Britisches Referendum - Was Merkel mit dem Brexit zu tun hat

David Cameron hat zu Recht Konsequenzen aus dem verheerenden britischen Votum gegen die EU gezogen. Bei dem Referendum spielten aber auch Ängste eine Rolle, die Angela Merkel heraufbeschworen hat

Der britische Premier David Cameron und Bundeskanzlerin Angela Merkel
Auf Schloss Herrenhausen war zwischen David Cameron und Angela Merkel noch alles in Ordnung / picture alliance

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Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Nach der ersten Bestürzung stellt sich eine grundlegende Frage, die für die Europäische Union essenziell und existenziell sein wird. Was wird Großbritannien nun sein? Ein warnendes Beispiel oder ein Vorbild für andere? Gibt es einen Dominoeffekt oder einen Effekt der Abschreckung?

Im ersten Augenblick mag die Antwort eindeutig scheinen. Der Jubel der Brexit-Fraktion und ihrer Claqueure auf dem Kontinent legt nahe: Jetzt geht es los. Jetzt ribbelt sich die ganze Europäische Union auf wie ein Wollpulli mit einem ersten Loch, zerfällt wieder in ihre nationalen Bestandteile. Aber dieser Petry-Farage-Jubel kann sich als ebenso besinnungslos und kurzsichtig erweisen wie die Abstimmung der Briten selbst.

Nordirland und Schottland können in die EU kommen

In einem nächsten und absehbaren Schritt nämlich werden sich die proeuropäischen Teile Großbritanniens von England lösen und in Europa autonom andocken. Namentlich Nordirland und Schottland. Irland, das einer Wiedervereinigung am Donnerstag einen Schritt näher gekommen ist, könnte der erste Gewinner dieser krassen Fehlentscheidung der Briten sein und als Krisengewinner des verhassten Nachbarn von der Insel nebenan umso mehr sein Heil in Europa suchen – das es im Übrigen in seiner existenziellen Finanzkrise auch nur und ausschließlich in der europäischen Solidarität gefunden hatte.

Während also zwei Drittel des Territoriums der Britischen Inseln sich umso beherzter in die Europäische Union begeben werden, werden die Engländer und Waliser merken, wie wenig splendid ihre Isolation ist. Die ersten Reaktionen der Börsen, an deren Finanztropfen sie in Ermangelung von Realindustrie mehr hängen als jeder andere europäische Staat, zeigen schon, wie erbarmungslos das System da urteilt und handelt, von dem das pochende Herz der Londoner City abhängig ist.    

Was ist eine unmittelbare Lehre aus dem britischen Referendum? Die repräsentative Demokratie ist der direkten vorzuziehen. Es ist nicht gut, über schicksalhafte Fragen emotionsgeladen und aufgepeitscht unter Einfluss von Polemik und Propaganda abzustimmen. Große Gemeinwesen tun gut daran, Individuen aus ihrem Kreis in die Legislative zu delegieren, auf dass sie dort für eine bestimmte Zeit die Möglichkeit haben, sich vertieft und im Sinne des Gemeinwohls sachkundig zu machen, und sodann besonnen im Parlament abzustimmen. Die Briten in ihrer Rage, sorry to say: aber sie wussten nicht, was sie tun.

Furcht vor Einwanderung

Wo kam die Rage her? Auf eine Aversion gegen das europäische Festland pfropfte sich eine Furcht vor einer Welle der Einwanderung. Obwohl gerade (oder gerade weil) das Vereinigte Königreich durch seine Kolonialgeschichte hier Erfahrungen hat, sperrte es sich gegen die Vorstellung, dass die Massenmigration aus dem muslimischen Raum auch an den Kreidefelsen von Dover ankommt. Sie haben gewissermaßen die Zugbrücken über dem Ärmelkanal hochgezogen.

Diesem Angstreflex konnte Premier David Cameron nicht genug entgegensetzen. Deshalb hat er zu Recht die Konsequenzen aus diesem Ergebnis gezogen. Es ist sein Brexit. Er ist der Premier, der Britannien nicht ins Zentrum Europas führte (wie Tony Blair es versprochen und auch nicht geschafft hatte). Sondern der Premier, der Britannien aus Europa hinauskatapultiert hat.

Zum Verhängnis wurde ihm dabei die deutsche Kanzlerin. Deren Performance in der Flüchtlingsfrage im vergangenen Spätsommer/Frühherbst hat diese Ängste aufkommen lassen. In Europa herrschte Kontrollverlust, Unordnung. Im Zentrum dieses vorübergehenden Kontrollverlustes eines Staatsgebildes und einer Staatengemeinschaft: Deutschland.

Dieses Thema, die Migration und das vorübergehende Flüchtlingschaos in Europa, dominierte deshalb den gesamten Wahlkampf um den Brexit. Deswegen, abermals sorry to say: Dieser Brexit ist auch Merkels Brexit.

Ulrich Baare | Fr, 24. Juni 2016 - 14:35

Herr Schwennicke,

wenn sie am Anfang noch halbwegs 'neutral' daher kommen ("Ein warnendes Beispiel oder ein Vorbild für andere?"), wechseln sie schnell die Tonlage - und reden mit der Arroganz von jemandem, der wirklich ernsthaft von sich glaubt die Inkarnation der Klugheit zu sein, daher. Im Grunde peinlich - denn sie wissen eben nicht, was die Zukunft bringt. Aber sie tun so, als ob sie es wüssten - wie ein Gott, der über den Dingen schwebt " dieser krassen Fehlentscheidung der Briten" die - sie kann ja nicht auf vernünftigen Überlegungen basieren - nur auf 'Emotionen' fußen kann - Herr S., der Volkspsychologe diagnostiziert: "Briten in ihrer Rage". Das erschreckende dabei ist ihr Hochmut und Argumentationslosigkeit - denn viel mehr als diese Pseudopsychologismus (Stichwort: Merkels Brexit) haben sie nicht zu bieten. Es gibt nur weis und schwarz für sie - deshlab kommen sie nicht auf die Idee, dass vielleicht auch die EU in den Abgrund führt.

Naja, im Laufe der Ereignisse ist halt einem Journalisten etwas die Phantasie, mit all ihren Möglichkeiten, durchgegangen.
Die EU war schon immer ein mentales Konstrukt mit "guter " Absicht, aber wenig Einsicht...:-). Normalität, wie wir sie als "Spätgeborene" nicht kennen, tritt wohl wieder in die Geschichte ein. Die Bedingungen sind jetzt zwar Global und entsprechend völlig anders, doch der Mensch hat sich wenig geändert.
Was erwartet uns...?

genau das dachte ich auch, als ich den Artikel anfing zu lesen. Allerdings habe ich es nur bis zur "krassen Fehlentscheidung" gebracht. Ich stimme allen Ihren Aussagen zu.

