".

"Das Verhalten des russischen Präsidenten erinnert an einen wahnsinnigen Krieg". Und weiter: "Ist dies auch Wahnsinn, so ist doch auch Methode drin".

Dirk Neuhardt | Do, 24. März 2022 - 08:10

liberale Demokratie
Warum reicht nicht Demokratie aus?
Warum soll sie auch noch liberal sein?
Und was ist mit einer liberalen Autokratie?

Vielleicht ist 'liberal' auch einfach nur ein Fetisch,
der Leid und Elend auf eine ganz andere Art erzeugt.

Ich mag keine Ismen. Deshalb kann ich ja schon dankbar sein
nicht 'liberalistisch' lesen zu müssen sondern nur 'maximalistisch'
obwohl hier 'maximale Ziele' sicherlich gereicht hätte.

All das zeigt mir, das in dem Artikel zu viel Ideologie steckt
und deshalb sehr 'kritistisch' (lol!) zu werten ist.

Erik Klemm | Do, 24. März 2022 - 08:12

Die liberalen Demokratien werden durch ihre eigenen Eliten geschwächt, oft vorsätzlich.
Die bürgerliche Mitte als ihr Fundament ist abzuräumen um ungehemmt zu herrschen. Das wird seit Jahrzehnten betrieben, mit selbstverstörkender Rasanz. Zuletzt durch eine Querfront grün-Kollektivismus plus Konsumbürgertum.
Die aufgekommenen Pop. Strömungen sind nicht Ursache, sondern Reaktion.
Weil die lib. Demokratien sich selber abschaffen, werden sie auch global nicht mehr nachgeahmt.
Alles, was Koopmans hier fordert, würde nur weiter die Mitte schwächen, während Putin Russlands Ressourcen eben in Asien verkauft. Auf den Krieg hat das keinen Einfluss.
Deutschland tut diplomatisch, geheimdienstlich und finanziell übrigens mit Abstand das meiste aller Europäer f. d. Ukraine.
Prämisse falsch, Analyse falsch, Ratschläge zum Handeln grotesk. Was will man von einem Technokraten mit Agenda wie Koopmans auch erwarten.
Wer ernsthaft polnische Truppen bei Lemberg will, will Eskalation.

Die Schwächung der alten Parteiendemokratien kommt von innen, nicht von außen. (@Klemm: "sie werden durch ihre eigenen Eliten geschwächt".) Man betrachte nur die Lage in den USA (Trump UND Biden), GB, Italien, Frankreich, Spanien, Belgien, Deutschland, .... Mögen Politik-Wissenschaftler träumen was sie wollen: Die Demokratie hat ihre Leuchtkraft aus sich selbst heraus verloren.

Die Länder, die 1989 hoffnungsfroh zur Demokratie und in die EU übergegangen sind (Visegrad-Staaten), sehen das am deutlichsten: Sie wenden sich vom "weichen = liberalen" Modell der Demokratie ab und gehen zu einem "starken, effektiven = autoritären" Modell über. Man kann diesen tiefen Konflikt in der EU doch nicht einfach vergessen! Wenn die Ukraine in die EU käme: würde sie auf der Seite von Kaczyński stehen. All diese Länder würden - wie Johnson - sofort die EU verlassen, wenn es für ihre Land vorteilhafter erscheinen würde. Wolodymyr und Wladimir gleichen sich in dieser Perspektive - trotz des Krieges.

Alice Friedrich | Do, 24. März 2022 - 08:33

Dieser Artikel stellt einen Teilaspekt, nämlich die Gegenüberstellung des Kampfes von Autokraten gegen Demokraten ins Zentrum der Betrachtung und folgt, wenn auch mit weitgehender Zurückhaltung, dem alten propagandistischen Schema des Freund-Feindbildes. War Putins Invasion tatsächlich völlig unprovoziert? Dieser Krieg hat eine Vorgeschichte, die zu erwähnen man immer mehr vergisst, denn Putunverstehr sind die neuen Impfgegner. „Stationierung von Militärpersonal aus europäischen Nachbarländern in Teilen der Ukraine außerhalb der derzeitigen Kampfzone und zu rein defensiven Zwecken, auch zur Schulung“ hat doch schon einen nicht unerheblichen Anteil an der Eskalation. Eine rein defensive Waffe gibt es nicht.Wie könnte es jetzt die Lösung sein? Sanktionen haben noch nie einen Krieg beendet, aber sie treiben den Keil der Feindschaft weiter zwischen die Völker. Es gibt nur einen Weg zum Frieden: Verhandlungen mit dem Ziel, beiden Seiten Rechnung zu tragen.

