Johann Wadephul
China durch die deutsche Brille betrachtet: Johann Wadephul in Peking / picture alliance/dpa | Soeren Stache

China-Reise von Johann Wadephul - Diplomatischer Eiertanz in Peking

Der Chinabesuch von Außenminister Johann Wadephul zeigt wieder einmal: Die „China-Strategie“ der Bundesregierung ist rein von Moralismus getrieben und vernachlässigt unsere wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen. Wir brauchen dringend bessere Beziehungen zu China.

Autoreninfo

Henrik Bork ist ehemaliger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, lebt seit mehr als zwanzig Jahren in Peking und unterstützt heute mit seiner Beratungsagentur „Asia Waypoint“ internationale Unternehmen bei ihrer strategischen Kommunikation im Chinageschäft.

So erreichen Sie Henrik Bork:

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul ist nun gnädigerweise doch noch in China empfangen worden. Er bekam am 8. und 9. Dezember ein paar Termine in Peking, las anschließend vorsichtig vom Zettel ab, als er sich vor die Journalisten stellte, ging in einem Park spazieren. Nennenswerte Ergebnisse der Reise sind nicht zu vermelden.  

Cicero Plus

Ohne Abo Lesen

Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Klaus Funke | Di., 9. Dezember 2025 - 12:45

Und ich wette im Land des Lächelns wird über den Husumer viel gelächelt, hinter der vorgehaltenen Hand oder einem bunten Seidenfächer. Nee, wir machen uns mit unserer "wertegeleiteten" Außenpolitik sowas von zum Obst, dass es schon peinlich ist. Anstatt Wirtschaftsinteressen zu priorisieren, schwingt er die Moralkeule. Ausgerechnet wir Deutschen maßen uns sowas an. Früher, als wir noch eine Wirtschaftsmacht waren, wäre das angegangen, aber jetzt, als quasi Pleitestaat. Wadephul setzt die öffentlichen Blamagen einer Annalena fröhlich fort. Ja verdammt, man schämt sich Deutscher zu sein. Jedenfalls ich schäme mich. Merz natürlich nicht, der kann das gar nicht: sich schämen. Mein Gott, was für ein Affentheater. Merken die Heinis da oben gar nichts mehr???

Walter Buehler | Di., 9. Dezember 2025 - 13:21

Als dem willigsten der drei Willigen geht es Merz nur um das große Ganze. Er sieht sich als deutscher Gröfaz in Europa und als von Gott berufener Schirmherr Wladimir Selenskis. Den muss er vor den Teufeln Putin und Trump retten.

Daher will er Deutschland nicht nur für Selenski wirtschaftlich bluten lassen, sondern auch gegen die USA, gegen Russland und notfalls auch gegen China kämpfen lassen.

Das wird ihm - so glaubt er - einen Platz in der Geschichte sichern. Viel Feind, viel Ehr!

Solche Kleinigkeiten wie das Schicksal der deutschen Wirtschaft interessieren ihn daher nicht. Die Innenpolitik hat er sowieso schon der SPD überlassen. Um die Wirtschaft muss er sich deshalb nicht mehr kümmern.
---
Wenn das faule und dumme "deutsche Volk" Merzens Kampf nicht gewinnen sollte, dann hat es das - wie man weiß - nicht anders verdient.
------

Nix für ungut!

Ernst-Günther Konrad | Di., 9. Dezember 2025 - 13:36

Ob Merz, Wadephul und die anderen Versager und Staatszerstörer, mit keinem dieser links-grün ideologisierten *Demokratiebewahrer* lässt sich da etwas machen. Trump hat es richtig in seinem Strategiepapier ausgesagt. Mann zerstört sich selbst. Egal ob mit China, Russland oder China. Mit keinem kann und will man auf Augenhöhe reden und unterlässt es, diese Staaten moralisch zu bevormunden. Wadephul ist ein würdiger Nachfolger von Baerbock. Er hebt die zerbrochenen Scherben seiner Vorgängerin auf und schmettert sie einfach nochmals auf den Boden, damit sie ja in kleine Teile zerfallen. Und das Ergebnis? Niemand will mehr mit uns reden, niemand nimmt uns noch ernst. Und diese Realitätsverweiger glauben doch wirklich, sie könnten mitsprechen und Merz gar die Weltpolitik bestimmen. Der darf denen nicht mal die Schuhe putzen oder eine Wagentür aufhalten. Aber wichtig ist, das in jeder Botschaft ein Bild vom Diplomversager Wadephul aufgehängt wird. Ich denke als mahnendes Beispiel ganz gut.