An Herrn Schwennicke:
Unfreiwillig liefern Sie mit Ihrem Beitrag eine sehr gut Darstellung der Gründe, warum die Briten sich für den Brexit entschieden haben. Die Einstellung der herrschenden Elite der EU, die aus Ihren Zeilen spricht, welche Sie ohne es zu wollen so wunderbar reflektieren, von dieser Einstellung haben die Briten und viele weitere Menschen in Europa gehörig die Nase voll und sagen deswegen "thanks, but no thanks". Die Anmaßungen der Politiker gegenüber der eigenen Bevölkerung hat ein Niveau erreicht, für das es in der Geschichte nur wenige ungute Beispiele gibt. Daher ist das Ergebnis in so fern auch nicht überraschend. Ob es eine "krasse Fehlentscheidung" ist, bleibt abzuwarten; das nun schon ohne Konjunktiv zu schreiben zeigt wie nahe Sie der herrschenden politischen Klasse tatsächlich sind.

Robert Flag | Fr, 24. Juni 2016 - 14:49

Erinnern Sie sich an die Machtübernahme Helmut Kohls ? Als damals die kommunismusfeindlichen Konservativen in Deutschland das Ruder übernahmen dachten alle es käme zu einer neuen Eiszeit. Das Gegenteil war der Fall. Der Rest ist Geschichte.
Im Bemühen um Schadensbegrenzung wird in Europa nun hoffentlich das gleiche geschehen.
Hoffentlich wachgerüttelt wird vielleicht nun endlich an wirklichen Reformen der EU gearbeitet.
Einer EU für die Menschen und nicht nur für die Großunternehmen und die Bürokratiekaste.
Deshalb muß es ein Mehr an direkter Demokratie geben. Damit der Wille der Bevölkerung auch durchgesetzt wird. Der Brexit war keine kurzfristige emotionale Entscheidung. Schon Charles de Gaulle wusste daß die Engländer nicht in eine Europäische Gemeinschaft passen.

Christian Wahmhoff | Fr, 24. Juni 2016 - 15:02

Wenn "Emotionsgeladenheit" gegen direkten politischen Einfluss spricht, müssten dann die entscheidenen Politiker nicht von der Wahl selbst ausgeschlossen werden? Wieso dürfen diese für ihre eigene Partei, ihr eigenes Programm, also im Endeffekt sogar für sich selbst stimmen, aber wir Bürger nicht?

Wenn mediale "Polemik und Propaganda" negativen Einfluss nimmt, wer sorgt künftig dafür, dass die politischen Entscheider keine Zeitung mehr lesen?

Wie ist es möglich, dass Herr Schwennicke besser als die Briten weiß, was für sie richtig ist?

Immerhin bei einer Sache greift Herr Schwennicke fast nicht ins Leere: er stellt fest, es ist "auch Merkels Brexit". 99% Falsch: Merkel wurde von uns gewählt. Es ist unser Brexit. Und damit auch Schwennickes persönlicher Brexit. Aber anstatt persönliche Verantwortung zu übernehmen, gibt er diese sogleich wieder ab, etwa wenn er ein deutsches Referendum indirekt ablehnt. Aber wer gibt Herr Schwennicke das Recht, dies für MICH zu entscheiden?

Pflichte Ihnen zu 100% zu.
Wieso macht sich Deutschland so viele Sorgen betreffend dem Brexit? Das grösste Problem ist doch die deutsche Politik getrieben von Merkel, oppositions- und alternativlos! Wie tief ist Deutschland gesunken, dass eine Alternative nur aus Petry, von Storch, Lucke und einem dementen Gauland besteht, welcher Boateng für eine asiatische Heilpflanze hält - oder so?

Hans-Josef Wessel | Fr, 24. Juni 2016 - 15:14

Die durch Frau Merkels Handeln in der Fllüchtlingsfrage entstandenen Ängste und Befürchtungen haben sich europaweit festgesetzt und sind durch den Brexit in keiner Weise verschwunden. In vielen europäischen Ländern grassieren die britischen Ängste in gleicher Weise. Deutschland steht, nachdem es den Kontrollverlust zu verantworten hat, in der Verpflichtung nun einen politischen Imperativ umzusetzen. Der besteht gewiss nicht in der Visafreiheit für Georgien und die Türkei, auch nicht in deren Beitritt zur EU. Aktuell würden derartige Entscheidungen die distanzierte Haltung der Bürger zu Europa eher verstärken als abbauen.
Wenn Deutschland in der Revitalisierung der europäischen Idee eine noch viel stärkere Führungsrolle übernehmen soll, geht das nur mit solidarischem Handeln und nicht mit Imperativen aus der Position des ( vermeintlich ) Stärkeren.
Europa muss und wird sich ändern und das erfordert auch eine schonungslose Reflexion deutschen Regierungshandelns.

Berthold Sander | Fr, 24. Juni 2016 - 15:14

Der Autor scheint die Zukunft bis aufs kleinste Detail voraussehen zu können. Nicht nur wird er darum genau wissen, welche nordirischen und schottischen Firmen von ihrer angeblich künftigen EU-Mitgliedschaft profitieren können. Sondern auch sollte er -mit einer solch weisen Voraussicht gesegnet- in Vergangenheit riesige Vermögen gemacht haben. Ein Kontoauszug sollte deshalb ausreichen, um die Theorie des Autors zu beweisen. Komisch nur, dass sein Magazin nicht einmal den Ausgang des BREXIT voraussehen konnte.

Sven Bergmann | Fr, 24. Juni 2016 - 15:15

Wie sich die Stimmung in Nordirland, Schottland und Brüssel entwickelt, ist heute nur qua Kristallkugel vorauszusehen.
Wie gut arrangieren sich UK und EU trotz des Theaterdonners dieser Tage?
Wie sehr franst die EU weiter aus, wie attraktiv wird sie in einem Jahr noch sein?
Wie entwickelt sich Grossbritanien wirtschaftlich?

Die EU lernt nur in Krisen.
Reagieren die Institutionen und Parlamentarier mit Selbstkritischer Reflektion, einer Rückkehr zum Subsidiaritätsprinzip?

Werden eu-kritische Parteien in die Pflicht genommen?

Oder beschäftigt man sich primär mit der Verarbeitung einer narzisstischen Kränkung?
Das wäre der Anfang von einem Ende der EU, wie wir sie kennen.

Dann muss eben der Teil des europäischen Hauses mit marodem Fundament eingerissen werden.