Alexander Breul | Sa, 26. März 2022 - 10:07

In reply to by Alice Friedrich

Putin ist derjenige der eskaliert und nicht verhandeln will sondern Ultimaten stellt um seine Maximalposition durchzusetzen. Der Westen ist in einer Position der Verhandlungs-Schwäche - weil er militärisches handeln ausgeschlossen hat. Sprich wer auf Verhandlungen setzt will das Putin seinen Willen bekommt. Seine Strategie der Unterdrückung, der Aggression und Provokation sich auszahlt. Und das heisst auch er wird das Spiel weiter treiben ...

Reinhard Oldemeier | Do, 24. März 2022 - 08:42

Nach dem kalten Krieg haben wir von der sogenannten Friedensdividende gesprochen. Wir waren von Freunden umgeben.
Spätestens 2014 hätten wir eigentlich wach werden müssen. Die Welt ist fragmentierter und der Mensch strebt nach einfachen Lösungen. Die Autokraten erkannten dieses und haben einfache Lösungen angeboten. Das Gift der Unfreiheit wird dann mit Zucker (soziale Wohltaten) verabreicht.
Selbst in der EU ist die Rechtsstaatlichkeit nicht selbstverständlich.
Ist es schon zu spät?
Kennedy hat es mal so ausgedrückt "Frage nicht Was der Staat für Dich tun kann, sondern frage eher was Du tun kannst für Deinen Staat".
Demokratie oder die Freiheit gibt es nicht zum Nulltarif. Wer seine freie Meinung weiter äußern möchte, sollte sie auch verteidigen. Nicht Morgen sondern Heute. Denn Morgen kann diese nicht mehr da sein.

Werner Peters | Do, 24. März 2022 - 08:44

Ich glaube leider auch nicht an die These, dass Russland im Moment geschwächt sei. Die nutzen die Phase nur, um kräftig nachzurüsten. Und Putins jüngster Coup mit dem Rubel als Zahlungsmittel wird den Westen bald spalten. Denn jetzt müsste er konsequent sein, und die Energieeinfuhr komplett beenden. Interessant auch, dass keiner der oft zitierten "Experten" diesen Schachzug Putins auf dem Radar hatte. Auch die These von "Russland wird bitter bezahlen" wird sich bald umkehren. Wir werden relativ am meisten zahlen, die Russen sind Wohlstandsverlust gewohnt, wir nicht!

Gerhard Hellriegel | Do, 24. März 2022 - 08:46

Die Ukraine ist ein souveränes Land. Russland greift dieses Land an, gegen den Willen dessen Regierung und Mehrheitsbevölkerung. Wenn nun die Nato mit Zustimmung der Regierung und Mehrheitsbevölkerung in der Ukraine militärisch aktiv wird, dann riskiere sie den Atomkrieg und gefährde den Weltfrieden? Wie bitte? Wer riskiert hier den Atomkrieg, wer gefährdet den Weltfrieden? Russland oder der Westen?

Maria Arenz | Do, 24. März 2022 - 09:11

aber eben noch nicht von allen....So sehr ich Koopmanns Expertise zum Thema Migration schätze, so banal und entbehrrlich kommen mir seine Ausführungen zum Thema Ukraine vor. Die Voraussetzungen, unter denen Demokratie funktionieren kann, sind sehr komplex und in den meisten Weltregionen - darunter China, Russland und bei ehrlicher Betrachtung auch in der Ukraine- noch nie gegeben gewesen. "Demokratie wollen" reicht leider nicht. Wo sollen denn auch nach einem "gewonnenen" Krieg die kompetenten, integren Parlamentarier, Richter, Beamten, Unternehmer herkommen, die auch in der Ukraine bis jetzt Mangelware waren?Das Risiko ist deshalb sehr groß, daß dann nicht "für die Freiheit" gelitten und gestorben wurde, sondern für die Freiheit einer dann halt rein ukrainischen Olig- Ar(s)chenblase, sich nicht nur an ukrainischen Töpfen sondern auch denen der EU zu bedienen. Bulgarien und Rumänien lassen grüßen. Mit 3 fachem BIP pro Kopf wie die Ukraine vor dem Krieg!

