Wladimir Putin
Griff in seiner Rede zu wüsten Beschimpfungen: Wladimir Putin

Der Präsident als Verschwörungstheoretiker - Für Putin hat die Fortführung des Krieges Priorität

Gestern wurde im Kreml eine Sitzung über die Situation der russischen Wirtschaft abgehalten. Neben vielen hohen Staatsbeamten dabei: Präsident Wladimir Putin. Die Wirtschaft ist in seinem Referat nur ein Unterthema. Stattdessen sucht Putin fieberhaft nach Kriegsgründen. Und er wähnt sich von Volksfeinden und Verrätern umgeben. Das zeigt nicht zuletzt, dass ihm der Faktor Wirtschaft weitgehend egal ist.

Autoreninfo

Nathan Giwerzew studierte Literatur- und Politikwissenschaft in Berlin und absolvierte ein Redaktionspraktikum bei Cicero.

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Die „realistische“ Denkschule in der Theorie der Internationalen Beziehungen beruht im Grunde auf utopischen Vorannahmen: Jeder Staat, egal ob demokratisch oder nicht, vertritt auf der Weltbühne seine legitimen Macht- und Wirtschaftsinteressen auf eine rationale Weise. Durch Verhandlungen und Zugeständnisse kann man immer auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Der zielorientierte Ansatz lautet hierbei: Wenn man der Gegenseite signalisiert, dass man keinen Krieg will, dann wird sie auch keinen vom Zaun brechen. Denn Krieg ist bloß Politik mit anderen Mitteln.

Es gibt dabei nur ein Problem. Was soll man tun, wenn man es mit einem Akteur zu tun hat, dem nicht nur die Spielregeln der „realistischen“ Außenpolitik, sondern auch die Wirtschaftsinteressen seines eigenen Landes egal sind? Der also bereit ist, um jeden Preis Krieg zu führen? 

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Stefan Elsen | Do, 17. März 2022 - 17:59

Mit Verlaub, auch für die internationale Rüstungsindustrie hat die Fortführung des Krieges Priorität! ;-)

H.Stellbrink | Fr, 18. März 2022 - 10:37

In reply to by Stefan Elsen

Wollen Sie im Ernst behaupten, der Angriff Russlands sei von der Rüstungsindustie des Westens ausgelöst worden? Das ist doch blanker Unsinn.

Bernhard Marquardt | Do, 17. März 2022 - 18:26

"Aus Marionetten werden leicht Gehenkte, die Strick sind schon da"
Stanislaw Jerzy Lec

Gerhard Lenz | Do, 17. März 2022 - 20:49

wenn er den Krieg vorzeitig beendet. Am Ende nicht als Sieger dazustehen, ist für ihn so unvorstellbar wie inakzeptabel.

Man muss sich nur die Gründe für Putins Vernichtungskrieg in Erinnerung rufen:
Die angebliche Bedrohung durch die NATO - als wäre man mitten im kalten Krieg zwischen NATO und Russland (an Stelle der Sowjetunion). Die angebliche Unterdrückung der ukrainischen Bevölkerung durch Nazis, sowie angebliche eine zunehmend anti-russische Stimmung in der ukrainischen Bevölkerung. Die Anmaßung der Ukrainer, in einem eigenen Staat zu leben - den es nach Putins "neuer Geschichtsschreibung" doch gar nicht gibt.

Alles an den Haaren herbeigezogen - alles, um eine angebliche Bedrohung vorzuspiegeln, die es nie gegeben hat, die Putin jedoch die Möglichkeit gab, als mutigen und aufrechten Vaterlandsverteidiger aufzutreten.

Hätte er seinen Vernichtungsfeldzug auf die Ostukraine reduziert - gleichfalls ein Völkerrechtsbruch - fiele das Urteil über ihn wohl weniger eindeutig aus..

Clara Schwarze | Do, 17. März 2022 - 22:50

Der Text wirkt sehr emotional und man hat den Eindruck er soll v.a. bestimmte Argumente im Vorfeld ausräumen und die Position des Autors festzurren. Die NATO soll auf maximale Konfrontation gehen und niemand soll auf die Idee kommen, doch Kompromisse zu machen.
Und das kann man ja auch wollen. Nur was nicht sinnvoll ist, ist solche Ideen, dann mit küchenpsychologischen Analysen als "alternativlos" festzunageln - denn das ist auch gar nicht schlüssig. Gerade wenn Putin verrückt wäre, sollte man ihn eher nicht in die Ecke drängen. Und auch dieses "Appetit"-Argument - ist nichts, was wirklich eine Art unumstößliche Wahrheit wäre. Es ist übrigens auch ein Widerspruch zum Contaiment, denn Contaiment heißt gerade nicht "nie Kompromissse", sondern eigentlich Konflikte einfrieren. Genau das, was man nicht will.
Darum. So wirklich weiter führt der Text nicht.