Um Europa 2.0 aufbauen zu können. Mit gleichen Idealen und weniger Konstruktionsfehlern.

Ursula Schneider | Fr, 24. Juni 2016 - 15:25

zustimmen kann man nur, was Merkels "Brexit" angeht. Ansonsten Kopfschütteln.

Es beginnt schon damit, dass Sie die EU-Kritiker auf dem Kontinent als "Claqueure", also "bestellte Beifallklatscher" verunglimpfen. Was soll das?

Dann mangelt es Ihnen offensichtlich an Fantasie, sich bei einer Neugestaltung der EU etwas vorzustellen, was zwischen nationaler Abschottung und Einheitsstaat liegt. Ist die ganze Diskussion darüber an Ihnen vorbeigegangen?

Vollends unglaubwürdig machen Sie sich mit Ihrer Ablehnung der direkten Demokratie (funktioniert in der Schweiz doch bestens!), nur weil Ihnen das Abstimmungsergebnis nicht passt. Hätte man die Bürger viel früher beteiligt, wäre es wohl gar nicht erst zu der Misere gekommen.

Jetzt steckt der Karren allerdings so tief im Dreck, dass nur noch ein Paukenschlag hilft. Und der Brexit ist zweifellos einer ...

Martin Arndt | Fr, 24. Juni 2016 - 15:25

Bewundernswert, Mr D. Cameron. Erst lässt er das Volk entscheiden, dann akzeptiert er die Wahl, die auch gegen ihn ausging, und verspricht, nun das Beste für den Brexit zu tun, und hat seinen Rücktritt angekündigt. Zudem pries er die ermordete Politikerin aus der Labour-Party als "unseren Stern". Sir Cameron ist ein Gentleman, der, so seine Worte, sein Volk liebt und stolz darauf ist, ihm gedient zu haben. Gibt es einen, nur einen...Politiker oder eine Poiitikerin der etablierten Parteien in Deutschland, der/die sein Format hat? Man möchte auswandern in das Grosse Königreich, das es verdient, diese Turbulenzen, die in Deutschland verursacht sind, zu überstehen. In einigen Ländern ist schon wieder die Rede vom "Hässlichen Deutschen": Grosskotzig, arrogant, belehrend und unglücklich, wie die Gesichter zeigen

Norbert Gerth | Fr, 24. Juni 2016 - 15:27

Sehr geehrter Herr Schwennicke,
"In Europa herrschte Kontrollverlust, Unordnung. Im Zentrum dieses vorübergehenden Kontrollverlustes eines Staatsgebildes und einer Staatengemeinschaft: Deutschland."
Falsche Zeitform Hr. Schwennicke... nicht herrschte....sonder herrscht... weiterhin und unvermindert.... erneut 400.000 Illegale seit 01.01.2016 auch wenn die selbsternannten Eliten das gerne verschweigen möchten.

Peter Bülow | Fr, 24. Juni 2016 - 15:27

Der Artikel von Herrn Schwennicke trifft den Nagel auf den Kopf. Allerdings bin ich der Meinung, daß erst die Politik unserer Kanzlerin in Britannien das Faß zum Überlaufen gebracht hat und nicht Herr Cameron, der im Kern nur die Technokraten in Brüssel bremsen wollte. Die pragmatischen Briten sind von dem Kontrollverlust geschockt worden, den Frau Merkel verschuldet hat und finden die von ihr dauernd geäußerte politische Alternativlosigkeit einfach dämlich. Sie haben sich deshalb "politisch korrekt" erstmal aus Europa verabschiedet bis neue, bessere europäische Strukturen geschaffen werden, die von den Menschen angenommen und mit Hoffnung und Leben erfüllt werden können. Bei diesem Prozeß der Erneuerung der Europäischen Idee sollte man die Briten unbedingt dabei haben. Sie sind die einzigen in Europa, die von Realpolitik eine Ahnung haben. Insofern hat es vielleicht etwas Gutes, daß der Brexit gekommen ist.

Fritz Junktor | Fr, 24. Juni 2016 - 15:39

Hallo Herr Schwennicke,

so sehr ich ihnen grundsätzlich zustimmen möchte, habe ich doch arge Zweifel an ihrer Aussage:

"Was ist eine unmittelbare Lehre aus dem britischen Referendum? Die repräsentative Demokratie ist der direkten vorzuziehen. Es ist nicht gut, über schicksalhafte Fragen emotionsgeladen und aufgepeitscht unter Einfluss von Polemik und Propaganda abzustimmen."

Impliziert das doch, repräsentativ gewählte
Abgeordnete würden "besonnen" ihre Abstimmungen vornehmen. Die hitzigen
Verbalgefechte, sehen sie z.B. die Bilder
des türkischen Parlaments kürzlich,
lehren uns eher das Gegenteil.
Davon abgesehen wird die von ihnen
geschilderte Sachkenntnis, durch die
Wirklichkeit des täglichen Lebens in
vielen Situationen, einer ebenso situativ
bedingten, abstrakten "Sachkenntnis"
oft relativiert. Wer über Sachlagen zu
entscheiden hat, die ihn überhaupt
nicht tangieren, kann nie Sachkenntnis
erwerben, höchstens subjektives a priori.
Freundliche Grüße
F. J.

Johann Kruse | Fr, 24. Juni 2016 - 15:44

Herr Schwennicke hat völlig recht, wie immer man zu dem Handeln - besser: Nicht-Handeln - Merkels steht. Ohne die unkontrollierte hunderttausendfache Einwanderung, die Merkel erst zugelassen, dann gar - obwohl illegal - begrüßt hat, wäre GB noch an unserer Seite, weil erst die Grenzöffnung das zentrale Thema der Brexiteers befördert hat, ob zu Recht oder zu Unrecht. Ein erneutes Beispiel dafür, dass Frau Merkel Meisterin der politischen Taktik sein mag, dafür aber keinerlei Strategie hat. Sie steht für nichts, fällt also auch für nichts, ihr Handeln ist (bestenfalls) reine Glückssache und im Ergebnis für unser Land schlicht ruinös. Verantwortlich ist eine CDU, die dies sehenden Auges geschehen lässt.

Martin Arndt | Fr, 24. Juni 2016 - 19:50

In reply to by Johann Kruse

Sie haben Recht. Wofür steht diese "Dame"? Sie wollte, dass Deutschland an der Bush-Invasion des Iraks teilnimmt und hat den damaligen Kanzler G.Schröder in US-Medien kritisiert. Diese verbrecherische, durch Lügen getarnte Invasion hat den sog. ISIS-Staat produziert. Es gab mal grosse Kanzler. Hat sie keine Berater, die ihr den Rücktritt nahelegen? Es wäre besser, auch für sie. Sie könnte ein zufriedenes Leben als Privatfrau haben - und Europa könnte wieder auferstehen, wenn auch weniger mächtige Staaten respektiert werden, wie es Kanzler Dr. Kohl immer praktiziert hat.