Oligarchen nennt man sie in der Ukraine & Russland, bei uns sind es die Big-Player im Bereich Finanzen & Wirtschaft.
Sie, die Oligarchen oder Big-Player zusammen mit der Politik als Machtstrukturen bestimmen was im jeweiligen Gesellschaftssystem möglich ist, wie weit man das Staatsvolk selbst gewähren lassen will. Mit mehr oder weniger Freiheiten, mit besserer oder schlechterer Versorgung bei den Gütern.
Die Konfliktlinie läuft nur zwischen diesen politischen & wirtschaftlichen Herrschern/Eliten, nicht zwischen den Menschen.
Das jeweilige Staatsvolk wird in tödliche Konflikte geführt, um die Vorherrschaftskämpfe dieser Eliten auszufechten.
Der Sieger übernimmt die Machtstrukturen & das Staatsvolk unter seiner Regie & bindet die alten Machthaber soweit es geht pfleglich ein. Das Staatsvolk darf nun neue Lieder singen, die Toten betrauern und im Geschirr einer neuen Ordnung gehen.
Wie kann man diesen immer wiederkehrenden Wahnsinn unterbinden? Warum lassen wir das mit uns machen?

Karl Kuhn | Do, 24. März 2022 - 09:29

... sind gleichzeitig schwach und illiberal geworden. Wir haben also weniger Mittel, uns zu wehren, und diejenigen, die bereit wären, sich zu wehren und für unsere Werte zu kämpfen, sind seit 1968 als rechts diffamiert worden. Wenn hier bestimmte Links-grüne Foristen jetzt Krokodilstränen über das Schiksal der Ukraine vergießen, dann sei ihnen gesagt, dass es Merkel, SPD und Grüne waren, die diesen Zustand herbeigeführt haben, und nicht die AfD und deren Apologeten hier im Forum. Auch wenn die AfD voller unerträglicher Putinfans ist, hatten diese auf die politischen Weichenstellungen der letzten Jahrzehnte keinerlei Einfluss. Das Debakel wurde durch links-grün verursacht.

gabriele bondzio | Do, 24. März 2022 - 09:42

und wir müssen es schnell tun, …

...aber bitte auf der Strecke der diplomatischen Verhandlungen. Die Lage ist unkalkulierbar.

Sagte nicht gestern, Herr Friedmann : „Im Moment sind die Vereinigten Staaten offensichtlich die einzige wirtschaftliche und militärische Großmacht auf der Welt.“

Bush kommt ja nach Europa. Und wie wäre es da, wenn er Aug in Aug (ohne den Satz im Hinterkopf) mit Putin verhandelt. Um einen Kompromiss....für die gebeutelte ukrainische Bevölkerung!?

und ihr Satz, Herr Koopmans:
„Die Welt wird nach diesem Krieg nicht mehr dieselbe sein“...stimmt so nicht ganz, die Welt war nach Corona schon nicht mehr dieselbe. Und viele Bürger, gerade im Westen, haben erlebt wie liberale Demokratie schnell den Bach runter fließt.

Es stimmt allerdings, das die EU-Staaten, im Auge des Orkans, ...zusammenstehen. Aber genauso schnell auseinander driften, wenn er sich legt.

Gerhard Lenz | Do, 24. März 2022 - 09:43

Wird das nicht nur seine Position zu Hause stärken. Er wird sich für unbesiegbar, unangreifbar halten, auch in dem Glauben, sein Drohungen - möglicher Atomwaffeneinsatz, neuartige Wunderraketen - hätten den Westen beeindruckt.

Putin ist kein Politiker, er ist ein Kämpfer, der Sendungsbewußtsein und Glauben an eine Mission, die er ausführen muss, jahrelang gut versteckt hat.
Zu viele Menschen haben ihn für berechenbar, ja verlässlich gehalten. Und manche besonders Unbelehrbaren verweisen noch immer auf eine freundliche Rede vor dem BT vor Jahrzehnten, die ihn offensichtlich zum ewigen Gutmenschen gemacht hat.