Christoph Kuhlmann | Fr, 18. März 2022 - 09:19

und nicht mehr lösen. Wir haben einen pathologischen Lügner und Massenmörder mit Zugriff auf das größte Atomwaffenpotential der Welt wenn man es an der Zahl der Sprengköpfe misst. Die Macht die Welt 17 mal zerstören zu können (auf ein par mal mehr oder weniger kommt es da nicht mehr an)gibt ihm freie Hand. Bisher scheint die russische Armee in der Ukraine erstmal die Waffen älteren Baujahrs zu entsorgen, so nach dem Motto langsam aber schmutzig. Jedenfalls geht es nicht darum eine möglichst große Zahl an Zivilisten umzubringen. Deutschland ist da anderes gewohnt und hat anderes getan, doch wird mit der Person Putin an der Spitze keine konstruktive Zusammenarbeit des Westens mehr möglich sein. Die russische Führung ist längst das Opfer der eigenen Propaganda geworden . Die notwendigen, kritischen Stimmen sind längst verstummt. Das ist das Problem mit dem Verbot der Meinungsfreiheit. Niemand hat mehr vollständige Informationen auch der Diktator nicht. Eine gesellschaftliche Pathologie.

Das was Sie machen entspricht zwar dem Zeitgeist der Vereinfachung bis zur Unkenntlichkeit, es wird der Situation aber nicht gerecht.

Putin macht das, was die VSA schon seit über hundert Jahren machen, er nimmt sich das was er will. Israel handelt nach ähnlichen Prinzipien. Völkerrecht gilt hier offensichtlich nicht.

„pathologischen Lügner und Massenmörder“

paßt auch zu Obama/Bush und Lügner zu 98% aller Politiker

„scheint die russische Armee in der Ukraine erstmal die Waffen älteren Baujahrs zu entsorgen“.

Ich empfehle Ihnen sich mit dem zu befassen was die VSA im Irak angerichtet haben, Stichwort: depleted Uranium. Es sind ganze Landstriche auf unabsehbare Zeit verseucht, das scheint aber keine Rolle zu spielen, denn es war ja ein „gerechter Krieg“ geführt vom „moralischen Anführer“ der Guten.

Ohne zu relativieren, aber man sollte immer beide Seiten betrachten, auch wenn es schwierig ist. Tut man dies nicht, so gerät man sehr schnell in eine nicht endende Abwärtsspirale.

Das was sie hier machen ist astreines Whataboutism. Sie relativieren und zeigen mit dem Finger auf Andere. Dies sind natürlich immer die gleichen Länder. Nicht die Franzosen in Indochina, nicht die Briten in Falkland. Es müssen immer nur die beiden Länder sein. Das der Juden und die Amis. Einen hinkenderen Vergleich als den mit dem Beschuss Israels mit tausenden Hamas-Raketen und die folgende Reaktion darauf, gibt es wohl kaum. Ich wage mir nicht vorzustellen wie Putin auf einen solchen Angriff reagiert hätte.

Karl Kuhn | Fr, 18. März 2022 - 10:38

... und danach sieht es ziemlich aus, bleibt ihm nur noch der Einsatz von Massenvernichtungswaffen. Und das will der Westen ja verhindern! Also kann man sich gut vorstellen, wie die US-Administration jetzt hin- und hergerissen ist zwischen weiterer effektiver Waffenhilfe und die Ukrainer einfach verlieren lassen (man müsste nur aufhören, ihnen Waffen und Informationen zu liefern). Ja, letztere Option wäre für den Westen am bequemsten. An das Verlieren ist man sowieso schon gewöhnt. Man schreibt dann halt die Ukraine ab und tut ein paar Jahre so, als würde man wenigstens die neuen Nato-Mitglieder besser schützen wollen. Politiker vom Schlage eine Olaf Scholz kommen auch mit Putin ganz schnell wieder ins Geschäft. Die USA hingegen sind durch einen altersschwachen Präsidenten noch für drei bis vier Jahre paralysiert.

Ernst-Günther Konrad | Fr, 18. März 2022 - 11:34

Ich nehme Ihre Ausführungen zu Putins möglichen Motiven zur Kenntnis als eine von vielen Theorien zu seinem Handeln. Was wirklich mal von den Historikern nach uns dazu herausgefunden wird, erfahren wir selbst wahrscheinlich nicht mehr. Ja, die Nazis in der Ukraine. Gibt oder gab es sie? Stimmt Putins Vorwurf oder nur zur Hälfte und verdreht oder alles nur Erfindung? Ich las zu dem Thema gestern beim Focus, dass es wohl tatsächlich eine Gruppe "Asov" und "Wagner" ähnlich deutscher NS-Kameradschaften gibt, die derzeit im Krieg die Ukraine mit Zustimmung Selenskijs verteidigen.
https://www.focus.de/politik/ausland/das-bataillon-asow-schmutziger-kam…
Nein, das rechtfertigt auch nicht den Krieg, aber es wäre neben der Osterweiterungsangst ein weiteres Puzzle für die Motivsuche. Hier ist man bereits als Impfskeptiker zum "Nazi" stigmatisiert. In der Ukraine dürfen sie offenbar das Land verteidigen. Ohne Maske und Abstand.

Sabine Lehmann | Fr, 18. März 2022 - 19:01

Manchmal sagen Bilder ja mehr als tausend Worte. Und manchmal lohnt es sich zur Authentizität von Menschen deren Mimik zu analysieren. Wenn Putin redet einfach mal den Ton abschalten. Dann sieht man mit wieviel völlig entfesseltem Hass dieser Typ unterwegs ist. Die Gesichtszüge sind bei seinen Reden zum Thema völlig entgleist. Vielleicht ist er einfach nur noch geisteskrank.