Michael Bahr | Fr, 24. Juni 2016 - 15:48

Dass die missratene Merkelsche Flüchtlingspolitik den "Brexiteers" noch Zulauf beschert hat, glaube ich gerne, aber der Hauptschuldige ist zunächst einmal David Cameron persönlich, der sich aus Gründen des persönlichen Machterhalts ohne äußere Not in ein Referendumsversprechen hineinbegeben hat, das ihm nun um die Ohren geflogen ist. In GB war zwar schon immer mehr EU-Kritik zu hören, als auf dem Kontinent, doch diese Abstimmung gestern hätte schlicht nicht sein müssen, niemand in Britannien (außer UKIP-Farage und Konsorten) hat letzten Sommer ernsthaft auf einen Austritt gedrängt. Dann kam Cameron auf seine selten stupide Referendumsidee ... nun ja, die Geister, die er rief, schlafende Hunde geweckt und was der Volksmund noch so an Weisheiten auf Lager hat. Er hat sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern erobert. Vielleicht wollte er ja genau das?

Michael Schneider | Fr, 24. Juni 2016 - 15:55

Als junger Mensch, dessen Familie ein Handelsunternehmen mit 25 Mitarbeitern hat, habe ich mich über den Brexit heute schätzungsweise 30 Sekunden informiert und bin anschließend meiner Arbeit nachgegangen. Dieser ganze Trubel ist reine intellektuelle Selbstbeschäftigung. Die Engländer werden gute Kunden und gute Produzenten bleiben.

Sonia Doffagne | Fr, 24. Juni 2016 - 16:00

Sorry lieber Herr Schwennicke, aber ich sehe keinen zHang zwischen den Brexit und Angela Merkel. Frau Merkel, da haben Sie Recht, hat im Alleingang die Führung Europas genommen. Wer sonst ?!! Und was kann man sagen, von Völkern, die nur Vorteile (Geld) aus Europa kassieren wollen; ohne Verantwortung nehmen zu müssen (wollen)??! Klar hat Europa ein Problem. Klar sind die ursprüngliche Werte nicht eingehalten. Aber, wie in jeder "Ehe", ist nicht nur einer fürs Scheitern verantwortlich. Und wer, ihrer Meinung nach, könnte die Lage verbessern ??? Ohne uns allen in unendlichen Kriegen zu stürzen ? Ich bin sehr kritisch Frau Merkel gegenüber gewesen. Sie hat deutliche Fehler begangen. Wer, Ihrer Meinung nach, wird fehlerfrei !!! Unsere Zukunft am besten bestimmen ??? England hat Geld kassiert und nur Gegenwind gegeben. Ich liebe England, aber die hat nur das getan, was heute alle Populisten tun : vom System profitieren, ohne am System teilnehmen zu wollen. MfG. SD

Walter Böhm | Fr, 24. Juni 2016 - 22:05

In reply to by Sonia Doffagne

GB war trotz Thatcher-Bonus immer noch Nettozahler, dh. hat einige Mrd mehr eingezahlt als zurückbekommen. Komisch, dass es am heutigen Tag noch niemanden interessiert hat, wie man diese Lücke im EU-Haushalt schließt.

Jürgen Dannenberg | Fr, 24. Juni 2016 - 16:12

Nein Herr Schwennicke, die Menschen in den entwickelten Staaten haben grundsätzliche Zweifel an der Richtung, die der Einigungsprozess eingeschlagen hat, sie wollen schlicht und ergreifend keine sozialistische Einigung ala Links/Grün. Das gilt insbesondere für Großbritannien die sich für die Freiheit von Brüssel entschieden haben.
Und Brüssel soll bitte jetzt nicht den Mund so voll nehmen. Es steht Madame Le Pen vor der Tür, und sie will das gleiche Referendum für Frankreich einführen, und dann heißt es ByBy Euro und EU.

Mira Moroz | Fr, 24. Juni 2016 - 16:50

Lieber Herr Schwennicke,

Eines muss man Ihnen lassen, Sie sind stringent in Ihrer Argumentation, wenn es darum geht Frau Merkel hätte letztes Jahr einen schwerwiegenden Fehler in der Flüchtlingsfrage begangen. Das ist bei Ihnen wie in den Stein gemeißelt.
Meiner Meinung nach ist es allerdings etwas an den Haaren herbeigezogen Frau Merkel auch noch für den Brexit verantwortlich zu machen. Vielleicht verknüpfen Sie kausal jenen “schlimmsten Fehler Merkels politischer Laufbahn“ auch noch mit Donald Trumps Aufstieg in den USA. Wäre auch möglich, immerhin hat er Merkel und Deutschland als negatives Beispiel gebraucht.

An Merkels Fehler oder Nicht-Fehler scheiden sich die Geister.
Vielleicht braucht es nochmehr Abstand zu den Geschehnisse, um sie besser einordnen zu können.

Ihr Kommentar gefällt mir gut, weil er endlich mal der doch sehr simplen Ansicht des Herrn Schwennicke über die die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung entgegentritt. Leider führt offensichtlich mehr Abstand und das Verdrängen der eigentlichen Zusammenhänge zu dieser verkürzten Darstellung des Ablaufs der Geschehnisse. Statt für alles und jedes die Flüchtlingspolitik von Frau Merkel verantwortlich zu machen, sollte der Cicero mal lieber fragen, warum diese Argumentation in England verfangen konnte. Schließlich leben die Menschen dort auf Inseln, die sich schon geographisch besser abschotten lassen als z.B. Deutschland mit seinen grünen Grenzen. Mag es vielleicht daran gelegen haben, dass die einfachen Leute vom wirtschaftlichen Erfolg der Briten, der aus dem Verkauf von Finanzdienstleistungen überwiegend dubiosester Natur entstammt, nicht partizipieren konnten und nun - wie so häufig in der Historie - die Schuld in einer angeblichen Überfremdung suchen?

peter hauser | Fr, 24. Juni 2016 - 17:21

Raum läßt für Phantasien, die nicht nachempfunden werden können und wenig Raum für persönliche Entfaltung läßt, wenig.
Es ist wohl Zeit für eine gänzliche Neuorientierung, die natürlich Besorgnis und auch Angst macht......but live goes on__:-)
Natürlich hat Frau Merkel dazu beigetregen, daß wir jetzt eine "aktualisierte" Neuzeit erleben, die historische Erinnnerunegen ins Gedächnis rufen.