Als nächstes dürfte Putin Moldau, Balten und Polen bedrohen. Sicherlich wird er bei NATO-Mitgliedern vorsichtiger agieren - sein Ukraine-Erfolg, so er denn nicht zu vermeiden ist, wird ihn jedoch jeglicher Hemmungen entledigen. Rational handelt Putin schon lange nicht mehr - was ihn umso skrupelloser macht. Putin MUSS einfach kämpfen UND siegen - er kann nicht anders.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 24. März 2022 - 10:00

Herrn Koopmanns "beraten" gefühlt.
Dennoch wird sein beachtliches Szenario evtl. "falsch" dadurch, dass er in der Wortfügung "liberale Demokratie" das Wort Demokratie zu klein hält oder anders, in der Wortbildung "liberale Gesellschaft" das Wort Gesellschaft zu niedrig veranschlagt.
In der Frage, wie Gesellschaften zusammenleben wollen, ist es evtl. für Europäer nur sehr schwer verständlich, dass es einige Menschen sehr eng wünschen.
Zu glauben, dass die USA ein Hort der liberalen Gesellschaft seien, stimmt eben evtl. nur halb, wie oft auf der Welt.
Manche inneren Strukturen sind dort möglicherweise so entscheidend, dass sogar der Staat als Übel betrachtet wird.
Die offensten Gesellschaften sind meines Erachtens die europäischen, weshalb ein Herr Soros meines Erachtens auch Eulen nach Athen trägt.
Wenn man diese Interdependenzen nicht versteht oder sehen kann, entgeht einem viel von den Konflikten, noch mehr an Lösungen.
Es geht um sehr viel für das ganz enge Band Russland/Ukraine.

Karl-Heinz Weiß | Do, 24. März 2022 - 10:33

Die westlichen Demokratien haben lange weggeschaut, nicht nur bei Putin, sondern auch bei Erdogan oder Xi. Jetzt begeben wir uns erneut in Abhängigkeit: von arabischen Diktatoren. Der Einschätzung des Autors stimme ich zu-es wird wohl auf eine Teilung der Ukraine hinauslaufen. Und mit den daraus folgenden Flüchtlingsströmen wird speziell Deutschland auf lange Zeit beschäftigt sein.

Han Huber | Do, 24. März 2022 - 10:34

Genau, eine Flugverbotszone nur im Westen, das werden die Russen problemlos akzeptieren. Und wenn nicht, dann knallt es. Wie unendlich naiv muss man sein - oder ist es suizidales Wunschdenken für das Kollektiv …
Die Knochen des Grossvaters meiner Frau bleichen nicht identifiziert irgendwo in den Weiten Russlands. Meinen Söhnen möchte ich diese Schicksal ersparen - und ich gebe es offen zu, sie sind mir wichtiger als geostrategische Interessen des Wertewestens.

Gerhard Weißenberger | Do, 24. März 2022 - 10:55

Die Ukraine “ganz klar ein Land, das sich in das Lager der liberalen Demokratien einreihen möchte”.
In Wahrheit ist die Ukraine genauso wie Russland von Korruption und Oligarchen herrschaft zersetzt mit einem feinen Präsidenten Selenskyi, der eine 5-Millionen Villa in Italien sein eigen nennt.
Nur dass 2014 der ultranationalistische Flügel die Macht mit Hilfe der CIA übernommen hat.
Die faulen Versprechen der USA von der NATO-Mitgliedschaft, die schon 2008 Saakashvili den
Verstand geraubt haben, haben nun zur Konfrontation mit Putin geführt.
Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger schrieb am 9.3.2014 in einem Beitrag für die Tageszeitung Die Welt: “Missbraucht man die Ukraine für eine Ost-West-Konfrontation, dann wäre für Jahrzehnte jede Chance vertan, Russland und den Westen (und besonders Russland und Europa) in ein kooperatives internationales System zusammenzubringen.“