Sie sagen es Herr Konrad. Der Mann hat (bei) Annalena gründlich studiert. Immerhin ist diese Person durch ihre Kenntnisse der Geometrie unsterblich geworden; alles andere ist legendär. Ich bin jedoch durchaus der Meinung, daß dem jetzigen Amtsinhaber ein Diplom der Müllakademie von New York ausgereicht hätte um diplomatischer zu agieren. Vielleicht setzt er sich, nach dem Ende seiner "Karriere", auch noch in diese Richtung ab.

Angelika Sehnert | Di., 9. Dezember 2025 - 20:04

Antwort auf von Ernst-Günther Konrad

Man muss Wadphul zugute halten, daß erstens kein gelernter Diplomat ist und eigentlich kaum internationale Erfahrung hat. Zweitens ist das Außenamt nach mehr als zwei Jahrzehnten unter Sozialdemokraten und Grünen nur noch ein Schatten seiner selbst. Ein Minister ist aber auf hervorragende Expertise seiner Mitarbeiter angewiesen. Das gilt gerade für Außenminister. Früher war es nämlich üblich, auf die nationalen Eigenheiten eines Staates Rücksicht zunehmen- als Teil diplomatischen Verhaltens. Das ist in Zeiten des erhobenen, selbstgerechten deutschen Zeigefingers allerdings nicht mehr üblich. Ländergeschichte und nationale Eigenheiten sind den letzten deutschen Außenminister ziemlich egal gewesen.

Rainer Mrochen | Di., 9. Dezember 2025 - 16:27

Der Bittsteller diktiert nicht die Bedingungen!
So geht es halt den Obermoralisten, die ihren einstmaligen "Vorsprung durch Technik" leichtfertig verspielt haben und heute glauben, daß Moral Rendite treibt. Lächerlich!
Ein anderer Aspekt in diesem Zusammenhang: Wadephul bleibt in seinen Ausführungen insgesamt bei der Haltung, dass sich China den Vorgaben aus Westeuropa und Deutschland zu fügen habe. Besonders deutlich wird das an der Forderung, dass die Volksrepublik das westliche Narrativ zum Ukraine-Konflikt zu übernehmen habe, demzufolge ausschließlich Russland der Aggressor ist. Dass damit die Ursache des Konflikts nicht beseitigt ist, dürfte man im chinesischen Außenministerium daher deutlich besser verstehen als im Auswärtigen Amt. Wenn von einem moderaten Ton der Gespräche salbadert wird, ist das allerdings weniger der diplomatischen Vernunft Wadephuls als vielmehr der Abhängigkeit der deutschen Industrie von China geschuldet. Sie lernen es nicht nur nicht. Wollen sie es?

Angelika Sehnert | Di., 9. Dezember 2025 - 20:43

Ein grundsätzliches Problem ist, dass Merz eine ausgesprochen unglücklich Hand bei der Auswahl seiner Minister hat.
Das zweite ist die unfassbare deutsche Ignoranz, was die chinesische Mentalität angeht. Chinesen sind, obwohl Kommunisten, stolz auf ihre Geschichte und auf ihre Traditionen. Man ist sich offensichtlich nicht bewußt, daß China seit mehr als 3000 Jahren eine Hochkultur ist, mit früher Schriftlichkeit und einer im Lauf der Jahrhunderte vielfältigen Kultur und hocheffizienter Staatsverwaltung. Die Opiumkriege, die die Briten führten, und die Niederlage gegen Japan 1894 sind jedoch bis heute Traumata.
China ist nach etwa 100 Jahren des Niedergangs von einem armen, rückständigen Land zu einer selbstbewußten Hightech-Nation geworden, teils moderner als Deutschland. Millionen Menschen wurden aus bitterster Armut geholt.Das verdient Respekt. Dass man westliche Staats-und Gesellschaftsmodelle nicht übernehmen will übrigens auch.
Ignoranz und Eurozentrismus erschweren den Dialog