Ihre Sozialisation entschuldigt einiges, aber nicht alles !
Zutreffend wird hier (wiedereinmal gerade jetzt) auf ihre Verantwortlichkeit hingewiesen.
Sie kann offensichtlich Ideal und Realität nicht mehr auseinanderhalten.
Es ist wohl Zeit , daß sich Politik wieder an "Gegebenheiten" orientiert..:-)

Peter Borngesser | Fr, 24. Juni 2016 - 17:25

Exakt auf den Punkt gebracht. Merkel wirft Milliarden für den failed State Griechenland raus, um gleichzeitig durch ihre irrsinnige Flüchtlingspolitik den Brexit zu verantworten.
Hat alles vom Ende her gedacht, jetzt fehlt nur noch der Rücktritt wegen erwiesener Unfähigkeit.

Bernd Fischer | Fr, 24. Juni 2016 - 22:39

In reply to by Peter Borngesser

sollte unsere Kanzlerin eine/n Einzelfallhelfer/ in ( für Menschen in besonderen Lebenslagen) in Anspruch nehmen.

Dann geht es schon wieder.

heiner hannappel | Fr, 24. Juni 2016 - 17:37

Ohne den von Kanzlerin Merkel herbeigeführten Kontrollverlust durch die unkontrollierte Flut von Flüchtlingen in Deutschland, so auch in Europa, hätten den BREXIT- Beführwortern die entscheidenden Prozentpunkte gefehlt.

Christa Wallau | Fr, 24. Juni 2016 - 18:05

Ihr flammendes Plädoyer für die parlamentarische Demokratie, lieber Herr Schwennicke, kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß gerade s i e es war, die
in den letzten zehn Jahren total versagt hat.
Wenn Sie - sehr richtig! - auch von einem Brexit
Merkels sprechen, dann ist daran doch wohl das Parlament beteiligt, oder?
Und wo war die Kontrolle der Medien, der vierten Macht im Staate? Fassen Sie sich mal an die eigene Nase und geben Sie zu, daß bis zum letzten Jahr die heilige Angela und ihre breiige "Wir schaffen das -Politik" unangefochten unterstützt wurden. jeder, der sie grundsätzlich angriff, machte sich schmutzig.
Jetzt dem Volksentscheid in GB die Schuld am Zerfall Europas zu geben, das ist zu kurz gegriffen. So billig kommen Sie und Ihre Zunft nicht davon. Besinnen Sie sich auf Ihre kritische Kontrollfunktion im Sinne des Volkes, des "garstigen Lümmels" (Kissler, ironisch), anstatt ihm seine Dummheit vorzuwerfen. DAS VOLK IST UND BLEIBT DER SOUVERÄN IN EINER DEMOKRATIE.

Hans Furrer | Fr, 24. Juni 2016 - 18:19

Geschätzter Herr Schwennicke, mit Ihrem Statement "Die repräsentative Demokratie ist der direkten vorzuziehen" verwechseln Sie Ursache und Wirkung bzw. wird die Katze am Schwanz aufgehängt. Gäbe es etwas mehr direkte Demokratie in Europa und in der EU wäre die ganze Lage niemals so abgedriftet - Volksentscheide hätten längst die Handbremse angezogen. Im Gegenteil: Die sog. parlamentarische Demokratie wie sie z.Z. in D aufs Schrecklichste ausgeübt wird belegt die Probleme. Eine Kaiserin ... ähh, Kanzlerin entscheidet im Alleingang - und wenn Sie von Claqueure in Europa sprechen steigt bei mir das Bild jener auf, die mehr als 10 Minuten applaudiert hatten.

Mira Moroz | Fr, 24. Juni 2016 - 18:53

Lieber Herr Schwennicke,

Eines muss man Ihnen lassen, Sie sind stringent in Ihrer Argumentation, wenn es darum geht Frau Merkel hätte letztes Jahr einen schwerwiegenden Fehler in der Flüchtlingsfrage begangen. Das ist bei Ihnen wie in den Stein gemeißelt.
Meiner Meinung nach ist es allerdings etwas an den Haaren herbeigezogen Frau Merkel auch noch für den Brexit verantwortlich zu machen. Vielleicht verknüpfen Sie kausal jenen “schlimmsten Fehler Merkels politischer Laufbahn“ auch noch mit Donald Trumps Aufstieg in den USA. Wäre auch möglich, immerhin hat er Merkel und Deutschland als negatives Beispiel gebraucht.

An Merkels Fehler oder Nicht-Fehler scheiden sich die Geister.
Vielleicht braucht es nochmehr Abstand zu den Geschehnisse, um sie besser einordnen zu können.

Die hiesigen muslimischen Einwanderermassen haben meines Wissens nach einigen Jahren das Recht sich frei in der Eu zu bewegen also auch nach GB. Da soll doch niemand behaupten, Merkels Willkommenskultur habe wenig mit dem Brexit zu tun.

Thomas Klingelhöfer | Fr, 24. Juni 2016 - 20:04

Mit Ihrer Einlassung zu repräsentativer Demokratie vs. direkter Demokratie stehen Sie an der Seite echter Demokraten wie Bundespräsident Gauck: "Die Eliten sind gar nicht das Problem, die Bevölkerungen sind im Moment das Problem."
Oder auch Roman Herzog im Focus: "Wir sollten das Volk mitreden lassen, aber nicht unbedingt mitentscheiden"
Welche schrecklichen Folgen eine Demokratie mit verbindlichen Referenden nach sich zieht, sieht man ja am Beispiel der Schweiz. Die deutsche Ausprägung der Demokratie ist alternativlos.

Winfried Stahl | Fr, 24. Juni 2016 - 20:33

"Was ist eine unmittelbare Lehre aus dem britischen Referendum? Die repräsentative Demokratie ist der direkten vorzuziehen..."

Besser noch: Die totale Brüsseler Demokratur ist der repräsentativen Demokratie, sorry, dem Leichenschauhaus, beispielswiese der deutschen, parlamentarischen Demokratie (Willemsen), vorzuziehen!

Man sollte lieber die Repräsentanten des Brüsseler Establischments und der EZB ins Leichenschauhaus bringen!

Das sind die wahren Biedermänner und Brandstifter.