Dr.Andreas Oltmann | Do, 24. März 2022 - 11:15

Kämpft die Ukraine für die liberale Demokratie?
Die Ukraine wurde angegriffen und verteilt sich. Nach den häufig pathetischen Worten vo Selensky kämpft sie fürFreiheitund Demokratie und sollte deshalb bedingungslos unterstützt werden.
Warum hat der Zuspruch zur westlichen Demokratie weltweit nachgelassen? Weil Grundrechte nicht bedingungslos eingehalten werden, wie das Grundgesetz es fordert. Weil Verfassungsrechtler mehrfach den Vorrangdes Staates vor diße Interessen der Bürger gestellt haben. Weil die EU den demokratischen Staaten ihre Vorstellungen von Dirigismus aufzuzwingen versucht. Weil abweichend Meinungen nicht toleriert werden. Weil die USA unter dem Vorwand der Demokratie Kriege aus wirtschaftlichen Interessen geführt haben, und den Menschen nicht Frieden und Demokratie gebracht haben. Weil die Bürger politisch überrollt werden durch Verordnungen zur Weltrettung, sei es Klimawandel oder Migration.
Demokratie soll gelebt werden, nicht aufgezwungen werden.

Tomas Poth | Do, 24. März 2022 - 11:49

Der Autor geht von einer falschen Voraussetzung aus!
Die Ukraine liegt im Demokratieindex auf Platz 92 und wird als hybrides Regime eingestuft und nicht als Demokratie!!
Insofern kann man diesen Artikel getrost als politischen Mist bezeichnen, der die imperialistische Sichtweise angelsächsischer Politik unterstützt und in seiner Konsequenz in Kriegstreiberei bis hin zum Großkonflikt mündet!
Unsere Demokratie wird von innen heraus gefährdet, durch eine Politik die die eigene Wehrfähigkeit vernachlässigt und sich in einen europäischen Autoritarismus flüchten will, der sich dann irgendwo auf der Skala von defizitärer Demokratie bis moderater Autokratie wiederfindet.

Klaus Funke | Do, 24. März 2022 - 12:11

Er kann ihn schon deshalb nicht verlieren, weil dies sein politisches Ende und das seines Systems und seiner Träume wäre. Eher setzt er, in die Ecke getrieben, Atomwaffen ein. Dann aber, unter dem Aspekt eines Weltkrieges, wenn China, Indien, Pakistan, Mexiko und ein paar andere noch mit von der Partie sind (darunter Atommächte wie China, Indien und Pakistan), dann gebe ich für den Westen keinen Cent mehr. Der westlichen Staaten sind zu Schönwetterdemokratien verkommen, auch die USA können in einem echten Krieg, in dem sie selber betroffen sind und Opfer würden, nicht gewinnen. Russland kennt den Preis drohender Vernichtung, die USA kennen ihn nicht. Wir Deutsche werden völlig vernichtet, das ist der Preis für politische Inkonsequenz und Vasallentum. Hinterher werden die Reste der Welt neu aufgestellt und aufgeteilt. Die bisherigen Großmächte spielen keine Rolle mehr, außer China, das es schaffen könnte. Es gibt nur eines: Die Ukraine muss verhandeln. Frieden erzwingen. Kompromisse!

Karsten Paulsen | Do, 24. März 2022 - 13:02

Niemand kann verstehen, warum Russland nicht bereit ist am Aufbau eines schönen NATO Stützupunktes in der Ukraine mitzuwirken.

Volker Pispers

Clara Schwarze | Fr, 25. März 2022 - 00:34

Nach meinem Eindruck reiht sich der Cicero zunehmend in eine ziemlich schwache Presseberichterstattung zu diesem Krieg ein. Anstatt das Ereignis ernsthaft zu analysieren - diese manichäischen Bilder von Demokratie im ewigen Kampf gegen Autokratie gehören nicht dazu - verlegt man sich zunehmend darauf, militärische (NoFlyZone) oder geheimdienstliche Ratschläge zu geben (Regime Change).
Was allerdings nicht so wirklich die Materie der Medien ist, sondern das entscheiden wohl besser die NATO und der BND. Und spätestens bei der NoFlyZone sollte man das auch ernstnehmen. Das wegen medialen Rumgedremmel, die Politik sich üer den Rat der Militärs und Geheimdienste hinwegsetzt und das ganze am Schluss außer Kontrolle gerät - das darf einfach nicht passieren. So etwas müssen wenn wirklich Erwachsene entscheiden.
Und für den Leser nervt es zunehmend, weil der Erkenntnisgewinn wirklich begrenzt ist.

