Coronavirus in Mexiko - Tod einer Stadt

In Mexiko richtet das Coronavirus schwere wirtschaftliche Schäden an. An der Karibikküste werden die ersten Städte unruhig. Das Land steht vor einer humanitären Katastrophe.

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Kommen alle Maßnahmen, das Virus in Mexiko einzudämmen, zu spät? /picture alliance

Autoreninfo

Jannik Wilk ist freier Journalist in Hamburg. 

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Vor der Dirty Martini Lounge klimpert einsam eine Harfe. Ein Mexikaner sitzt dahinter, dunkler Schnauzer, Hemd und Hose aus strahlend weißem Leinen. Verträumt spielt er seine Melodien in die heiße Mittagsluft. Neben ihm seine Kumpanen, gleiches Outfit, in ihren Händen kleine Gitarren. Es ist eine dieser mexikanischen Altherrenbands, wie sie in den Touristenstädten der Karibikküste vielerorts für die Gringos spielen.

Diese Señores aber spielen nicht. Sie vertreiben sich im Schatten der Seitenstraße die Zeit. Viel mehr ist nicht zu tun. Denn hierher, nach Playa del Carmen, kommen keine Gringos mehr. Auf der Quinta Avenida, der dünnen Lebensader der Stadt, fischen Einheimische nach den letzten Urlaubern. Wer diese Straße entlangflaniert, kommt schon in gewöhnlichen Zeiten nicht zur Ruhe. Wer es heute versucht, den muss der Teufel reiten: Nach jedem Schritt versucht ein anderer Mexikaner, bunten Plunder zu verhökern, Inseltouren anzudrehen, in ein Restaurant oder eine Touristenbar zu locken. Selbstbewusst preschen sie vor: „My friend, amigo!“ oder bieten, im Flüsterton, Gras, Kokain, Prostituierte.

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Ernst-Günther Konrad | Sa, 4. April 2020 - 12:30

" Viele Leute mit denen Cicero sprach... " Ist jemand von Euch aktuell dort unten? Habt ihr mit den Leuten persönlich oder via Telefon gesprochen? Sehr einfühlsam und informativ wird die Rahmenhandlung dargestellt. Man könnte denken, der Autor saß noch gestern im Cafe und hat alles beobachtet und mit den Menschen gesprochen.
So oder so ähnlich hat Relotuis auch geschrieben. Ich will Ihnen nichts unterstellen. Aber merkwürdig ist der Artikel schon. Ich vermag mir nicht zu erklären, wie Ihre Eindrücke recherchiert worden sein könnten. Es darf ja niemand aus dem Land. Es sei denn sie sprechen mexikanisch, schauen dort Fernsehen, schauen ins Netz oder haben einen mexikanischen Journalisten an der Hand, der Ihnen sein Impressionen geschildert hat.
Ich sage Ihnen was, egal wie es ist, wie Mexiko das macht ist deren Sache. Viel wichtiger ist derzeit, wie unsere Politik handelt und wie kritisch nach der Krise das Ganze aufbereitet wird. Das Bild stammt aus dem dpa-Fundus , also kein eigenes.

Jürgen Keil | Sa, 4. April 2020 - 12:53

Herr Wilk, die Einleitung klingt ein wenig nach Relotius. Klingt nur, klar. Auf Cicero ist so etwas ja nicht zu erwarten. Ja, natürlich kann man Mexiko, die USA, Ungarn zu Recht oder zu Unrecht, wer weiß das schon von hier aus so genau, kritisieren. Kritisieren wir, wenn dies denn erforderlich ist, und es ist so, doch zuerst einmal unseren eignen Lebensbereich. Meine Frau hat heute eine Bastelanleitung für einen selbstgefertigten Mundschutz realisiert. Sie und alle anderen sind stolz darauf, "#miteinander stark". Ich bin beschämt. Ein Land wie die Bundesrepublik Deutschland ist Wochen nach dem Ausbruch der Pandemie nicht in der Lage, den Bedarf an Atemschutzmasken zu decken, und propagiert statt dessen, dass diese ja eigentlich nicht nützlich seien. Kehrt vor eurer eigenen Haustür, bevor ihr, wie so oft, in eurer moralischen Überlegenheit die Bösen dieser Welt beschießt, oder klappt doch einfach den Laptop zu, wenn ihr nichts intelligenteres zu berichten habt. Oh, seid ihr langweilig!

Romuald Veselic | Sa, 4. April 2020 - 16:48

in der Welt los ist, und es noch geben wird. Dass schlimmste aber ist, dass die D-Regierung ein so strategisch wichtiges Erzeugnis, wie Mund/Atemschutz, von einem Land bezieht, dass das sogar als Erpressungsmasse anwenden kann.
Ich will keinen absurden Vergleich äußern, aber dies ist Armutszeugnis der hiesigen Allerweltretter, die alles auf diesem Planeten humanitär/materiell retten wollen, nur leider, einen Hunderteuroschein, kann man nicht als bakteriologischer Atemschutz verwenden.
Die Vorfälle in Mexiko können um sich greifen, und zum Bürgerkrieg führen. Denn Waffen dort gibt es in Überfluss, trotz strengen Waffengesetzen.

Sonja Schweinitz | So, 5. April 2020 - 22:37

Vielen Dank für Ihren Text u. den Blick über den europäischen Tellerrand! Was für Mexiko gilt, gilt leider für viele Schwellen- u. Entwicklungsländer, ganz besonders auch für Indien. Auf dem Subkontinent bahnt sich eine Katastrophe an, weitgehend unbeachtet von den hiesigen Medien. Die von Indien gemeldeten Covid-19-Zahlen können unmöglich stimmen u. stehen im krassen Widerspruch z.B. zum Iran, einem nicht sehr weit entfernten Nachbarstaat. Indien ist das Land mit der zweitgrössten Bevölkerung der Erde, ca. 1,3 Mrd. Menschen, von denen die meisten in Dreck u. Elend leben. Indien hat die grössten Slums, die grössten Müllkippen, Städte mit der schlechtesten Luft weltweit, miserable hygienische Zustände u. medizinische Versorgung. Es bestimmen Kasten, Karma, Korruption und Chaos das Leben der meisten Menschen, dazu ethnische und religiöse Konflikte. Corona droht dort völlig ausser Kontrolle zu geraten. Welche Folgen hätte das auch für die Weltwirtschaft, mithin auch für Deutschland?

Sonja Schweinitz | So, 5. April 2020 - 23:08

Indien ist wirtschaftlich, sozial (perMigration) u. über den Tourismus eng mit vielen anderen Staaten verbunden, v.a. mit den USA, China, Ländern der EU - bes. auch Deutschland -, UK, den VAE, Südafrika, Iran etc. Indien ist einer grössten Exporteure von Reis, Weizen, Medikamenten (!!!), Heimat unzähliger IT-Firmen, Call Centern etc. Welche Folgen könnte ein Zusammbruch Indiens für die Welt(wirtschaft) haben? Von der Not der Inder selbst ganz zu schweigen! Und warum wird dies in unseren Medien - auch im Cicero - nicht thematisiert u. von der Politik nicht behandelt? Noch könnte man daraus lernen u. Massnahmen ergreifen - oder wird in unserem Staate auch das wieder verpennt? Stümpern und stolpern unsere "Experten" in Regierung, Politik, Medien und Wirtschaft weiter blind vor sich hin, auf den Abgrund zu? Bloß "Vor der eigenen Tür kehren", wie es einige Kommentare fordern, reicht in unserer heutigen Welt übrigens nicht - ausser das Haus mit der Tür steht auf einer völlig autarken Insel.

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