W. H. Greiner | Fr, 24. Juni 2016 - 21:01

Es kommt einer Strafdrohung gleich, wenn Herr Wennicke nun - als angeblich logische Folge des Brexit - das Auseinanderbrechen Großbritanniens und die Unabhängigkeitserklärung Schottlands und Nordirlands an die Wand malt. Das hätten die nicht englischen Brexit-Gegner gerne so, um ein Exempel zu statuieren. Zum Glück sind die Verhältnisse aber anders: auch den Schotten und Nordiren steht Großbritannien im Wortsinn näher als die EU. Auch dort gab es immerhin ca. 40% Stimmen für den Brexit; und die, die dagegen gestimmt haben, sind keineswegs deckungsgleich mit denen, die von Großbritannien weg wollen. Zudem wird es auch bei den Brexit-Gegnern in Großbritannien denkbar schlecht ankommen, wenn nun vom Festland aus noch nachgetreten wird.

Stefan Kreppel | Fr, 24. Juni 2016 - 21:37

Ich vermisse in all den vielen Schuldzuweisungen den Hinweis auf den tatsächlichen Kern, dem Versagen der Brüsseler EU. Eine EU, welche die Völker überzeugte, würde jedes Referendum bestehen. Die Kommentare aus Brüssel stimmen mich leider nicht optimistisch. Das Resüme von Herrn Schwennicke ist aus der Perspektive eines Befürworters nachvollziebar und stimme ihm zu. Es wird jedoch Zeit endlich die andere Seite nicht nur zur Kenntnis, sondern auch Ernst zu nehmen. Wie wir sehen, findet diese Seite andernfalls eine zweifelhafte Haimat

Reiner Kraa | Fr, 24. Juni 2016 - 21:51

Die Frage kann beantwortet werden: Dominoeffekt. Die Einzigen, die erschrocken sind, sind neben den Börsenspekulanten dieser Welt die Brüssler Autokraten und ihre Führungsriege Merkel, Schulz und Junkers. Es ist bedauerlich, dass die Briten ausgeschieden sind, aber beim Stand der Dinge war nichts anderes möglich. Wer keine Probleme löst, immer neue schafft, sich notwendigen Entwicklungen verweigert und alle Fragen nur mit frisch gedrucktem Geld beantworten kann, der muss sich nicht wundern, wenn die Menschen dagegen aufbegehren. Sie wollen die EU der Merkels, Junkerses und Schulzes nicht. Das es sie trotzdem gibt liegt daran, dass ihnen jede Mitsprache verwehrt wurde und die Individuen der Legislative, die es richten sollten, nur ihr eigenes Wohl nicht das Gemeinwohl im Sinn hatten. Goethe hat nach der Schlacht bei Valmy, in der das morsche Europa besiegt wurde, gesagt: "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Geschichte aus." Dem können wir uns bzgl. des Brexits anschließen.

Hans Jürgen Wienroth | Fr, 24. Juni 2016 - 21:58

Sehr geehrter Herr Schwennicke
Armin Laschet hat bei S. Maischberger am 24.02.16 erläutert, dass das Deutsche Volk im Bundestag repräsentativ vertreten ist und wir daher keine Volksabstimmungen benötigen. Dann erklärte er als Beispiel die Einführung des Euro. Hätte man die Bevölkerung gefragt, wäre der Euro abgelehnt worden. Helmuth Kohl und der Bundestag haben trotzdem zum Wohle des deutschen Volkes für eine Einführung gestimmt.
Das ist "repräsentative" Demokratie? Genauso verfährt unsere aktuelle Regierung, es interessiert nicht was Volkes Mehrheit will!

Christiane Bohm | Fr, 24. Juni 2016 - 23:08

Was hat man der Schweiz alles an Schlimmem vorausgesagt, als sie sie Bindung an den Euro aufgab. Bis zum totalen Zusammenbruch der Wirtschaft. Und...? Geht es der Schweiz heute schlecht? Alles Spökenkiekerei.

Hans Peter Dietz | Sa, 25. Juni 2016 - 01:04

dass sich nicht einmal der liberalkonservative Rand des deutschen Journalismus vom Mainstream der deutschen Naiv- Arroganz Marke Merkel- Gabriel- Gauck- Schulz- Brok lösen kann. Na, der Zeitgeist der 90er Jahre (oder sind es die 67/69er) ist wohl einfach zu übermächtig in den Redaktionen. Lest doch einfach mal die Kommentare, da werdet Ihr schon merken, wie die Zukunft aussehen wird. Herr Schwennike, bei allem guten Willen leben Sie in einer Vergangenheit, die es nie gegeben hat.

Karola Schramm | Sa, 25. Juni 2016 - 02:27

Das ist der Nachteil an Referenden, wenn die Medien nicht neutral informieren, Vorteile gegen Nachteile abwägen und stattdessen die Bevölkerung einseitig aufheizen und aufhetzen.
Dennoch, mit viel Übung wie i.d. Schweiz, machen sie auch Sinn.

GB hat gelitten unter dem Druck der Jugend-und Massenarbeitslosigkeit, der Diskriminierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und deren Vernachlässigung, da immer mehr soziale Aktivitäten seitens des Staates, auch unter T.Blair, abgebaut wurden.
Diffuse Ängste bestimmten das Leben der Menschen. Dann das Verhalten Merkels in Sachen Flüchtlinge, ihr Druck auf die anderen EU-Länder, diese aufzunehmen haben natürlich noch mehr Frust, Angst und Zorn aufkommen lassen. Ähnlich wie hier bei uns, wie in F u.a. EU-Ländern.

Dass es zu einem Knall innerhalb der EU kommen musste, war abzusehen. Zuviel Schlimmes ist in den letzten Jahren unter Merkel,Schäuble & EU passiert, als dass es von den Betroffenen vergessen werden könnte.

Ich finde Argumentationen eher grenzwertig, die Leuten mit anderen politischen Meinungen Emotionen und diffuse Ängste als Motivation unterstellen. Ich halte das beinahe für Demagogie, Mittel der Infantilisierung / Pathologisierung einzusetzen, um sich nicht mit validen politischen und sachlichen Argumenten auseinandersetzen zu müssen.
Diese Unsitte erklärt mündige Bürger zu betreuungsbedürftigen Mündeln, die besachwaltet werden müssen. In vielen Foren für betreutes Denken wie z.B. ZEIT zu beobachten.

es gibt jetzt auch eine Biologisierung. O-Ton Sigmar Gabriel: "In komplizierten Gesellschaften wie unserer leben auch kulturell nicht integrationswillige und integrationsfähige Personen. Es ist besser,sie innerhalb einer konservativen Volkspartei (gemeint war die CDU) zu bewachen, als sie als freie Radikale in die Umwelt zu lassen."

Nun ja, in der Biologie gelten freie Radikale als besonders reaktionsfreudig ...