Katharine Schön | Fr, 25. März 2022 - 07:22

In welchem Parallelwelt lebt der Author eigentlich? Ukraine ist eine Demokratie? In unserem Welt ist sie eine Oligarchie und US-Klientenstaat. Vor dem Krieg hat sie ihre Minderheiten drangsaliert, vor ein PaarTagen hat Zelensky die Oppositionsparteien verboten und die freie Presse vernichtet. Statt Waffen liefern müsste man Einfluss nehmen auch auf die Ukraine im Interesse den Konflikt zu beenden und das Sterben zu stoppen.
Putin wird vollkommene Niederlage (auch absolute Nichterreichen seiner Ziele) nicht akzeptieren und dann kommt Atomkrieg mit Sterben von Millionen, das Ende von Europa und vielleicht auch Amerika und nukleare Verseuchung des ganzen Planeten. Wie blind muss man sein das nicht zu sehen?

Milena Najdanovic-Rosenfeld | Fr, 25. März 2022 - 07:49

Wenn milit. Überlegenheit einen Krieg verhindern oder schnell beenden könnte, warum haben z.B. die Kriege in Vietnam, Afghanistan, Syrien so lange gedauert u. nicht zu Frieden und Freiheit geführt? Lassen die Ukrainer sich etwa von der milit. Überlegenheit Russlands erschrecken? Können wir glauben, dass Russland sich vor einer aufgerüsteten Ukraine fürchtet?
Aufrüsten bringt nur eine Verlängerung des Kriegs und des Leids, wie die Vergangenheit uns lehrt. Putin hat jahrelang deutlich gesagt, dass er für Russland die Sicherung seiner Integrität u. ein Ende der ständigen Präsenz und milit. Bedrohung durch seine erklärten Gegner will. Sind unsere Politiker tatsächlich nicht im Stande, einen Kompromiss zu verhandeln, mit dem alle leben können? Mit Drohungen kann man nur kleine Kinder und Dummköpfe erschrecken. Es sind auch die westlichen Politiker und Medien in ihrer Überheblichkeit und Heuchelei, die uns dieses unendliche Leid zumuten!

Christoph Kuhlmann | Fr, 25. März 2022 - 12:56

schadet Deutschland kurz bis mittelfristig mehr als Russland. Es ist noch gar nicht abzusehen in welchen Branchen dann die Lieferketten reißen und welche Folgen dann die Massenarbeitslosigkeit auf die Demokratien des Westens hätte. Einen größeren Gefallen könnte man Putin gar nicht tun, denn die Einnahmen aus den Energielieferungen kann er momentan nur sehr eingeschränkt ausgeben. Was die Waffenlieferungen angeht, so stimme ich dem Autor zu. Moderne Luftabwehrraketen, die auch Marschflugkörper und andere Raketen abschießen können sind Verteidigungswaffen, von denen es allerdings auch in der NATO viel zu wenige gibt. Nur empfehle ich die Soldaten aus der Ukraine auf NATO-Territorium auszubilden, damit bei einem Angriff der Casus Belli zweifelsfrei gegeben wäre. Die Glaubwürdigkeit von Autoren, die jetzt die harte Linie fordern steht und fällt für mich allerdings mit der Antwort auf die Frage, ob sie seit vielen Jahren für eine bessere Ausrüstung der Bundeswehr plädierten.

Joachim Kopic | Fr, 25. März 2022 - 17:40

... (aber da waren anscheinend zuviele Frühlingsgedanken dabei):
Wenn Putin gewinnt, muss die Ukraine (ähnlich wie es den Deutschen nach dem 2. Weltkrieg ging) ihr Land selbst aufbauen ... wenn nicht, dann Westeuropa und USA? - allen voran aber sicherlich wir ... war heute auch schon in den News.

Günter Johannsen | Sa, 26. März 2022 - 11:30

Wiederaufbau: die vielen Jungen Männer aus Syrien oder anderen islamischen Ländern, die ihre Frauen und Kinder dem Krieg überließen und nun in unseren Städten gelangweilt herumhängen, sollten jetzt in ihre Länder zurückgeschickt werden, denn der IS ist vertrieben und man braucht in der Heimat zum Wiederaufbau viele helfende Hände. Oder soll das unsere Bundeswehr für die "gestressten" Männer bewerkstelligen? Ganz sicher nicht! Außerdem wäre dann viel Platz und Räumlichkeit frei für die wirklich flüchtenden Menschen aus dem Schlachtfeld Ukraine!