Corona in Großbritannien - Aufstand in Manchester

Im Norden Englands grassiert Covid-19 besonders heftig. Die gebeutelten Städte fordern mehr Hilfe von Premierminister Boris Johnson. So wird die Corona-Pandemie zum Zankapfel zwischen oppositioneller Labour-Party und der konservativen Regierung in London. 

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Insbesondere in Manchester steigen die Zahlen rasant an. Die Stadt fühlt sich im Stich gelassen / dpa

Autoreninfo

Tessa Szyszkowitz ist Londoner Korrespondentin des österreichischen Wochenmagazins Profil. Im September 2018 erschien „Echte Engländer – Britannien und der Brexit“. Foto: Alex Schlacher

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Andy Burnham macht keine Anstalten, seine Erschöpfung und Empörung zu verbergen: „Es ist Zeit, dass Teile Englands sich für mehr Autonomie von der Regierung in Westminister stark machen“, meint der 50-jährige Labour-Politiker im Videochat mit Manchester EveningNews. Der Bürgermeister der nordenglischen Metropole Manchester hat seit Tagen rund um die Uhr Interviews und Pressekonferenzen in lokalen Medien gegeben. „Westminister kontrolliert Macht und Moneten. Wir Bürgermeister im Norden müssen das Knie beugen und um Geld betteln.“

Einladung in den gebeutelten Norden

Es riecht nach Rebellion in England. Seit Mittwoch sind die Verhandlungen zwischen Andy Burnham und Boris Johnson über zustätzliche Coronahilfen für die besonders vom Virus betroffene Stadt zusammengebrochen. Während andere Gemeinden sich mit der Zentralregierung einigen konnten, fordert Burnham mehr. Genau genommen 65 statt der gebotenen 60 Millionen Pfund. Der Premierminister aber blieb bisher hart. „Wir sind nicht im Krieg gegen lokale Politiker“, sagte er bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Downing Street. Burnham forderte ihn daraufhin auf, im Norden vorbeizukommen, um die Lage vor Ort zu studieren.

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Christoph Kuhlmann | So, 25. Oktober 2020 - 06:38

Die Londoner Notenbank erwartete bereits im Mai dieses Jahres die tiefste Rezession seit 325 Jahren. Ob der gegenwärtige Wert des Pfundes i darunter leidet bleibt abzuwarten, ebenso wie sich der harte Brexit auswirkt. Die Steuereinnahmen dürften Sinken und die Zinsen für Staatsanleihen steigen. Es sei denn die Notenbank erweitert die Geldmenge noch mehr und wird dabei zum Finanzier des Staates. Die Tatsache, das aber nach den harten Einschnitten im Gesundheitswesen und dem öffentlichen Dienst der letzten Jahre auch noch an der Ernährung von Kindern aus sozialschwachen Familien gespart wird, lässt auf eine gewisse Menschenverachtung in der englischen Klassengesellschaft schließen. So konnte ja in der Vergangenheit bereits die soziale Herkunft eines Menschen mit dem Zentimetermaß gemessen werden. Die Kinder der Arbeiterklasse waren deutlich kleiner. Wenn BoJo so weiter macht hat er einen handfesten Klassenkampf am Hals dessen Kosten wesentlich höher sind als die der Essensgutscheine.