Frau Schneider, unfaßbar, Herr Gabriel gesteht Leuten mit unliebsamen Meinungen eine Freilandhaltung unter artgerechten Bedingungen beaufsichtigt von der CDU zu, eine geradezu urliberale Einstellung.
Der Finanzminister hat bereits einen Plan, Deutschland zumindest genetisch zu retten.
"Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe". Das läßt mich sprachlos zurück.

Hallo, Frau Schneider,
dass Sie noch eines "Draufsetzen" zu dem was ich schrieb, ist Ihre Sache, hat aber mit meinem Kommentar nichts zu tun und erst recht nicht mit dem, was Gabriel gesagt hat.
Gesellschaften sind immer schon kompliziert gewesen, nur konnten sie früher politisch besser dominiert, einseitig informiert und gelenkt werden. Diese Zeiten sind Dank der Erfindung des Internets, Mobilfunk etc. vorbei. Dass das Gabriel und auch einige andere Konservativen sehr stört, weiß ich. Auch Schäuble schwärmte schon von China, dass dort trotz Diktatur Kapitalismus möglich ist.

Hallo, ich finde es schon befremdlich, wenn Sie meine Meinung zur Situation in GB als "Infantilisierung und Pathologisierung" der dortigen Bevölkerung auslegen.

Erinnern Sie nicht die Krawalle und gewalttätigen Ausschreitungen in London durch Jugendliche aus sozial benachteiligten Wohngebieten ? Diese jungen Leute, und nicht nur die, haben ein Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, was ihnen aber durch die Kürzungspolitik der Regierung mehr und mehr verwehrt wurde und wird. Damit stelle ich nicht die Menschen, die sich gegen ein ausbeuterisches System wehren als infantil oder gar pathologisch dar, sondern weise auf die Ursachen hin, die in der neoliberalen oder turbokapitalistischen Politik zu finden sind. Es entsteht ein Klima, in dem am Ende jeder gegen jeden kämpft - was leider über diese Form der Politik innerhalb der EU auch angestrebt wird. Teile die Gesellschaften und herrsche dann über sie.

Sehr geehrte Frau Schramm, es liegt mir fern, Ihre Meinung kritisieren zu wollen.
Es ging mir um die Art der Argumentation, dem politischen Gegner die Rationalität abzusprechen, damit man sich nicht ernsthaft mit dessen Einwänden auseinandersetzen muss.
Diese Taktik wurde in den letzten Jahren sehr oft von vielen Politikern, Journalisten und anderen "Eliten"-Angehörigen zur Diskreditierung eingesetzt.
Selbstverständlich spielen bei politischen Auseinandersetzungen auch Emotionen eine Rolle, manchmal können diese auch dominierend sein.
Die Ursachen der britischen Krawalle sehe ich eher in anderen Faktoren, auch hier greift durchaus eine Eigenverantwortung zur Verbesserung der Lebenssituation. Ich halte eigene Anstrengungen und Bemühungen für zielführender als blinde Zerstörung und das passive Warten auf das Füllhorn des segensreichen Staates.

Warum soll eine Regierung den Menschen irgend etwas bezahlen, vor allem "Recht auf Teilhabe an gesellschaftlichem Leben" ? Was soll das überhaupt sein? Ein Kinobesuch? Was hindert diese Menschen denn daran eine produktive Tätigkeit zu erlernen und sich finanziell und intellektuell weiter zu entwickeln? Doch höchstens die Tatsache dass der Staat auch Faulheit und Unproduktivität belohnt. Ihre Argumentation verläuft immer nach dem gleichen Schema. Finanziell schwache Menschen sind immer arme hilflose Opfer weil der Staat sie scheinbar nicht genug subventioniert. Sie haben ein bizarres Weltbild Frau Schramm.

Andre Vogel | Sa, 25. Juni 2016 - 10:47

Der Brexit ist folgerichtig und gut für die EU.
Der bürokratische Moloch in Brüssel, die Verselbstständigung des Bürokratenapperates verbunden mit nicht ernst genommenen Sorgen der Menschen haben den Brexit möglich gemacht. Damit ist auch die Chance da, Europa neu zu denken (Zitat Petry). Dem Brexit muss nun eine Merkelexit folgen, damit der Kontrollverlust in Europa gestoppt wird. Welch Wahnsinn, sich auf einen islamistischen Depoten Erdogan einzulassen, um Außengrenzen zu schützen. Schengen ist gescheitert, weil die abgehobene Politikerkaste um Merkel nicht versteht, dass offene Grenzen in Europa, funktionierende Außengrenzsicherung bedingt. Merkel hat fertig. Die Idee der EU ist so großartig, dass diese nicht stirbt, es muss neu gedacht werden!

Jürgen Lehmann | Sa, 25. Juni 2016 - 12:27

Aus den zahlreichen Kommentare kann man ersehen wie gespalten hier sogar die CICERO-Leser sind.
Dass Frau Merkel, mit ihrer unfähigen Koalition, einen großen Anteil hat am Brexit dürfte außer Frage stehen.
Mir ist jedoch nicht bekannt, dass sie Milliarden nach Griechenland „geworfen“ hat. Im Gegenteil hat Frau Merkel, zusammen mit Herr Schäuble, durch die Verzögerungstaktik u.a. dafür gesorgt, dass Griechenland nun einem Staatsbankrott entgegensteuert.

Es wird auch immer wieder das Versagen der EU angesprochen. Ist nicht gerade die BRD ein grßter Teil der EU.
Wenn die EU versagt hat, dann hat vor allem doch wieder unsere Frau Merkel versagt. Mit ihrem System – abwarten und dann entscheiden lässt sich letzendlich doch keine Politik machen.

Bereits das erste Hilfspaket für Griechenland belastete Deutschland mit Haftungszusagen von mehr als 15 Mrd. Euro, Herr Lehmann.
Im Zuge des 2. Hilfspaketes und EFSF kamen weitere 41,3 Mrd. Euro dazu. Eine Rückzahlung wird kaum zu erwarten sein. Genauer wurden die Zahlen hier beleuchtet:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/schuldenkr…

Ursula Schneider | So, 26. Juni 2016 - 11:02

In reply to by Thomas Klingelhöfer

Das Ifo-Institut kommt bereits 2012 auf eine anteilige Haftungssumme für die Euro-Rettung (ESM,EFSM, IWF-Anteil, Target-Verbindlichkeiten, EZB-Staatsanleihekäufe usw.) auf eine Summe von rd. 763 Mrd. Euro!!!
Und der Wahnsinn geht weiter.
Er ist u.a. Merkels ebenso dummem wie fatalem Satz zu verdanken: "Scheitert der Euro, scheitert Europa." Die Folge waren bekanntlich Vertragsbrüche, welche die letzten Bremsen vor einer endgültigen Transfer- u. Haftungsgemeinschaft lösten.

Die scheint inzwischen in der Tat "alternativlos" zu sein und wir sind die Zahlmeister ...

Karola Schramm | So, 26. Juni 2016 - 16:36

In reply to by Thomas Klingelhöfer

Ich denke, Herr Klingelhöfer, Sie wissen, dass das Geld an gr. Banken ging und von dort sofort zurück überwiesen wurde auf deutsche und frz. Banken ?

Ich denke Sie wissen auch, dass DE durch die Vergabe an Geld für GR, dieses Geld für wenig Zinsen bekommen und für viel Zinsen an GR weiter verliehen hat ?

Ich denke, Sie wissen auch, dass GR gehindert wurde und noch wird, wirtschaftlich auf die Beine zu kommen, da man es Entlassungen in Millionenhöhe abgezwungen hat. Aber - das wissen Sie sicher auch - ohne Steuern kommt kein Geld in die Staatskasse.
Und letztlich - wissen Sie sicher auch - dass die faz, auf die Sie sich berufen, von Ökonomie so gut wie keine Ahnung hat, ein Merkel-Blatt ist und neoliberal-transatlantisch denkt. Besser Sie lesen mal im Handelsblatt: Die fünf Mythen der Griechenlandrettung oder eine Ökonomie-Fachseite:www.Makroskop.eu
Beste Grüße K.S.

Sehr geehrte Frau Schramm, daß das Geld an die Banken ging, ist klar. Denn genau dort haben sich die griechischen Regierungen und Oligarchen des Geld vorher abgeholt, was dann in einer langen Party verfrühstückt wurde.
Wenn man Kredite aufnimmt, alles verjubelt und dann von reichen Gönnern von seinen Schulden entlastet wird, macht man dann der Bank Vorwürfe?

Steve Loge | Sa, 25. Juni 2016 - 13:18

Sehr geehrter Herr Schwennicke,

"was ist eine unmittelbare Lehre aus dem britischen Referendum? Die repräsentative Demokratie ist der direkten vorzuziehen. Es ist nicht gut, über schicksalhafte Fragen emotionsgeladen und aufgepeitscht unter Einfluss von Polemik und Propaganda abzustimmen. Große Gemeinwesen tun gut daran, Individuen aus ihrem Kreis in die Legislative zu delegieren, auf dass sie dort für eine bestimmte Zeit die Möglichkeit haben, sich vertieft und im Sinne des Gemeinwohls sachkundig zu machen, und sodann besonnen im Parlament abzustimmen."
Die emotionsgeladene und aufgepeitschte Polemik und Propaganda - Von wem wurde diese geschürt und als Instrument politischer Willensbildung genutzt? Insbesondere doch von den Individuen, die in die Legislative delegiert wurden, so dass sie dort für eine bestimmte Zeit die Möglichkeit hatten, sich zu vertieftén und im Sinne des Gemeinwohls sachkundig zu machen, und sodann besonnen im Parlament abzustimmen werden kann."

Georg Dallmann | Sa, 25. Juni 2016 - 13:57

Der Schlussatz betrifft eine bittere WAHRHEIT, die noch weitere fatale Folgen mit sich ziehen kann.
Leider (man könnte auch sagen - wenig verwunderlich -) wird dieser eindeutige Zusammehang der "Merkel`schen Flüchtlingspolitik (bzw. was Merkel für Politik hält) und dem damit einher gehenden und BIS HEUTE (!) anhaltenden völligen KONTROLLVERLUST an den Aussen- und an den Innengrenzen (!) immer noch von den politischen und medialen Kreisen - wider besseren Wissens - bestritten. Wahrheit ist und bleibt jedoch Wahrheit, auch wenn sie noch so unangenehm und schwer zu ertragen ist.
Selbst Diktatatoren gelingt es nicht dauerhaft, Politik gegen den erklärten Mehrheitswillen des Volkes zu machen. Demokratisch gewählten Regierungen, die ein - bisweilen - höchst undemokratisches Geschäftsgebaren in machtversessener "Trunkenheit" an den Tag legen noch viel weniger. Ein Platz in der Hall of Fame wird immer unwahrscheinlicher Frau Bundeskanzlerin.

Siegfried Stein | Sa, 25. Juni 2016 - 14:25

die EU verlassen hat, wird Frau Merkel sagen: Aber ich liebe Euch doch alle ...

Bernt Roosenbaum | Sa, 25. Juni 2016 - 17:06

Die Diktion im obigen Artikel ist hoch präzise das, was wir NICHT lesen und hören wollen: Belehrung, Herablassung, Besserwissertum, Hoffart. All das sind die Kerneigenschaften der guten Menschen von Brüssel-Europa. Mit dem Kolonialherren-Stil wie oben wurde die Brüssel-EU soeben vor die Wand des gesunden britischen Demokratieverständnisses gefahren.

Konrad Schiemert | Sa, 25. Juni 2016 - 17:21

"...vertieft und im Sinne des Gemeinwohls sachkundig zu machen, und sodann besonnen im Parlament abzustimmen."
"...natürlich im Sinne des Koalitionsvertages oder gesteuert von der Fraktionstreue."

Andreas Müller | Mo, 27. Juni 2016 - 07:44

"das es im Übrigen in seiner existenziellen Finanzkrise auch nur und ausschließlich in der europäischen Solidarität gefunden hatte"
Das war keine Solidarität. Die EU hat Irland vielmehr gezwungen, die rein privaten Schulden der Banken zu verstaatlichen, damit deutsche und französische Banken nicht ebenfalls pleite gehen. Die irische Republik ist dadurch auf Dauer ihrer finanziellen Möglichkeiten beraubt worden.

"sich vertieft und im Sinne des Gemeinwohls sachkundig zu machen"
Es wäre schön, wenn es so wäre. Ich wette aber meinen Kopf, dass mindestens die Hälfte der Bundestagsabgeordneten nicht verstanden hat, was sie mit dem ESM-Vertrag beschlossen haben. Stimmvieh. Wie soll dieses Problem angegangen werden?

"Zum Verhängnis wurde ihm dabei die deutsche Kanzlerin."
Richtig, Merkel hängt da mit drin. Aber auch hier haben die Abgeordneten versagt. Wer hat eine Bundestagsdebatte gefordert? Welcher BT_Abgeordnete hat Frau Merkel öffentlich kritisiert? Sehr wenige. Zu wenige.

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